Skip to main content

Full text of "Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Heft 1: Das Samlandes"

See other formats


u % ER ENKENUHIENNETENEN PICS EURER RRERRIUNEUNTNTURUR: s 


>2 B25:52S2EPE2B2E2B2 AIAIATAIAIAI2 


EEE ESTER ENT" 


Ex 


Na 


IH 
u 
= 
8 
und 
= 
& 
= 


prodimmen 
2 @ 


TEUBEN 

PIEUREN, 

ARGENTINIEN TEE RLETHEN 
RNTZANG = N 5 = II P 


Das Bamland, 


4891. 3870. 


RE AR RR RD RD 


d 
Königsberg, 
Kommifionspering von Beruf. Teicherk, 


- 
Na 

el = Se R 3 
2 zn - 

Ö R = & - 
En 
E} 


Drau von Emil Ranfenberg. 


Der 
%) 

Im HAuffrane 
des 


Adolf Boerfficken, 


Provig 
Beil l. 


Dfipreukihihen Provimgial 


| Bau und 
N 


ER E83 
ER EEE ERTL 


— —— GETEEEEE 


ESS SOSCLELLLELELELEL TREE RL ELCRLL EL ELLE N 


ee EEE RETTET 


ETF EITFTTHTOHTTRET HOCH T UT OTTTET FT FF FETTE TFT BETT TFT ET 


Die 


Bau- und Kunffvenkmäler 


der 
Prouimg Pltlpreußen. 


Im Auftrage 
de& 


Bfipreußilihen Pronügial-Tandtanes 


bearbeitet 


von 


Adolf Boerftticker. 


Beftl. Das Samlamd, 


Königsberg. 
Kommilfionsverlag von Bernd. Teichert, 
Prurk von Emil Raufenberg. 
1891. 


Die 


Bau- und Kunftvenkmäler 


DE 


Aamlandes, 


Mit zahlerichen Abbildungen. 


Wappen von Samland. 


Königsberg. 
Rommilfionsverlag von Bernh. Teicherf. 
Prudt von Emil Raufenberg. 
1891. 


OD: Örtlichkeit if das von einer 


längft vergangenen Benebenpeit 
übrig gebliebene Stick Wirklichkeit. 


Gr. Moltke 


Feldmarfchall. 


Abkirnmgen, 


l.B. = Acta Boruffica. 

[.M. = Altpreufiiche Monatsichrift. 

RP. = Ultertumsgejelichaft Prufjia in Königs- 

berg. 

Ed. ®. — Coder diplomaticus Warmienjie. 

D.D. — Deutjcher Orden. 

ed. = evangelifch. 

Sieje, Z.U.P. — Giefe, Bleiftiftzeichnungen in der 
Altertumsgejellichait Bıuffia. 

Harnod, E. u.&. — Harnod), Chronik und Statijtif 
der evangelifchen Kirchen in den Provinzen 
Djt- md Wejtpreußen 1890. 

Hm. = Hochmeijter. 

KR = Königliches Kupferjtich- Habinet in 
Königsberg. 

kath. = fatholiich. 

Kipl= Kirchipiel. 

Ktl. = Luftlinie, 


Lob, K.T.D. 
lands. 

N.B.B.B. = Neue Breufiiche Bıovinzial-Bläiter. 

D. 3. = Ovdengzeit. 

PM. = Prufjia-Mufeum in Königsberg. 

PM. K. = PReufjia-Mujeums-fatalog. 

Patr. = RBatronat. 

Bir. = Pfarrer. 

PB. PB. — Preupifche Provinzial-Blätter. 

Prod. M. = Provinzial-Mujeum in Königsberg. 

©.».MW.%. = ESikungsberichte der Altertums- 
gejellichajt Brufjia. 

©.d.p. 5. &. — Sigiungsberichte der Pphyfikaliich- 
öfonomijchen Gejellichaft in Königsberg. 

S©.r.®. = EScriptores verum Prufficarum. 

&.r. VB. = Ecriptores rerum Warmienfium. 

St. = Sankt. 

Voigt, Ed.P. = Voigt, Codex diplomaticus Prufficus. 


— %oß, KHunit-Topographie Deutjch- 


ar 


Einleitung 
Das Samland 


Das Samlamd, 


Seite 


Die eigenen Rirdhlpiele in alphabetir Fe 


Reihenfolge: 
Ara mit Waldau und Sungferndorf . . . 19 
Borchersdorf ED re N 27 
Caymen . 28 
Eranz mit Sarfau 32 
Eumehnen 33 
Sichhauien . 40 
Germau . . 7 
Hafejtrom 51 
Heiligenwalde 52 
Juditten . 54 
Kreuß, Heiligen- 59 
Labiau ö 60 
Zaptau 66 
Raukifchken 69 
Legitten . 69 
Lichtenhagen 70 
Lochitedt . 73 


Löwenhagen 


Lorenz, Sanct- 


Ludiwigswalde 
Mahngfeld 
Medenau . 
Neuhaujen . 
DOttenhagen 
Billau 
Pillau, Alt 
Pobethen . 
Rojtniden . 
PBomwimden . 
Quednau 
Nojjitten 
Nudau . 
Schafen 
Schönwalde 
Seligenfeld 


Steinbec mit ende 


Tentitten 
Tierenberg . 
Wargen 


Einleitung. 


ährend der Wejten Deutjchlands auf eine reiche Entwicelung feiner Kunft 

= zuwicblieen darf, die bei ihm im eigentlich nationalen Sinne bereits im 
IX. Jahrhundert umter den Karolingern anhebt, kann der Djften in diefem Sinne exit 
mit der zweiten Hälfte des XIIL ISahrhunderts beginnen. 

I den öftlichen Landftrichen ift jeder Gedanke an die romanische Kunft und ihre 
Übergangsperiode zur gotischen ausgejchloffen. Dftlich der Weichjel beginnt die Kunft 
erjt mit der frühgotifchen Zeit und jeßt jich in Oftpreußen mit Werfen meift des 
XIV. 3. fort. Was vordem an Kumftgegenftänden in der heidnifchen Zeit beitand 
und jich erhalten hat, ift meift aus dem Süden, aus Italien, jelbft aus Griechenland 
importierte Ware und gehört eigentlich jenen Ländern an. 

Indem von dem Provinzial-Landtage Dftpreugens die danfenswerte Aufgabe 
gejtellt ward, über den Gefamtbeitand an Bau- und Kumftdenkfmälern ein Inventarium 
auszuarbeiten, wurde diefe Aufgabe zugleich bejchränft, indem Bergan’s bekanntes In- 
ventar dey Mark Brandenburg zum Miufter gejeßt wurde. Diejes Inventar ift zwar 
mit großem Gefchiet aufgeftellt, aber man fann fich doch nicht verhehlen, daß cs in 
manchen Teilen ziemlich dürftig ausgefallen ift. Wir find ihm in Kürze des Ausdruds 
gefolgt, glauben ihm aber in der Ausführlichkeit überlegen zu fein. 

In dem vorliegenden erjten Hefte, dem Inventar von Samland, folgen wir 
für die vorgefchichtliche Zeit, wo uns eigene Forjchungen abgehen, dem trefflichen Kata- 
loge des Pruffia-Mufeums von Profeffor Dr. Bujad 1884/89, dem verftorbenen Leiter 
der Mltertumsgejellichaft Pruffia ®. m. 8.) (r 1891), und deren Sibungsberichten 
(5.9. P.), jowie den Arbeiten der phyfifalifch- ökonomischen Gefelljchaft, welcher bis vor 
furzem Dr. Tifchler angehörte. (©. d.p.5.®.) + 1891. 

AS auferordentlich wertvoll müfjen wir e3 bezeichnen, daß die Altertumsgefell- 
Ichaft Pruffia uns die Giefe’fchen Driginal-Bleiftiftzeichnungen der „Srumdrifje der 
Burgen und mit Mauern befeftigten Städte in Preußen aus der Zeit des Deutjchen 
Ordens“ von 1826— 1828 zu veröffentlichen erlaubte, jo viel wir davon nötig erachteten. 
1 


2 Einleitung. 


Gieje, ein preußischer Lieutenant, durchzog in gedachten Jahren ganz Oft und 
Wejtpreußen, um fich mit den fortififatorischen Anlagen des Deutjchen Ordens bekannt 
zu machen. Er hatte eine offene Order und c8 durfte feinen Forjchungen nichts in 
den Weg gelegt werden. Er war aljo der erjte Inventarifator Preufens umd hat mit 
äuperjter Sorgfalt auf mehr als fünfhundert Keinen Blättchen feine Wahrnehmungen 
in wahrhaft genialer Weife dargeitellt. 

Das zweite Mal wurde die Inventarifation unver Provinz 1854—1857 durch 
den damaligen Sultusminijter angeregt. Ein acht Bogenfeiten jtarfer, jehr eingehender 
und zuperläffiger Fragebogen wurde an die Herren Geiftlichen ausgegeben, aber, wie 
e8 in der Natur der Sache liegt, von denjelben mit wenigen Ausnahmen ohne alles 
fünftlerifche Verjtändnig beantwortet. Durch die große Güte des verfloffenen Herrn 
Kultusminister Excellenz wurden ums die Akten mehrerer Kreife zugefandt, die der 
verjtorbene treffliche Bajtor Otte (F 1890) jchon ausgezogen hatte, ohne die Bauten 
jelbjt zu jehen.!) 

Diefe Fragebogenbeantwortungen haben wir bei Befichtigung der betreffenden 
Bauten jo unzuverläßlich gefunden, dag wir auf die weiteren Akten verzichten zu 
müfjen glaubten. 

Die 1880 von dem Landesdirektor Heren von Saucen-Tarputjchen ausgejandten 
Fragebogen find von der Hand des Profejjors Bergau bearbeitet.) 

Für die Gejchichte Samlands ift uns Dr. Gebauer’s Kunde des Samlands, 
Königsberg 1835, vielfach von NuGen gevejen, wenn auch manches darin in neuerer 
get überholt ift. Von Interefje find auch v. Tettau und Temme, die Volksfagen 
Dftpreußens u. j. iw., Berlin 1837, und Reufch, Aberglaube im preußischen Samlande, 
Königsberg 1836, gewejen. Dann natürlich die Neuen Preugifchen Provinzial-Blätter 
und deren Fortjegung in der Altpreufifchen Monatsschrift. Aus Goldbed’s Topo- 
graphie von Djtpreußen, die zwilchen 1782 und 1789 erjchienen ift, haben wir die 
DOrtsbejtimmungen entlehnt, joweit fie nicht feitdem geändert find. 

Die Tafeln find nach eigenen photographijchen Aufnahmen von Albert Frisch in 
Berlin Hergejtellt; die Zinfägung nach den eigenen Photographien und nach Zeichnungen 
des Architekten Heitmann übernahm Heine. Riffarth in Berlin. 

Für die Äußere Form der Bearbeitung ift 8 zwechmäßig erjchienen, die jegigen 
Landichaften, Sanland, Natangen, Ermland u. |. w., zu Grunde zu legen, innerhalb 
derer die einzelnen Orxtjchaften in alphabetijcher Reihenfolge exjcheinen. 

Erläuterungen gejchichtlicher und topographifcher Natur find in den einzelnen 
Landjchaften, jowie bei den einzelnen Orten einleitungsweife in möglichft gedrängter 
Form gegeben, denen zum Schluffe eine Gefchichte Oftpreufens in kunfthiftorifchem 

') von WBujjow, Die Eraltung der Denkmäler in den KHulturftaaten der Gegenwart. Berlin 


1885. I 46. 
2) von Wujjow, a. a. DO, II 164, 


Einfeitung. 3 


Sinme folgen foll. In verwandten Sinne verdienen auch die im Volke fortlebenden, 
auf SKunftdenfmäler bezüglichen Sagen und Legenden Bedeutung. 

Die Inventarifierung at fich auf folgenden Umfang des Gegenjtändlichen erftredt: 

Gräber der Vorfahren und Grabfunde, 

Burgen und Burgwälle, 

Denkmäler von der gotijchen Stilepoche durch die Nenaiffance einjchlichlich 
des Barods und Nococos bis zum Beginn der Eaffizierenden Reaction. 

Angaben nicht mehr vorhandener Denkmäler. 

Literatur über die Kumftdenkmäler und kunftarchäologijche Karte von Dft- 
preupen. 

Angeführt find alle Schriften über den jedesmaligen Ort, deren wir bhabhaft 
iwerden konnten, weil Tich auch aus dem geringiwertigen Materiale ein Körnchen Weisheit 
herauslejen läßt; von Polemijieren gegen Andersdentende konnte natürlich nicht die 
Rede fein. Wir geben unfren Stoff mit dem Gieje’schen Wort: ' 


„Unvollendet Material zum Weiterarheiten.“ 


1* 


Das Bamlamd. 


as heutige Samland, terra Sambiensis 
Alttief) 550 20° (Billtop 
390 23° (Baringen) öftl. Länge 
und 4 bis 5 Meilen breit, 


, ztwifchen 54% 30° (f. w. von 
pen) nördl, Breite und 370 20° (f. w. von Alttief) 
d. Ferro gelegen, ift ungefähr 15 Meilen lang 
Es umfaßt 3197,4 | ]km (Stadtkr. Königsberg 20,42; 


Karte von Samland. Ri 
Alte 


SAN 
» 10 20 36 #0 4 =. 
8 Rischsfssih, 
0 Areisstudt, 
© Stadt, 
8 Kirchderf, 


9 Dorf, dssen Kirche unlergegangen 
o dorf el. QGuk. 


0 of 5 baff. 


ste * oWiskaumn = 5 > Be I 
x Sßt Lorent EN \ Postnickend = 
e oGrünhok, hr 4! a NA 2 
une echen Slam: Flop öpk u mdah Schaken \ Kkas 
" hr, er, Krdauı \ u a TE N uabrat 
Be Mfausen SEE I) 7 h EN 3 FIR itten 
en 8 Geringu &Irerenberg fie 0 RR ya J "Löherfshof $laukıschken 
ofirpehnen 3 Shinchhen ee { ET ( 
ee —— . Gallgarkend ” ARE S ö aa 
; $ 247, Ygarı en Ä “ F 8Caym en f \ r } yL 
== m f re & sr Neuhansend " &Schorwhalde “ N ze 
er e. 1,0 H argen m, „N i \ ! > , 
= .* (4 " 8Medonan IN Quednau 4 N 1 N 
A esphadsen "7 ie I-Koenigsberg ö 
Vochsten/ se Vrerztruderkeng Sdusihe at / 
u — Krt u : 
— u 
ZW Zend 


Anir 


$ R H 
a ya oO \ Löwenhageng dan, = 
= 2 I odergau Suubiwigsw % OnEDRge, J 
DES af = Drandenhirg FERN 


Borchertifsrt Si Wehlaı. 
= — (ER ER Mare 
SS AR SEN Re 2 - ; ee Bi Leklau - x 
Ey 8 a S pr Örwch. x 


Abb, 3. Karte von Samland. 
Landfr. Königsberg 1052,07; Str. Siüchhanfen 1061,36; Kr. Labiau 1063,55 [_]km) 
umd joll nach Simon Grumau jeinen Namen vom fabelhaften Könige Samo, Widewuts 
Sohne, haben. 


6 Das Samland. 


Über feine älteften Namen (Naunonia, Abalus, Bafilia, Oferieta) ift viel gefabelt 
worden. Zu des Normannen Wulfftans Zeit, um das Ende des IX. Ih., hieß es 
Witland, jeine Südjpise (von Fiichhaufen bis Pillau) Witlandsort.!) Sein Name 
Samland hängt wahrjcheinlich mit lit. „szeme* „die Erde“ zufammen. Hiernach 
wären die Samen, latinifiert Sambitae, gleichbedeutend mit den Sambiten, Samiten 
oder Sameiten. Dies und die Thatjache, dag der Deutjche Orden die Sudauer nach 
Samland verjegte, macht 3 wahrfcheinlich, das Samland mit Schalauen und Nadranen 
einen Teil von Unter-Litauen oder Szameiten ausmachte (2. Weber). 

Nach Andren fommt der Name von lit. „emju* „ich jchöpfe* her, das Land 
der Bernjteinjchöpfer. (PBierjon.) 

Es umfaßt jet die eben genannten Kreife, von denen wir nur den Stadtkreis 
Königsberg ausschließen, den wir al3 befonders reichhaltig für jich allein behandeln 
wollen. In früherer Zeit machte der Pregel feine Grenze im ©. und e3 begriff noch 
einen Teil des Wehlauer Sreifes, ja das Bistum Samland reichte weit nach Litauen 
hinein, umd dev Bifchof befa einen eigenen Anteil um Georgenburg an der Anjter. 

E83 bejteht aus dem aufgejchwemmten Boden eines vor Alters hier fluthenden 
Meeres, teil3 Diluvial- teils Alluvialland. 

Die Höhenzüge finden ihren Mittelpunkt in dem Galtgarben (110 m ü. M.). 
Von bier erjtreckt jich nach N. die Alk; nach W. geht ein Höhenzug bi8 zum Großen 
Haufjenberge (89 m), nach ©. bi8 über den Seeberg bei Medenau hinaus. 

Die Kite der Dftfee flacht fich von Brüfterort (oberer Nand vom Steinbau 
d8 Leuchtturms 58,4 m u. ÜÜN) im N.W. nach ©. bis Pillau und nach D. bis 
Cranz und zur furifchen Nehrung ab. 

Samland wird im ©. vom frifchen Haff, in heidnifcher Zeit Mary genannt ?), 
begrenzt. Das frische Haff hieß; erft das „preußifche*. Im N. und W. macht die 
Dftjee (apr. Iuriai genannt), im N. das furifche Haff feine Grenze, welches vormals 
die Nusna hieß umd feinen jegigen Namen evt von der Erwerbung Memels durch 
den Deutjchen Drden, welches damals in Kurland lag, erhielt.?) 

Das frifche Haff bildet jegt durch die entjtandene Nehrung einen Binnenfee, 
der ich von N. D. nad) ©. W. zieht, und ift durch das Seegatt*) bei Pillau mit der 
DOftjee verbunden. Nach alten Nachrichten bejtand in früheren Zeiten das Haff aus 
zwei Teilen, aus dem Königsberger und Elbinger Haff. Das frische Haff war 
im 3.1589 von der Ausmündung des Pregels dis am fein firdweitliches Ende dreizehn 
Meilen lang und im Durchfchnitt andertgalb Meilen breit. Ieht ift dasjelbe mır noch 
elf Meilen lang und die Verlandung geht immer weiter vor ich. 

Die frische Nehrung) verdankt ihre Entjtehung dem durch die Strandftrömungen 
mitgeführten und gelagerten Sande. Sie bildete fich als ein Erd» oder Sanditreifen 
auf einem fejten Lehmgrunde zwijchen den beiden Strömungen, der Strand- oder 
Ufer-Strömung und der Strömung der vereinigten Gewäller. 


1) Banzer in U, M. 1839 259 ff. 

2) Neumann, V. B. P. B. VI 1854 416, 

»), Sedes Haft wird in den Urkunden mare recens genannt, jowohl das Stettiner wie das 
furische und friiche; vgl. ©. vr. PB. I 631. 632, II 710. III 503. 

4) Die Benennung „Seegatt” kommt aus der niederländiichen Sprache her: Gatt, Gate bedeutet 
eine enge Straße. 

5, Nehrung kommt her vom janfe, nära, Wafjer, „Das Tauchland”. Friichbier, Preuf. Wörterbuch. 


Das Samland. 7 


Die frische Nehrung hieß früher die Nehrung, welche jich gegen Danzig hin 
erjtredtt. (Url. von 1322 und 1366.) Die Wafjerjtragen, welche Haff und Meer 
verbanden, nannte man vom XIII. bis zum XV. St, Balgen, jpäter Tiefe, 

Das ältefte Tief, wo Wulfftan ducchfuhr, lag nördl. von Elbing bei dem Dorfe 
Bodemvinkel. Im XI. IH. lag ein Tief nördl, von Alttief, Balga gegenüber, welches 
lange Zeit für die Schifffahrt bemugt wurde Das „neue Tief“ wird zwar 1376 
zum erjten Mal erwähnt, doch wird 8 wieder zugedämmt. Im 8. 1497 exjt wird durch 
einen Sturm, voransfichtlich in der Nähe des „neuen Tiefs“, die See durch die 
Nehrung getrieben und es entiteht jo das „Tief bei Wogram“, das heutige Billauer Tief. 

Daß bei Lochitedt niemals ein Tief gelegen habe, jondern daf dasjelbe num eine 
Erfindung Simon Grumaus (XVI. Ih.) jei, Hat Panzer mehr als wahrjcheinlich 
gemacht.t) 

Dah eine wejentliche Veränderung der Gejtaltung der Landfchaft durch das 
VBordringen des frijchen Haffes, und zwar in gejchichtlicher Zeit bewirkt worden, ift 
nur eine Hypothefe von Voigt. (Beiträge zur Munde Preufens. V 375 f) Nach ihm wäre 
die tiefe Bucht bei Fifchhaufen nicht vorhanden gewejen, jondern bewohntes Land mit 
Dörfern, Hcern und Wiejen hätte fich dis Brandenburg und Balga hin erftreckt. 
Dieje Hypotheje hat Toeppen M.P.P.B. 1850 X 177 f) mit Necht zurücgewiefen. 

In das frische Haff mündet der Pregel, der im Neg.-Bez. Gumbinnen aus der 
Pilje, Angerapp umd Infter entjteht umd von Ssnjterburg aus jehiffbar it. Der 
Pregel hieh nach Plinius Hit. natur. 4 $ 100 wahrjcheinlich Guthalus (Panzer a. a. D.). 
In der Zeit des D.D. hie er zuerit Skara, dann Lipza (1243); der Pregel, vor 
mals Pregora, führt wahrjcheinlich feinen Namen von prie gora „unter dem Berge“, 
worauf Georgenburg und Nettinen liegt.?2) Einer von Sim. Gruman erfundenen 
Sage nach führte der Pregel feinen Namen von PBergolla, der Tochter des Samy ' 
(Widewuts Sohn), die in ihm ertranf. 

Den andren Binmenjee bildet das ‚Eurifche Haff, das in alter Zeit Mimmel 
(daher Flug und Stadt Memel) oder die Rusna (daher der Flußname Ruf) genannt 
wurde, jeinen jegigen Namen aber von feinen Anwohnern, den Kuren, erhielt (Groß-, 
Heinz, Neu, CranzeKuven). Das turifche Haft ijt ein längliches Dreiedt mit einer 
Ausbuchtung in feiner öftlichen Mitte, dejjen fürzefte Seite das Samland auf eine 
Strede von fünf Meilen bejpült. Es dient den Semwäljern des Memel- oder 
Niemen-Flufjes duch feine beiden Arme Ruf und Silge, desgleichen der Minge 
und Dange und einigen andren Eleinen Slüfjen als Sammelbeden. Bei Memel durch 
die Nehrung auf ungefähr 400 m Breite verengt, bildet es hier das Seegatt. Diefes 
Haff hat vormals aus zwei Teilen bejtanden: das öjtliche Ufer bildet eine bedeutende 
Bucht, deren nördliches Ufer in einen Vorjprung, die Windenburger Ed, ausläuft. 

Wejtlich wird das Haff von der Furifchen Nehrung eingefchloffen. Sie beginnt 
. bei Cranz und erreicht nach ungefähr dreizehn Meilen Memel. Hinter Cranz beginnt 
der Sarfauer Wald und veicht anderthalb Meilen weit bis zu dem Sischerdorfe 
Sarfau. Hinter diefem Dorfe Hört der Pilanzemwuchs fajt auf: eine öde, flache 
Sandwürte breitet ji) aus; Hin und wieder erheben jich Kleine Hügel mit dinnen 
Sandgrafe benarbt, fein Baum oder Strauch gewährt Schuß. So finden wir e3 fajt 


') Banzer, A. M. 1889 259—295. 
°) Dftermayer, Gedanken von den alten Bewohnern Preujens, Worrede S, 17. 


8 Das Samland. 


eine Meile lang, bis plölich das flache Land Jich zu einer Kette von Diinen erhebt, 
die bis zu 34m anfteigen, die weißen Berge. Weniger zufammenhängend find die 
Berge bei dem mythiichen Stangenwalde (43 m) und Lattenwalde Dieje bergige 
Einöde reicht zunächit bi3 Noffitten, drei Meilen von Sarkau. Das zwijchen beiden 
gelegene Dorf Kumzen ift ebenfo wie Stangenwalde und Lattenwalde vom Sande 
bedeckt. Die Kirche des Dorfes Kunzen wınde nach Nojfitten verjebt. 

Hinter Noffitten beginnt die Scenerie großartig zu werden: nackte Hügelreihen 
ziehen jich über Alt- und Neu-Billkoppen bis nach Nidden hin, wo Samlands Grenze 
it. (Rafjarge, Aus baltischen Landen. Slogau 1878. Schumann, Der Strand zwifchen Roffitten 
und Sartau, N. P.P.B. 1860.) Diefe Diinenbildung ift uns 1876 in ähnlicher Weife nur 
noch Wwetlich von Samifon, in der Peloponnejos, am flachen ionischen Meeritrande 
begegnet, wo die Dünen einen ganzen Wald von pinus maritima allmählich mit ihrem 
Sande bededten. 

Auf der Eurischen Nehrung zog fich die alte Landftrage Hin, die in der Heidenzeit 
Ihon bemußt wınde und nach Livland führte. Sie wird fchon 1299 erwähnt! ) umd 
bejtand noch bis zur Fertigftellung der Königsberg — Tilfiter stunftitraße in diejem 
Sahrhundert. 

sn das Furifche Haff ergieht fich die Deime (Deine), in der Vorzeit Laba 
genannt. Sie entjpringt im Baumwalde. Bon dem Bonverfe Schmerberg bis 
Tapiau it fie durch einen Kanal, dev die neue Deine hie, mit dem Pregel vereinigt 
und führt ungefähr ein Dritteil jeines Waffers nach dem Furifchen Haff ab. Wann 
diejer Kanal gegraben, ijt nicht zu bejtimmen; es ift aber wahrjcheinlich, da er bald 
nach Erbauung Königsbergs angelegt ift, um den Handel mit Bolen zu befördern. 
Erweitert wide der Deimefanal 1395 durch den Hm. Koncad von Sungingen. Im 
8. 1415 wurde die Deime durch vier Schleufen (Tapian, KL. und Gr. Schleufe, Yabiau) 
der Schiffahrt zugänglich. Eine größere Sicherheit gewann die durch jie vermittelte 
litauifche Handelsftrage dadurch, daß in den Bahren 1689—1697 der große umd 
Heine Friedrichsgraben die Kanalverbindung der Deime mit der Ruß umd dem 
Memeljtrom bewirkten. 

Ktinftliche Wafferleitungen find der Land- und Wirrgraben, welche der Stadt 
Königsberg zum Teil das erforderliche Waffer zuführen. Der Landgraben, 1384 
angelegt (N. P. P. ®. 1855 190), welcher aus elf verjchiedenen Sammelteichen, früheren, 
duch einen Damm aufgeftauten Ihälern, jein Waffer erhält, hat exit von Wargen ab 
jeinen Namen, von two derjelbe 3 bis 4 m breit, 15 km lang in janfter Abdachung 
nach dem durch eine Abdämmung hergejtellten Oberteiche flieht, durch diejen den 
Schlofteich befpeift und mehrere Mühlen in Königsberg treibt. 

Der Wirrgraben hat feinen Anfang öftlich von dem des Landgrabens, wird aus 

‚nem verjchiedenen Teichen gefpeift und erhält von Danımhof ab feinen Namen, von 
wo er — im ganzen 9 km lang — ebenfalls in den Oberteich flicht. 

Schon zu den Zeiten des Ordens find zu diefen Wafferleitungen die Anfänge 
gemacht; zu herzoglicher Zeit wurden fie weiter ausgebildet. 

Die Bevölkerung der Landjchaft ift im Verhältnig zu dem Slächeninhalte dünn 
zu nennen. Die Einwohner von Samland haben jich aus der älteften uns befannten 
gotischen Bevölkerung mit einer eingewanderten, den nordöftlich amvohnenden Litauen 


*) Negejte No. 1214 nad) Weber. 


Das Samland, 9 


näher verwandten Wölterfchaft, den Pruzzen, gemischt. Dann kam im XII. Sb. der 
Deutjche Orden in das Pruzzenland, und in Folge deifen wanderten viele Deutsche 
ein. Die Schicjale Samlands werden wir Jpäter, in der allgemeinen Gejchichte 
Oftpreußens, zu betrachten Gelegenheit haben. Die Sprache der Bruzzen, welche bis 
ins XVI 3. fortbeftand, it untergegangen umd mur noch in wenigen Bruchftiicken 
vorhanden (Enchiridion von Abel Will. Mit dem Aussterben der Sprache ging ihre 
bejondere Volfstiimlichkeit verloren und deutjche Bildung durchdrang allmählich das Volt. 

3m 3.1322 teilte der D. D. das Samland zwwifchen fich und dem Biichofe von 
Samland, nachdem eine Teilung vom 3. 1258 ohne Wirkung geblieben war. Diejes 
Noiwie das Gebiet jenfeit der Deime] wırde in zwei Hälften gejchieden, die fich in 
einer Linie ausdrücen lafjen, welche ungefähr von der N. DO. Ecke des frischen Haffs 
bis an die ©. W. Edte des furifchen Haffs geht. Die öftliche Hälfte hiervon teilte der 
D.D. in drei Teile, von denen der erite durch die Gebiete von Quednau, Laptaı umd 
Powunden bezeichnet wird. Diefes Land, als das vor den von Djften her andringenden 
Feinden am meijten gejchüßte, wählte der Bifchof, während dem Drden die beiden 
andren, Öjtlicher gelegenen Teile zufielen. — Die weitliche Hälfte wınde ebenfalls in 
drei Teile gejchieden, von denen der Bifchof den mittleren wählte, die heutigen Kirchjpiele 
Sichhaufen, Medenau, Tierenberg und Eumebnen (Nina), vielleicht auch noch einen 
Teil des heutigen Nicchipiels Heilig-Kreuß. Hier handelte cS ich darum, verjchiedene 
Vorteile, als die Meer- und Hafffiicherei, den Bernjteingewinn und mehr, einzuteilen. 

Der Bregel machte in der Drdenszeit die Grenze zwifchen dem dem jamländifchen 
Bijchofe unterjtellten Samlande und Natangen, welches dem ermländifchen Bijchof 
zugeteilt war. Hier fand die Teilung zwijchen Deden md Bijchof Anjelm 1254 
jtatt. Da wir das jegige Samland behandeln, aljo den Pregel überjchreiten, jo 
werden wir die Urkunden diefer Ortfehaften in dem Codex diplomatieus Warmiensis 
zu juchen haben. 

Das Bistum Samland erhielt fich genau in dem Umfange, der im 1243 durch 
Wilhelm von Modena gegeben war, bis nach 1750, wenn auch nicht als Bistum, jo 
doch als jamländijcher Kreis, wie die Lotterfche Karte von Preußen von 1750 ausiveilt. 


Der Deutsche Orden fonnte in den jechziger Jahren des XII. Dh. feine ganze 
straft an die Unterwerfung der Samen jegen umd ift darin auch nicht durch die andren 
preußijchen Stämme gejtört worden, Die Unterwerfung Samlands hat mindejtens 
fünf Jahre in Anfpruch genommen, wie dies daraus hervorgeht, daf die Burg Lochitedt, 
deren Anlage jchon 1264 geplant war, erit 1270 erbaut werden konnte. Der Bijchof 
von Samland erbaute im 3. 1268 die Bırg Schonewit (Sichhaufen). Die völlige 
Untenwerfung wurde durch wiederholte Aufftände der Samen verzögert. 

Samland zerfiel zur Zeit der Ordensherrfchaft, wie oben fchon gejagt, in den 
Drdens= ımd den bijchöflichen Anteil, Hiervon ift ums die oben erwähnte Urkunde 
von 1255 erhalten (Voigt, Cod. dipl. Pr. I Nr. 116), Sie ijt vor allen wichtig, weil wir 
daraus die ältejten Namen der DOrtjchaften des Samlandes Fennen lernen; ungefähr 
die Hälfte davon ift untergegangen, doch Fan man bei den meiften die Gegend erjehen, 
wo jie lagen. Wem daran gelegen, die deutjche Überfegunng der heutigen preufifchen 
Ortjchaften zu erfahren, findet in der Altpreuf;. Monatsihrift 1881 für Sr. Filchhaufen und 
Landkreis Königsberg einigermaßen Ausbeute, 


10 Das Samland. 


Die Verwaltung gefchah in beiden Anteilen auf gleiche Weile: die oberjte 
Leitung war einem VBogte übertragen, unter dem die einzelnen Kämmerer und Pfleger 
ftanden. SI jpäterer Zeit zog der Hochmeifter die Stelle des Vogts ein und ver- 
einigte fie mit dem Amte eines Komturs von Königsberg. 

Unter dem Orden ftanden die Kammerämter Pobethen, Nudau, Grünbof, 
German, Wargen, Hapoın, Waldau, Kaimen, Eremitten, Tapiau und die Pflegerämter 
Lochitedt und Schafen. Der bijchöfliche Anteil hatte als Verwaltungsbezivke die Vogtei 
Fiichhaufen (Schonewif) und die Kammerämter Mevdenau, Tierenberg, Laptau und 
Borwunden. 

Nachdem Albrecht von Brandenburg im 3. 1525 die Wiirde des Hochmeiters 
gegen den Herzogstitel vertaufcht Hatte, der Deutjche Orden in Preußen aufgelöft umd 
Oftprengen, mit Nusnahme von Exrmland, evangelifch geworden war, blieb diejelbe 
duch die Lage gebotene Einteilung. Man erweiterte aber Samland auf alle Gebiete 
nördlich vom PBregel in dem alten Nadrauen und Schalauen bis an die Grenze von 
Samaiten, mithin auch die Wildniffe oder die damals unbebauten, waldreichen 
Gegenden des preufifchen Litauens. Die Vogtei Fiichhaufen und die Ämter Schafen 
und Tapiaı wurden zu Hauptämtern erhoben, aus deren Inhabern (mebjt Branden- 
burg) die vier Negiments- oder Oberräte bejtanden, welche an die Stelle der 
Grongebietiger des Ordens traten umd die bis 1803 bejtanden haben, wo das Ctats- 
minifterium von Preußen fie ablöfte. Ihr Titel bejteht noch in den betreffenden 
Hofämtern. Nuherdem wırden in Samland Neuhaufen, Labian, Infterburg, Nagnit, 
Tilfit und Memel Hauptämter. 

In kirchlicher Beziehung bildete Samland einen Bijchofsiprengel. Die jetige 
Einteilung in Parochien beruht auf der von Herzog Albrecht im I. 1531 gemachten, 
jo daß feitdem nur geringe Veränderungen durch Abzweigung einzelner Ortjchaften 
vorgefommen find. Neue Parorhien (Kirchipiele) entjtanden in PBillau, Alt-Pillau 
und Cranz. 

Die Superintendentur-Bezieke jtimmen jet im allgemeinen mit den landrätlichen 
Streifen (feit 1818) überein. 


Als um das Sahr 1230 die Befiedelung des Oftens Jich vollzog, war 8 vor 
allem wichtig, dab der Deutjche Orden ejte Pläge errichtete, jowohl zur Sicherung 
de3 eroberten Gebietes als zu größerer Machtentfaltung gegenüber feinen früheren 
Bewohnern. Es entjtanden daher eine überaus bedeutende Anzahl von Burgen, 
befonders im Eulmer Land, dann in Pomejanien und Pogefanten; im GErmland die 
Bırg Balga, Braunsberg und Heilsberg; in Natangen Streugburg und Bartenftein; 
in Barten Waiftotepil, Wiefendburg und Nöffel; im Samland Königsberg; in Nadrauen 
Wehlan; dann die Georgenburg an der Memel und die zu Kurland gehörige Memelburg. 
Außerdem wurden während des Krieges noch errichtet: Starkenburg, Spittenberg, in 
Natangen Brandenburg, im Samland Fiihhaufen und Lochitedt, Labiau und Tapiaı. — 
Außer diefen war noch für zahlreiche Fliehburgen für die Bewohner des freien Landes 
geforgt, wie z. B. Galtgarben, der große und fleine Haufen, Plinfen, die Flichburgen 
im Deimethal u. |. w. 

Diefe Burgen waren zumächt nur Wallburgen, d. h. jie bejtanden aus einem 
duch Palifaden gejchügten Wall, Graben und einem inneren Spitwall, der als 


Das Samland. lat 


Zufluchtsort diente; auch das Plateau diefes Spitwalles war am Rande mit einer 
Balifadierung verjehen umd innerhalb derjelben ein hölzerner Turm oder ein. Blodhaus 
errichtet. Much um diefeg KHermwerf der ganzen Befeftigung z09 fich ein Graben, der 
allerdings zumeift nur der Arbeitserjparnii; wegen angelegt wurde. 

Diejes Neduit war der Hanptunterfchied zwifchen den Wallburgen des Ordens 
und den feltenev erhaltenen heidnifchen Pruzzenburgen; lehtere hatten durch die fie 
umgebende hohe Erdbruftiwehr eine gewilfe Üynlichkeit mit Keffeln; mit Vorliebe 
errichteten die Pruzzen ihre Burgen auf fteil abfallenden Anhöhen, oder fie wählten 
fich dafiiv ein jumpfiges Terrain, dem fie durch Erdauffchittungen einen fejten Pla 
für ihre Burg abgewannen. 

Solcher Burgen liegen noch eine Mafjfe im Samland und werden häufig 
„Schwedenjchanzen“ genannt. Diefer Name hat mit den Schweden nichts zu Ichaffen, 
jondern fommt vom flavifchen svet, lit. szventas — heilig her. Pafjarge, Aus baltifchen 
Landen 28. Frijchbier, Preuß. Wörterbuch unter d. Wort Schwedenjchangze. Vor andren wichtig 
it die Abhandlung von Boenigk’s3 ©. d. A. P. 1879/80 57-81. 

Die Ordensburgen Fonnten einer Bejfabung von 200 bis 400 Mann Raum geben; 
zudem waren meift eine, häufig mehrere Vorburgen errichtet, in denen auch die 
Landbevölferung aufgenommen werden konnte. 

Erjt um das Jahr 1260 fonnte der Orden beginnen, diefe Wallburgen zu fejten 
Steinburgen auszubanen. Wor diefer Zeit läßt fich das nur für die Burgen Thorn, 
Eulm und Elbing nachweifen, auferdem für Königsberg, das 1257 in Bau genommen 
ift ımd um das Jahr 1263 als mit Mauern verjehen bezeichnet wird. 

Die Umfaffungsmaner bildet bei den Ordensburgen ein Biere von 45 bis 65 m 
Seitenlänge. Die Mauer jelbft ift die Außenmaner von Wohn- und Wirtjchafts- 
räumen. Dadurch tragen diefe Burgen eimen wefentlich anderen Charakter als die 
Schlöfjer und Feiten des mittleren Deutjchlands, wo man in der Lage war, die fejten 
Pläße auf Höhen anzulegen und die Mauern fich der Form des Bergplatenus anfchliegen 
zu lafjen. Bet diefen deutjchen Bergiehlöfiern Üt der eigentliche Kernpunft der Bes 
feftigung der Turm, der Donjon im Innern der Burg, der eben mur zu Verteidigungs- 
zwecen und als letter Zufluchtsort vorhanden ift, jo daß neben ihm ein eigentliches 
Wohnhaus für den Burgheren und jeine Familie notwendig it, dev Palas. 

Anders bei den Ordensburgen, two das „Haus“, wie man immer die Burg nennt, 
jelbjt der Sternpunft der Befejtigung it, der Durch eine oder mehrere Borburgen gejchäbt 
it, welche ebenfalls mit Mauern und Gräben umgeben jind. 

Der Orden jelbjt war geiftlich; jeine Burgen waren wirkliche Konvente. 

Die Architektur der Burgen des D. D. zeigt daher auch diejen doppelten Cha- 
rakter: das deutjche Dxrdensjchloß ijt wejentlich ein befejtigtes Klofter und zeigt daher 
in feiner ausgebildeten Zorm einen von hohen Gebäuden und einem Turme ums 
Ichlojjenen Kreuzgang, der den vierefigen Kojterhof auf allen Seiten umgiebt, und 
in dejjen Mitte fich der fehr weientlihe Brunnen, oft von bedeutender Tiefe, befindet. 
Um den Hof herum find die dem Klojter eigentümlichen Näume, als Kapiteljaal, 
Nefektorium, Dormitorium und eine Abtrittsanlage, gewöhnlich auf dem aus- 
gebauten Dansk belegen. Ihnen jchließt fih die Schloßfapelle an, welche bier, 
der Feitigkeit de8 Gebäudes wegen, nicht in eigentümlich bedeutjamer Yorm hervortritt, 
vielmehr meift mit dem SKlapitelfaal zufammen den einen Flügel des Haufes einnimmt. 
Sie ift meiftens reicher ausgebildet als die übrigen Näume, jo dag man auf ihr Vor: 


12 Das Samland. 


handenfein an bejtinmter Stelle jelbjt in den Nuinen aus den ausgebildeteren Rippen- 
profilen jchliegen fann. 

Nings um das ganze Haus herum ijt freier Naum gelaffen, der in der Drdens- 
jprache der Parcham heift. Diefer Parcham wird durch eine Mauer mit nahe bei 
einander ftehenden, quadratischen oder oblongen jtarfen QTürmen umgeben. Dieje 
Form der Türme hatte der Orden in Syrien fenmen gelernt, wohin fie aus Byzanz 
gefommen war. Die Mauern und QTürme der deutjchen Städte find jelten bejonders 
ftarf, die Time meift vımd, während man bei den deutjchen DOxdensrittern die Rund» 
form der Türme erjt jpäter findet. 

Hinter der die Tiirme verbindenden Mauer läuft, auf Tragiteinen und Bögen 
erbaut md vorn durch eine Brüftungsmauer gefehügt, ein Wehrgang hin, den Zinnen- 
bergen mit Heinen Schießöffnungen frönen. 

Bor dem PBarcham zieht fich der ausgemanerte breite und tiefe Graben hin, 
der durch Stauwerfe mit Wajfer gefpeift wird. Zwijchen Barcham und Graben ijt 
häufig noch ein freier Naum und an der Innenmaner des Grabens, dem byzantiniichen 
rooreizyıoua, it oft noch ein zweiter Wehrgang, der die Bejtreichung dev Grabenjohle 
gegen Meineurarbeiten bezweckte. 

Um die Burg herum liegen die Vorburgen. Die erjte enthielt gewöhnlich die 


Perdejtälle für die Nitter und die Briefjchweifen — (die einen geregelten Dienjt von 
einem Drdenshaufe zum andern hatten) — auch für die Acdevivirtjchaft. Dann 


Wohnräume für das Gefinde, Bacl- und Brauhaus, die Sattellanmer, das „Schnit- 
haus“ u. j. w. 

ES find auch Häufer ohne Borburg vorhanden. Solche Häufer baute man 
vielfach in jpäterer Zeit an der öftlichen Grenze der „Wildnig" und nannte fie „Wild- 
häufer”, 3. B. Haus Bäslad bei Naftenburg, Allenburg bei Wehlau u. j. w. 

Bei manchen Burgen (Brandenburg) war auc ein „Karwan” Damit verbunden, 
d. h. ein Vorwerk, welches als Nüfthaus oder Schierfammer diente und worin das 
grobe Gejchüß, Waffen, Neitzeug, Wagen umd Aekergerät aufbewahrt wurden. Der 
Aufjeher eines Karwan hie magister karuani, Slarbisherr. Der Name jtanımt wohl 
aus dem Nrabijchen. — 

Mit der Snechtung von Samland und den in demjelben erbauten Burgen, vor 
allen Königsberg, hatte der Deutjche Orden fich ein Bollwerk an einem Plate gejehaffen, 
von dem aus er Natangen, Warmien und Bogejanien im Nücken fajjen konnte, während 
Barten, Nadrauen md Sudauen ihm nicht zu fen lagen. Die furische Nebrung diente 
ihm zur Verbindung mit Livland, umd durch die frijche Nehrung beherrfchte er die 
Mindung in das frische Haff ımd hatte Verbindung zur See mit Deutjchland. 


Ss 


Neben den oben erwähnten Kapellen, in welchen nm die Burgbewohner ihre 
Andacht hielten, baute der D. Drden aber auh Pfarrkivchen. Dieje Pfarrkicchen 
wurden vom „Haufe“ entfernt angelegt, weil fie zugleich Sliebburgen für die Land- 
bevölferung bildeten. Entweder bildet eine Schlucht die Trennung, wie in Arnaı, 
Suditten, PVobethen, Medenau u. j. w., oder wo die Gegend eben war, find die 
Bwifchenräume noch größer, fo in Schafen, Bowunden, Caymen u. ). f. 

Bei der Betrachtung der Stirchen füllt e3 jofort ins Auge, in welchen bedeutenden 
Abmeffungen und Kunftformen diefe Dorffiechen errichtet find. Überblict man in 


Das Samland. 13 


Gedanken hieran einmal Deutjchland, To it eS bemerkenswert, in wie viel größeren 
Rerhältniffen die Kirchen in dem der Nord» und Dftfee zumächit belegenen Landitrich 
erbaut find, dafiir aber auch in größeren Abjtänden von einander Liegen als im binnen- 
(ändijchen Teil Deutjchlands, wo in der Negel jedes Dorf jeine eigene Pfarrkirche 
hat, während zu jenen größeren Sirchen auch eine größere Bevölkerung einer ganzen 
Neige von Ortjchaften gehört. Man darf fich dieje Verjchtedenheit wohl mit Necht 
jo erflären: Mittel- und Siddeutjchland war jehon lange dem Chriftentume gewonnen, 
e8 hatten fich fefte Didcefen und Parochien ausgebildet, die alle ihre eigenen Kirchen 
hatten. Anders in den nördlichen Landesteilen, wo das Heidentum jich lange hinaus 
erhalten hatte und erit dem Chriftentume Naum gab zu einer Zeit, wo die Baukunft 
in höchiter Blüte tand und man den neuen Chriftengemeinden fejte Kirchen geben 
fomıte von ftattlicher Größe und hoher Kunftvollendung. Hier wuchjen die Gemeinden 
um die vorhandene Kirche an, während dort die Kirchen errichtet wurden für die jchon 
vorhandene Gemeinde. 

Die Grenzlinie, welche die beiden Kirchengruppen teen, zieht von Quajt, der 
verstorbene erjte Stonferwwator preußifcher Kunstventnäler, — der erjie, der unjres 
Wiffens auf den genannten Unterjchied aufmerkfam gemacht hat — „vom Niederrhein 
aus durch Weftfaleh der At Hindurch, da der bergige Teil diejes Landes mit dem 
Bistum Waderborn meijt noch dem Süden angehört. Sodann gehören öjtlich der 
Wefer die Braunfchtweigiichen Lande jowie das Magvebirgijche und die ganze Mar 
Brandenburg zu den Ländern mit Keinen Pfarrbezivken, während das Lüneburger Land, 
Mecklenburg. und meist auch Pommern nur große Sliechjpiele aufweiien. Dasjelbe 
Syiten finden wir auch durchgehende in Preußen.“ 

„In wenigen anderen Gegenden ift das ganze Land mit jo bedeutenden Dorf- 
firchen bedectt, wie einzelne Landesteile Preugens, ımter denen wir namentlich die 
Weichjelgegenden, das Samland und das Ermland hervorheben, vorzugsweile alfo die 
Gegenden, welche den geiftlichen Gebietigern unterthan waren.“ ( Duajt, D. deutiche 
Baufımjt in Breufen.) 

Was num den Baustil, die Nunftform der Ordensbauten anbetrifft, jo führen wir 
hier in kurzem die Anficht von Steinbrecht am, der als Wicderherjteller der Marien 
burg direch jahrelanges Studium in eben dieje gotische Kumnftform tiefer als jever 
Andre eingedrungen Üt. 

Die Pfarrkirchen zeigen einen im ganzen ziemlich gleichmäßigen Typus, ein 
länglich vierecfiges Langhaus, dem meijt ein ähnlicher ehwas Eleinerer Chor angebaut 
ift, beide von Staffelgiebeln mit veicher Spibpfeiler-Arcchiteftur überjtiegen, jeltener 
mit vielecfigem Schluß der Oftjeite des Chors. Meift pflegt auch der Wejtjeite ein 
Turm vorgebaut zu jein. Abb. 4. . 

„Der geradlinige Chorjchlußg eines Kirchenraums hat ohne Zweifel für das 
Innere einen äfthetifchen Nachteil gegenüber dem Polygonschluß. Nur Höchjt vereinzelt 
treffen wir ihm in den entwictelteren Sunftgebieten des Wejtens an. Wo e8 jich aber 
um einfachere, nappe Kirchenanlagen handelt, wie in dem evrjt jpät chriftianifierten 
Norden und Dften Deutjchlands, da wird mit Vorliebe der geradlinige Schluß ges 
wählt. ES Hänge das auch mit dem Backjteinmaterial zufammen: die polygonen 
Badjtein-Ehöre bei einfachen Kirchen ohne Kapellenkvanz fehen außen leicht chvas 
dürftig aus, während der geradlinige Schluß die Entfaltung veichen Giebehverfs 
gejtattet.“ Steinbredt, D. Baukumjt d. Deutjchen Nitterordens. 


14 Das Samland. 


Das Innere ijt Fat dinchgehends mit Sterngewölben überjpannt, die bei 
größeren Stadtfirchen auf jehr einfachen achtecdigen Pfeilern ruhen, während fie bei 
den Eeineren Landfirchen auf Konfolen aufjegen. Der großen Mehrzahl nach zeigen 
fie den einfach jtrengen Stil des XIV. Ih., meist in chönen, aufjtrebenden Hauptver- 
hältniffen, jelten mit zierlicher Durchbildung der Details. 

Daß Ddiefe Sterngewölbe der Drdensbaufunft ihre Entjtehung verdanken, bat 
Steinbrecht jeher wahrjcheinlich gemacht; von Quajt wollte ihre Entjtehung Eng- 
land zujchreiben, von dort jollten fie nach Lürbed gefommen und von da nach Preußen 
eingewandert jein. Steinbrecht jchreibt aber: „In dem bald nach 1250 entjtandenen 
Chor der Kirche St. Johann zu Thorn findet man im Mitteljoch jchon ein Stern- 
gewölbe. Der Chor der Schloffapelle zu Lochjtedt, erbaut um ungefähr 1275, hat 
auch bereits einige fterngewölbte Felder. In der Burg Nheden, welche auf 1300 zu 
jeßen it, kommen in Stapelle und Kapitelfaal reiche Sterngewölbe vor. Sie treten 
alfo in den älteften Bauten des Ordenslandes um die Mitte des KIM. Ih. auf und 
find um 1300 allgemein im Gebrauch. Wenn von Duaft in den NM. PP. B. XI als 
ülteftes Sterngewölbe in England das in der Lady Chapel zu Lichfield (1296—1321) 


S. 


Rechte Seite, 


Epiftele oder Kelchfeite 


Chor 
Presbyterium 
od, Sanftuarium 


[03 £anghaus oder Schiff Turm 


z 
e 
=] 
= 
El W. 
= 
|Saframentshäusch. “2 


Evangelien: oder Brotjeite 


Kinfe Seite. 


N. 
Abb, 4 Rircdhen-Schema. 


fennt und in Deutjchland das der 1310 erbauten Brieffapelle zu Lübeck und auf die 
Übertragung von dort nach Preugen jchliegt, — fo fünnen demgegenüber die obigen 
Befunde vielmehr dazu berechtigen, dem Drdenslande das Erfindungsrecht zuzufchreiben. 
Man darf der jelbjtbewußt jchaffenden Ordensbaufunft eine jolche jchöpferifche Kraft 
jchon zutrauen.” Steinbredt, a. a. ©. ©. 9. 

Die alten Drdensbaumeifter vechneten nach ceulmijchen Ruten umd Fupen. 
Eine NAute culmjh — 15 Fuß culm,. = 4,32 m; daher 1 Fuß culm. = 0,288 m. 
Diefe Maße auf unfre famländifchen Kirchen angewandt pajjen vortrefflich. Ein Bau- 
meister pflegt zunächit das lichte Maß einer Slirche zu berechnen, um zu jehen, ob 
jo viel Menfchen, wie er eben will, darin Plat haben. Die lichten Maße der Stiche 
zu Nudau haben nun genau 8 Nuten culm. Länge, 21/; Nuten culm. Breite. — Die 
lichte Länge der Klivche zu Labiau beträgt 6'/, Nuten, ihre Breite IR. — Caymen 
hat SEN. lichte Länge bei ZN. Breite Schafen 81/, N. lichte Länge; Arnau 
EM. lichte Länge u. f. w. Die Chorbreite im Lichten beträgt in Schafen, Arnau, 
Wargen, Pobethen u. j. f. genaw 24 culm. Fuf. 

Innerhalb der vom Orden in Samland gebauten Pfarrkirchen aber Fönnen wir 
der Zeitfolge nach zuerjt deutlich drei Gruppen unterjcheiden. 


Das Samland, 15 


Die erfte Gruppe fennt noch keine Sterngewölbe; fie jtellt einen jtarken Mauer- 
förper ohne Steebepfeiler her und überdeckt ihn entweder mit gerippten veinen Streuz- 
gewölben (Kapelle in Lochftedt), vder fie teilt den Raum in beliebig viele Joche und 
ipannt darüber gerippte Dreiedsfappen (Kirche zu Juditten). Dabei führt eine enge 
Steintreppe aus dem Langhaufe in dejjen Wejtwand nach oben, während der Turm 
im Grdgejchog der Sicherheit wegen feine Treppe hat. Für folche Stirchen können 
wir als Endgrenze ungefähr 1290 annehmen. 

Die zweite Gruppe baut ebenfalls einen itarien Mauerförper ohne äußere 
Strebepfeiler, aber fie legt die Strebepfeiler innen vor, jo daf; die Gewölbe jchmaler 
werden. Das vorhandene Kreuzgewölbe teilt fie in jo viel Teile (indem jie Rippen 
dazwifihen einfchiebt), daß jie gerade flein genug werden, um ohne Unterjchalung 
gewölbt zu werden, d. h. fie macht aus dem Kreuzgewölbe ein Sterngewölbe. Eine 
enge Steintreppe führt vom Langhaufe entweder (tie vorher) in der Weitivand oder 
in der Tıremwvand nach oben. Den Zeitraum, in welchem diefe Kirchen entjtanden 
find, können wir nur furz bemejjen: e$ mögen ehva dreißig Jahre gewefen fein, von 
ettut 1290 bis 1320. Dahin gehören die Kirchen zu Fiichhaufen, Medenau, 
Cumehnen, Pobethen, Powunden, Caymen und Legitten. 

Die Kirche zu Tierenberg bildet den Uebergang zur dritten Gruppe: jie hat 
zwar noch Steebepfeiler innen vorgelegt, um das Gewölbe zu jchmälern, aber fie hat 
auch augen Strebepfeiler, die ihrem Bau vermöge eines Fuhgefimjes und des Verbandes 
gleichzeitig find. Diefe dritte Gruppe legt eben von außen Strebepfeiler vor, um 
damit dem Gewölbefchub zu begegnen, läßt dagegen die Strebepfeiler im Inneren fort. 
Solche Kirchen find die fehöne Kirche zu Arnau, die Kirche zu Wargen, die ehemals 
zu Samland gehörige Kirche in Cremitten u. |. w. Sie ähneln am meijten den 
gotifchen Kirchen, wie fie weiter nach Weiten zu Hunderten und QTaufenden bor= 
fonmen. 

Im lebten Drittel des XIV. Ih. wird auch neben dem gewöhnlichen Eingang 
zum Tim ein zweiter Eingang gemacht, in welchem eine Badjteintreppe in der Wand 
hochführt (Ottendagen). Dies konnte jelbjtredend exit gejchehen, als das Land von 
Feinden gefäubert war und der Orden ihrem Eimdringen in die Kirche feinen Wider: 
jtand mehr zu leijten hatte, 

Die Ordenskicchen haben durchweg gotischen Ziegelverband; der Blodverband 
tritt exit in der Zeit der Nenaifjancebauten auf, der Krenzverband exit jeit der erjten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Unter gotijchem Verbande verjtehen wir entweder 
einen Läufer mit einem Streder wechjelnd (gotifcher oder polnifcher Verband) oder 
zwei Läufer mit einem Strecker wechjelnd (wendijcher Verband). Abb. 5. 

Beide Verbände kommen z. B. in Marienburg vor: der leßtere bei dem um 1280 
erbauten Hochichloß, der erjtere bei dem um 1382 entjtandenen Mitteljchlojje. Der 
Dom zu Frauenburg, 1388 vollendet, zeigt wiederum den legteren Verband. Es jcheint 
aljo, daß man feine fejtjtcehende Theorie hatte, wonach der Verband zu regelt jei, 
fondern, wie das Bedürfniß oder der Gejchmad des VBaumeijters war, den Verband 
anlegte. Die jamländifchen Kirchen aus der DOrdenszeit haben mit Ausnahme der 
Kirche zu Powunden den erjteren Verband; mr bei legterer Kirche wechjeln häufig 
zwei Läufer mit einem Streder. Dieje Kirche als eine fpäter ausgeführte zu halten, 
wäre ein Irrtum: fie kommt jehon als ecelesia parochialis in einer Ur. von 1325 
vor. Wir verftehen alfo beide Verbände als gotijch. 


16 Das Sanıland. 


Für die Austattung der Kirchen nimmt die Nürnberger Schule, Albrecht 
Diver, feine Vorgänger und feine Nachfolger, einen breiten Raum ein: aller vorrefor- 
matorische Altarfchmuc in Holzjchnigerei und Malerei ift von Nürnberg nach Samland 
gewandert (Kirche zu St. Lorenz, Tierenberg, Medenau, Laptauı, Eumehnen, Bowunden, 
Gaymen u. j. w., alfo meift der bifchöfliche Teil von Samland). Dann folgt nach jehr 
jpärlicher Srührenaiffanee (Borchersdorf, Medenau, St. Lorenz) die einheimische 
Barodperiode an Altären, Kanzeln und Geftühl, die vieles jchöne gezeitigt hat. Hierbei 
müfjen wir eines Mannes gedenken, der, bis jeßt unbekannt, wohl wert ift, in den 
Kreis bejcheidener Künftler miteinbezogen zu werden. Diefer Mann heist Melcher 
Breuer, war feines Zeichens Tifchler umd lebte wahrjcheintich in Königsberg. Er 
hat die Stanzel in Tierenberg 1581 gejchnigt und mit fchöner nachgeahmter Intarfia 
bemalt. Er malte meift Tulpen und Nelken (die Blume der italienischen Nenatfjance), 
die im XVI. Ih. Mode geworden waren; dabei weil; er die Farbe jehr diskret zu 
verwenden. Much in andren Stirchen begegnen wir feiner Hand; jo in Arnau, Fifch- 


Getischer Verband. 


Sm as, 


(ger MM ten 


—Wendiseher Verkanf 


Zn ws ee 
2% ul 
X ıL > Trumm 


Rs ock . Verband . 


Kreuz: Verband. 


Abb, 5. Biegel-Perbände. 


haufen, Schönwalde, Steinbed, Brandenburg hat cv Teile des Geftühls gejchnigt und 
in jeiner Weife bemalt. Bon jeinev Malerei geben wir Beifpiele bei Schönmwalde und 
Tierenberg. Wahrjcheinlich hatte er feine Kunft den echten, aber ehenfo disktet gehaltenen 
farbigen Intarfien an einem Geftühl der katholifchen Pfarrficche zu Wormditt von 
1574 abgelaufcht, deren Urheber ein Mansfeder Schniger, Hans Paurman, war, 
der ebenfalls Nelken und Granatäpfel in ähnlichem Numdbogen, von zwei Bilajtern 
gejtübt, verivendet, 

Das Nococo ift in wenigen, aber jchönen, fecken Beifpielen in Arnau vertreten, 
dann in edler Weife in Metgethen. 

An Mltargerät ift aus der gotijchen Epoche wenig fchönes mehr vorhanden, 
Dazu haben die beiden Drdensverjchreipungen vom 3. 1412 und 1519 jehr viel beige- 
tragen. Johann von Bofilge meldet uns vom I. 1412: „Duch wart abiv kirchingerethe 
von Monftrancien, felchin unde manchirleie czirunge der firehin von allin hüjern des 
Ordens genommen, das alles vorfmelezt wart mit grofim jchadin.” md 1519 mußten 


Das Sanıland. 17 


auf Verfügung des Hm. Albrechts jümtliche Kirchen Samlands* und Natangens ihr 
Silbergerät und fonftige Sleinodien nach Königsberg liefern, um dort eingejchmolzen 
zu werden. Schönes gotijches Altargerät finden wir nur in den Slirchen zu Filch- 
haufen, Medenau und Bobethen, wogegen die Barodzeit reicheres beivahrt hat. 

Merkwürdigerweife find die alten gotifchen Tauffteine aus den Slirchen hin- 
ausgetragen: jie liegen fajt alle außerhalb: der Kirche, find aber meist jchöner als die 
an ihre Stelle getretenen Baroefbauten. 

As Taufbeden fommen in Samlard falt an allen Orten die meffingnen Schalen 
vor, die, meift mit finnlofer, mehrfach wiederholter gotischer Infchrift und die Ver 
fündigung Mariä, den Sindenfall u. |. w. in getriebener Arbeit in ihrer Mitte, ficherlich 
in Augsburg, Nürnberg oder Braunfchweig im XVI. und XVII. 30. gefertigt find. In 
Laukijchfen fanden wir eine vom Jahre 1668 datierte, in Pojtnielen vom 3. 1657 vor.!) 


Um die Burgen und Pfarrkicchen fammelte fich allmählich eine Bevölferung, teils 
aus Prinzen, teils aus Deutjchen von allerhand Gauen. War fie zu Klein, um 
Stadtrecht zu erhalten, jo nannte man fie eine „Lifchfe*, die verjchiedene „Krüge* 
enthielt. So Lisfa-Schafen, Labiau, Tapiau. War fie größer, jo belehnte der Orden 
jie mit Stadtrecht. „Der Orden ‚oder der Bifchof gab das ihm zugefallene Land in 
beftimmt abgemejjenen Teilen an die Koloniften aus. Ein einzelner Mann, anfangs 
wohl immer ein Deutjcher, dann auch vereinzelt zuverläffige und treue Preußen, wurde 
mit der Gründung des neuen Drtes betraut. Er wide des Ortes Lofator oder 
Srimder. Seine Aufgabe war 8, auf dem verlichenen Grund und Boden Anfiedler 
in bejtimmter Anzahl niederzufegen. Er wırde das Haupt der Kolonie; ex zahlte der 
Landesregierung einen beftimmten jährlichen Zins von der ihm verlichenen gefamten 
Hufenzahl. Die Vorrechte des Lofators waren bedeutend: für feine Perfon md fire 
jeine Nachkommen — denn jeine Winde in der Gemeinde war exrblich in feiner 
Familie — wınde er Ortsvorjtand, scultetus, Schultheiß.“ 

„Was im Deutjchland im Laufe der Jahre geworden, das wird als etwas 
Fertiges nach Preugen hinübergetragen. Wie in Preußen die Städte entftanden, 
die Kolonifation des offenen Landes gejchehen, die Nittergüter gegriimdet, das liegt 
uns meist far und deutlich, durch Urkunden bewiefen, vor Augen. Was der Forjcher 
in Deutjchland mit Mühe ergründet, das liegt hier jchwarz auf weiß." Freitag, die 
Befiedelmg des DOftens in „Bilder aus der deutjchen Vergangenpeit“. 

Nach diejer, leider etwas langen, aber notwendigen Einleitung gehen wir zu den 
einzelnen SKixchjpielen über. 


RN PB. P. B. 1853 II 321 ff. Über die mejjingnen Tauffchüffchn. 


Ka 


5 . - ea "_ ar Y . . win aan . 

ARENA, Hospitaldorf, gehörte bis 1636 zum Löbenichtichen Hospital in 
Königsberg; 10 km Lftl. im DO. von Sönigsberg, hart am Pregel belegen. 
Arnow 1320. 


Be Altertimer im pl. AU. 


Suchshöfen, 4 km Lil. im ©. D. von Ü. PM.K. 144. Yürftenwalde, 4 km 
Ltl. m. von W. Über einen es Henjche in ©. d. p. 6. 6.1869. Mantau, 6 km 
Lftl. im N. von A. PM.R.173. Zerftörtes Gräberfeld mit Leichenbrand und Urnen- 
beifeßungen. Über die Funde |. P.M.K.IT202. Praddau, 3 km Lftl. im DO. von A. 
PM. 8.173. PM. K.T1385.—_NP.P.8.V398. Der Pillenberg, zwijchen Waldau und 
Wargienen, 5 km Lftl. im NO. von A, eine alte Heidenfchanze, jegt mit Eichen be- 
ftanden. Gicje, Z.U.P. Sonnigfeim, 5 km Lftl. u. 1. ö. von A. Heidnifche Gräber 
©.9. U. RB. 1879/80. 123 F. 

Auf einem durch Park-IAhrlagen vom Staatsminister von Schön reizvoll geitalteten 
Hügel lag die alte Ordensburg, das castrum Arnow, wie 8 in einer Urkunde von 
1322 genannt wird, nur noch durch einen Graben kenntlich. 

Die ev. Pfnrrfirhe (Patronat im adl. Gute Fuchshöfen) liegt auf einem zweiten 
Bügel, der vom Burghügel durch eine tiefe Schlucht getrennt wird und ziemlich fteil 
gegen den Pregel abfällt. Schöne Ausficht auf das Pregeltgal. Sie ift am Anfange 
des XIV. Ih. erbaut. Einer ihrer erjten Pfarrer, Petrus, Pleban von Arnow, wird 
1320 in einer Urkunde als Zeuge genannt. Sie war der 9. Katharina geweiht und 
sugleich eine Wallfahrtskirche. 

Auferes: Abb. 6 u. 7. Turm, Langhaus und Chor find in gefugtem Ziegelbau 
errichtet. Wenig jpäter erfolgte die Eingangshalle im N. umd die Sakrijter im D. des 
Chores. Am Turm md in der Nähe desfelben 'h etliche Schichten hoch auch Feld- 
ftein verwendet. Zwifchen den Strebepfeilern des Langhaufes und Chores ijt je ein 
Senfter, jpigbogig, oben mit einer Hohlfehle umjäumt; zu beiden Seiten der Fenfter 
je eine N ageaniie Jpißbogige Blende, die mit votgemaltem dreiteiligen Mafwert be- 
lebt war. Das Mafwerk ift noch in allen Blenden zu erkennen, weil jeine Umtifje 
u die Salktünche vorgeriffen find. Dicht über den Blenden 309 ich ein Fries um 

Langhaus und Chor, auch die Strebepfeiler miteinbegriffen, herum, von dejjen Färbung 
nichts mehr zu erkennen ift. Um das Langhaus, die Strebepfeiler und den Chor zieht 
Tich ein braunglafiertes Socelgefims, Abb. 8. Aus denjelben Formfteinen, nur in umge- 
fehrter Reihenfolge, frönt ein Sefims, am Sonahaiiie im Rohbau, im Chor grünglafiert, 
den ganzen Bau. An der jpäter angebauten Sakriftei hat der Baumeister den Sodel 

+ 


20 Arnan. 


durch zwei Schichten jchwarzglafierter Ziegel zu erfegen gewußt. An der Eingangsthür 
im W, ftehen, mit erhaben in dem Holze ausgefchnittenen gotischen Minusfeln, die Worte: 
Sunte Ratarine bitte got vor uns, — In der nördlichen Eingangsthür: BSute Ratarine 


mm u 
a — 225 


6. 


Abb. 


Grumdrik der Kirche gu Arnau. 


sta uns by un lat uns nicht vor- 
deroe || make uns vo alle sude vry 
we wi beaime fo sternen. — Alles 
Manerwerf im gotischen Verbande. 

Inneres: Der Tırm war im 
Erdgefchoß mit zwei hohen Kreuz: 
getwölben neben einander bedeckt, Die 
ji) im zweiten Stochverf wieder- 
holen. Er hat zu jeder Seite eine 
hohe rundbogige Nijche, in welchen 
Sibbänfe angebracht find. Der Auf 
gang zum Turm ijt aus dem Grund- 
vi erfichtlich. Die Eingangsthür 
zum Langhaufe ijt mit vier bienjtab- 
fürmigen Rippen mit Hohlfehlen da= 
zwifchen im Spibbogen gejchlofjen. 
Abb. 8. Dev möglichen Befhädigung 
wegen begimmen diefe Nippen  exjt 
etwas über 11/, m vom Fußboden. — 
Das Langhaus ijt dreijochig; die bei- 
den erjten Zoche find jechszehnteilige 
Sterngewölbe mit bienjtabfürmigen 
Nippen und runden Schlußjteinen 
in jedem Endpunkt der Nippen. Die 
Rippen jegen in halber Höhe des 
Kicchenjchiffs auf wimpergartigen 
Fialen auf, unter denen Heilige auf 
Konjolen gejtanden haben. Abb. 9. 
Das dritte Joch teilt jein Stern- 
gewölbe in der Mitte und jebt auf 
einem Engelsfopf als Stonfole über 
dem jehr niedrigen jpigbogigen pro= 
filterten Treiumphbogen auf, jo daß 
erjcheint. Abb. 9. Die beiden auf der 
Zechnung fichtbaren, jehr häßlichen, 
rechtecfigen Deffnungen find erjt in 
diefem Ih. durcchgebrochen worden. 
Der Chor ijt zweijochig. Das erjte 
och ift zwölfteilig, das folgende ver- 


teilt den Schub feiner Gewölberippen auf die Strebepfeiler. Der Chor ift aus dem halben 
Achte gejchlofien, eine in Oftpreugen jelten vorkommende Anordnung. — Die im D. 
angebaute Sakriftei ift mit drei dreiteiligen Kappen mit Schlußfteinen gejchlojjen 


Arnan. 21 


= 


und durch einen tonnengetwölbten Gang im N. D. zugänglich, in welchem fich ein 
altes Ausgußbeden (piseina) befindet. — Der Vorbau im N. enthält die jchoen 
gedachte jpigbogige Eingangsthir. Er ijt zweigefchoffig. Das Erdgefcho ift mit 
einem zwölfteiligen Sterngewölbe und je einem jechsteiligen Nappengewölbe gejchlojien, 
das Profil der Nippen in Abb. 8. Zur R. der Eingangsthür hat e8 eine im der 
Wand angebrachte Nifche, welche vermutlich das Weihwafjerbeden enthielt. Zu beiden 
Seiten der Eingangsthür je eine jpigbogige Blende; darüber zwei Neihen übered- 
gejtellte Ziegel, Abb. 3; darüber fünf jpisbogige Blenden. Im Obergefchoß ijt in der 


Langhausmauer eine Nifche ausgefpart, in welcher ein mäßiger Chriftus- mit der 
DVornenkrone, überlebensgroß in Holz geichnißt, Jich befindet. 

Die Siehe war im Innern durchtveg bemalt; die Malereien ftedlen noch unter 
der weihen Tünche. Al Dr. Hipler die Kirche im 3. 1868 befuchte, fah er darin 
noch folgendes: er „fand an den Seitemvänden, ebenfalls von einer weißen Kalt- 
jchicht bedeckt und nur in einzelnen Teilen deutlich hevvortvetend, die einzelnen Geheim- 
nijfe des apoftolifchen Symbolums in einer großen Zahl tüchtig gemalter Bilder 
dargejtellt, und ziwar numerivt und mit lateinifcher Infchrift verjehen. Fünf diejer 


22 Aınan, 


alten Bilder, die fich jämtlich auf den fünften Glaubensartifel (descendit ad inferos, 
resurrexit a mortuis tertia die) bezogen, waren damals einigermaßen Elar wieder zu 
erfennen, nämlich: 1) der Heiland in der Vorhölle (mit der Überjehrift: „26. veritas. | Iste 
est infernus sive limbus vel sinus habrahe. | Chr, consolatur patres in inferno i. e. 
in limbo.*); 2) Chriftus mit einem von der chernen Schlange ummundenen Streuze 


irche in Arnau. 


4 


‘ N LET 5 7 a: lie L. hauptsims 


ewölberipne G, 
Pu 


7% 


nördl.Vorhalle 


Aurtsims 
mördl.Vorhalle. 


Abb. 8. Eimelheiten der Rivche zu Hınau. 


enster an re &- 


in der Hand; 3) ein mit Nägeln durchbohrtes Kreuz, darüber eine Injchrift, von der 
ne die Zahl „28“ lejerlich war, wie bei dem vorhergehenden Bilde „27 veritas“; 
4) EHriftus mit der Siegesfahne befreit die h. Väter aus der Gefangenjchaft der 
Vorhölle; (die Uberjchrift lautet: „29. veritas. | Chr. peracta passione edueit patres 
sanctos ex clausura inferni*); endlich 5) die Auferjtehung Ehrifti in dem Augenblice, 


Arnaıt. 23 


wo der Heiland das h. Grab verläht; Die Überfchrift war übertimcht." Ztichr. |. d. 
Gefchichte und Altertumshinde Ernulands, Bd. VI Leipzig 1878. 125}. Diefe Bilder freizulegen, 
wäre ein höchit Danfenswertes Unternehmen. 

Die Menja des Altares it von Ziegen (33 X 16 X 8—9 cm) in gotijchem 
Verbande, Der Altarauffag it 1687 aufgeftellt und vom Maler Martinus Bergmann 


Abb, 9. Gewölbe in der Kirche zu Hınan. 


1690 mit Gold und Karben verfehen. In der Predella das Abendmahl; Olmalerei. 
Hauptbild: der Kruzifius mit Johannes und den zwei Marien; Dlmalerei. Darüber 
die Auferjtehung. 

Zwei prächtige bronzene Altarleuchter (65 cm h.): „G.V.D.A.K.ZE 
Daniel Klein Anno 1690%, mit drei Frauengejtalten mit Doppelflügeln, die in eine 
Klane auslaufen, welche den Jul des Leuchters ‚bildet. Abb. 10. 


24 Ana. 


Ein filb. teilweis vergoldeter Kelch mit Blumen auf dem wuljtförmigen Nodus 
(Knauf). Auf dem Fuß ein Kruzifizus. 

Ein filb. innen vergoldeter Kelch von 1839. 

Eine ovale filb. Schale. Blumen und Nanken in getriebener Arbeit, von 1839. 

Ein vierediges Oblatenkäftchen, Ebenholz und Silber mit den vergoldeten 
Evangeliftenfymbolen und dem Heiland. Spätgotifche Ornamente. Im den vier Ecken 
befinden fich die Buchjtaben: H. T. V. S. (Heinvich Theodor von Schön). Sehr jchöne 
Arbeit aus der Mitte des XIX. Ih. 


Abb, 10. Alfar-Teuchter aus der Rivihe zu Arnau. 


Eine filb. innen vergoldete große Weinfanne: zum Andenken an (den Pfarrer) 
oh. Friede. Plew 1858. 

Eine, jilb. Kollektenfchale, vumd, mit getriebener Arbeit: eine Nymphe mit 
einem Nofenkforb in waldreicher Berggegend; 1841. 

Zwei Klingelbeutel mit jchöner Seiden- und Silberjticerei. 

Kanzel 1684 von Chriftian Slodfjey gemacht. I. ©. Zedler pietor hat fie 1768 
bemalt und vergoldet. Bohannes der Täufer, die vier Evangeliften und der Exrlöfer 
in schlechter Holzjchnigerei. Auf der Kanzel echt ein fünfarmiger Leuchter aus 
Meffing; XVIL. I. 

Tauffjtein fechsedig in Stelchform, von drei Engeln getragen, von 1684. 

Handtuchhalter aus Holz gejchnigt, NVIT. Ih. 


Arnau. 25 


Die erfte Stuhlreide nah W. v. ift noch gotisch. ° Die übrigen Stühle an der 
Längswand I. find teils in Barod, teils in Nocoeo ausgeführt: dee erjte nach dem 
Turme zu: D. K. 1692. Darauf folgt ein Nocveoftuhl: Friedr. Brandenburger 1766. 

() g te) 


Il] 


| \\ 
vll 


Abb. 1. Thürgeiff aus der Ricde zu Rınau, 


E3 folgt der Eingang nad) der Vorhalle. Dann ein Nococoftuhl mit dem dv. Tettaufchen 
und Dönhoffichen Wappen. Ein Nocoeoftuhl. Im Chor [. der erjte Stuhl barod. 
Der zweite barod mit Nococomalerei. Der dritte hatte Mialerei in der Art des Melcher 


Abb, 12. Rocoroornamenf aus der Rivde zu Hınan. 


Breuer (vgl. Tierenberg), it aber in Nococo aufzBarodformen übermalt. Im Chor 
r. Stuhl unter dem Triumphbogen mit zwei gefchnigten Wappen unter einem Numd- 
bogen, der auf zwei gejcehnigten tonischen Säulen ruht. Zwijchen beiden ijt ein Wappen 


26 Arnan. 


4 


gemalt. N. von der Thür zu diefem Stuhle ift eine Heilige mit zerbrochener Säule 
in Holz gefchnige Darunter aus jpäterer Zeit elegant hingeworfene Nococo-Drnamente, 
Abb. 12. Die dritte Stuhlveihe r. vor der Kanzel hat ein Ornament in der Art des 
Melcher Breuer aufgemalt: Pilafter mit Nundbogen und Schlußitein darüber, aber 
wo jonjt (4. B. in Neuendorf) eine ftarfe Quadrierung vorherrjcht, tt hier der 
Naum mit einer Nele gefüllt. Unter dem Nundbogen und zwijchen den Bilajtern 
jchablonierte Nenaiffanceornamente., Über dem Ganzen jteht der fragmentierte Spruch: 
.... hat. Rein. ende. sondern. sie .ilt. alle. morgen .newe, Anno 1617 ist. got. 
vor.uns. wer. kan. wide . 

Ein vorzügliches Bortenit von Gujtav Adolf hängt an der Empore [. Im 

Langb. hängt am Triumphbogen r. ein Dlbild des Piarrers Soh. Balthafar Charifius 

+ 1758 posuit suecessor et gener Fr. W. Benefeldt. Im Chor r. Yoh. Friedr. 
PBlew, Pfr. * 1787 + 1858. — Albertus Szabinus, Pfr. „an der Jungfrau Katharinen- 
firhe zu Arnau“. XV. SD. 

Grabiteine liegen zahlreich in der Stirche, darunter Statharina Kofin F 1596. 

Unter den Epitaphien find erwähnenswert eins im Langh. r. von 1615 mit 
Shrifti Auferjtehung und zwei veich ornamentierten tosfanischen Säulen mit Gejims. — 
Im Chor x. ein jehönes Epitaph mit gutem Portrait des Knaben Andreas Jacob 
Dorn + 1720. (Der Leichenftein diefes Pfarrerfohnes liegt x. vor dem Altar. — Im 
Chor über dem Triumphbogen bangen Helm, Handjchuhe, Sporen, Degen u. |. w. mit 
dem von DOppenjchen Wappen. 

Auf dem überaus lieblichen Friedhofe ruht unter einem ranitbloc der 
Staatsminijter Heine. von Schön * 1773 7 1856. 

Nachrichten über das Kipl A. 

Gebauer, Kıumde de3 Samlandes 103 j. — Faber, m P.P. B. 1832 VII. 475. — 2%ob, 

8. T. D. 159. — Gebjer und Hagen, Dom z. Königsberg, II 12. 


Im heutigen Kirchjpiel A. liegt die D.burg 


Waldan, Waldowe 1258, 


jeßt Schullehrerjeminar, 5 km Lftl. im DO. von A. Schon eine altpreugische Anlage. 
Das jet noch in feinen Hauptteilen ziemlich erhaltene, mr umen ganz wngeänderte 
Schloß auf der rechten Seite der Chauffee von Arnau nach Heiligenwalde ift 1264 
erbaut von Iohann Brulant und Conrad Dyabel, als Lofatoren, einheimifchen Edel- 
(euten, die fi ihre Tree gegen den D. im Aufitande der Samen (1260—64) eine 
Schenkung im Gebiete des alten Waldau erhielten. Im der erjten Hälfte des XIV. Ih. 
ist W. Kammeramt der Komturei Königsberg. Zeitweife hielten ic) hier die Ordens: 
marjchälle und Hochmeifter auf. Im 3. 1525 winde PBreufen als Dxdensland 
fäknlarifiert und W. wird als Vorwerk des Domänenamts Neuhaufen von einem 
herzoglichen Burggrafen verwaltet. 1630 verpfündete Kırfürjt Georg Wilhelm die 
Domäne W. an den polnischen Oberjt Grafen Magnus Evnft Dönhofj, von dem es 
Kurfürt Friede. Wilhelm, wahrjcheinlich um das 3. 1650, wieder einlöfte.. 1720 
wurde W. zujammen mit Heiligemvalde und hrgiinen von der nunmehr fönigl. 
preußifchen Negierung als Domäne verpachtet. 1858 Eröffnung der landwirtjchaft: 
lichen Akademie. Statt ihrer 1870 Eröffnung des Lehrerfeminars. 


Arnau. — Borchersdorf. 27 
27 


Die Burg W., Gieje, 3... B., hat nur noch die alten Keller. Der Parcham 
hat jich hinter beiden Gebäuden ziemlich erhalten; vordem war-die ganze Burg mit 
Waffer umgeben und bildete mit einem anftogenden Garten eine Eleine Injel in dem 
mehrere Hundert Morgen umfajfenden, jet fajt ganz ausgetrodneten See. 

Nachrichten über W, 

Bebaner, Kımde des Samlandes 101. — Freiherr dv. d. Golt in „Die Provinz Preufen“ 
stbg. 1863. 484 ff. 

Yungferndorf, 1 km Litl. im DO. von U, hat jeinen Namen erhalten, weil e$ dem 
Sumgfrauenklofter in Löbenicht-önigsberg durch die Stiftungsurfunde des Hm. Heinrich 
Dufjemer 1349 verjchrieben ift. Erjter geduldeter Gottesdienst der in Königsberg jeit 
1531 jeßhaften Neformierten, denen exit 1640 erlaubt wurde, in Königsberg in einem 
Saale des Schlofjes Gottesdienst zu halten. Ephraim, in ©. d. A. P. 1887 32. 


a & orchersporf, 14 km £ftl, j. ö. von Königsberg, adl. Dorf, Borghardsporf 
EN 1481, Burdihardsdorff 1595, Borchertsdorf von dem früher vielfach im 
Dorfe vertretenen Familiennamen Borchert (?). 

Die jeht evang. Pfarrkirche unter Privatpatronat gehörte zur fath. Zeit zum 
Erzprieftertum Creuzburg. Ein Pfarrer wird 1481 genannt. ©. x. W.1367. 395. Eine 
zweite Slieche in Fuchsberg (Vochsberg, Anf. XVL 3. ©. r. ©. 1425) ging 1546 
ein; davon ift noch in Fuchsberg die Totenbahre von 1630 erhalten. Cine dritte 
Kirche jtand in Schönmohr, die aber 1595 jchon eingezogen war. Bis gegen Ende 
des XVI. Ih. war Löwenhagen die Filia von Fuchsberg, nachher von Borchersdorf- 
— Die heut ftehende Kirche ijt an Stelle der alten baufälligen 1735 gebaut. Im 
3. 1807 war diefe Kieche baufällig, wurde aber erjt 1814 wiederhergejtellt. 

Ein vorreformatorifcher jilb. vergold. Kelch, Frührenaifjance mit gotischen An- 
flängen. Über dem jechsteiligen Nodus (Knauf): hilf aut; unter ihm: aue mar, 
Fu im Schspah; mit jehönem Nenaiffancefchmuc und einem Steuzifizus. 

Eine Batene aus der Nenaifjancezeit mit dem ruzifirus, Dohannes u. Maria, 
gegenüber das übliche Kreuz mit einer Tänte darım. 

DOblatenbehälter, rıumd, filb. teilweis vergold. mit Wappen: D. V. W. R. R. 1660. 

Die Kanzel ijt bei dem Bau der Kirche 1734 neu erbaut und mit guter, chvas 
nüchterner Schnigarbeit im Stile jener Zeit verfehen. Träger ift die Figur des Mojes. 

Die Taufe bejtand früher aus einem Engel, welcher das Taufbecen hielt. 
Ießt auf dem SKicchboden. Im I. 1784 ftiftete der Kaufmann D. 9. Kenfel aus 
Kg. eine Taufe, welche x. vom Altare Plab fand. Eine modern-gotiche Taufe von 
Zint (j. Labiau) ift 1878 vom Graf dv. Dönhoffjchen Legat gejtiftet. Die Taufjcyale 
jilb.: Henning Dietrich v. Wegner Capitain. Anno 1712. 

Beichtituhl von 1770 mit nüchternem Ovnament und dem Dönhoff’jchen Wappen. 

Dfen in der Safrijtei mit Kacheln, welche durch das Wappen des Freiheren 
von Collas geziert werden. 

Das Ktirchenjiegel von 1797. 

Vorreformatorifche große Glode mit Infchrift in gotischen Minusfeln am oberen 
Nande: katherina maget zeart hilf uns uf de himmel vart, Die kleine Glode 
hat eine nicht zu entziffernde Injchrift in gotischen Meinusfeln und Majusteln: 
MpsmbHattzuobPpy. 


> 
ni 


. 


28 Borhersdorf. — Cahmen. 


Srabjteine zwei vor dem Altave: Adrian Bergam 1646. — Johannes Reinholdus 
Reinholdi Lubnav. a Lilienklaw electoralis Consiliarii et Sophiae Krintziae filiolus 
primigenitus M-D-C- LIII. 

Um die Slirche herum ein mit chönen Linden bepflanzter Kirchhof; ihr gegemüber 
der „neue Kirchhof“ von 1796, ebenfalls mit jehönen Bäumen bejtanden. 

Nachrichten über das Kipl B. 

Harnod, &. u. ©. 1890 40 f. 


aymen — apr. Dorf; Kirche, Pfarchof, Fönigl. Amt und kölmifches Dorf, 
16 km £ftl. im ©. W. von Labiau. Heidnifch Kayın; Cayme 1258. 
Borgejchichtliche Altertiimer im Kipl. €. 


Legehnen, 4 km Lftl. n. von Caymen P. M. 8.168. Sielfeim, 3 km £ftl. 
mo&SD. EM. E.1Iııs GSittleim, Klein-, 6 km Lftl. in D. P. m. 8.12. 


| 


Abb, 13. Grumdrik Der Burg zu Qaymen. 


Die Burg E. joll 1254 vom König DOttofar gegründet fein — Hennenberger, 
Ertl. d. Pr. 2. 155. Nach demjelben Gewährsmann ijt jie 1261 „anders gebaut“, 
Dem Grundjage zufolge, day erjt die jpäteren Burgen in vegelmäßigem Nechtedl an- 
gelegt wırden, müßte diefe Burg zu den älteren gehören, und das Wenige, was noch 
zu jehen ift, bejtätigt diefe Annahme. In dem einzigen noch wohlerhaltenen Zimmer 
im Exdgefchoß zu E. des neuen Domänenpächterhaufes find zwei fcharfgratige Kreuz- 
gewölbe nebeneinander. Die Aufenmauer des chemals fiebenecigen Gebäudes ift über 
2 m ftark, Wir geben den Grundriß von Gieje aus den I. 1826—1828 Abb. 13 
mit dejjen Text: 

„B. Burg Caymen auf der heidnifchen Burg Kaym erbaut. Die Mauer ift von 
seldftein und die Gebäude find im ganzen und auch noch an einigen Stellen erhalten. 


Gahmen. 29 


V. Worburg. Mauer, ebenfalls von Feldjtein, liegt an der inneren Seite zu 
Tage, an der äußeren Seite gleich der Fläche des Berges md mit Erde bejehüttet. 
K' Wohnftätten. 

K" VBorburgen und 
Berichanzungen vom heid 
nischen Kayım, das aljo ein 
Ort von bedeutendem ms 
fange war. 

C. Kapelle (2)." 

Bom Barcham it 
wenig mehr zu erkennen, 
Doch joll die Barchanmauer 
nach Angabe des Gärtners 
noch in der Erde, Dem 
Caymenjchen Meühlenflich 
zu, fteelen. — E. war ein 
Kammeramt. Ein Herr 
von der Trenf wınrde vom 
Drden zum Kämmerer eins 
gejeßt, ein geborener Preuße, 
da der Orden jolche Nam 
mererpoften  ausjchließlich 
mit Eingeborenen bejebte, 
weil fie die Sitten, Ge 
bräuche, Gewohnheiten und 
die Sprache der Landes- 
bevohner genau  fenmen 
mußten. 

Über den Bauern: 
frieg, der im 8. 1525 von 
EG. ausging, |. die Geld. 
Ditpreugens vom 3. 1525. 

Bu;Anfang des XV. 
Ih. wohnten im Caymijchen 
Kanmmeramt die adl. Fu- 
milten von Thieme, von 
Sergitten, von Sallet, von 
Thüngen, von Döbner und 
von Gößen, Teßtere beide 
deutjchen Urjprungs. 

Auf dem geräumigen 
und jehr Schönen Kicchhofe 
liegt die jeßt ev. Pfarrfirde 
E. im Dorfe Bothenen, 
Abb. 14, wo auch das Pfarr- 
haus (Widdem) mit großem Garten mit prächtigen Linden und Weidenbäumen von 


5 
> 


"gget 


" 


uandep net apa aaa HLraunı 


30 Saymen. 


jeltener Größe befindfich. Das Aurere der Kirche läft ihre Entftehung in der Dvdenszeit 
gleich erkennen. Der Patron ift der König. Der Turm hat 1852 ein neues fpites 
Dach mit vier Giebeln befommen, ift aber in feinen Gejchoffen noch im gotischen Ver- 
bande aus Ziegeln, nur im unteren aus Feldfteinen aufgeführt. Das Langhaus tt 
in Feldjteinen mit Ziegelecen aufgeführt. Die bei den über 1 m ftarken Wänden nicht 
nohvendigen, binnen Strebepfeiler find jpäter Hinzugefügt. Der etwas jpätere Chor 
mit der gleichzeitig angebauten Sakrijtei hat urjprüngliche, ftärkere Strebepfeiler. Auf 
dem geraden D. Giebel fteigen paarweije übereckgeftellte Ziegelpfeilerchen auf. Die Vor- 
halle im Meätteljoch auf der N. Seite, jowie ein Exbbegräbnig auf der DO. Seite des 
Chors find jpäter angebaut. Fenfter und Thiren find neneren Ürjprungs. Die Kirche 
winde im I. 1852 grimdlich vepariert, 


v | R 
Ya 


K 


77 T ÄHHET DER: GÜE 


Abb. 15. Ruerfchnitt der Rivche zu Cayman, 


> 


Das Innere des Turmes (ganze* Länge einfchl. beider Mauern 5,96 m) bietet 
nichts bemerfenswertes. In feiner Innenmauer r. läuft die alte badjteinerne Treppe 
hinauf, welche nicht vom Turme, jondern von der Ecke des Langhaufes zugänglich war; 
vgl. Supditten. 

Das Langh. (im Lichten 23,85 m („ 10,36 m br, vom Fußboden bis zum 
Sewölbejchlußftein 9,92 m h.) mit innen vorgelegten Strebepfeilern beftcht aus drei 
Bochen der jchönften Sterngewölbe im Samlande, welche abwechjelnd mit bienjtab- 
förmigen umd drewiertelrundftabförmigen Nippen auf tiefliegenden Konjolen beginnen, 
aber oben im Scheitel nur mit dreiviertelrundftabförmigen Rippen jchliegen. Überall 
vumde Schlußjteine. — An den jpihbogigen, niedrigen Triumphbogen jchliegt Jich 
der um eine Stufe höhere Chor an (im Lichten 10,98 m L, 894 m br, vom Suß- 
boden bis zum Schlußjtein 7 m h.). Er hat zwei gleiche Ioche Sterngewölbe, deren 
Schub von auyenliegenden Strebepfeilern abgefangen wird und die auf tiefliegenden 


Kaymen. 31 


Konfolen mit bivnftabförmigen Rippen aufjegen umd in einem vumden Schlußjtein zu= 
jammenlaufen. An der Brotjeite it gleichzeitig die niedrige, mit einem Tonnengewölbe 
gejchloffene Sakriftei angebaut. In Folge des Schubs diejes Tonnengewölbes fehlt 
hier der Strebepfeiler gegen den Schub der Chorgewälbe. Abb. 14. 

Der Altar. Die Menfa ift von Ziegeln und zeigt hinten zwei mit Stichbogen 
gejchloffene Offnungen. Ihr alter A (taraufjab hängt jegt oben im Meitteljoche L.: 
Maria in der Glorie mit dem ChHriftustinde, die Mondfichel zu ihren Füßen. 2. o. 
9. Catharina; r. vo. 9. Barbara; [. u. 9. Dorothea; v. u. 9. Margaretja. Alles 
gute Holzjegnigerei, polychrom bemalt. Der Hintergrund mit in den Sreidegrund 
gedrückten Ornamenten, Nhomben mit Hlattfüllung, verfehen und ganz vergoldet. An 
den jchmalen inneren Seitenwänden find Ornamente in gold auf rotem Grund auf 


Abb. 16. Allarfıhrein aus der Rice zu Caymen. 


gemalt, die beweijen, dal der Maler die Nenaiffance jchon kannte. Unter der Maria 
war ein Neliquiarium. Das Ganze, Nürnberger Arbeit, aus dem Anfang des XVI. Ih. 
Abb. 16. — Der jebige Altaraufja it gleichzeitig mit der Stanzel, um 1708, ent 
itanden. Predella: das Abendmahl. Hauptbild: Chriftus am Sreuz mit Maria umd 
Iohannes. Unten jtehen um je zwei forinthifche Säulen die vier Evangeliften. Hohes 
Gefims. Dariber Ttehen getvundene forinthifche Säulen; neben ihnen L. Petrus, 
v. Baulus. Darüber (. Johannes der Täufer, r. Mofes. MNeiches Nanfenwerf. Das 
Ganze frönt eine Grablegung, ein Lamm und der Triumphator. Alles in Holz gejchnibt, 
vergoldet und in matten Farben bemalt. Mäpige Arbeit. 

Altargeräte: zwei filberne Altarleuchter, getriebenes Nankenwerk. Die 
Stifterin: Ephrofina de Thüngin geborhne von Kanitin. Anfang XVII. Ih. 

Größter Kelch von 1651; mittelfter von 1714; Eleinjter von 1700. 


32 Caymen. — Cranz. 


Silberne runde Weinkanne: Zofua und Kaleb (mit Degen an der Seite!) auf 
einem Stabe die Weintraube tragend, auf der einen Seite graviert. Auf der anderen: 
Chriftus aus einer Wunde in einen Stelch blutend. Auf dem Deckel der Kelch. Hinten 
unten: R. S. C, 98. (1698.) 

Silberner runder Oblatenbehälter, an der Seite in getriebener Arbeit das 
Abendmahl; auf dem Dedel die Auferftegung: Georg Schmidt 1700. 

Kanzel von 1708 (auf der inneren SKanzelthür) durch die „veriwittibten 
von Thüngen 1711 ausftaffieret.” 8. J. P. C. (Samuel Zefter Bajtor Caimenfis. 
Unter dem Schalldediel jteht um einen holzgefchnigten Kruzifizus ein Anagramm diejes 
Monogramms: Summa Praedicationis Jesus Crucifixus.) Sanzelträger ein Engel. 
Sr schlechter Holzjchnigerei der Salvator, die vier Evangeliften zwiichen vergoldeten 
gewundenen forinthijchen Säulen. Kanzeltreppenthür mit dem von Kanig’fehen Wappen. 
An der Kanzeltveppe find in jchlechter Holzichnigerei Darftellungen zu SIejaias 6 
v. 5-8 u. f. w. 

Taufbecentijch vom 3. 1646 mit fechs voh gefchnigten Apoftelgeftalten; darin 
ein jechgedfiges Taufbeden aus Zinn. In der Mitte die Taufe CHrifti in Umvriifen 
graviert. Auf dem Rande fteht 1. Yohann Manteufel ..... soly Dberkter Leut, 
r. Margarela von Kanaherin Anno 1646 mit beiden Wappen. Der urjprüngliche 
Taufjtein aus Granit liegt im Pfarrhof. 

Mittelalterlicher, überlebensgroßer Kruzifizus über dem Triumphbogen, Holz- 
jchnigerei in weiß, mattem xot und gold bemalt. 

Empore L. im Chore („Amtsjtugl*) ift 1702 mit den lebensgrogen Portraits 
des Königs Friedrich L, Sophia Charlotta und Friedr. Wilhelm Steonprinz in jehr 
mittelmäßiger Olmalerei gejchmicdt. 

Mäfiges Dlbild von Luther und Melanchthon: H. K. (Heine. Königs- 
wiefer, Schüler Luc. Cranache) Anno 1564 piet. x. im 3. Ioche des Langhaufes. 

Hübjch in dunkelbraun und hellbraun gemaltes Epitaph auf dem Chore an 
der D. Wand r. von Adam Dieterich von Thunigen * 1670 + 1675. Sruchtjchnüre 
und ein hübjches Engelköpfchen. 

Schöne jchmiedeeiferne Nanfen um ein gut auf Blech gemaltes Epitaph aus 
dem XV. Ih.: Chriftus am Sreuze aus fünf Wunden blutend; das Blut fällt auf 
die Adoranten; an der W. Wanb. 


Nachrichten über die Burg E. 
Gebauer, Kunde des Samlandes 94. — v. Milverftedt, Wafallen des Santlandes, Kammer- 
amt Caymen, in N. BP. P.B. 1855 VII 264—267. ; 


Nachrichten über die Slirche zu E. 
Gebauer, Die Kirche in EC. in R. P. P. B. 1852 IT 77 f. Ueber die nicht mehr vorhandene 
Kirchturmfahne der Kiche N. P. PB. B. 1841 NXV 81-89, — Harnod, &. u. ©. 1890 151 f. — 
Aufnahmen von dev Kirche in der Kreisbauinjpeftion Labiau. 


Graz, vom lit. kräntas — Uferabhang, früher Cranzfuren, Filcherdorf, jeßt 
j 

königl. Seebadeort, 40 km Lftl. im N. DO. von Fijchhaufen, 28 km im N. von Nönigs- 

berg, war im 3. 1811 noch ein elendes Dorf. In den zwanziger Sahren unjres 


Sahrh. richtete e8 der Negierungs- und Medizinalvat Kefjel zum Seebade ein. 


Stanz. — Eumehnen. 33 


Seit dem 22. Juli 1855, wo das ev. Bethang eingeweiht wurde, hat es einen jelbjtän- 
digen Gottesdienst; jeit Michaelis 1877 ift e8 ein jelbftändiges Kicchjpiel. Das Bethaus 
ift in Fachwerk erbaut und hat auerordentlich hoch liegende Fenjter. Patron der König: 

Orgel von M. Terlegki in Königsberg 1880 erbaut. 

Glode eine aus Nudau überwiejene Heine Betglode. 


Sarkau, Fiiherdorf, 51 km Lftl. im N. DO. von Fifcähaufen, feit 1883 Filial- 
dorf von Granz, gehörte urjprünglich zu Rojitten. 


Borgejchichtliche Altertimer im pl. ©. 

Sarfau, Eıl. Preußen II 545. 

Die ev. Pfnrrfiche, Patron der König, ift jest von Fachwerk mit Heinen hölzernen 
Dachreiter, der mit Schindeln gededt ift. Die Sakriftei ift im N, die Eingangs- 
halle im ©. angebaut. Die hölzerne Dede ruht auf vier Holzjäulen. 

Der Altarfcehrein ftanmt aus der älteren Kirche. Er hat auf der Nurpenfeite 
feiner beiden Flügel Bilder in Temperamalerei auf Leinwand, L. unten einen Kruzifizug, 
oben nicht mehr erkennbar; r. einen über die beiden Felder gehenden Chriftus. Im diefem 
Altarjchrein ftanden Holzjehnitereien, die jebt in der Safriftei aufbewahrt werden: die 
h. Anna mit dem CHriftusfinde und Maria, beide 1,15 m h. — Als Figuren werden 
ferner dafelbjt aufbewahrt: eine Maria mit dem Sinde auf der umgefehrten Mondfichel 
mit einem bärtigen, doppelt verjchleierten Stopfe ftehend. Zwei Apoftel-(?) Seftalten. 
Ein fehöner Kruzifirus (ohne Kreuz). Die Figuren find Arbeiten des RYVE. 8). 

Zwei Altarleuchter von Zinn mit dem Labarıım, auf drei Löwen jtehend. 

Große Glode von Copinus 1782 gegojien. Die Eeinere hat feine Injchrift, 
erjcheint aber ihrer Form nach bedeutend älter. Harnod), E. u. ©. 1890 246 f. 


Gumehnen, tölmifches und bäuerliches Kirchdorf, 17 km Lil. m. ö. von 
Fifchhaufen, urfprünglich Bifchofsdorf 1390; dann GComain 1524, Cumainen 1566, 
Kumeyen und Kumegen 1595, Kumeinen im XVIL. 3h., im chemaligen Gebiete von 
Ninow- Pojerftieten gelegen; Nynow, früher Ereyno -Lämmerfeld. 


Borgejchichtliche Altertimer im Kipl. €. 

Cobjeiten, j. von diefem, Ort, 4 km Lftl. j. w. von C., liegt ein „Schloßberg“ 
am Forkenjchen Fließ. Gieje, 2. UP. 

Saltgarben, 3 km £ftl. f. ö. von E. Gailtegarbo, Ninauberg, ein 110 m 
über dem Scejpiegel liegender Berg, der höchite Punkt de8 Samlandes. Urjprüng- 
lich der Sage nad) eine von Widewut, dem Preufenkönige, beivohnte Burg. Nach 
Dämpfung des Aufftandes 1264 Fliehburg des Biichofs von Samland für jeine 
ländlichen Untertganen, noch 1278 bejtehend, ausschließlich Hergeftellt aus Holz und 
Erde. Man erkennt noch deutlich die beiden fic) um die Anhöhe herumziehenden 
Gräben nebft doppelter Umwallung. Sieje, 3: U P. Modell im Königsberger Brufjia= 
Mufenm. P. Mm. K. IT 24. 

Später ift ein Schloß hier gebaut worden. Im XIV. Ih. ift davon bejtimmte 
Nachricht: 1329 bejtätigt Johannes, Bijchof von Samland, den Verkauf des unterhalb 
jeineg Schlojjes Ninau (sub castro nostro Rinow) belegenen Kruges. Weitere Urkunden 

3 


34 Eumehnen, 


von den Sahren 1338, 1355, 1384. In der nım folgenden Urkunde von 1399 wird 
de3 ehemals vorhandenen Schlojjes gedacht. (Die vier erjten Urkunden nad) Gebauer in 
den Matrienl. ViichHuf.; die feßtere im Ordens-Archiv, exjte Abt, Schiebl. NXIX.) Herzog Albrecht 
ernenexrte diefe Verfchreibung im Jahre 1539 „Hiemit wollen wir ausgenommen haben 
den Berg, auf welchem etwan das Schloß Nynau gebauet ift“ ı. j. w. — 
Verfchiedene Durchhane durch die Waldung geben jchöne- Ausfichten auf Königs- 
berg, Haff und Meer. Bis zum 3. 1772 blieb der Berg landesherrliches Eigentum, 
Die Aufmerkfamfeit auf den G. wurde durch den hier oben beerdigten Striegsrat 
Scheffner 1816 geweckt, welcher die Errichtung eines Landwehrfrenzes auf einem 
Unterbau von tüchtigen Granitblöcen in Anregung brachte; 1858 wiederhergeitellt. 


Abb. 17. Prenkmal auf dem Gallaachen, 


Der Unterbau erinnert auf gußeijernen Tafeln an die Schlachten umd Friedeng- 
jchlüffe der Freiheitsfriege. Ein Granitblod trägt die Injchrift des Stiftungstages: 
27. Sept. 1818. Abb. 17. Auf der ©. Seite eine Vierteljtunde bergab befindet fich in 
einem Seitenthal ein aufgejchüttetes Kenotaphium mit einer von einem Lorbeerkranz 
umvahmten, mit Fadel und Schwert gezierten gußeifernen Infchrift: 

Den Taufenden, die für das Palerland ein]t farben, 

Dem Staat amd Fürften Beil, füh Lob und Pank sewarben, 

1818. 
Nachrichten über den Galtgarben. 
Faber, Beiträge z. Hunde Breuf. IV 122 ff. V 534 ff. — Gebauer, Humde des Samlandes 1835 10 f. 

— dv. Boenigf, Der Galtgarben u. j. Befeftigungen in ©. d. A. P. 1879/80 31—41, 82—87. — Klraufe, 
Das Landwehrfrenz 1. j. w. in Ü. M. 1889 383 ji. — Neufch, Sagen des pr. Santılandes ? 54 ff. 


Gumehnen. 35 


Dom Schloffe auf dem G. joll nach Hennenberger, Erfler. d. Preuf. Landtt. 136 
die Widdem (Pfarrhaus) zu Cumehnen gebaut jein. 

Seefeld, 4 km Lftl. ö. v. E. (1407 vom Bilchof Heinrich von Seefeld als 
bäuerliches Dorf gegründet). P. M. N. 1208. IT 419. 420. — Wernershof, 3 km Lrtl. 
1b. PM. 8.1138. Wernershof hat feinen Namen von einem Vorfahren des Malers 
Anton von Werner. Conrad, Geneal. u. biogr. Notizen über die oftpreug. Samilie von Werner. 
Marienwerder 1899 238. — Wifau, 5 km Lftl. f. ö. v. E, urkundl. zuerit erwähnt 
1283 unter dem Namen Wikus. B.M. 8. 1234. Großes Gräberfeld mit Verbrennung 
der Toten, Urnenbeifegung und Pferdebeftattung. PM. K. II 387394. A. M. 1889 350. 

Die jeht ed. Pfarrkirche zu Cumehnen, Patron der König, it ein mäßiger 
gotifcher Badkjteinbau des XIV. Ih. mit Feldjteinfundament. Gejamtlänge (Turm, 
Langhaus, Chor) — 41 m; Breite des Langhaufes im Lichten — 12,5 m. Fat die 
ganze Nordwand des Langhaufes aus vohen Feldjteinen mit Biegeleden. Der 
quadeatiiche Turm liegt der annähernd doppelt jo breiten Kirche im W. vor. Er 
war urjprünglich mit einem Kreuzgewölbe überfpannt, wovon noch zwei figuvierte 
Konfolen nach dem Langhaufe zu figen. Der Turm fteigt in vier Stochverken auf, 
von denen die beiden oberjten durch gekuppelte Blenden belebt werden. Notdacı des 
Turmes ein Zeltdach. Später find im W. zwei Strebepfeiler vorgelegt worden. 
Die Weitthür ift von außen dreimal abgetreppt, das legte Mal mit einer Faje. 

Die beiden Innenprofile der Thiven haben je vier Dreiviertelrundftäbe mit einem 
abgefajten Stein. Hieran jehließt fi das Langhaus, wrfprünglich aus fünf Sochen 
beftehend, von denen die beiden öftlichen Konfolen [. und x. noch vorhanden find. 
Die Sterngawölbe ftürzten eva um 1640 ein. Auf den nach innen vorgelegten 
Biegel-Strebepfeilern wurde 1643 die Empore I. errichtet. Gebauer's Nachricht, dad; die 
Gewölbe exit 1690 eingeftürzt jeien, ift unrichtig (vgl. Gebauer, Kunde d. Samlandes 107). 
Gleichzeitig wurde die Dede in Holz in flach elliptifcher Form wiederhergejtellt. Sehr 
jchmaler jpigbogiger Triumphbogen. Der Chor, gerade gejchloffen, hat zwei gleich 
große Zoche zwölfteiliges Sterngewölbe mit bienjtabförmigen Rippen, die auf Konfolen 
auffegen; Schlufteine nur in der Mittelvippe. Langhaus und Chor jind in gotijchem 


Verbande aufgeführt. — In der Abjchlugwand des Chores I. cine tleine Doppelthür 
mit gotifchem Befchlage (Sakramentshäuschen); desgleichen in der Mitte zwei Doppel- 
then über einander mit gotijchem Bejchlage. — Etwas fpäter als das Langhaus 
erfolgte ein Anbau im SW. mit fpigbogigen Blenden im Innern, ebenfalls noch in 
gotischen Verbande. — Die Safriftei, mit einem Tonnengewölbe gejchloffen, ijt ein 


Anbau im N. DO. aus fpäterer Zeit. Der den Zug abwehrende Vorbau vor der 
Nordthir ift modern; Kreuzverband. Im die Kirche führten wrfprünglich drei Thüren. 
Die im W. belegene hat auf der Aufenfeite das gotifche Nautenmufter, auf der Innene 
jeite ein mächtiges, elegant ausgeführtes gotifches Thürfchloß. Die beiden anderen 
Türen lagen fich im N. und ©. genau gegenüber; leßtere ijt jpäter vermauert. Die 
N. Ihiie ift augen jpihbogig, innen rundbogig gejchlojfen. Die Dreiviertelrundftableiften 
ihrer Gewände haben vohe Kleine Kapitellchen, welche vor dem Brande der Ziegel aus 
größeren Stücen mit dem Mefjer herausgearbeitet find. An ihrer Aufenfeite trägt 
die Thür die jpäter eingejchnittene Jahreszahl -M-D-LXI- Die vermanerte Sidthür 
hat ebenjolche Kapitelle. Ebenjolche Gewände, jedoch ohne Stapitelle, zeigt auch die 
Thür zur Sakriftei. Die Fenfter, welche auf der ©. und DO. Seite zwijchen je zwei 
jpisbogigen Blenden liegen, find im Spigbogen mit vechtwinklig abjeßendem Profil 
3*r 


36 Eumehnen. 


aeschloffen. Auf der N. Seite hatte der Bau, wie die Mehrzahl der Kirchen des 
Deutjchen Ordens, feine Fenjter. Mafe der Ziegel im Chor und Langhaufe 
29%X14X75 cm. Im füdweltl. Anbau 27 X 14%X 8—9 em. An der vermanerten 
©. Thür 29—30 X 14%X 7 cm. 

Der Altar (die Menja voll gemauert; Steine 32 X 14 X 7,5 em) hatte 
urjprünglich einen jpätgotijchen Aufjfag aus dem Ende des XV. Ih., welcher im Chor 
zwifchen den beiden Jochen r. hängt, und welcher zwei Flügel hatte (Diptychon), von 
welchen der eine noch im füdweftlichen Anbau erhalten ift. (Paulus mit dem Schwert; 


Abb. 18. Einzelheiten der Rice zu Cumehnen. 


auf der Nückjeite ein Heiliger; Olgemälde) Sein Mittelbild, jchön in Holz ge 
Ihnißt und polychrom mit reicher Vergoldung bemalt, zeigt die h. Anna, welche dem 
Chrijtusfinde in den Armen Marias eine Birne zuveicht. Im Hintergrunde und zu 
beiden Seiten vier Heilige. Im den Kreidegrund gedrücte reiche Ornamente mit Ver- 
goldung. Die Gewänder Marias und Annas find foftbar verziert. Abb. 19. Über 
dem Mittelbilde, hängt in der Mitte Chriftus; ihm zu den Seiten Maria und 
Johannes unter einem Doppelbaldachin. 

Einem anderen Altare haben vermutlich die in Holz gejchnigten Figuren ange 
hört, welche jegt im jüoweftlichen Anbau und hinter der Kanzel lagern: zwei jchön 


Eumehnen. 3a 


gefchnitte weibliche Heiligenfiguren mit Büchfe und Lamm; zwei männliche und eine 
weibliche Heiligenfigur in guter Schnigarbeit. Ein Ritter zu Pferde, größer als die 
vorigen (der h. Martin? |. Laptau). Beide Altarauffäge Nürnberger Arbeit. 
Im $. 1676 erhielt der Altar einen neuen Aufjag, in Holz gejchnigt; die 
Snjehrift auf dev Nüdjeite: 
70 
Anno 1701 im Peyember 
IR dem Börhlten Gott zu Ehren, und zue Bierde der 
Ricihe, diefer Thon Anno 1676 zur Zeit Beren Pfarrerf 
Beintich Settegaften und einen Bild-hauer Wahmenz 
Pfeffer meu erbaute Altar völlig Haffiret und verguldet 
worden, auß Freywilligem Zufhuß der Qumehnilhen Ge- 
meine duch Bern Chriltoff Pallaraius E. E. Rathts im 
Aneiphof! Königsberg MWahlern mit Conlens Sv. Ex- 
cellens Wit: Berren Berren Sigtsmumdt von Wallencodt 
vögten in Filchhaufen und duch müglühlte Beforderung 
Beren Gottfeiedt Wilamovit. u. J. m. 


Am Altarauffag in der Predella das Abendmahl; Olgemälde. Darüber als 
Hauptbild die Kreuzigung; darüber in einem Achte die Himmelfahrt. Über der 
. Predella I. die Taufe Ehrifti; v. Chriftus in Gethfemane Neben dem Hauptbilde 
fteht je eine forinthifche Säule mit hohem figurierten Unterfag. Daneben [, Lucas, 
vr. Johannes. Auf den Säulen tehen auf weit ausladendem Gefims v. Marcus, 
[. Matthäus. Neben dem Achteek ftehen zwei gavundene Forinthiiche Säulen. Darauf 
auf weit ausfragendem Gefims zwei Engel; oben auf dem Achter ein Sreis mit 
Lamm und Fahne darin. Oben jchliegt der Altarauffab mit Chriftus als Triumphator 
ab. Im Aufemwerfe der Phönig, die Schlange am Stamme, Engel u. j. w. Der 
ganze Altaraufjag ift ein mittelmäßiges Werk. 

Meflingene Altarleuchter aus dem vorigen Jahrhundert. 

Ein filberner vergoldeter Kelch. Unterjat gotifch; die jechs Notuli enthalten den 
Namen Ihefus und darüber und darunter je den Namen Maria mit einer Nofette. 
Die Cupa aus dem Jahre 164... 

Ein filberner vergoldeter Kelch von 1691. Eine Patene dazu. 

Eine Oblatenjchachtel, rıumd, filbern, vergoldet, mit Wappen auf dem Dedkel: 
ein fpringender Gemsbod. Unter ihrem Fuße: @. P. Kohlen. 8.P.R.A.NR.B. 
Pattonin MA? 1693. liber von Koplen und Pattone j. I. Callandi, Königsberger Stadtgejchlechter, 
in Altpı. Monatsichr. 1883 17 ff. 215 F. 

Eine filberne Weinkanne: Fräulein Barbara von Eppingen. Der Qummen- 
Ihen Kirchen vermarht Gott zu Ehren Anmo 1694, Mit Wappen. 

Einer der Klingelbeutel von feinem roten Sammet mit Goldborten. 

Kanzel von 1690. Um fie ftehen, mangelhaft in Holz gejchnigt, Chriftus und 
die vier Evangeliften zwifchen gewundenen ionifchen Säulen. An der Kanzeltreppe 
Petrus, Mojes, Paulus. Ein in Holz gejchnigter Engel trägt die Kanzel. Auf der 
Kanzel zwei Bilder zu Iejfaias 6 dv. 5—8 (fj. Kanzeltreppe zu Pobethen) und Apoftel- 
gejch. 10 v. 34: Petrus vor der Gemeinde in Cäfarea. Unter dem Schalldedel die 
Taube; auf dem Schallvedel Engel mit Marterwerkzeugen und Chriftus mit der 


38 Eumehnen. 


Siegesfahne. Über der Kanzeltyür: Obott zu Ehren haben die Kankel Anno 1690 
[ehen und Hno 1704 mahlen und vergülden lalfen Nohamnes Puchavab :- Kauf 
und Bandelsman, und feine Ehefrau Gertrud geb. Rannegiesserin : auf 
Königsberg :- 

Gleichzeitig, 1690, it an dem Triumphbogen L. im halben Achter eine Taufe, 
aus Holz gejchnißt, hergejtellt. Im jeder Ede eine gewvundene ionifche Säule auf 


n ar r 
a: N mt J 
RN 


IE 


7%, 


Abb. 19. Altarvauffah in der Kirche zu Qumelmen. 


einem ungefähr 1 m hohen Unterbau mit Gemälden. Über den Säulen ein aus- 
ladendes Gefims; darauf in mittelmäßiger Holzjchnigerei die Charitas u. |. w. Inner: 
halb der Säulen elegant gejchnigte Nanfen. 

Innerhalb dev Taufe eine Tauffchüffel aus getriebenem Meffing mit finnlofen 
gotischen Minusfeln um eine Nofette. Kleine Kreuze und Nanfkenornament it darım 
eingejtanzt. Nürnberger oder Augsburger Arbeit; NVI Ih. 


Gumebnen. 39 


Der alte urfprünglihe Taufjtein (Weihwafferbeden?) aus der Zeit der 
Gründung der Kirche, aus einem Granitblod gehauen, jteht jegt im Turm hinter der 
Eingangsthür. 

Die Orgel jtammt von 1884, ijt ein Werf von Terlegfi in Königsberg und 
in jchönen Barodformen ausgeführt. 


BE een - 
von Chorgestühl » Cumehnen, 


NECATIAWONGA -oE «SoinIg 


Abb, 20. Chorfiuhl in der Ricche zu Cumehnen. 
Das Geftühl ift im Langhaufe unter dem exjten füplichen Fenfter von W. und 
von der vermauerten Thir im ©. bis zum Chor, dann im Chor vr. und [. gotijch. 
- Hübjehe Mafwerkjchnigerei im Chor x. Im Chor L. jteht ein gotifches Geftühl mit 


Abb, 21. Empore in der Rice zu Cumehnen. 


finnfofer gotifcher Infehrift. Abb. 20. Gleichzeitig und wahrjcheinlich von demjelben 
Schniter ift die Thür zum fidwetlichen Anbau, ebenfalls mit finlofer Infchrift: 
PIE S ISVSEH. PIE u. [. f. VSEH | PIE I@IA IgIE u.j.f. Das Ornament 


40 Cumehnen. — Fiichhaufen. 


auf der Thir wie auf dem Stuhl im Chor 1. Abb. 20. An der W. Wand des Lang- 
haujes ein Stuhl aus dem XVI. IH. mit aufgemalten Intarfien, fog. Dreifit. — Im 
Chor in der Ede r. ein Beichtjtuhl in Barockformen. 

Die Empore IL. jtammt vom Jahre 1643. (Jahreszahl unter ihr, da, wo die 
Malerei aufhört) Sie ift jeher eigenartig durchgeführt und fpäter bemalt. Abb. 21. 

Im Langhaufe im legten Ioche r. hängt ein Gemälde des Pfarrers „ottfriedt 
Wilamovius geb. zu Königsberg in Preußen Anno 1663 22, Ian. geit. 1726 d. 
26. Febr.“ E3 ijt dies der treue Pfarrer, dem die Kivche die Ausmalung der Deite, 
der Thüren, des Altares, der Kanzel und der Gemälde in und an der Taufe verdanft. 
WBahrjcheinlich jtammt nicht nur die Ausmalung des Altares, jondern die gejamte 
Malerei von PBaflargius (j. 0). Die Dede wurde 1703 ausgeführt. Mittelbild 
oval: Chrijtus gen Himmel fahrend; Mofjes mit dem Hohenpriefter; Sohanmes der 
Täufer; „Kennzeichen“ der Evangeliften. Dann um das ovale Mittelbild herum die 
vier großen Propheten. Am Chor: Adam umd Eva im Paradiefe. An der Wejtfront: 
Die Arche Noä in der Sintflut. Vier große Bilder zu beiden Seiten: Elija mit 
dem Bären (2. Könige 2 v. 24). Abraham opfert Ifaaf. Sodoms Brand: im Norder- 
grunde Lot mit jeinen Töchtern. Chriftus exliegt unter feinem Streuze. Im den vier * 
Eden ovale Bilder: Verkündigung Mariä. Anbetung der Weijen. Chriftus mit der 
Samariterin. Ausgiegung des h. Geiftes. — Alles jehr mittelmäßige Bilder. Schönes 
Nanfenwerf zwifchen den Gemälden. Liber dem Triumphbogen eine figende Frau mit 
Buch; Daneben je ein Cherub. — Die W. Thür mit forinthifchen Säulen, worauf 
streuzgewölbe ruhen, bemalt; darin ein Büßender. Die N. Thür innen und außen 
ebenfalls mit forinthiichen Bogengängen; innen der barmherzige Samariter; augen 
Chrijtus unter dem Verfe Joh. 10 v. 9: Ich bin die Thür u. f. w. Im der Taufe 
hängt ein Ölgemälde: der Pfarrer G. Wilamovius mit feiner Ehefrau Anna Catharina 
von Koylin und neun Slindern einen Keuzifirus anbetend. Anno 1703 Mens, Septembr. 

Die ältejte und Eleinfte Glocke hängt aus einer Luke im Turm heraus und hat, 
joweit jie lesbar, folgende Infchrift: .... INS ANNO DO.... 


Nachrichten über E. 
Hennenberger, Erflerung d. Preuß. Landtt. 244 f. — Gebauer, Kımde des Samlandes 106 f. 
116 5. — R. Bergau, Die Kirche zu Cumehnen im Samlande. Altpren;. Monatsjchrit 1866 558 fi. — 
Nogge, Schattenriffe aus dem Firchl. Leben der Prod. Preufen in A. M. 1879 116. — Über eine 
Stiftung an die Pfarre in C. von Friedrich von Olfen 1696 MIEB. PB. DB: 1856. IX 451 ff — 
Harnod, E. u. ©. 1890 65. 


Abbildungen der Kixche zu E. 
Bwei Bleiftiftzeihnungen von U. Hagen. WU. R. VBaterläindisches. Mappe II. 


ischhaujen, Kreisftadt feit 1818, Hart am frifchen Haff, an der Klönigsberg- 
Pillauer Eijenbahn und Kunftitrafe, 32 km Lftl. im W, von stönigsberg, 
hieß anfangs Schonewit, 1320 bi3 Mitte des XIV, 3). Bifchoveshufen, 

Jpäter Bifchhufen, 1360 Vijchhufen, 1453 Fifchwfen. Kreis F. — 1061,36 [_]km. 
As Heimich von Strittberg, der erjte eigentliche Biichof von Samland, nach 
Preußen kam, erbaute er fich in dem ihm von dem Orden 1264 für Lochjtedt über- 
wiejenen Dorfe Schonewif einen befejtigten Biihofsfig um das Jahr 1268. Bifchof 


Fiichhaufen. 41 


Siegfried von Samland juchte den Ort jchon im $. 1299 zur Stadt zu erheben, 
indem ev fie vier Deutjchen, Bernhardus de VBarthe, Hermannıs de Grimme, Hennete 
Kenfe und Hennefe de Badendorf, zur Lofation überwies und fie aus eigenen Mitteln 
mit einem Graben und Planten zu beivehren verjpracd). A. M. 1876 486. Dieje Urfimde 
wurde gegenjtandslos. Der Ort wırde erjt 1305 mit dem ftädtifchen Privilegium 
bejchenft. Voigt, €. d. P. II Nr. 50. IT Nr. 1. 

Die Stadt it im großen polnischen Kriege (1454—1466) von gefchichtlicher 
Bedeutung geworden, weil fie im 3.1455 nebjt dem nahen Lochitedt zum Stübpunkte 
der Ffriegerifchen Unternehmungen des Drdensfpittlers Heinrich Neu von Plauen 
gegen den aufrührerifchen Kneiphof-Nönigsberg diente. Im Sabre 1456, als die 
Danziger über Lochftedt jtürmten, ebenjo 1459, als Wehlan belagert wurde umd die 
vereinigten Danziger, Elbinger und Braunsberger den Orden im Samlande zu be- 
jchäftigen fuchten, war %. den häufigen Angriffen des Feindes ausgefeßt. Im I. 1462, 
wo ein polnifcher Haufe während der Belagerung Frauenburgs über das Haff jehte, 
überfiel diejer die Stadt, plünderte fie und brannte jie auf, jo daß nur die Pfarrkirche 
und die bijchöfliche Burg der Zerjtörung entgingen. Während desjelben Sirieges diente 
8 auch zum vergeblichen Friedensverfuche, den der dänische König Chrijtian I. im 
3. 1458 unter Vorfig des Bijchofs Nikolaus von Schöne unternahm. 

Auf der Burg zu %. ftarb 1618 der blödfinnige Herzog Albrecht Friedrich. In 
Folge defjen vereinigte Johann Sigismund Preußen mit Brandenburg. 

Im 3. 1628 wurde hier der Waffenftillftand zwifchen Gujtav Adolf von Schweden 
und Kurfürft Georg Wilhelm von Brandenburg verhandelt, der zu Altmark mit den 
Polen abgejchlofjen wurde und das Samland der jchwedischen Sequeftration unterwarf. 
Während diefer Zeit verarmte und verödete 3. fait gänzlich. 

3. blieb der Sit des jamländifchen Bifchofs bis zu feiner Reformation 1524, 
wo der evangelifch gewordene Bilchof Georg von Polent es dem ehemaligen Hoch- 
meijter, Markgrafen Albrecht, erjtem Herzoge in Preußen, 1525 übergab. Die Burg 
3. wırde um die Mitte des XVI. Ih. in eine herzogliche Domäne verwandelt, welche 
der neugefchaffenen Hohen Schule zu Königsberg Befoldung und Getreide zu liefern 
hatte. 1723 winde die ehemalige Schloß (Amts) Freiheit mit der Stadt vereinigt. 
Im Jahre 1866 kam die ehemalige bifchöfliche Mühle dazu. 

Eine mangelhafte Gejamtanjicht befindet fich in Hartfnodh, Alt und Neues 
Preußen 1684 401. 

Wappen: Schild, auf welchem ein Bifchofftab und ein DOxdensritterichwert 
gefreuzt liegt. (Samländifches Wappen.) In dem unteren dadurch gebildeten Winfel 
jchwebt ein mit dem Kopfe nach oben gerichteter FZich. Auf dem ältejten mit 1305 
bezeichneten Stempel wie auf dem jeßt gebräuchlichen findet man diefelbe Darjtellung. 
Die Darftellung der Farben ift nicht bekannt. Als Stadtfarbe gilt hellblau, Sieb: 
macer, Wappenbud) I 4 II 202. Taf. 224. 


Vorgefchichtliche und gefchichtliche Altertümer im pl. %. 

BP. M 8.138 Bm. 8 Ta. — Im Prod.-M. ijt unter Andrem ein Stein: 
hammer und eine durchlochte Steinagt. — Eine Schanze, jog. Schwedenfchange, ift der 
„Eisfeller“ ı. von Fifchhaufen, jet Kirchhof der Domäne — Eine jolche liegt auch 
bei Dargen, 2 km Lftl. im N. W. von %. ©. 5. U. P. 1879/80 63. 66. 74. 


or 


Eine mittelalterliche Befeftigung hatte 3. nicht. 


42 Fiichhaufen, 


Die Burg Schonewif ift vom Bijchof von Samland um das Jahr 1268 angelegt. 
Urkundlich tritt der Name „Schonewic“ zuerjt 1268 auf. Nach unfren Nachforjchungen 
ift davon nicht mehr viel vorhanden, wir haben aber durch Giefe zwei Zeichnungen 
davon, die wir in Abb. 22 wiedergeben. Die line fertigte Giefe nach einer Zeichnung 
an, die im Befig des Archivars Hennig war, der auch eine Vejchreibung des Schlofjes 
bejaß. Die vechte zeichnete er von einem Gemälde ab, das damals in der Kirche zu 
Medenau hing und das 1654 angefertigt wurde. Im beiden fehen wir noch den 
1776 durch einen Blibjtrahl getroffenen Turm mit welfcher Haube. Das Schloß; B 
hatte im Erdgefchog die Wohnung; Keller waren der tiefen Lage wegen darunter 
nicht vorhanden. Ieht ift mm noch die als Scheume benußte „Kapelle“ K erhalten. 
Der darunter liegende Keller beweift, daß; fie vierjochig war; bier liegen vier Joche 


REM „ui 


Abb. 22, Greundriß der Burg zu Filchhaufen. Anliht der Ricche zu Fifchhaufen. 


Krenzgewölbe, die durch Gurte getrennt werden und auf Nippen von quergelegten 
BZiegelfteinen ruhen. Das Hauptgejchoß, in welchem die „Kapelle“ lag, hatte die 
Strebepfeiler innen vorgelegt; bivnjtabförmige Nippen fegten auf Konfolen auf. 
Mehrere davon find im P. M. erhalten: Großer Kragitein vom Oberamtmann Gerlach 
gejchenkt. PB. M. Inventar 33, 25 alte Nummer. Großer Edfragjtein von Sandftein: Unter 
einem Gefimfe befinden jich Nofetten und darunter, weiter zuwiicktvetend, andere Ver- 
zterungen. uf der oberen und unteren Seite fieht man die Hilfslinien, die als Zeich- 
nung zur Einteilung der Mafje vorgeriffen wurden. P. M. Inventar 33, 24 alte Nummer. 
Bon demjelben gejchentt. — Auer der „Kapelle“ find einige Nefte von Ziegelmauerwert 
der Vorburg zwilchen Amtshaus und Haff übrig, die gotifchen Verband zeigen. — 
Ein achtediges Granitjtüc, wahrjcheinlich Fundament eines Nemterpfeilers, liegt an 


Füchhaufen. 43 


der NW. Ede der „Kapelle“. Im 3. 1294 ijt dajelbjt eine Domkirche erwähnt, 
wahrjcheinlich unjere „Kapelle*. i 
Die jebt ev. Pfarrkirche, deren Patron der König ift, liegt mitten in der Stadt. 
Im 3. 1321 it ein Pleban von 3, Johannes, Zeuge. Demnach feheint die Kirche 
ungefähr 1315 fertig gewejen zu fein. Sie ijt von 1852 bis 1856 gründlich twicder- 
hergeftellt. „Ein mit Zinkblech bejchlagener, im byzantinischen Stil geformter Klingel- 
turm jtand neben dem gotischen Hauptturm mitten auf dem Dache in halb jchiefer 


Abb. 23. Anlicht der Rice zu Filchhaufen. 


Stellung. Am prächtigen DOftgiebel war ein Schweine- und ein Gänfeftall in der 
ganzen Breite desjelben angebaut.“ „An der Südfront waren zwei Holzjtälle und ein 
Choraufgang und am Turm der Kieche ein zwei Stocd hohes Gebäude angemauert.“ 
Sp jchildert der damalige Pfarrer Merleder 1873 die Kirche. est it fie gut 
wiederhergeftellt, fie ift aber von Feiner Seite gut zu jehen. 1889 erhielt fie neue, 
in ihren Stil nicht völlig hineinpafjende Emporen. Sie it im gefugten Ziegelbau im 
gotischen Verbande aufgeführt. Yon dem Aupeven it der Turm und der öjtliche 
Staffelgiebel bemerkenswert. Alles übrige ijt im Jahre 1852/56 reftanriert. Im 


44 Fiichhaufen. 


3. 1864 erhielt die Kicche einen jehönen Schmud (von Friedrich Wilhelm IV.) in den 
beiden von Siemering gejchaffenen, bei E. March gebrannten Terracottaftatuen des 
9. Adalbert umd des erjten evangelifchen Bijchofs Georg von Polens; dariber in 
einer Nifche das weniger gelungene Terracottabildnis des Heilands, auch von 
Siemering. Abb. 23. 

Sm Innern ift der Turm in dem Erdgefchog mit einem SKreuzgewölbe mit 
bivnjtabförmigen Rippen mit Schlußjtein, welche auf vier rumden profifierten Konfolen 
aufjegen, gejchlojjen. Eine Badjteintreppe führt in feine oberen Gejchoffe von der 
Vejhvand des Langhaufes. Das Langhaus hat vier Ioche zwölfteiliges Stern- 
gewölbe, deren bivnjtabförmige Rippen auf SKonfolen anjegen. Die Strebepfeiler, 
woran die Konjolen jigen, find nach innen gezogen (wie auch im Chor). Im dritten 
Soche tft auf jeder Seite eine Vorhalle angebaut. Nach einem fpigbogigen Triumph 
bogen jegt der gerade gejchlojjene Chor mit zwei Gewölbejochen an, die ein noch 
veicheres Sterngewölbe haben, fjonjt aber wie das Langhaus geftaltet find. Im N. 
Ihliegt die mit einem Sreuzgewölbe gededte Sakriftei fich dem exjten BSoche des 
Chores au. 

Die Kirche (Turm, Langhaus und Chor) ift 48,6 m [, Langhaus 10,6 m br. 
im Lichten. Dachhöhe 18,8 m; Turmhöhe 25,6 m. 


Der Altaraufjas, 1606 erbaut, 1855 erneuert, ift eine Nachahmung des Altar- 
aufjaßes in der Domkirche zu Königsberg. In der Predella das Abendmahl. Schlechte 
Olmalerei. Hauptbild die Dreieinigfeit, jehr jteif in Holz gefchnigt. Darüber die 
zehn Eugen und thörichten Jungfrauen, die Chrifto entgegengehen. Auf den beiden 
Flügeln ift die Leidensgefchichte Chrifti ohne jegliche Kunft in OL dargeftellt. 

Ein 17,5 cm h. jilb. vergold. gotifcher Kelch. Um die Eleine trichterförmige 
Gupa find dreizehn Lilien aufgelötet. Der Schaft zerfällt in einen reich ornamentierten 
Knauf mit jechs Notulis, welche mit dem Chriftusfopfe und ums nicht verjtändlichen 
gotischen Minusteln: va lv a geziert find. Liber dem Snaufe find fechs Stick Haven 
Bernjteins, als Tafelfteine gejchliffen, eingefegt. Unter ihm desgleichen. Die Bernftein- 
jtüce find vom Pfr. Oramert (184066) anjtatt der fehlenden Edeljteine angebracht. 
Der Fuß, im Sechspaß gejchloffen, enthält in herrlicher getriebener Silberarbeit die 
Figuren von Maria mit dem Stinde, Gott Vater mit dem Kruzifizus, der h. Dorothea, 
h. Margaretha, H. Catharina umd b. Barbara in überreichen Ornamenten. Abb. 24 
und Taf. 1. 

Eine jilb, innen vergoldete Batene mit dem ermländifchen Wappen. Am Rande 
ein Chriftusfopf mit Weihekreuz graviert. 


Fichhaufen. 45 


Ein filb. vergold. Kelch. Nur der verkehrt angelötete nauf gehört der Spätgotif 
an; feine jechs Notuli enthalten den Namen ihesus in gotischen Minusteln, dazwiicen 
oben und unten eingraviertes Maßwerk mit Fiichblafen. Der Fuß dom 19. May 1801 
mit aufgelötetem Sruzifizus ohne Kreuz. 

Die dazıı gehörige Patene trägt auf ihrer Nückjeite die Infchrift: Anno 1644 
den 11 Yunius Gabriel Berfchmih, Bürger und Schmidt. Am Rand ift das Weihe: 
fveuz eingravdiert. 

Ein Kelch, filb. vergold,, XVIH. Ih. Nückeite: 6. W. 8. 

Batene dazu: M. €. ©. 


Abb. 5. Bucheinband zu Fifchhaufent. 


Eine reich ornamentierte jilb., vergold. gewejene Weinkanne aus dem XVII Ih. 
mit der Figur der Charitas mit drei Putten auf dem Dedelgriff. Auf der Kanne in 
latein. Majusfeln: Ieronimus Bahmeyer, (Hausmarke.) Hanes Balmeyerlihe. 

Eine filb. runde DOblatenbüchfe mit der Infchrift in lateinijchen Majusteln: 
Aw 1615 W: Johannes Wegnerus Pfarrer, — Mattheus Krause bin ich 
nenant, | Wannes Forsten Tamt wolbekant. | Dieses zu Gottes Ehren an- 
aewant, Auf dem Dedel eine winzige weibliche Figur. 

Ein Kirchendbucd von 1700, in dunkelgrünen Sammet gebunden, mit jilb. 
Schliehhafen (Petrus und Paulus). Vorderjeite: in der Mitte Gott Vater; an den 
vier Eden die vier Evangeliften. Hinterfeite: in dev Mitte die Trinität; an den Ecken 
je zwei Evangeliften (Johannes und Lucas) wiederholt. Alles in Silber getrieben. 


46 Fischhaufen. 


Su dem Buch die Infehrift: Ammo 1700 von Chriltian Medemeyer Stadtkämmerer 
und Pb. Ricchenvorfteher derfelben: nefihenken. Abb. 25. 

Kanzel, XVII. Ih., achtedig, in Holz gefchnigt. Darauf ein meffingner Leuchter 
mit dem Doppeladfer. 

Der alte Taufjtein fteht jet in der Turmballe: das darin befindliche Tauf- 
beefen von Meffing ift Ninberger oder Augsburger Arbeit des XVI. oder XVII. Ih, 
In der Mitte in geftanzter Arbeit die Verkündigung Mariä; um diefe herum gotische 
Jumloje Majusfel- und Minustel-Schrift. Um die Schrift ift in gepunzter Arbeit ein 
fiich6lafenähnliches Ornament und NRanfenwerk mit Streuzen angebracht. 

Die Drgel 1616 von Adrian Zeickermann und jpäter Jacob SKnerde erbaut; 
1727 venoviert; abermals von Jacob Preuf 1821. (Darauf bezieht ich die Infchrift 
auf dem Notenpulte) 1856 von Scherweit repariert. 


Abb. 26. Kicchftuhl zu Fifchhaufen. 


Ein Kronleuchter von Meffing: Yochim Pensam gewefener Amptsbraver 
hat diefe Meohne voreret in der anderen More nach Pfleen Hıımo 1655, 
Darunter ven. 

Ein Kronleuchter von Meffing aus dem XVIL. Dh. mit einem Doppeladler. 

Ein mejjingner Löwenfopf trägt einen dreiarmigen Leu hter: Peter Benthufen 
Anno 1611, L. am Treiumphhogen. Die andren dreiarmigen Leuchter find modern. 

Ein mejfingner Doppelleuchter mit dem Doppeladler; XVIL Ih. 

Das Gejtühl ift zumeift aus dem XVIL. X. und im Langhaufe jchlecht bemalt. 
Auf einer Stuhlthür jteht 1697.) Mehrere hübjch im VBarodjtil gejchnigte Stühle, 
darımter der Abb. 26 dargeftellte. Eine jchöne in der Art Melcher Breuers bemalte 
Vorderwand eines Gejtihls ift 1889 aus der Sirche verschwunden. Der Beichtjtuhl 
vr. vom Altave ift ein Gejchent des MWohlthäters der Stadt 3, de8 Magifters Joh. 


Fiichhaufen. — German. 47 


Sottl. Fifeher, vom 3. 1770. Sehe nüchterne Schnigarbeit. Filcher, geb. 1718 7 1796, 
wide unter dem Turme der Klicche zu 8. begraben. 
Die barode Ausmalung der 1889 entfernten Emporen hatte der Nat Phal 
gejtiftet: Ludovicus Phal, Consul hujus.Civ.: in honorem DEJ hoc illuminari euravit, 
Über die Epitaphien und Gedenkjteine j. Merfeder, Beihr. d. 8. zu Sifchhaufen 13 fi. 


Nachrichten über $.: Burg, Stadt und Sticche. 


Hennenberger, Exfl. d. Preuf. Landtafel 130 f. — Merian, Topogr. Prussiae 25. — Hart- 
fnoch, Altes und Neues Preufen 400. — Gebauer, Kunde des Samlandes 89 F. 93. 1045 — 
Nachrichten iiber die Lehnsgiiter des ehemaligen Hauptamts inFgmN P. BP. B. XI 1857 206—216. — 
Merleder, Beichreibung dev Kirche von $. 1873. — Lok, 8. T. D. 208. — Harnod, €. u. ©. 
1890 66 ff. 


e ermant, fülnifches Kicchdorf, 12 km Lftl. n. von Fiichhaufen. Im heidnifcher 
SR ) Zeit Giemowe (2); Gyrme 1258; Öirmav und Germav 1595. 


VBorgejchichtlice Altertümer im pl. ©. 


Sorjeiten, 4 km Lftl. j. von G. Silberne Armbruftfibehn u. j. w. im Rrov. M. 
Tischler, ©. 2.8. 6. 1886 22-24. Ellernhaus, 4 km Lftl. |. d. von ©. PM. 8. 1251. 
Eine Schanze n. davon im Panges-Bruch, Gieje, 3. UP. ©. d. MP. 1870/80 62 
Gauten, 4 km Lftl. j. von ©. P. m. 8. 1278. 293. German, P. M. N. I 15. 42. 44. 
58. 73, 110, 112. 115. 275. II 76. 77. 81. 82. 420. A. M. 1873 77. Großer Bernfteinring 
im Prov. M. — von Boenigf, Über d. Umenfelder des Germauer Berens A M. 1877 662 if. 
Sodnicden, 6 km Lftl. j. von G. PM. st. II 208. 419. Die hier liegende „Schweden- 
ichanze* ift 1877 abgetragen. Gieje, 3. U. P. Srebieten, 3 km £ftl. j. w. von ©. 
P. M. S. I 147. II 450—455. ©. d. U. P. 1886/87 174-183 m. 5 Tafeln. Daraus eine große 
jilb. Fibula. Haufenberg bei Eraxtepellen, 5 km Lftl. m. w. von $. Altheidnifcher 
durch Umzäunung befejtigter Wohnfis, auf welchem jpäter die alte Umzäunung durch 
Umwallung erjegt wurde, gleichfalls noch in heidnijcher Zeit. Modell im Prufjia- 
Mufeum zu Königsberg. PM. 8. IT 18. Gicfe, 3.4.9. ©. d. UP. 1879/80 62. 
Haufenberg, Großer, 2 km Lftl. n. von ©, w. vom Morajt Gauge Zufluchtsort 
für die neubefehrten Samen bei Einfällen der heidnijchen Litauer. Letes Drittel des 
XII. Ih. Modell im P. M. K. III 20. Ausgrabungen 1877. A. M. 1879 ©. 176 |. 
von Boenigk fand dajelbft Überrefte eines Blodhaujes mit Strob- und Strauch- 
verjchlag. ©. d. A. P. 1877/78 65. 1886/87 93. Gieje, 3. WB. Av. Cohaujen, Alte Ver- 
Ichanzımgen u. |. ww. in Rheinland md PVreugen in Zeitjehr. F. preuß. Gejchichte ur. Sandesfunde 1866 
613 ff. Neufch, Sagen des preuf. Samlandes? 56 ff. Haufen, Kleiner, im Pfarrlande 
zu German. PM. 8.1. Fliehburg für den Wafjermüller. ©. d. U. P. 1886/87 91. 
Gieje, Z.U.P. Kirpehnen, 1 km gftl, j. von ©. Nächit Dollkeim und Wisftauten 
die bedeutenditen Gräberfelder im Samlande. P. M. 8. I 45. 49. 50. 51. IT 59-61. 79. 
309. 327330. ©. d. AR. 1877/78 9 ff. 1879/80 110. Krattlau, 2 km gftl. 8. von ©. 
P.M.R.IT134. Linkau (1258 Lynthowe), 7 km Lftl. |. d. von ©. P. Ms. II 134. 
Nodems, 4 km Lil. j. w. von G. Am Stande liegt ein „Schlohberg, auf der 
Generalitabsfarte „Schwedenfchanze“ genannt, den wir nach der Giefe’schen Zeichnung 
und Bejchreibung wiedergeben. Abb. 27. „1. Holzwall. 2. u. 3. Vorwall. 4. Halber 
(nachgeholfener) Wall“. Bieje, 3. U. P. ©... 2. 1879/80 75.. Palmniden, 5 km 

u “ 


48 German. 


Lftl. n. w. von ©. PM. 8.196. 274. Polennen, 5 km £ftl. j. von G. B. m. R. Ir 134. 
Nothenen, 5 km Lftl. j. von ©. PM 8.162. Sacherau, 2 km Lftl. | von ®, 
FM. 811134. Sorgenau, 4 km £ftl. w. von G. PM. 8.117. Spinnerhaus, 
6 km Lftl. j. d. Ein Burgwall ©. d. U. ®. 1879/80 61. Trulad, 1 km £ftl. n. von ©. 
PM. K.1132. 113. Warfjchken, 3 km Lftl. m. w. von G. Tifhler, ©. >. p. 6. ©. 1886 
153—168. 


Im I. 1252—53 ziveiter Einfall des Ordens ins Samland. Der dritte Land- 
meifter Heinr. von Wieda fehiekte den Komtur von Chriftburg, Heint. Stange, im Winter 
über das gefrorne Haff und über Lochftedt nach) Girmowe; hier fam c8 zur Schlacht, 
in der der Drden unterlag. 


von Boenigf, Die Unternehmung der Gebrlider Stange auf German. MW. M. 1879 330 ff. ©. 
d. WU. B. 1877/80 99 ff. 


Abb, 27. Grmmdriß des Schlofberges zu Dodems, 


Die Ordensburg ift nach 1270 erbaut und wurde Kammeramt des D. O. Cie 
bejtand bis zur Reformation, tvo fie in den Befit des Herzogs Albrecht überging. 
1525 im Frieden von Srafau wird ©. noch als Schloß genannt. Seit 1581 Sik 
de8 Bernfteinmeifters und der Bernfteinfammer, die von Lochjtedt hierher verlegt wurde. 
Seit 1644 ik des neu eingerichteten Vernfteingerichts. Der Galgen des Bernitein- 
gerichts jtand auf dem Galgenberge bei Kirpehnen. Lange Zeit jeheint das Schloß zu 
diefem Zwecke nicht gedient 5 haben, da die Bernfteinordnung von 1693 Balmniden 
als den Sib des Bernfteinmeifters kennt. Wir geben den Grundriß umd die Anficht 
der Burg (jet Kicche) nad) Gieje. Abb. 28. 

Zu Anfang des XVL 3). war der Germaufche Adel big auf die Familien 
Padmohr, Naud, Mayifel und von Nenningen herabgegangen. 

Auf drei Seiten find noch die Spuren eines (wahrjcheinlich trockenen) Grabens 
fichtbar; im N, DO. und W, noch Überbleibjel der Ningmauer. Der jebige Kirchhof 
war Borburg. Im W. lag das Thor, wonach bis vor furzem noch ein jeßt abge 


German, 49 


brochenes Haus „Die IThorbude“ hieß. Im XVI. 3. wınde der j. lügel des 
Schlofjes zur w. 

Pfarrkirche gemacht. Patron ift der König. Ein Pfr. Neynherr von G. wird 
jhon 1321 urkundlich euwähnt; e8 muß aljo vor diefer Kirche eine andere beftanden 
haben, wenn der gedachte Pfr. nicht an der Kapelle angeftellt war, — Die Kirche 
bejteht aus dem Turm, welcher 1565 über dem halben Giebel der slirche in DBlod- 
verband mit Zeltdach ausgeführt ift (Wetterfahne von 1760), einem La ngbhaufe und 
einem angefügten, geradlinig geichlojjenen Chor; beide Gebäude in gotifchem Verband. 
Strebepfeiler jpäter angefügt. Schieferdach von 1860. Neparatur des Turmes nach 


NET 


N 


Ayyiil 


LEN 


Abb. 28. Greumdriß und Anlichk der Burg zu German, 


einem Blitichlag von 1596. Das Langhaus befteht bis zur Wehrgangshöhe (. u.) 
aus Feldjteinen mit Ziegeleden, auch die alten, im Stichbogen gejchloffenen Wehr: 
gangsfenfter find von Ziegeln umrahnt. Der Wehrgang jowie der ganze Chor beftcht 
aus unverpußten Ziegeln. 

Das Langhaus ijt wahrjcheinlich aus dem Refeftorium, welches bei den Oxdeng- 
bauten gewöhnlich auf der Sidjeite liegt, nebjt den anjchliegenden Semächern und der 
darunter liegenden Küche nebft Vorratsräumen entjtanden, daher die gänzlich unregel- 
mäßige Anlage der Fenfter. Unter dem Langhaufe find mächtige Kellergewölbe, durch 
eine jegt teilweife verjchüttete Treppe am Turm im N. einjt zugänglich. Um die 

4 


50 German, 


ganze Kirche zieht fich über ihren Fenftern ein Wehrgang, welcher auf zwei Treppen 
zu jeder Seite des Triumphbogens herabführt und zu vermauerten Thiven leitet. 
Daher die jagenhafte Mitteilung, day aus der Kirche ein unterirdifcher Gang nach 
Kirpehnen geführt habe. (Vgl. den Dom zu Königsberg.) 

Das Langhaus ijt fpäter mit Holz in drei Kreuzgewölben überdedt. Die 
Malereien in den jechs Schildbögen von 1717: Iejus in Gethjemane; Iefus vor dem 
Sanhedrin; Chrijti Geigelung; Gang nach Golgatha; Kreuzigung; Grablegung. 

Der Chor beiteht aus zwei gleichen Jochen und hat noch feine alten achtteiligen 
Sterngewölbe mit birnjtabförmigen Rippen. 

Der Altarauffaß wurde „1610 gezeugt, den 15. März 1611 anhero gebracht“. 
Er wırde aus milden Beiträgen errichtet, die auf feiner Nüdjeite nambhaft gemacht 
werden. Das Abendmahlsbild in der Predella nach einem Kupferftiche von I. Sadeler 
nach de Witte (Candido * 1548). 2. und r. der dritte Apoftel von Chriftus, forwie 
[. der legte Apojtel find Portraits. Die Bilder darüber nach Kupferjtichen von Mander 
nach Olgemälden von %. de Ghein umd 3. Dolendo. (Hagen, Domtirche zu Königsberg 126.) 
Viele ablige Wappen daran. Oben am Altare ein jchlechter Kopf Luthers. Über 
der Predella der Kruzifieus fchlecht in Holz gefchnigt. Darüber ein Ölgemälde: 
Ehrijti Grablegung. 

Hwei jchöne filberne Altarleuchter aus dem Ende des XVII. Ih. mit drei 
Engelsföpfen am Fuß (vgl. die Altarleuchter der Kirche zu Neuhaufen und Schafen). 

Das Altargerät ift 1890 geftohlen worden; darumter war: Ein filberner Kelch 
nebjt Batene von 1591: Comwadus Scwanmeufel von Forhheim Pfarchere von 
Girman, — Ein filb. Kelch von 1659, einer desgleichen von 1700, desal. von 
1782. Eine Patene von 1771. Eine filberne, innen vergoldete Oblatenschachtel 
mit Emblemen auf dem Dedel und den Buchjtaben A.V. BO. M.Z QvL. 
— Eine filberne Weinkanne von 1797. 

Die Kanzel aus Holz, wahrjcheinlich vom I. 1673, mit fehön gefchnigten und 
anjprechend bemalten (1775) Fruchtjehnüren auf den Eefen, dazwijchen die vier Evan- 
gelijten auf Konfolen mit Engelstöpfen. Der Kanzelvand hat Triglyphen mit Engels- 
föpfen. Auf der SKanzeltveppenthür Fruchtichnüre. Auf dem Schalldedel fteht der 
triumphierende Ehriftus. 

Der Taufjtein, von Granit, jechgedig in Kelchform, fteht in einer Tauffapelle, 
welche im Chor r. und gleichzeitig mit dem Altaraufjag ift. Ihe Unterbau mit 
Ölgemälden der Gerechtigkeit, Liebe, Hoffnung und des Glaubens, von Rundbogen 
und zwei Pilaftern eingefaßt. Darüber haben Worte geftanden, die mit blauer Farbe 
überftrichen find. Auf dem Unterbau ftehen korinthiiche Säulen mit Masten; darüber 
ein Gejims. 

Die Drgel 1767 von Adam Gottlob Cajparini erbaut und von Gabriel Nötel 
1769 „ftavirt“. 

Ein Kronleuchter aus Meffing mit einem nadten Männchen und Adler mit 
einem Kopf darauf. Ende XVII. Ih. aus der Altjtädtifchen Kirche zu Königsberg. (2) 

Ein Beichtjtupl L. im Chore von 1683 mit Fruchtjchnüven und fchlechten 
Malereien. 

sm Langhaufe r. am Triumphbogen eine gefchnigte Kirchenbank aus dem 
XVI. 3). Darüber eine Empore von 1673 mit denjelben Fruchtiehnüven wie die 
Kanzel. 


German. — Hafeftrom. 51 


Im Chor [. u. x. Seftühl; XVIL 5). Dariiber ftehen Nachrichten über Er- 
bauungszeiten und Ausdejjerungen der Kirche. Eine überall nachahmenswerte Sitte! 

Ein Opferftod mit der Infchrift: Arhthundert arm it im Bofpitale 
beten | für die mit milder handt zu diefem Lazeo treten, | legt auch vom wenigen 
fo viel ihr könne ein | fo wird der armen biff bei Gott erhöret Jeyn. Anno 1714. 

Liedertafeln von 1740 und von Samuel Srünenberg 1722. 

Schön gejticte Blumenvafengeftelle, die wahrjcheinlich von einer Altar- 
beffeidung jtammen. 

sn den Altarfenftern mehrere Wappen in Glasmalerei von 1610 md 1611. 

Ar der D. Wand des Chores von außen zwei Grabfteine, der eine von Chatarina 
Srünenberg F 1704 und Anna Lonija Magdalena geb. Grünenberg aus Klirpehnen 
veregelichte von Auer F 1764. Ein Grünenberg war im XV. Ih. Pfr. in ©. 

Der große Kirchhof, welcher 1781 mit Linden bepflanzt wurde, liegt an der 
Stelle der Vorburg. 

Nachrichten über das Kipl ©. 

Dusburg ed. Hartfnoch 169 f. — Hen nenberg, Exfler. d. Preuf. Sandtt. 140. — Gebauer, 
Kumde de8 Samlandes 104 f. — Harnod, €. u. ©. 1890 68 f. — v. Millverftedt, Vajallen- 
Negijter de8 Samlandes, Kammeramt German, N. BP. P.B. 1855 1. 256—257. — Eine Bleiftift- 
zeichnung der Kirche v. WA. Hagen 1832 im A. P. M. Vaterlind. Mappe, 


afejtrom, fönigl. Dorf, 8 km Lftl. |. w. von Königsberg an der ehemaligen 
zweiten Mündung des Pregels (1741 verdämmt, um die Hauptmündung 
mehr zu vertiefen). 1349 Haberftro; fpäter Haabejtrohm. 

Die Pfarrfiche follte urjprünglich nach der Urkunde von 1249 ©. d. Warm. I 98. 
nach Slinia — Slumien (Zerofhin Sr. PL 541) — Calgen, 2 km £ftl. ö. von 9, 
fommen, ift aber niemals ausgeführt worden. Bender, Zeitichr. f. Gejh. u. Altertumstunde 
Ermiands v 42. Die heutige ew. Pfarrkirche wird in der Schenkungsurkunde des Hm. 
Heinrich Dufemer an den Löbenicht (Königsberg) vom 3. 1349 als eine jchon vor= 
handene „Kapelle an dem habe, haberjtro genennt“ erwähnt, in welcher der Hm. fie 
dem Nonnenklofter im Löbenicht jehenkt. Im I. 1363 beftätigt auf Anfuchen des 
Hm. Winrich von Kniprode der Bijchof Iohannes II. Streifrod don Ermland die 
Schenkung auch in Bezug auf die Firchlichen Verhältniffe, indem er gleichzeitig die 
Pfarrficche zu Lichtenhain (Lichtendagen) dem Siofter einverleibte, die bi8 dahin diejer 
Sirche zugehörige Kapelle in 9. aber zu einer jelbjtändigen Pfarrkicche erhob. Sie 
gehörte zum Erzprieftertum Greuzburg. ©. x. ®.I 395. 425. 

Das heutige Kirchengebäude, deren Privatpatronat in Manlen und Wundlaken 
(1284 Windelaufen) fiegt, ftammt aus der Ordenszeit, ift aber vielfach umgebaut; fein 
Turm ift vor ungefähr 100 3. neu gebaut. Die beiden jtichbogigen Blenden auf der 
N. Seite find alt. Die Kirche bildet ein Nechted, an den Eefen mit vier diagonal 
gejtellten niedrigen Stvebepfeilern und zwei hohen in je der Mitte. Der MW. Giebel 
urjprünglich in fieben Ipißbogige, der D. Giebel in neuerer Zeit in fünf Blenden gegliedert. 
— Der fich nach oben etwas verjüngende Turm hat deswegen keine Edjtreben. Sein 
Schindeldach von 1810. Knopf; Fahne von 1818. Die Safriftei in DO, jowie der 
gleichzeitige und gleich geftaltete Anbau der Ta uffapelle in D. find mit Kreuzgewölben 
überjpannt. Die beiden Anbauten find neuerdings mit einem gotifchen Zwvifchenbau 
verjehen worden, in welchem fich der Eingang zu dem Srabgewölbe befindet. 

4* 


52 - Hafeftrom. — Heiligenwalde. 


Das Langhaus hat einen Korbbogen aus Brettern. Von den Fenjtern find 
zwei an der N. Seite mit jchönen Glasmalereien (vom Grafen Dohna-Waldburg 1837 
geftiftet), zwei andre zu beiden Seiten des Altares ebenfalls mit Glasmalereien (vom 
Grafen Dohna-Wundladen 1837 gejtiftet) verjehen. 

Der Altar wie die Kanzel ftammen aus dem Anfang des XVII. Ih., beide 
mit dem Wappen ihrer Stifter und mit unjchönen Gejtalten. Auf dem Kirchboden 
ftehen zwei dem Altar zugehörige Engel. 

In der Tauffapelle steht eine Taufe aus Holz aus dem Anfang des XVII. Ih. 
Taufjchüjfel aus Meffing mit dem englifchen Gruß in ihrer Mütte in getriebener 
Arbeit, zwei Streifen von jinnlofen gotischen Minusteln und am Nande eingepunzten 
Tieren und Oxnamenten; Nirnberger oder Augsburger Arbeit des XVII. Ih. 

Kronleuchter, drei von Meffing; XKVIN. Ih. 

Das Geftühl an der Brotjeite ift von 1644. Chorjtuhl in der Sakrifter von 1693. 

An der VBrotfeite hängt ein fehönes Olgemälde vom Pfarrer Waechter, von 
Neive gemalt. 

Grabfteine: Drei vor dem Altar, zwei zur Seite desjelben: von Pohlenz, 
von Lehndorf, von Wolff u. j. w. Außen an der Kirche im ©. die Grabjteine von 
von Schroetter (Stutterheim) (+ 1743) mit Wappen und des Minijters von Rohd 
(+ 1784) an dem Sreisfegment, in welchem ev und andere begraben find. 

Pfarrhaus 1693 erbaut. 

Nachrichten über das Kipl 9. 

MWittich, Mir. von 1880 auf den Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, E. u. ©. 1890 A1 j. 

— Zwei Bleiftiftzeihnungen der Kirche zu 9. von U. Hagen 1832 im U. BP. M. Vaterländijche Mappe. 


Heiligenivalde, kölmifches und bäuerliches Dorf, 21 km Lftl. ö. von 
Königsberg, auf einer flachen Sandjcholle, welche fich kaum 2 m über die jie rings 
einjchliegenden Wiefen erhebt, durch welche der Pregel fließt. Auf dem in Urkunden 
deS XIV. Ih. erwähnten lucus sacer erbaut. 


Vorgejchicjtliche Altertiimer im Kipl. 9. 


PBogauen, 3 km Lftl. ın. w. von 9. PM. ". TI 109. 

Die &. Pfarrfirhe it königlichen Patronats; fie bejteht aus Langhaus 
(14,75 X 10 m im Lichten) und Chor (LO X 6,50 m im Lichten) nebjt jpäter vor das 
Langhaus gebautem Turm im W. Huheres: Langhaus und Chor bejtehen aus 
runden mit Kalt bevworfenen Felditeinen mit Ziegeleden und Thir- und Fenfter- 
gewänden von Ziegeln. Der Turm befteht nur aus Ziegeln und hat eine Fachwerfs- 
wand. Sein Biberichwanzdach jegt fich nach oben in einer niedrigen, achtecligen Laterne 
fort, deren jehlanfe Spige mit Kupfer gededit ift. Knopf und Wetterfahnen mit dem 
Mappen des erjten Königs von Preufen und der Jahreszahl 1712. — Das Langhaus 
wird ducch vier diagonale Strebepfeiler gejtügt; der Chor bejigt deren nicht. 

Im Innern zwifchen dem mit Bretterdedke im Stichbogen gejchlofjenen Yang- 
haufe umd dem mit jchönem zwölfteiligen Sterngewölbe in zwei gleichen Zochen 
bedecften Chor ein 0,75 m breiter, fajt im Nundbogen gejchlofiener Triumphbogen; 
in feiner Laibung Il. ein vierecfiges Balkenloch, durch welches man den Chor von dem 
Langhaufe abjperren konnte. (2) — Auf der N. Seite feine Fenter; die jonjtigen Licht- 


Heiligenwalde. 53 


Öffnungen nen. In der N. Seite find mehrere Nifchen von verjchiedener Breite und Höhe. 
Die Eingänge find im Spibbogen gejchlojfen und zweimal rechtwinklig abgetreppt. 

Auf dem wagerechten Abjah des Triumphbogens jteht nach dem Langhaufe zu 
ein mittelalterliche, halblebensgroger Kruzifizus nebjt Maria und Johannes; gute 
Holzjchnigerei, farbig bemalt. 

In der Safrijtei (Anbau im N. des Chores) jteht auf neuer Holzfonfole eine 
mittelalterliche, jehr jchön gejchnißte, nur leider mit weiger Delfarbe überfchmierte (!), 
halblebensgroge Mutter Gottes mit dem Chrijtusfinde im Arm, deren I. Fuß eine 
liegende Mondfichel berührt und die ehemals in einem Altaraufjat gejtanden hat, Taf. 2. 

Die Menja des Altares aus Ziegeln im gotischen Verbande mit einer Granit 
platte darauf. Der Altaraufjab „aedificatum 1690, renovatum 1854“, von Chriftian 
Klodjjey gejchnigt in Barodformen, in weis und gold gehalten. In der Predella das 
Abendmahl plaftiich aus Holz; darüber als Hauptbild Chriftus am Kreuze mit den 
beiden Schächern u. j. w., im Hintergrumde die nach mittelalterlicher Art befeftigte 
Stadt Ierufalem, alles Holzjchnigerei in weis und geld. Von der vornehmen Wirkung 
de8 Ganzen fticht die farbige Behandlung des Hintergrundes jehr ab. 

Zwei Altarleuchter aus Zinn mit dem Labarım, mit drei auf Löwen ruhenden 
Füßen: Greger Sıhomacher hat dile Tochter der Kicchen verehret. Anno 1673. 

Eine aus Kupfer getriebene, jtark vergoldete Monjtranz, deren Tabernafel vor 
wenigen Jahrzehnten entwendet if. Auf dem runden Fuß erhebt fich der fchlanfe 
Schaft, der fich in der Mitte zu einem runden Sinaufe mit jechs runden Notulis 
erweitert. Auf den NRotulis mit gotijchen Majusteln: AVE MAR (Ave Maria). Auf 
dem Schafte ein halbfugelförmiger Kelch mit einem Schlieghafen. Im ganzen 18 cm hoch. 

Kanzel von 1675, renovat. 1854 in Barodformen, im weiß und gold, die vier 
Evangelijten nebjt je zwei Hermen in Holzjchnigerei; an den Ecken Fruchtjcehnire mit 
Engelstöpfen. Mojes als ihr Träger; als der des Slanzelbretts ein Engel mit Buch; 
ebenfalls von Chrift. Klodfjey gemacht. 

Mejfingene Tauffchale: Piefes Taufberken kombi der Bilgen Walfche kicchen 
wu. Ho 1677 Pen 6 Marti. Hübjches Nenaiffanceranfenwert auf dem Rande. 

Der alte Taufitein aus Granit beftcht aus einer runden flachen Schale mit 
wulitartigem Fuße. Er Steht jegt unter der Kanzel, 

Die Drgel mit Nococoornament 1761 von Preuß in Königsberg gemacht. 

An den Ständern der Emporen hängen drei hübjehe Lichthalter aus dem Ende 
des XVIM. I. 

Sejangbuchverstafeln von 1755 mit Monogranım, wahrjcheinlich von demfelben 
Maler gefertigt wie die Gejangbuchverstafeln in Medenan. 

Beichtjtuhl von 1673: Gott and der Rich zu heiligen walde aefıhenkt. 
Hriltian Klodlfey T. B. venuvat, 1854; in weil; umd gold bemalt. 

Sroge Glode im 3. 1855 umgegoffen. Die alte Infchrift ift ungefchiekt wieder- 
bergejtellt: In Gottes Lob eivichlich | Allen gelaubig Sellen | Teoftlicy bin gefeeit 
id | Ein huckint eiget mich | Bench van Swirhel not M.CCCCCXV | —ı) 

Nachrichten über das Nipl 9. 
Bittich, Mife. von 1880 im Landespaufe zu stönigsberg. — Harnod), E. u. ©. 1890 12 J. 


) Heinrich van Spichelt war ein Büchjenmeifter, den Hm. Albrecht nach Preußen kommen lieh, 
um Gejhüß zu giejen. Er goß mehrere Gfoden, z.B. in Tierenberg, Schippenbeil, Ottenhagen u. j. iv. 


54 QJuditten, 


uditten, Pfarchof und Mühle, 5 km Lftl. w. von Königsberg, urkundlich 

ON zuerft im Treßlerbuche 1402 Judynkicchen genannt. 
Juditten’s Name kommt wahrjcheinlicd von dem Sudauer Edlen Jedetus 
(Dusburg, III cap. 214 ed. Harttnodh) her, welcher in diefer Gegend vom Landmeijter 
Meinhard von Querfurt um 1288 anjchnliche Befigungen empfangen hat. von Mülver 
jtedt in N. P. P. 3. 1853 2. 367-377. Hartinoch’S Meinung, da er von dem Namen 
Jutta’3 herftamme und die h. Jutta in diefer Stirche befonders verehrt worden jei, ijt Faljch. 


n] 
\Y/ 


AN 


Abb. 29. Anlicht der Rivche zu Auditten, 


Borgefhichtliche Altertümer im Kipl. I. 


Suditten © 8. UP. 1886/97 201. Metgethen, 4 km Lftl. w. v. I. Ertl. Preußen 
UI 542 j. Moditten (1258 Maudytyn), 3 km Lftl. w. von J. Pm.R.I9. Wilkie, 
1 km £ftl. n. von I. Fürjtenteich. BP. M. 8.12. 

Hpnlich wie in Aenau hat auch in Juditten eine befeftigte Anlage betanden, und 
zivar der Slirche im W. gegenüber auf einer Anhöhe, welche das Thal eines Nebenbaches 
des Modittener Baches von der Kirche trennt, aljo auf dem heutigen Gute Luifenthal. 
Im W. von diefem Gute it ein zweiter Graben noch zu erfennen, welcher es von 


Auditten. 55 


dem benachbarten Gute Charlottenhof jcheidet, und welcher an feinem W. Nande mit 
einer langen Neihe alter Eichen bejtanden ift. Den Namen für die Befejtigung anzu= 
geben, vermögen wir nicht; mur jei gejtattet, auf den Namen Derne hinzumeijen, 
welches nach Urkunden von 1257 in W. von Königsberg lag. 

Die jebt ev. Pfarrfirche joll 1288—1298 (Gebauer) oder jchon 1276—1294 
(Tacmann) gebaut fein; fie ijt jedenfalls eine der ältejten in der Provinz Oftpreugen 
und war in der vorreformatorifchen Zeit, namentlich unter dem Hm. Slonrad von 
Sungingen, ein berühmter Wallfahrtsort. 

Huferes: Der Turm im W. ift ein fich verjüngender Ziegelcopbau auf Feld- 
jteinen, von dem das unterjte Gejchoß gotijchen, die Gejchojje darüber aus unjerem 
Iahrh. Kreuzverband zeigen; jchlanfes Schindeldach; Knopf von 1819; Wetterfahne: 
F. B. 1577 und 1819 mit einer Hausmarfe.t) 

Da das umterjte Gefcho noch gotifchen Verband zeigt, die auf den Turm nach 
D. folgende VBorhalle aber urkundlich erft im XV. Ih. erbaut ift, jo mühjen wir 


Kirche in Judittew. 


haibuna der Thür 


awischen Thrrm 


Abb, 30. Einzelheiten aus der Kirche zu Judiken, 


8 umentjchieden laffen, wie die Verbindung zwijchen dem gotischen Turm mit dem 
Langhaufe ausgeführt war, vielleicht durch einen Bogen nach Art der Danster, — 
Langhaus roher Felditeinbau; die W. Wand von ungepugten Ziegen im gotischen Ver 
bande; fünf Blenden mit bimdig gejtellten Bfeilerchen. Holzgefims modern. Schiefer: 
dach. — Chor aus dem Achte gejchloffen, aus Felditeinen mit Ziegeleden. Anbau 
im N. aus gepußten Ziegeln. 

Inneres: Der Turm hat einen gotischen Verband, und e8 zeigen die Aus- 
jparungen in den vier Eden, dah ein Kreuzgewölbe beabfichtigt war, was aber niemals 
ausgeführt wurde. Ihr im Stichbogen gejchlojjfen; innerhalb der Eingangsthiür konnte 
ein Balken zur Sicherung gegen Feinde eingefchoben werden. Die VBorhalle ift 1820 
aus einem Gewölbe gebaut, welches der Vater des Feldmarjchall von Roeder + 1743 
für fi und feine Nachkommen hatte errichten lajjen; fie ift im unregelmäßigen Ver- 
bande aufgeführt und mit einem querliegenden Tonnengewölbe gejchlofien. Die Thür: 
Öffnung nach dem Langhaufe Hin ijt jpisbogig und mit einem Stichbogen gejchloffen 


*) Unrichtig in den ©. d. U. P. 1885/86 126. 


56 Suditten. 


und mit vier Dreiviertelrundftäben und zwei flachen Hohlfehlen geziert. Abb. 30. Die 
eichene Thür hat ein gut gearbeitetes gotisches Schlof. Sie kann gleichfalls durch 
einen in der Mauer verjchiebbaren Balken gefichert werden. Das Langhaus hat 
fünf Joche eines mit Rippen verjehenen Tonnengewölbes, in welches über den Fenjtern 
jogenannte Ohren einfchneiden. Abb. 31. (Hagen, Beichr. d. Domkicche zu Königeberg, 18.) 
Ähnliche Gewölbe in Lochjtedt; in den Seitenjchiffen des Königsberger Domes. Die 
Nippen, je drei, jtoßen in der Mitte auf einen Schlußjtein zufammen und jegen auf 
einer mittelhohen Konjole auf. Abb. 31. Hinter dem gedrückt jpigbogigen Triumphbogen 
(„Nenovirt in den Jahren Ehrifti 1804 u. 1857. 3. ©.*) beginnt der wenig jpäter aus- 
geführte Chor in zwei Hauptjochen und einem Joch über den drei Eden. Sterngewölbe, 
deren gleiche Nippen wie im Langhaufe auf in der Wand eingemanerten fleinen 


Abb, 31. Gewölbe in der Rivcdhe zu Auditten. 


Halbjäulchen ohne Bafis aufjegen. Abb. 31. In der W. Wand des Langhaufes führt eine 
Eleine badjitemerne Wendeltreppe, zum Teil jchon zerjtört, auf den Dachboden, uriprüng- 
(ich, als der Turm noch ijoliert dajtand, die einzige Verbindung mit dem Dache. Der 
Anbau im N. bivgt nach DO. hin die mit einem Kreuzgewölbe mit bienjtabfürmigen 
Nippen und einem Schlußjtein überwölbte Safrijtei, den jeßigen Eingang zur Siehe 
und einen zur Aufbewahrung verjchiedenen Geräts benußten Raum. Won diefem Raum 
aus führte die nach der Slirche zu vermanerte, aber in dem Anbau noch fichtbare Ein- 
gangsthür, eine der. weitlichen Eingangsthür gleich gejtaltete, in das Langhaus 
hinein; neben ihr noch) Spuren der ehemaligen Wandmalerei in xot md grün. 
Ebenjo führte im ©. eine in der Nenaifjancezeit vermanerte Thür im Meitteljoche nach 
dem Langhaufe. Die jebige Eingangsthür zum Langhaufe trägt ein Schloß von 1753 
und einen jpätgotijschen lopfring. Abb. 32. 


Aubditten. 57 


Der Altar ijt neu mit zwei Fialen und einer Wimperge ausgeitattet, von braunem 
Holz mit jehwarzer Malerei mit vielfacher VBergoldung. Er wird von einem Altarblatt 
gekrönt, welches, von Prof. Fr. Sinorr 1882 gemalt, den auferftandenen Ehriftus dar- 
jtellt. Das ursprüngliche Altarblatt, ein mittelmäßiges Gemälde aus dem Ende des 
XVII. 3h., liegt jegt im nördl. Anbau. Der urjprüngliche Altar wurde von der 
Familie Schimmelpfennig 1672 erbaut. Hinter dem Altar jollen noch Wandgemälde 
unter der weißen Tinche, welche jest die ganze Stieche deckt, vorhanden fein. Won der 
Altardede it mr noch das elegant gejticte wertvolle, mit einem Feldmarjchallftab 
und einer Ordensfette gezierte Wappen der von Nocderjchen und von Buddenbrocdichen 
Familie von 1743 übrig, und eine jchöne mit Blumen auf weiger Seide in Hand- 
jticfevei gearbeitete Dede aus dem XVII Ih. &%. neben dem Altar jteht ein mit 
ausdrucdsvollem Kopfe in Holz gejchnigter halblebensgroger Kruzifirus aus jpät- 
gotifcher Zeit. N. neben dem Altare jteht die aus der Wallfahrtszeit zur Zeit des 


Abb. 32. Ihürring aus der Rice zu Iupdillen. 


Hm. Conrad dv. Jungingens (1395 —1407) berühmte überlebensgroge Maria mit dem 
nackten Chriftfinde. Sie tritt auf einen weiblichen, dicht verhüllten Kopf, dev in der 
Mondfichel ruht. Holzjchnigerei; im Gefichtsausdrud der Marienburger Statue 
verwandt. 

Zwei zinnerne Altarleuchter: Peter Pelet 5. Hug. 1804. 

Ein filberner vergoldeter Stelch nmebjt Patene mit dem Schimmelpfennigjchen 


Wappen. LS. XVII. Ih. — Ein filb. vergoleter Kelch nebjt Patene: E. S. 
B. B. G. R. mit dem von Noederfchen Wappen darunter. — Ein filb. vergoldeter 


stelch nebjt Batene: Barbara Phdorffen neb. Rantelin 23. Hua. 1763. — Eine 
Weinfanne von Silber: Audittenkivdh 1636 Ahriltoph Schimmelfennig. — Eine 
ovale Oblatendoje von Silber in getriebener Arbeit; Anfang XVII. Ih. 

Die Kanzel auf der Kelchjeite ziemlich in der Mitte; XVIL. Ih. Holzjchnigerei 
mit Fruchtjchnüven ausgeftattet und auf einer mit Binden gejchmückten hölzernen Säule 
ruhend. Am Schalldedel die gut gejchnigten Wappen ihrer Stifter. 


58 Aupditten, 


Der Taufengel und das meijingne verfilberte Taufbeden, welches in ge 
triebener xoher Arbeit einen Kruzifirus darftellt, find beides Gejchenfe von Frau 
von Lehwald 1769. } 

Die gejchmadlofe Orgel ift 1840 von Scherweit in Slönigsberg gebaut und 
1859 gründlich ausgebeifert. 

Das in einer Nifche der Sakriftei an einem Hafen  befejtigt gerwejene 
vorreformatorische Weihwajferbeden liegt jeßt vor dem nördlichen Anbau der 
Slirche. 

Das Geftühl it im Langhaufe auf der r. Seite vielfach noch gotijch. 
Schöne jpätgotische Mafwerkjehnigerei (Fichblajen) gleich x. von der weitlichen 
Eingangsthür. 

Gemälde NR. vom Altar ein auf einer Bleiplatte vom Maler E. U. Knopfe 
in Königsberg gut gemaltes Portrait von Generalfeldmarjchall Hans Ernjt v. Lehwald 
+ 1768; I. vom Altar das in gleicher Weife gemalte Bild des Generalfeldmarjchalls 
Erhard Ernjt von Roeder + 1743, beide von Sophie Agnes von Buddenbrod ihren 
beiden Gemahlen gewidmet und beide mit zahlreichen Wappen der verwandten adligen 
Häufer verziert und mit Waffenftücen in veicher Vergoldung umgeben. (An der nördl. 
Außenwand der Kirche hängt die jehr bejchädigte Infchrift des von Roeder.) — Im 
Chor, gleich Hinter dem Triumphbogen [. das bekannte Chriftusbild von Lentulus. 
Dietrihfon, Chriftusbilledet Kjsbenhavn 1880 S. 1 f. — Zwei Gemälde, vom Grafen 
Kanit 1859 gejchenkt, die Anbetung der drei Weifen und Chrifti Streuzigung darjtellend, 
beides wacere Stücde, die dev Auffrifchung bedürften. — Bild der Königin Luife, 
Nachbildung eines Bildes in Memel von Prof. Knorr. 

Epitaph eines Heren von Roeder F 1679. Verjchiedene wertloje Epitaphe. 

DOpferftod, XVII. Ih. — In der wejtl. Vorhalle werden mehrere Trommeln, 
Hörner und eine Trompete aufbewahrt. 

Neparatuven 1642, 1709 (daher die Eleinen bunten dv. Noederjchen Wappen von 
1709 in ziveien der ausgeweiteten Chorfenjter) 1804, 1818, 1857. 

Der Dichter Joh. Christ. Gottjched it 1700 als Pfarrerfohn in 3. geboren. 

Bon der mit vier Pappeln bepflanzt gewejenen Grabjtätte des Iheojophen 
Schönherr im ©. der Kicche ijt feine Spur mehr vorhanden. 

Im Kipl. 3. liegt hart auf dem v. Ufer des Pregels das vom Kurfürjt Friedrich IT. 
1697 erbaute Sagdjchloß Friedrichshof; 1719 fehenkte es Friede. Wilhelm I. feinem 
Better, dem Prinzen Friede. Wilhelm, Herzog zu Schleswig und Holitein. Seit der 
Beit führt das Schloß den Namen Holftein. Das nahe liegende Dorf hieß 1673 noch 
Kafebalt, jpäter Kofwalten. 

Metgethen, 4 km Lftl. m. w. von 3.; 1278 Mintegeithen. Das Herrenhaus 
wurde um das 3. 1760 von einem italienischen Baumeifter erbaut. Die Studornamente 
an den Dedken, die vergoldeten Kapitelle an den forinthiichen Bilaftern und die edlen 
Nococoöfen Taf. 3 jind in Metgethen jelbjt gefertigte Werfe feiner Hände. Er reijte 
jpäter nach Kurland und baute dajelbjt genau dasjelbe Haus. Mündliche Mitteilung des 
jebigen Bejigers, Herin Dr. von Olfers. 

Nachrichten über das Kipl 3. 
Acta Judithenia angefangen vom Pfr. oh. Lemfe 7 1696, in 3. — Gebauer, Kunde des 


Samlandes 105 f. — PP. B. Neue Folge 1844 I 165 ff. 1845 IT 730 |. UP. PB. 1853 II 367 ff. — 
Stordh, Pfr. in 3, Die Kivhe und das Kipl 3. 1861. — Harnod, E. u. ©. 1890 13 ff. 


Heiligen-Ktreuß. 59 


renß, Heiligenz, fölmisches Vorwerk und Pfarchof, 19 km Lftl. n. von 
Fifchhaufen. — Das Ktirchjpiel 9. Str. lag, wie dasjenige zu St. Lorenz, ehemals 
im „judauischen Winkel“. Diefer Name jchreibt fich von der Verfegung einer 
Schaar von Sudauern um das 3. 1283 in diefe verödete Gegend her. Im genannten 8. 
gab der Landmeijter Konrad von Tierberg dem zum Ehriftentum befehrten Edlen aus 
Sudauen Cantegerde md feiner ihm nachfolgenden Schaar von 1600 Sudauern hier 
Wohnfig. Dusb. ITe. 212 ed. Harttnod. Zur Pflege des Chrijtentums gründete Bijchof 
Jacobus von Samland die „Sirche zum heiligen Sreuz bei den Sudauern“ im 3. 1353. 


VBorgejchichtliche Altertümer im Kipl. 9. 8. 

Biesfobniden, 2 km Lftl. j. w. von 9.8. PB. m. 8. IA. 73. 95. 138. 232. 
11 81. 449. Birfenhof, 2 km Lftl.n. Tijgler, ©. d. p. d. ©. 1886 123 ff. Finken, 
5 km £ftl.n. Tischler, ebenda 150 f. Haujenberg, Stleiner, 3 km Lftl. |. d. Wälle 
und Gräben aus dem lebten Drittel des XII. I. Modell im Prufjia-Muf. 
3. Nönigsberg. PB. M. 8.1123. vgl. von Boenigt, ©. d.W. P. 1879/80 72,81. Hubniden, 
Große, 5km Lftl. w. PM. "8.1115 150. Shlniden, 3 km Lftl.w. Ein bronzener 
stelt im Prov.-M. Kabkeim, Alt-, 3 km Lftl.n. Grabfunde Kuhren, Groß-, 5 km 
gftln. Tijhler, ©. d. p. 5. ©. 1886 151 f. Wilhelmshorft, 4 km Lftl.ö. PM. 8.1246. 

Die jeßt w. Pfarrfirhe zu 9. Sr., königlichen Patronats, Ziegelrohbau mit 
Feldjteinfundament, bejtceht aus einem quadratischen Turm mit Biberjchwanzzeltdach 
|Wetterfahne darauf: C.D. J.S. 1855.], einem Langhaufe, gerade gejchlofjenem Chor 
und gleichzeitigem Anbau der Sakriftei im ©. Sie wurde 1353 gegründet. 1767 
brannte jie bis auf die Mauern, von einem Blißjtrahl getroffen, nieder. 1786 war 
jie wieder erbaut. 1833 fehlug ein Blig, ohne zu zünden, in den Kirchturm, bejchädigte 
den Glocenjtuhl und einige Sparren. Blitableiter 1837. Das Langhaus hat in 
der Mitte eine elliptijche Holzdede; flach über den beiden hölzernen Emporen. Der 
Chor bejteht aus einem Hauptjoche mit Sterngewölbe und rıumdjtabförmigen Nippen 
und einem Nebenjoche mit Kreuzgewölbe Der Chor hat in feiner Abjchluftvand fünf 
Ipigbogige Blenden. Am Langhaufe in der Nordwand auch Blenden mit gleichzeitigen 
ganz Kleinen jpigbogigen Fenftern. Vor der füdlichen Eingangsthir ein moderner 
Borbau als Windfang. Diefe Eingangsthir in der Kieehemvand it jpigbogig mit 
Dreiviertelrundftabprofil. Gotifcher Beichlag. Ebenfalls jpigbogig mit demjelben 
Profil ist das Portal im Turm. Daneben zwei Strebepfeiler bis zur Dachhöhe. 
. Dach aus Pfannen. Wetterfahne auf dem Walmdache des Chores: %. D. ©. Miri 
1767. (Mirt wurde 1752 Pfr. in 9. 8.) Gotifcher Verband. Steine" Aupenede 
Safrijtei 31—32 X 15 X 8—9 cm. 

Altaraufjag gejchmacdlos gejehnigt; Ende XVII. Ih. 

Altarleuchter, zwei von Zinn, 1742. 

Die Kanzel liegt v. am fpisbogigen Triumphbogen. Holzjchnigerei mit Oxna- 
menten aus dem Ende des XVII. Ih. Über der Kanzelthür: I. F. DBalter 1786, 

Der alte Taufftein in Kelchform von Granit liegt w. vom f. Vorbau. D. davon 
ein Kleines felchförmiges Weihwafjerbeden aus Granit. 

Nachrichten über das Kipl 9. 8. 

Toeppen, VW P. BP. B. 1850. X. 193 f. — Gebauer, Kunde de8 Samlands 106. — 
Harnod, E. u. ©. 1890 69 j. — Neujch, Sagen des preuf. Samlandes 15 f. 

Eine Bleiftiftjkizze der Kirche von A. Hagen 1832 im P. M. Vaterländiihe Mappe IM. 


60 - Rabiau. 


:abiaı, Kreisftadt (jeit 1818), an der Deime und Eifenbahn von Königs» 
berg nach Tilfit. Kreis %. umfaßt 1063,55 [_]km. Die Deime mündet 
3 km von 2. in das furifche Haff; fie hieß früher Laba, daher die Namen 


Labagienen, Labiam. — Labegowe- moter 1258. Labigowe, Lobiaw 1330. Labiow 
1436. Labiaw 1625. — Der Name Labegowe kommt zuerjt in einer Urkunde des 


Landmeilters Gerhard von Hirzberg 1258 vor. Im 3. 1277 wınde die damals 
nur von Holz erbaute Burg 2. durch 400 Schalauer verbrannt Im 3. 1288 wird 
ein Komtur von L, Wernde, genannt. 2. wird aber als Komturei bald von Nagnit 
abgelöft (erbaut 1289). 1347 jchlägt der Hm. Heinrich Dufemer, 1352 der Komtur 
Henning (Dohann) Schindekopf die Litauer bei &. — 1395 —1410 wurde der Deime- 
kanal gegraben. 1454 im Bürgerkviege wollten die Wehlauer mit Hilfe der Allen- 


Mbb, 33. Greundrik der Burg zu Tabiau. 


burger 2. zerjtören, wırden aber vom Edelmann Albrecht Sparudel zuricdgeviefen. 
1525 Samländifcher Bauernaufjtand; die Bırg wırde vom Hauptmann Nöber durch 
einige Faß Bier frei gehalten. 1526 verjchrieb Herzog Albrecht Schloß md Amt &. 
jeiner zufünftigen Gattin Dorothea von Dänemark als Leibgedinge. 1595 war 
Johann Sigismund in 2. 1625 wurden die Ländereien um 2. vermejjen und die 
erjten Karten von L. und Umgegend vom Landmejjer Herkog angefertigt. — 1642, 
28. Juli wınde 2. vom Großen Kurfürjten zuw Stadt erhoben. 1656, 20. Nov. 
Vertrag des Großen Nurfürjten mit den Schweden zu 2, wonadh Preußen jelbjtändig 
fein follte, der aber erjt durch den Vertrag mit den Polen zu Wehlau 19. 9. 1657 
vollftändig wurde. 1679, 18. Jan. trifft der Große Kurfürjt mit Zamilie in 2. ein, 
fährt am 19. zu Schlitten über das Haff über Gilge bis Kuferneeje, wo er die Nachricht 
von dem Siege feines Heeres über die Schweden bei Splitter erhält. — 1689—1697 


Rabiau. 61 


wurde der Große Friedrichsgraben am furifchen Haff entlang gegraben, neben 
einem alten Drdensgraben, der wahrjcheinlich 1418 gegraben, von Mgilla in die 
Nemonien führte, aber 1686 jehon ganz verfallen war. Neujch, Beiträge z. Kunde Preugens, 
B. IV 266 fi; 1723 fam König Friedrich Wilhelm I. auf ihm nach 2. 1757 landeten 
die Nuffen bei Labagienen. 1758 z0g Fermor durch L., um Königsberg zu bejegen. 
1758, 17. Juli 2. von den Nufjen geplimdert. 1807 berührte Friedr. Wilhelm II. 
mit Lonife 2, auch Napoleon fam dorthin. 1813 L. von 7000 Franzofen befeßt, von 
den Nuffen bejchojen; eine Kugel jteckt noch im Pfarchaufe — 1818 wurde 2. 
Ktreisitadt. 1842 Jubelfeft des 200jährigen Beftehens als Stadt. — Fenersbrünfte 
1685; 1689; 1721; 1810. Seuchen 1661. Die Peit 1709 bis 1710 entwölferte L. 
fait ganz. 1710 konnte die Infanterie in 2. „wegen dev vielen Gejpenjter“ nicht mehr 
auf Posten geftellt werden, was nur dem Schreden zuzufchreiben it, den die Peit 
hervorgerufen. — Cholera 1831; 1848. — Ehemalige Georgsfirche in der Vorburg, 
jpäter Brauerei, endlich Salzmagazin (Abb. 34), 1880 abgebrochen, dahinter neue 
Mauer vor dem Schloßgarten gezogen, woduch ein Kleiner Naum für den Marktplab 
gewonnen ift. Die jenjeit3 der Schloßgrabenbrüce jtchenden Buden haben das Necht, 
dort zur ftehen, vom Großen Kurfürjten erhalten. A. M. 1867 IV 524. 

In 2. war nahe bei dem Schlofje eine Eiche, dem h. Jodocus geheiligt. 
Dajelbit pflegten Litauer und Polen noch) 1626, wenn fie vorüberreiften, dem 5. Zodocus 
zu opfern. 2. heißt deshalb einer dev fünf Wallfahrtsorte im Samland.!) 


Abb. 34, Anliht der Bura zu Tabiau. 

Die Stadt 2. ift auf dem [. Ufer der Deime angelegt.  Urjprünglich war 2. 
nur eine Lijchke, die im 3. 1437 neun Strüge befaß. Sie bejteht jegt aus der eigent- 
lichen Stadt, welche vom Markt und der Kicche her jich durch eine dem Laufe des 
Schloigrabens im Halbkreife Folgende, etwas breitere Strafe auszeichnet. Auf. dem 
in Fachwerk ausgeführten Hintergebäude eines Vorderhaufes diefer Straße (mit zwei 
tosfanischen Säulen) befindet jich eine Wetterfahne von 1660. 

Dann folgt im W. die Nenftadt, welche 1657 auf der ©. und W. Seite mit 
einem Wall und Graben eingefaßt war, der einzigen Befeftigung der Stadt, die jeßt 
bis auf wenige Überrefte des Grabens verfchtwunden ift. Dann folgt nach Königsberg 
zu die Vorftadt. Zwei Stadtthore, das Königsberger und Tilfiter, jtanden noch in 
den dreißiger Jahren unjres Jahrhunderts. Die j.w. Seite der Stadt heizt Kahnen- 
berg, der Ort, wo die Kühne anlegten, um den Zoll zu entrichten; jet Hafen. 

Gejamtanficht der Stadt in Hartknoc, Alles und neues Preußen 1684 397. 

Wappen der Stadt: „ein weiher Schild, darinnen aus einer blauen Wolfen 
ein Halb grüner Arm, jo in der Hand ein Jägerhorn hält, und unten ein grüner 
Baum, über dem Schilde aber ein Auer.“ Wrivilegium der Stadt von 1642, Eine 
ungenügende Bejchreibung und Zeichnung bei Siebmacer, Wappenbud IA II 151 Taf. 181. 


') Coel. Mislenta, manuale s. comment. in repet. Corp. Prut. Regiom. 1626 .C. 2: Prope 
Castellum Labiaw viret adhuc Quereus etc. 


62 Rabian. 


Vorgefchichtliche Altertiimer im Kipt. 8. 

Neifeninfen, 3 km Lftl. mn. w. von 2. PM. ITM.53. Viehhof, 2 km 
Lk. j.w. von &. PM. 8.10. 

Das Haus Labian gehörte zur Komturei Nagnit und bildete deren einziges 
Domänenvorwerf. Die vielen Fährlichkeiten ausgejeßte Lage von Nagnit veranlafte 
den D,, in 2. einen bejonderen Wirtjchaftshof, einen Kariwarı, anzulegen. Nach der 
Säkularifation wurde cs ein felbjtändiges Amt. 

Das rings von Wafjer umgebene „Haus Labiau*, die „Waffer-Burg“, ift 
exit nach 1277 in Stein gebaut worden. Ihre Wände find noch die alten (Aufen- 
mauer 2,20 m, Innenmauer 1,10 m jtark), aber die innere Einrichtung ift eine ganz 
andere geworden. Nur auf dem Boden ift der alte Wehrgang noch fenntlich, in 
dem zahlveiche im Stichbogen gejchloffene Fenfter find, aus welchen man die Burg 
nach außen und innen verteidigen konnte, — Auher einer Stube im Exrdgejchoß nebjt 
Vorflur, beide in Stichfappengewölben gejchloffen, hat fich nocd ein Zimmer in der 
Wohnung des Landrats erhalten. Dasfelbe ift mit zwei neben einander liegenden 
Kreuzgewölben überfpannt, deren bienftabförmige Rippen auf neuen Ktonfolen anfegen. 
— 3m 3.1832 war noch der Kapiteljaal erhalten, der mit Malereien, Wappen u. f. wv. 
gejchmückt war, die noch 1669 wieder aufgefricht waren. Siehe Erfeutertes Preußen II 
706-727. Auf der ©.D. Ede ein Stufengiebel mit fünf Blenden. 

sn der Vorburg jteht noch der Uhrturm, bereits in Blodverband gebaut. 
Skizze der Burg und Stadt nach Giefe 1826-28. Abb. 33, Legende dazu: „B. 
Burg 2. im Huperen ziemlich erhalten. Im Innern verfallen. — V, Borburg; zwei 
Gebäude, der Turm umd Mauer noch gut umd hoch. b‘ frühere Brüde; b jeßige 
Brücde. h. älteftes Haus in 2, von der Burg aus mit ihr zugleich erbaut (2). Der 
frühere Gang des Weges mit einer jchwarzen Linie punktiert.* 

Bier Grundrijje von der Burg, darunter einer aus dem Anfange diejes Jahrhunderts, 
befinden fich auf der Kreisbauinjpektion in &. 

Die jebt ev. Pfarrkirche, deren Patron der König ift, Toll dem h. Sodocus 
geweiht gewefen fein. Hartknoch, Kirchengeich. 194. Sie jcheint bald nach der Griün- 
dung 2.3 angelegt zu fein, was man aus ihren jtarfen Mauern, ausjchlieglich aus 
Seldjteinen, jchließen fann, die urjhprünglich ohne Steebepfeiler angelegt find. In ihrem 
Hußeren erjcheint fie jehr einfach und Ichlicht, wozu der 1871 ausgeführte graue 
Gementpuß beiträgt. Der im W, vorliegende Turm ift in feinem Erdgefchoffe aus 
Feldjteinen erbaut, hat nach N. und ©. je ein jpigbogiges Portal mit jehr bejchädigten 
Dreiviertefrundftabsrippen. Abb. 37. Seine oberen Gejchoffe find von Biegen, worauf 
eine eiferne Gallerie fteht. Spite mit inf gedeckt. Kirchturmdach md Spibe 1613 
und 1701 erneuert. Im 3. 1835 winde das Turmdach aus Schindeln durch einen 
Brand zerftört und in der jegigen Weife hergeftellt. Auf feiner D. Seite jteht: Anno 
1837 CINICB. — Das Langhaus von Feldjteinen mit jpäter vorgelegten Steebe- 
pfeifen. Safriftei 1871 im O. angebaut mit Kleiner Vorhalle im N. Bei diejer 
Erneuerung (1871) find im N. und ©. Portale durchgebrochen, auch die jpigbogigen 
Fenjter in nüchterner Weife erneuert, — Dagegen macht das Innere einen erfreulicheren 
Eindrud. Das Langhaus ift dreifchiffig angelegt; «8 ift die einzige dreifchiffige Anlage 
in Samland (aufer Königsberg). Sechs achtedige Pfeiler und vier Halbpfeiler — an 
ihren Slanten mit Dreiviertelvundftableiften und zwei desgleichen als Kapitel verfehen — 


# 


Rabiau. 


Done reset 
NIT 
INS 
nel 
2 


SUN. 

walelnen 

DNSUZN 
Ver 


$ Ei IN 
0 
N 
n ERTY 


Vu 


Nie 


I 
/x 

va 
N 
‚Ei 


AR 


xt 
NR 


EN 
SONG 
/A\ 


Y 


64 Labiaı. 


fragen die um das Jahr 1400 entjtandenen vierjochigen Gewölbe. Im Mitteljchiff 
jind eS ziemlich verwicelte Sterngewölbe mit Dreiviertelrumdftabrippen, welche, mit 
vojettenartigen Schlußfteinen verjehen, ohne befonderen Schmuct nach unten teils in die 
Pfeiler, teils in die Wände verlaufen. Mbb. 35 und 36. Die Seitenjchiffe haben 
Iharfgratige figurierte Gewölbe, deren Kappen ala Klojtergewölbe mit jehwachgebogenen 
Laibungen anzujehen find. Im Mettelfchiff haben die Gewölbe noch 8,79 m Scheitel 
höhe, trogdem die Kirche erheblich in den moorigen Boden eingejunfen ijt. Bwijchen 
dem Mettelfchiff und den Seitenjchiffen erhebt jich auf den Pfeilern zuerjt je ein 


Abb. 36. Inneres der Ritche zu Tabiau. 


fräftiger, mehr breiter als hoher (gedrückter) Spitbogen und hierauf eine hohe pit- 
bogige Blende, was der Kirche einen eigentüimlichen Reiz verleiht. Dazu kommt das 
Ichöne, dreiteilige, mit farbigen Wimpergen, Fialen umd Sreuzblumen und dem auf 
erjtandenen Erxlöfer gefchmücdte Glasfenfter (1871), jo dal; jeßt die Kirche troß des 
Ichmucklojen Altars und der gejchmacklofen neuen Kanzel einen würdigen Eindrucd 
macht. — Im dritten Joche I. tritt ein fteinerner Arm aus der Blende heraus, dejjen 
Hand einjt die Drdensfahne (?) hielt. 

Unter den Abendmahlsgerätjchaften verdienen erwähnt zu werden ein filb. 
vergold. gotijcher Kelch mit jechs Notulis, auf welchen -+inrio) eingegraben ijt. Ein 


Labiau. 65 


Kruzifizus ift auf dem Fuße aufgelötet, — Ein filb. vergold. gotijcher Kelch, dejjen Fuf 
im Sechspah; gebildet ift. — Ein Silb. vergold. Kelch von 1662. — Eine filb. Wein- 
fanne, 1670. — Eine filb. vergoldete Weinfanne mit hönen gravierten Ornamenten 
des XVIT. IH. umd der Infchrift: Pie Triften Schipper Gott zu chen | Pis 
kenlein in die Ricdhe verehen | Rd Gott Dein Segen ihnn verley || In Moth 
und gefahr erhalter Fey. — Eine Oblatendoje, jilb,, vumd, von 1632. — Ein ganz 
Meines filb. Oblatendöschen (zur Stranfenfommmion): Chriltian Boffmann d, 
3 und 8 Aumy 1732. 

Die 1693 von 9. von Kospoth geftiftete Ta uffapelle, welche im N. der Kirche 
jtand, wınde 1738 abgebrochen. Seit 1871 wird in der Safriftei getauft. — Die 
Taufjchale von Meffing, 62 em Durchmeffer. In ihrer Mitte in getriebener Arbeit 
die Verfündigung Mariä, auf dem Nande Hirfche von Hunden verfolgt. Dazwijchen 
jteht viermal, doch nicht überall gleich eingejtanzt, in gotifchen Majusfeln: felig alzei 
ieh wart. (Selig als ich ward.) Nürnberger oder Augsburger Arbeit des XVII. Ih. 


Waibung des nördl. Thurmeinganges 
“ P . 2 s ale 


Abb, 37. Naibung des Einganges der Kirche zu Yabiaı. 


Drgel neu, von W. Sauer in sranffurt 1870 gebant. 

Seonleuchter aus Mefjing mit Doppeladler und den Buchjtaben M:E:V:D: 
| G:V:H: Ende des XVII, 3. — Ein gleicher Eleinerer Kronleuchter hängt in 
der Sakriftei. 

Dlgemälde: Eine mittelmäßige Kopie nach Tizians Binsgvofchen hängt an 
der Orgelempore. Ein gutes, auf Holz gemaltes Bild des Pfarrers Georg Schroetel 
(Schrotelius) vom 3. 1682 hängt im vierten Joche 1. 

Die Gloden find neu. 

sn der Kicche liegen vier Grabfteine, darunter der Pfr. Matthiae 1656, und 
der Natsverwandte Goebel 1645. 

Die Epitaphien find aus der Kirche jeit 1813, wo fie al® Lazaret benutt 
wurde, abhanden gekommen. 


[>] 


66 Labiau. — Laptau. 


Nachrichten über Stadt, Kirche und Haus L. 
Hennenberger, Exfl. d. Rreuf. Landt. 215 f. — Hartlnoch, Altes und neues Preuß. 397. 
— Becher in Erleutertes Preußen II 706—727. — Toeppen in A. M. 1867 IV 515 ff. — Mey- 
höffer, Ehronit v. 2. 1810—1842 Mie. in 2. befindlich. — Gebauer, Kımde des Samlandes 90 ff., 
107. 95 f. — Horn, Zur Gefhichte Labiaus. ©. d. U. PB. 1887/88 16-38. — Harnod, E. u. ©. 
1890 152 ff. — Labiauer Sagen B. P. B. 1816 II. 


Raptaıı, Kirchdorf und Exbpachtsgut, 36 km Lftl. n. d. von Fifchhaufen, an 
der Königsberg— Cranzer Eijenbahn. Zur Heidenzeit Lobetow; 1255 Labota; 1258 
Lowbuthe. Labetau. 
Vorgefchichtliche Altertiimer im Kipl. 2. 


Kiauten, 1 km Lftl. ö. von 2., 1255 Navthe, P. M. K. 1125. Mollehnen, 3 km 
Lftl. f. von 2. PM. 8.1363. Schreitladen, 5 km Lftl. j. von 2. Großer römischer 


v Se Rn nd 
- 


Abb. 38. Grmmeik Der Burg zu Tapfaı. 


Miünzfund Schugiten, 7 km Lftl. |. von 2. P.M. "8. 11364. Trentitten, 4 km £ftl. 
in ©. ©.D. von 2., 1262 Trintiton, 1300 Trintiten. P. M. 8. IT 76. Wisftauten, 
4 km tl. mn. von 2. Mit dem Germaner Beden und Dollfeim das bedeutendite 
Ausgrabungsfeld. Wulff, U. M. 1865. 641 ff. Heided, U. M. 1877 650 ff. ©. d. A. B. 1877/78 
5 ff. 1878/79 24 ff. PM. 8.1 139. II 189—153. 155—162. 189—191. 204. 207. 331. 374. 

Die Burg war bijchöflich, zugleich ein Nammeramt. Hennenberger, a. a. DO. 249 
giebt 1351 als Grimdungsjahr an, und Gieje fügt feiner Planzeichnung, die wir in 
Abb. 38 wiedergeben, Hinzu, daß; die Lage der Burg fehon auf Gejchiig berechnet fei.. 
(1328 fommt Gefchüg in Preußen vor ©. x. B. 11493.) Die Burg lag auf 2.8 Höchiter 
Stelle, dicht an der Cranzer Nunftjtrage und am Wege nach Tranfjau. Fundamente 
in Feldfteinen und Kalfmörtel noch fichtbar. Bon ihr wırden die meisten Steine 1851 
zum Bar der Cranzer Chanffee verwendet. Das Schloß war quadratifch nigefähr 


Laptaı. 67 


50 m lang. Gegen N. lag die Vorburg. Auf dem Nudauer Denkmal in Erleutertes 
Preußen 1724 8b. 1615 fi. it eine mangelhaft gezeichnete Darftellung feiner Nuine. Der 
Mel im Kammeramte 2. beftand anf. des XVI. Sh. nur noch aus den Gejchlechtern 
von Thalau, Kariot, Tranchwit und Mudjchiedler. 

Bebauer, D. Nuinen des Shojese. N. P.P.B. 1851 IT 47 f. 

Die Pfarrkirche von 2. ift jet ewang,, Batron der König. Nach einer Urkunde 
von 1354 wird ein Krug in dem neben der Kirche zu 2. gelegenen Dorfe Auktefaymen 
verfchrieben; zu diefer Zeit muf alfo die Kirche jchon geftanden haben. 

Ihr Huperes ift wenig anfprechend. Turm mit Kleiner welcher Haube, Lang- 
haus mit neuerer Vorhalle im N. und Chor mit modernen Fenstern. Langhaus und 
Chor find aus Feldfteinen mit Biegeledfen gebaut. Untergefcho des Turmes aus 
Seldfteinen mit zwei malig davorgelegten Strebepfeilern. Die oberen Sefchoffe aus 
Biegeln, noch im 2. ımd 3. Stod in gotischen Berbande. 

Das Langhaus hatte vier Joche; im 3. 1818 warf ein Drfan den Turm auf die 
Gewölbe, jeitdem ift eine Gipsdede hier. Der Chor hat zwei Joche mit zwölfteiligem 
Sterngewölbe, dejjen bivnftabförmige Rippen inmitten zwifchen Scheitel und Sohle auf 
Konfolen auffegen. Die Strebepfeiler find innen vorgelegt. Siwijchen Langhaus und 
Chor der jpitbogige Zrinmphbogen. In der DO. Wand des Chores ein jpißbogiges 
Senfter mit rechtwinkliger Laibung, ebenjo eins auf der ©. Seite, während dag ziveite 
Senfter fchon rundbogig profiliert it. In der N. Wand mır Nischen. 

Der Altar. Die Menja ift aus Ziegen auf Feldfteinen errichtet und hat oben 
ein Profil aus Ziegeln, welches aus einer Platte und untergelegtem Biertelrundftab 
bejteht. Hinten eine ftichbogig überwölbte Öffnung. Ein alter Altaraufjfaß r. hinter 
dem Altar. N. im slügeljchrein figt die dreiviertellebensgroße gefrönte Maria, I, die 
halbverjchleierte Mutter Marias, die h. Ama, das Chriftusfind in beiden Armen. 
Es hat ein Hemdchen „aus feinem weißen Cattun“ an, welches einer Legende nach 
nie gewaschen zu werden braucht. Holzfchnigerei, bemalt und reich vergoldet. Hinter- 
grund mit in den Kreidegrumd gedrückten reichen gotischen Ornamenten. An beiden 
Seiten grünes Ranfenwerf auf Goldgrund gemalt; unten jchwarzevot-goldne gemalte 
Stanfen. Zu beiden Seiten des Mittelfchreins verfilberte gevundene Säulchen mit 
brammen umd vergoldeten Fialen darauf; oben dazwijchen braunes und vergoldetes 
Rankenwerf aus Holz gejchnigt. — Die Flügelthür [. enthält in mäßiger Ölmalerei 
innen oben oachims Ausweilung aus dem Tempel, unten Boachim umd Anna unter 
der goldenen Pforte. Die Ihr r. innen oben Joachim in dev Wüfte mit dem Engel; 
unten Marik Gang in den Tempel. Die Thür [. augen oben: die h. Catharina mit 
Schwert und zerbrochenem Nade; unten: die h. Margaretda mit dem Drachen. Die 
Thür r. aufen oben: die h. Barbara mit Turm, Schwert und Kelch mit Hoftie; unten 
die h. Dorothea mit einem Korb voll Rojen. — Im ganzen ift diefer Altaraufjah 
nur mittelmäßige Arbeit und fteht weit hinter dem Tierenberger zurüc, Nirnberger 
Arbeit Anf. XVI. Sp. 

Um ein weniges jünger (Zifchblafen im Mapwerk) it ein zweiter Altarauffat 
im Chor r. Unter einem rot und goldenen Nebgewölbe jteht die Maria in einer 
Slorie nebt zwei weiblichen Heiligen. Holzichnigerei; 1/, lebensgroß. Maria, in blau 
und goldenem Ober- und weißen Untergewande, tritt auf die Mondfichel, in welcher 
ein bartlojer Menjchenkopf, oben und unten verjchleiert, ruht. Die Figur v. trägt ein 
Kreuz (St. Helena?); der linken find beide Hände abgebrochen. 


b* 


68 Raptan. 


Im Langhaufe r. hängt ein dritter Altaraufjak (?), den h. Martin in bemalter, 
halblebensgroßer Holzjchnigerei darftellend, wie er einem ftelzfüßigen Bettler ein Stück 
jeines Mantels abjchneidet. Sein Tırban hat jchon Nenaiffanceornamente. 

Der jeßige Altaraufja ijt 1605 errichtet und ein mittelmäfiges Schnitwerf. 
In der Predella das Abendmahl. Hauptbild CHriftus am Sreuz mit den beiden 
Schächern, Johannes und den beiden Marien. Darüber die Grablegung. Oben 
Ehrijtus mit der Weltkugel. Um die geraden umd gewimdenen korinthiichen Säulen 
jtehen die vier Evangeliften und zwei Wappen der Stifter des Altaraufjages. Im 
DObergefchoß Heilige; an den Seiten Engel mit den Martergeräten. — Der Altaraufjat 
wurde 1861 und 1877 venoviert. 

Unter der jegigen Altardedte hängt ein wahrjcheinlich aus einer Kafel heraus- 
gejchnittenes Antependium von rotem Sanmet, mit eingepreßten Blumen gemuftert. 
Das Dorjalkrenz jener Kajel enthält in mittelmäßiger Stickerei in der Mitte Maria 
mit dem- Chriftusfinde, auf je einem Arm des Kreuzes ein anbetender Engel. Auf 
dem Fuß des Strenzes die h. Catharina und h. Dorothea. 

Eine grüne fammetene Altarbefleidung mit eingepregten Pferden, Pfauen und 
Blumen und mit aufgenähter Siüberborte. 

Unter den Altargeräten ift zu nennen ein Kleiner filb,, ganz vergold. Kelch 
mit feiner Eupa, jechs Notulis, jedesmal mit XP bezeichnet, und vumden Fuß. 
Zu diefem Kelch ijt eine Batene, filb. ganz vergold., pajjend gemacht, mit der Inschrift: 
CHRISTINA - GLOGAVIN - CHRISTIANI : DORSII - PFARHERRENS: ZV- LAPTAV- 
HAVSFRAW 1627. Mit Weihefren;. 

Ein filb., ganz vergold. Kelch, mittelgrof, mit vumdein jechsteiligen Knauf, worauf 
IEHSVS jteht, und im Scechspaf; gefchloffenem Fuß: von Yohan Korfihen 1624, mit 
Wappen. Hierzu paßt eine filb., innen vergold. Batene mit der Infehrift: Piefes 
Gefchenk zum Andenken an meinen Rivihaang Qavoline Rirfihnüuk aus Millen 
d. 29, Maerz 1812, 

Ein jilb., vergold. großer Kelch: AJVA md J. V.K. (von Kreygen) mit beiden 
Wappen Ao. 1694. Hierzu ftiftete eine filb., innen vergoldet Patene 1820 der Pfarrer 
B. (Biendara) zu 2. 

Ein filb,, teiweis vergold. Löffel: D. V. W. 

Ein Hölzernes fchwarzes Kreuz mit jchönem filbernen Kruzifirus daran und 
jilb. Totenkopf. 

Die Kanzel ift von Johannes Döbel 1690 gefertigt. (Sein Vater, Michael 
Döbel in Berlin, war am Kospoth'fchen Denkmal im Chor des Domes zu Königsberg 
bejchäftigt. Ex jelbft ift der Verfertiger der Kanzel zu Quednau [f. Quednau].) Die 
Kanzel hat als Träger Mofes und Aron (2?) und hat an ihren Ecken je zwei gewindene 
forinthiiche Säulen. Fruchtjehnire und Guiclanden. Schallderkel im Achte mit vielen 
Engeln mit je zwei Bilaftern und Rundbögen darüber. Ein Pinienapfel als Krönung. 
Kanzeltreppenthiiv in lateinischen Majusteln: Anno Christi 1690 Die 23 July me 
fecit ‚Johan Döbel. Innen an der Slanzeltveppe in lat. Majusfeln: M. Johannes 
Flotwel Tilsa Boruss, Hoc tempore Pastor Labtauensis hane Cathedram inaugurauit 
Do@a IX post Trinit. faxit Deus felieiter. Außen an dev Kanzeltveppenthix in lat. 
Majusfeln: Hie suggestus deauratus est sub pastoratu M. Friederiei Hermanni Reg. 
Prusi. An der Kanzeltveppenthiür die bekannten Bilder zu Iefaias 6 v.5—8 u. |. w. 
Über ihr ftcht in Holz geichnigt eine Charitas mit zwei Kindern. 


Laptau. — Laufifchten. — Legitten, 69 


Taufjtein von Granit mit Stichbogen ornamentiert, in Ktelchform, im exjten 
Soche [. des Chores. Der Unterbau des Taufjteins joll der oberite Stein der 
zerjtörten Schlachtjäule zu Nudau (1370) jein. gl. Hennenberger, Erflerung d. pr. Landt- 
tajel 103. Über diefe Säule, die auch im Laptauer Säirchfpiel Kiegt, |. Rudau. 

Drei Kronleuchter aus dem Ende des NVI. Ih., alle drei mit Doppeladler; 
der mittelfte: E.E. V.H. | E.F. V.D. | 1699. 

Hei pergamentene Notenjtüke mit gemalten Initialen aus mittelalterlicher 
Zeit, die zum Einbinden der Stiechenchronif benutt wurden. 


Nachrichten über 2. 
Gebauer, Kımde des Samlands 96. 107 f. — Harnod), ©. u. ©. 1890 243 i. 
Mollchuen, 3 km Lftl. f. von &. 1295 erhielt Naudiote fiir die Offenbarung 
des geheimen Aufftandes der Samländer eine Schenfung vom D. in der Befitung 
jeines Vaters Jodute im Gebiete von 2, die den Namen Moll eyne führte. 


Lanfijchken, fgl. Dorf und Amtsvorwerf, 9 km Lftl. 0. |. ö. von Labiau, 
am Mauerfluß. Lovfe 1258. 

Die Ordensburg in 2. war ein Nammeramt und fommt zuerjt 1258 vor. Laufen 
oder Laukischken wird noch 1466 und 1525 als Burg genannt. Zu herzoglicher Zeit 
war es cine „agdbude*. Georg Sriedrich baute 8 1581 um und nannte 08 
Sriedrichsburg. Er erteilte hier einer Ichwedischen Gefandtjchaft Audienz. Giefe führt 
an, daß fich von der Bırcg das Fundament (Feldfteinmauer) mit einigen Kellern erhalten 
habe. Auf der n. Front jteht jet das Amtsgebäude. Die Vorburg lag im ©., früher 
mit Waffer beftaut. Giefe, 3:UR. 

Die unter Privatpatronat ftehende ev. Pfarrficche, in diefem IH. erbaut, hat feine 
befonderen Eigentümlichkeiten. Nur die auf einem Tauftifch im Empireftil jtehende 
meifingne Taufjchüjfel zeichnet fich dadurch aus, daß fie zu den äuferft wenigen 
gehört, welche eine Sahreszahl tragen. Das achtedige Taufbeden hat in feiner Mitte 
die Taufe Ehrifti durch Johannes in Gegenwart eines Engels in teils getriebener, teils 
gradierter Arbeit. Am inneren Rande fteht in von oben getriebenen lateinischen Majusteln: 
Diefes. Tauf. Beiken. it. Got. und. den. Kaukifdy. Rilden.. kichen . zu. Ehren. 
Aemachet. worden. Den.3. Septe. — Darauf folgt ein Renaifjance-Nanfenornament, 
teil3 getrieben, teils gradiert. Dann folgt die Infchrift: Im. Yoxdan , Ielos , ab- 
wäldht. | und. voh . Johan . Jih . taufen . Left. | Derfelbe , Dein . und. mein. 
unflat, | doch . fein . Blut, abaewalıhen . hat. 1668 . 

Ar zwei Kronleuchtern icheinen allein die beiden Doppeladler aus dem Ende 
des XV. Ih. zu ftammen. 

Harnod, €. ı. ©. 1890 156. 

Srundrih u. Mufrih; der Kirche in der Kreisbauinpektion zu Labiau. 


Legitten, Kirche und kölmisches Dorf, 6 km Lftl. w.f.w. von Labiau. 


Borgefchichtliche Altertümer im pl. 2. 
Legitten BP. 9. Neue Solge 1813 153 fj. Löbertshof, 2 km Lftl. w. von 2. 
FM. 8.164. 1156. 164-188. 352357. 366367. 3758376. IT 38. MM. 1877 176 ff. Blell, 
A. M. 1878 610 ff. und S.d. U. P. 1877/78 79 ff. 1881/82 102 f. Moritten, 3 km Lftl. ww. n. iv. 


70 Legitten. — Lichtenhagen. 


PM. K.IT 345. ©.d.Q.P. 1877/7896 ff. Poßritten, 3 km Lftl. |. w. P. M. 8. II 350. 351. 
IIT 4144. &. 8.9. P. 1881/82 111 5. Nüdlaufen, 4 km Lftl. n. ö. PM. st. III 36. 
Schafaulad, 4 km Lftl. j.d. P.M. 8. 11383—335. ©. d. U. P. 1881/82 56 f. Schar- 
laden, Groß-, 3 km Lil. |. PM. R.Irı. Wißritten, 5 km Lftl. . P.M.8.1a2. 51. 

Die jebt ed. Pfarrfirhe zu Legitten, föniglichen PBatronats, ijt ein Bau aus 
Feldfteinen mit Ziegeleden, der aus der Ordenszeit ftammt. Im Hukeren ziemlich 
ichmuclos. Im Innern tritt man durch den Turm in das dreijochige Langhaus; 
achtteiliges Sterngewölbe, deren Rippen, abwechjelnd bienjtabförmig und dreiviertelrund- 
ftabförmig, auf Fragentöpfen in unförmlicher Gejtalt anjegen, die an nach innen ge 
legten Strebepfeilern fien. Auf den jpigbogigen Triumphbogen folgt der einjochige, 
rechtwinklig gejchlofiene Chor; die achtteiligen, dreiviertelrundjtabförmigen Rippen jegen 
auf niedrigen, nicht mehr erkennbaren Konfolen auf. Runde Schlußfteine überall. 
Im Chor r. umd Il. zwei mächtige rundbogige Nifchen. Sakrijtei, im N. an den 
Chor angebaut, hat ein Tonnengewölbe. 

Unter dem Triumphbogen fteht ein mittelalterlicher Kruzifirus mit Maria und 
Johannes auf dem alten, in Kämpferhöhe des Triumphbogens eingelegten Balken. 
Schlechtes Holzjchnigwerf. 

Altar. Die Menja aus Ziegeln, innen hohl. Altaraufjat von „Gottfriedt 
Haarhaufen, Churf. Hoff und Iagt Mahler” 1694. Predella Olgemälde: Abendmahl. 
Hauptbild in jchlechter Holzjchnigerei: Chriftus am Kreuze mit Maria und Johannes u... 

Ein ganz vergoldeter Kelch mit jchönem aufgelegten Nenaifjanceornament; auf 
der Eupa Engeltöpfe. Auf dem Knaufe und Fuße getriebene Engelköpfe, Unter dem 
Fuße die Widmung von von der Trenfe, von Stospoth, von Göten u. j. w. Anfang 
XVD. 3. 

Eine filberne, teilweis vergoldete Weinfanne, Ende XVIL 3. 

Eine filb. ovale Dblatendofe mit getriebenen und gravierten Blumen. 

Kanzel 1698 von Mugler(?); mittelmäßige Holzjchnigerei. 

Ein eleganter Kronleuchter von Meffing mit Infchrift aus dem Ende des 
XVO. 8. 

Gutes Dlgemälde von Joh. Carl Huhn, Pfr. in ©. feit 1813, zu feinem 
50 jährigen Amtsjubiläum. 

Harnod, E. und ©. 1890 157. 

Labladen, 6 km Lftl. n. w. von Legitten. Das einfache Herrenhaus ift im 
vorigen Ih. durch den Kanzler des Königs, Ludw. von Oftau, erbaut. 

Farbige Darftellung in Dunder, Die ländlichen Wohnfige u. |. w. Berlin 1869. 


Lichtenhagen, adl. Dorf, 13 km Lftl. j. w. von Königsberg. Lichtenhain 
1363. Hm. Heinvich Dufemer fchenkte 1349 2, Dorf und Mühle, dem Benedictinerinnen- 
Slojter St. Marien im Löbenicht- Königsberg. Das Dorf gehörte zum. Erzpriejtertum 
Greuzburg. ©. 1. ®. 1395. 

Die Pfarrfiche jollte urjprünglich nach der Urk. von 1249 €. 9. W.128 nad) 
Brujebergue, dem heutigen Bergau, 2 km Lftl. nm. von 2, kommen, it aber 
niemals ausgeführt worden.t) Die jet ed. Pfarrficche in 2. ift 1350 vom Bijchof 


1) Bender in Zeitjchr. f. Geh, u. Altertumstunde Ermlands V 42 ff. 


Lichtenhagen. 71 


Jacob eingeweiht; im 3. 1363 betätigt der Bilchof Johannes Streifroc, als Verwalter 
der Didcefe Ermland, obige Schenkung, indem er gleichzeitig die Kirche in 2. dem 
Klojter einverleibte umd mit ihm vereinigte, daher das Patronatsrecht dem Löbenichtjhen 
Hospitale zufteht. 

Äuperes: Der Turm ift in den beiden unteren Gefchoffen noch aus der DO. 
Heit, aber nachträglich vor das Langhaus gejeßt. Gotischer Verband. Ziegel mit 
Sranitfindlingen gemifcht. Untergefchog ganz glatt; im erften Stocwerf je vier flach- 
Ipisbogige Blenden in Rohbau. Darüber Holzwerf und ein einmal gebrochenes Biber: 
Ihwanzzeltdach; Knopf und Fahne Langhaus aus Ziegelvohbau in gotifchem 
Verbande mit Granitfindlingen ungefähr in gleichem Verhältniffe gemifcht. Auf 
dem Giebel der W. Seite je eine fchön profilierte Lifene. Fenjter aus neuerer 
Zeit im Stichbogen. D. Giebel neu mit fieben Nifchen. Dach von Biberfehtwänzen. 
Chor gleichzeitig mit dem Langhaufe. Auf der ©. Seite zwei alte, im Nundbogen 
mit zweimal gebrochenem vechtedigen Profil geichloffene Fenjter; im N. feine Feniter. 
D. Giebel alt mit drei getünchten fpigbogigen Blenden, zwijchen vechtedfigen, mit 
Spiben gefrönten Rfeilecchen. Darunter im Exdgefchof eine Nundbogennifche. Arm 
Langhaus und Chor vier einmal gebrochene gleichzeitige Strebepfeiler, welche am 
D. Giebel des Langhanfes fehlen. Die Sakriftei im N. an den Chor angebaut, 
mit Kreuzgewölbe; moderner Vorbau im N. an das Langhaus. Hölzernes modernes 
Dachgefims. 

Inneres: Eingang zum Turm jpihbogig mit drei Biegelveihen eingefaßt, von 
denen die beiden vorderen abgefaft find. Im Turm I. geht eine Badteintreppe 
hinauf, an der W. Wand ummvendend. Langhaus und Chor weil; getümcht mit jchlecht 
bemalter Holzdecke. | 

Altar nicht jchön. Ein alter, vorreformatorischer Altaranfjab jteht im Lang- 
haufe in einer Nifche auf der Brotjeite: eine in Holz gefchnigte Pietä mit der Infchrift 
im Heiligenjchein: Stabat mater dolorosa ju...., mit Neliquiarium darunter mit gotijchem 
DOrmament. Hinter der Maria in den Sreidegrumd gedrickte Ornamente in Golv. 
Nechts und links zwei Flügel mit jehlechten Gemälden: auf der Innenfeite Mariä 
Verkündigung, die Zinbetung der Weifen u. j. w. Auf der Nückjeite (. o. h. Catharina; 
l. u. h. Dorothea; r. o. h. Barbara; r. u. hd. Margaretha. — In der DO. Wand. des 
Chors r. und L. vom Altar find Nijchen. 

Ein gotijcher, filberner, ganz vergoldeter Keldh: unten ein Sechspaß, darauf der 
Sruzifizus; jechs überedgejtellte Notuli, auf die in der Nenaifjancezeit Nofetten mit 

Löwenköpfen aufgelötet find. Darüber fteht Ahefus, darunter nicht lesbare gotifche 
Minusteln, 

Ein filberner, innen vergoldeter Kelch: Calix coetui addietus partim ex argento 
furto ablato et recuperato ex Dono Collegii. Regiomonti 16. Sept. 1797. (Das 
Hospital-stollegium ift gemeint.) 

Patene dazıı von 1797, Klein, Hosp. Assessor. Renovat. 1834. 

Weinfanne von 1845, Gejchent der Gräfin zu Dohna-Capuftigall. 

Schöne Nenaifjance- Kanzel in Holz von 1633, mit tosfanifchen Säulen und 
echten Intarfien in hell- und dunkelbraun; jechsediger Schalldedel; Stanzeltreppe mit 
nach unten verjüngten, hHermenartigen Pilaftern. 


Tauffchüjfel aus Meffing mit vier getriebenen Blumenornamenten mit gepunzten 
Nanfen, 


712 Lichtenhagen. 


Orgel von 1853 anjtatt eines 1652 erbauten Pofitives. Orgelempore von 1652. 
Aus derjelben Zeit ungefähr das Löbenichtjche Hospitalwappen im Chore auf der 
Brotjeite. Das Siegel, welches das fünigl. große Hospital führte, war demjelben 
durch den, Herzog Albrecht im Fundationsprivileg verliehen worden: „Wir begaben 
auch hiemit aus Fürjtlicher Gewalt vnd Oberfeit | jolch New Hofpital | mit einem 
Eigil | AUS nemlich Zwo auffgerichte Hende | Alfo das die Eine das Almofen veicht 
vnd giebt | vnd die ander jolchs empfchet | Ynd vmb das Sigil | fol in der Runde 
gejchrieben jtehen | der Spruch Esa am 58. Frange esurienti panem tuum.“ 


HE ) INN IEQ = 
Im | 


Se R 
a il, 1 


\ >IS Sl 


Hei 
LAN! nme 
av 


EEE 


DS 
N — N 
N I N 
\ IA 
\ EaR 
7 Id EN 
; \ 
; 3) e 
A ı 
ıl Y 
ur 


2: 


\ | I = 4 \ a hr 
Ten: 
zig: one 
12 | Inf Mi 
=* Den 


Abb. 39. Chorgellühl in der Ricche zu Kennen 


sm Chor auf der Stelchjeite ans Eichenholz mit tannenen Füllungen gejchnigte 
Ehorjtühle [Site mit Nücklehnen] in reichen Barodformen von 1624. Abb. 39, 
Im Langhanfe r. zwei Stühle, in der Art des Melcher Breuer bemalt, gegen Mitte 
des XVII. IH. (f. Arnau). 

Auf dem Friedhofe zwei Linden im D. des Chores, die jo alt wie die Kirche 
jein jollen. 

Wittih, Mie. von 1880 im Landeshaufe zu Königsberg. 

Harnod), E. u. ©. 1890 12 f. 


Lochitedt. 73 


Lochitedt, königl. Schloß und Erbpachtsgut, 4 km Lftl. j.w. von Fijchhaufen, 
hart am Haff belegen, hieß zuerjft Witlandsort (urfundl. 1246 zuerjt exwähnt), dann 
nach einem dort wohnenden Samen Laucjtiete. Dusb. III cap. 107 ed. Harttnoch; Lauch- 
jtädt 1427; Louchjted 1430. Während man die Abficht, dort eine Burg zu errichten, 
jchon 1264 hatte, wurde cs als fejter Punkt zwijchen Königsberg (1255) und Branden- 
burg (1266) erjt im 3.1270 zu bauen angefangen. Witlandsort war zuerjt dem Bijchofe 
aügejprochen worden, kam hr gegen Schonewit (Fichhaufen) 1263 an den Orden zuritct 
und wurde in der erjten Zeit Komtursjchloß. Voigt, Namenscoder von 1291. Später wurde 
die Burg durch einen Pfleger verwaltet, der von der Komturei Königsberg abhängig 
war. Zur Zeit der Beligergreifung Königsbergs durch die Polen war der Sit des 
Komturs wieder in Lochjtedt. Bernfteinamt blieb c$ bis 1581. Die beiden fehlenden 
Burgflügel find dem Bau der Feitung Pillan zu Liebe in den 3. 1701 und 1702 
gefallen. Auch die beiden noch vorhandenen zeigen ein gegen die ehemalige Herrlich- 


N 
N 4 


8 
& 


i 
T INN 
Nr: 


\ 
N si 
A Ki; 


Abb. 40. Anliht der Bura zu Lochltedt. 


feit ehr verfümmertes Bid. — Im dreifigjährigen Sriege hat 2. fehwer bei der 
Eroberung durch die Schweden gelitten. Im fiebenjährigen Striege fiel &S in die 
Hände der Nuffen, ivo jeine Kapelle 1760 durch den Generallisutenant von Korff 
imvendig ausgebaut wurde. Im 3.1805 kam c8 auf einige geit in Privatbefig; jeßt 
ijt es fönigliches Eigentum. Dah das „Lochitedter Tief“ auf einer Umvahrheit Simon 
Sruman’s beruht, ift jehon in der Einleitung bemerkt. 


Borgefchichtlihe Altertümer im Sipl. % 


Lochitedt. PM. N. 1153. 178.81. Barten (bei Gafffen), 9 km Lftl. ı. ö. von 
.. EM.N.12G6. Damerau, 9 km Litl. n.d. von L. PM. ft. II 199. 200. 

ir die Burg folgen wir Steinbrecht’S Bejchreibung.  _ 

Die Burg 2. „it nach demjelben Grumdjat angelegt wie Brandenburg: ein breiter, 
5ufeifenförmiger Graben trennt aus dem Haffabhang eine Infel Hevans, welche durch 
einen Qnergraben noch einmal zerlegt ift. Der höhere Teil trägt das Hauptjchlof, 
53,70 m lang, 47,70 m tief, der andere bildete die VBorburg.“ 


74 Lochitedt. 


Den Lauf der Gräben erkennt man an den Bodenjenkungen. Die Grumdgeftalt 
der VBorburg üt jeit dem Frühjahr 1888, wo eine Feuersbrunft die dort belegenen, 
ein annäherndes Quadrat bildenden Ställe und Scheunen einäjcherte, nicht mehr fennt- 
lich. Der Stall am Haff hatte noch mittelalterliche Umfaffungsmauern. Über das 
Vorburgthor ift nichts mehr zu ermitteln. 

Das Schloßthor führt von ©. in das Schloß hinein und ift ohne äußere 
Verteidigungsmittel angelegt; 8 war innerhalb durch einen Sperrbalfen verjchliegbar. 


u 7 
j 
TE 1 
4 1 
° ı 
NonpfLüget Ing: 21 
et Pauptthurm zu ı 
| I I I 
ı I I l 
a a a a ee rn ee EN TE SE I 
VE .x 
4 N 
Ostlügel 
um Mittelalterlch- - Bestand 2 
em - sicher erganybar 
— Alte Mauerlinien 2 nd 
--- Unsichere rgantung. 
[22:] Neugeitliche tmalıa . 
1} 
Capitel- 


uf 7 
xt Conventg-Reit! 
8% WER 


x 


zum Dans 7 
- 34 
1277 % 


0 5 ” 15 20 Ei 0m. ARE 
. s At a LE Li 


Abb, 4. Greundeih der Burg zu Lochltedt (nad) Steinbredhl). 


Der W. Flügel hat feine Unterfellerungen; der ©. Flügel hat jolche mit Längstonnen. 
Die Durchfahrt unter dem Thorweg war nicht unterfellert. Sie ift geräumig an- 
gelegt und befißt je ‚eine Doppelblendnifche, die auf der W. Seite rechtwinklig umrahmt 
von Rumdfopfiteinen, die vot=grünglafiert, vot-gelbglafiert abwechjehn. Im diejem 
Rahmen entwiceln fich zwei jpigbogige nafenbefegte Blenden, welche in der Mitte auf 
einen felchförmigen Oranitjtein auffegen. Die beiden Granitkonfolen auf den Eeken 
fehlen, Abb. 42. Die beiden Blenden find aus je drei Stücen zufammengefegt, 


Lochitedt, 75 
welchen vor dem Brande im trodnen Zuftande des Thons die Kunftform gegeben ijt. 
(Über diefe Technik j. Centraldl. der VBauverwaltung, Jg. 1885, 391.) Eine ähnliche einfachere 
Doppelblende liegt an der Pförtnerzelle Dieje ift mr ein Kleiner Raum, ohne 
Lichtöffnung, nur mit einem Eekfamin verjehen. Eine zweite jpigbogige Thür führt 
in einen größeren Naum, der durch ein vierediges, mit Granitjteinen eingefahtes 
Fenfter, das mit ftarfem Eifengitter verjehen it, Licht erhält. Auf der gegenüber- 
liegenden Seite der Durchfahrt ift nur eine jpisbogige Thür vorhanden. Sie führt 
in ein Gemach, das durch zwei Spisbogengewölbe, welche ein rundbogiges Tonnen- 


Abb, 42. Thor zu Lochitedt, 


gewölbe durchdringen, überjpamnt ift. ‚An den Gewölben fan man noch die Bemalung 
der jcharfen Grate erkennen: votblau und braun, die auf einen gleichfalls gemalten 
Schlußjtein zufammenlaufen. Zwei tiefe Nifchen, in deven füdlicher noch die Heiz: 
anlage mit Schornjtein zu erfenmen ijt, gliedern die Wejtwand. Das einft vorhandene 
enter nach der Hofjeite wird jebt von der Nottreppe zur Stapelle eingenommen umd 
anftatt feiner erhält das Gemach ein jpärliches Licht durch zwei jpäter angelegte Licht- 
Ihlige. Der Sage nach befand fic) hier die Bernjteinfammer. Neben diefem Raum 
liegt nach ©. zu eine jchmale Zelle, die nur ein Luftloch nach dem Thorraum bejal 
und ihre Thür von dem nach W. zu angrenzenden, geräumigen, mit Längstonne über: 


76 Lochitedt. 


wölbten Wirtfchaftsraume befaß. Hier befindet fich in der N.W. Ede der mächtige 
Luftheizungsofen für das darüber liegende Nefektorium, 

Dr W. Flügel it zweifchiffig und enthält zwei Räume: die Wirtjchaftsktüche 
und einen langgeitreckten, teils auf Bacdtein-, teil® auf ranitpfeilern mit jcharf- 
gratigen Kreuzgewölben überjpannten, urjprünglich nicht durch Zwijchemvände geteilten 
Wirtichaftsraum. 

Der mächtige Schlot der Konventsküche vuht auf zwei kräftigen, vunden Granit- 
jäulen, unter deren Kapitellen Konfolen angearbeitet find. Die Kapitelle tragen die 
jpigbogigen, jcharfgratigen Sreuzgewölbe, die Konfolen auf flachen Ziegelbögen den 
Schlot. Licht erhielt der Raum durch zwei vechtwinklige, mit Granit eingefahte Fenfter. 
In der Nähe der Hofthir führte eine Treppe hinauf nach dem Nemter: man konnte 
die Speijen unmittelbar von der Küche in das Nefektorium tragen. 


Abb, 43, Bild von Lochitedt von 1560. 


Die Aufgangstveppen zum Hauptgefchoi lagen im nicht mehr vorhandenen 
Kreuzgang. Eine ift am Nefeftorium, eine zweite an der Stapelle fichtbar. Die 
andren, zweifellos vorhandenen Treppen find mit dem N. und O. Flügel verfchwunden. 
Dear WB. Flügel enthält zunächit im N. das Wohngemach des Komturs, einen Raum 
mit einem Gewölbe (ähnlich wie in der Judittener Kirche), „deifen Anfallspınkte fo 
liegen, daß auf der Simenfeite der Schub gegen die vorhandenen Mauerfnoten geht 
umd auf der Aupenjeite drei Schildbögen mit einem großen Mittelfenjter entitehen. 
sn der Ecke befindet jich ein Kamin, in den Wänden mehrere Nifchen, in der Weft- 
wand ein Dansker, bejtehend aus einem Vorraum und einer Kleinen Abtrittsfammer 
dahinter. An diefer Stelle ift jegt vieles geändert; im Jahre 1881 war diefe Näum- 
lichkeit nach dev Stube zu vermauert, man konnte aber von aufen her mittels einer 
Leiter in den Danster gelangen umd fand die Einrichtung deutlich vor. Die Anlage gleicht 
dem Dansk in Hochmeijters Hinterftube zu Marienburg.“  Steinbredt, a. a. ©. Bd. IT 123, 


Lochjtedt. 77 


An des Komtırs Stube grenzt ein mit jcharfgratigem Kreuzgewölbe überfpannter 
Vorraum, dejfen Zugang vom Kreuzgang her noch deutlich Fichtbar it. Hinter ihm 
liegt nach W. zu ein mit Krenzgewölbe, mit auf Konjolen ruhenden Rippen bederktes 
Dienerjtübchen. Neben dem Vorraum gelangt man nach ©. zu in des Komturs 
Nemter, einen mit jehönem gerippten Sterngewölbe, das auf einem achtecfigen Granit- 
Ichaft und rings an den Wänden auf Konfolen ruht, überjpannten Raum. Die 
Gerwölbefappen waren mit Infchriften verjehen, wie jich noch vor Furzem unter der 
diee aufgetragenen Kalktünche jegen lieg. Neben diefem Raum ift 1888 eine Wohnung 
für den Förfter eingerichtet worden; vordem war hier die Wohnung des Bernftein- 
Aufjegers. Der alte Ofen, den Steinbrecht (a. a. ©. 122) erwähnt, it mit jeinen das 
Monogramm des erjten Königs von Preugen enthaltenden Stacheln zum Förftersheerde 
degradiert worden. Über die urfprüngliche Einrichtung it nichts mehr zu ermitteln. 
Es folgt ein weiter wüjter Edvaım, um welchen der Gang zum Dansfer herum 
geführt ift, und durch welchen der Küchenjchlot Hindurchging. — Vom Danster it 
nichts mehr zu fehen; wir vermuten, daß er durch einen Bogengang mit dem Schlofje 
in Berbindung ftand. Auf dem Epitaph des Bernjteinmeifters Fuchs aus dem 
XVI. Ih., welches noch vor kurzem in der Kapelle zu 2. hing, ijt ein jolcher ab- 
gebildet. Nach diefem Gemälde, das wir nach der Gicjejchen Beichnung wiedergeben, 
war der Dansker jchen im XVI I. verfallen. Danac) hätte er aber nach N. zu 
mit Bogenftellungen angejchloffen. Abb. 43. „Ao 1560 d. andren tags Aprilis ein 
Viertel nach achten des Abends ift der Edle u. Ehrenfejte 9. Hans Fuchs FD. zu 
PBreuffen Oberfter Bernfteinmeifter, nachdem cr folches Ampt in die 55 Jahr treulic) 
verwaltet, zur Lochstedt feliglich entjchlafen.* 

Im S. Flügel fehlof fich an die von der Küche hinaufführende Treppe unmittel- 
bar das Nefektorium (Nemter) an. ES war in drei Jochen überwölbt, von denen 
fich nur noch einige mit Skulpturen ausgeftattete Kalkjteinfonfolen erhalten haben. 
Den Luftheizofen haben wir bereits bei Gelegenheit des Erdgejchofjes erwähnt. Cs 
hat feinen Eingang don der Hofjeite durch den Streuzgang. Hier erhebt fich ein Auperft 
zierliches und mit vollendeten Gejchmad angelegtes Portal. Seine Gewände find 
mit Säulchen von abwechjelnd grän- und gelbglafierten ‚Hiegeln ausgejeßt, welche 
Bajen md Kapitelle von eftpländifchem Kaltjtein befigen. Uber den Sapitellen erhebt 
fich der Spitbogen in gleichen Profilen wieder von glafierten Ziegen; um ihn teht 
die Infchrift in erhabenen gotifchen Majusteln auf Thonplatten gebrannt: Mast ist 
au allen dinain auf, (Über die Technik der Thonplatten j. Steinbredt, a. a. ©. 119.)1) — 
Neben dem Nemter Kegt die dreijochige Vorhalle zur Stapelle. Sie hatte einen Ein- 
gang vom Kreuzgang her, augen mit fräftigem Brofilwerk und glafierten Skulpturen; 
jeßt Fenfter. Die drei Ioche befigen Kreuzgewölbe auf Rippen, die auf Kalkjtein- 
fonjolen auffegen. Dem alten Eingang gegenüber führt eine Wendeltreppe zu den 
zerftörten Wehrgängen empor, eine Feine Seitentreppe auch zur jeßigen Empore der 
Kapelle. Die Thür, die im DO. nad) der Kapelle führt, Hält Steinbrecht wahrjchein- 


») Anfehriften aus gebranntem Thon, zugleich mit den BZiegeln geformt, finden jich wie hier, jo auc) 
an andern Schlöjjern, jo in Marienburg (. Duaft, N. PB. B. Bl. 1851, XL 36 f), in Birgelau, 
Schönberg, Frauenburg (d. Dnajt, Denkmale der Baufınjt in PBreuien 28 F.), in Elbing, in 
Thorn an St. Kacobi, im Ehore der Kirche zu Pehsken. Diefes „Buchjtaben - Gebäd”, wie 8 
Büihing nennt, weilt auf den Orient Hin; von dort Fam cs nach Palermo und bier finden wir e8 
bei den Bauten des Deutjchen Ordens twirder. 


78 Lochitedt. 


lich für fpäter „mit Benubung alter anderswoherftammender Bruchftice hergeitellt”. 
Wenn auch in den Kapellen der andern Ordensfchlöffer fich mur ein Eingang findet, 
jo muß diefer Eingang jedenfalls fehr frühe angelegt fein: die Ihonfäulchen der 
Umrahmung mit ihren Werkjteinfapitellchen pajjen ebenfowohl wie die fpißbogige 
Umrahmung organisch in die Socharchiteftur der Vorhalle hinein. Nach der Hoffeite 
liegen der Stapelle zwei Bußzellen (wie in Golub, Neden, Marienburg) vor, die ein 


IN 


N 

N 

N 
N 
N 
N 
N 


Er 
u ERRRREN, 
Ge 
N 
hy 


INT ZEN 
Im N 


SEI 
RS 


Abb, 44. Kapelle zu Lochftedt. 


Schauloch nach dem Altar der Kapelle trugen. Beide Löcher find jebt vermauert. 
Steinbrecht hat noch die „abwechjelnd grünglafierten“ Nundftäbe dev Thürumfaffungen 
gejehen; wir konnten von der grünen Glafur nichts entdeden. 

Die Kapelle ift genau wie im Hochjchloffe zu Marienburg mit zwei Kreuz 
gewölbjochen und einem Gewölbejoche mit Dreiviertelftern, welcher „aus je zwei 
Dienten der Chorwand umd der beiden Seitenwände entjpringt. Die Wanddienjte je 
zunächjt einer Chorede verbinden fich direft durch Gurte und fchneiden dreiedige Ext 


Lochitedt. 79 


jeder ab, welche jelbftändig mit einem dreifappigen Gewölbe gejchlofjen find." Dadurch 
wirkt das Chorjoc) als ein polygon gejtaltetes, und durch diefen Kumjtgriff empfängt 
der Beichauer den Eimdrue einer polygonen Schlugentwicelung des Chorraums. Die 
mit zierlichen Laubwerktapitellen verjehenen Gewölbrippen ruhen auf forbfürmigen 
Kapitellen mit mammigfaltigem Skulpturenjchmud. Sie ftehen auf kurzen Saltjtein- 
Jäulchen, welche aus Wimpergkronen entjpringen. Unter der Fenjterbank läuft ringsum 
ein Fries aus Ihonplatten, welcher an den romanifchen NRıumdbogenfries erinnert und 
mit flachem Nankemverk über und in den Nundbögen bedeckt ift. En Schmud 
findet fich aus denjelben Formen hergejtellt am Hochjchloife zu Marienburg, wie er 
jich auch 1887 in Brandenburg fand.) Die Gewölbedienfte gehen nur an der Schluß: 
wand des Chores bis zum Boden hinab, an den Längsjeiten des Gejtühls wegen 
nicht. Jedem Schildbogen entjpricht ein Fenjter oder eine Wandblende; an leßteren 
ift noch das alte Mafwerk. Um das erjte Fenfter v. jteht in denjelben Majusteln 
wie an dem Nemterportal gejchrieben: Maria aute Haben uns in diner hute. Die 
senfterpfoften zeigen diefelben Formen wie in der Stapelle zu Mavienburg, Balga 
und Brandenburg. 

Der Safrifteieingang it dreigliedrig geftaltet: vier Heine Thonfäulchen, mit 
Kalkfteinkapitellen und Bafen, trennen drei pisbogige Nifchen von einander, deren 
mittelfte den Eingang bildet. Im den Spisbogen befindet ich Mafwerf. Die Sakrijtei 
ijt mit renzlappen auf Rippen und vumden Eekdienften überwölbt. 

Das urfprünglihe Kapellenportal befindet fich im erjten Soche [, der Ein- 
gang ift jeßt vermauert. ES beiteht aus einem äußeren Bogen, einer Vorhalle md 
einem inneren Portale. „An dem Aufenportal find nur die Sodel von Kalkitein, 
alles übrige aus gebranntem, abwechielnd grün- und geldglafiertem Thon.“ Die Stirn- 
bogen umzicht ein Fries aus Majusteln: .. benedigit fi der Mame AIhefu Chrift. 
„Beim inneren Portal wiederholt fich Steinjocel und Wechjel der farbigen Glafuren; 
die tapitellveihe jedoch ift ohne Glanzüberzug, ficherlich um.die außerordentliche Fein- 
heit der Ihonffulpturen nicht zu beeinträchtigen. Das Laubwerk ift jo zierlich umd 
mit fo en Hinterjchneidungen ausgeführt, wie man 8 in Hauftein wicht fertig 
bringt." „Rechts und links vor dem Portal treten Kleine Steinbanfen vor, in deren 
Nücken feines Mafwerfgeitänge anbebt und zu fehmucreichen Füllungen, Giebeln und 
Krönungen in den Schildbogen aufwächt. Alles Thon-Skulpturen; fein wie Ziligran- 
werk; bald gelb-, grün-, braunglafiert; bald num bemalt.“ 

Der Altar, die Kanzel, der gegemüberliegende Ambo, der Tauftijch und die 
Orgel find neu. Ein achtediger Oblatenfaften ift aus dem Anfange diefes Jahıh., 
die zwei Altarleuchter aus bronziertem Zimm: I. 6.1. 1763. — 1869 wurde die 
Kapelle nach innerem Ausbau neu geweiht. 

Dumsdorf (oder Dubendorf), Sohn eines Nöhrmeifters zu Königsberg, legte in 
den Jahren 1754 und 1755 einen Wafjerbehälter unten an der Vorburg an, der 
bon Steinen ungefähr 22 m [., 5 m br. und 2,3 m tief war. Hierauf grub er ver- 
Ihiedene mit Kies gefüllte Gräben, welche bei Negenwetter das Wafjer geläutert dem 
Wajjerbehälter zuführten. Das Wafjer wurde muın durch eine 500 m lange Röhre 
in die Pırmpe auf dem Berge gehoben. Nante, Wanderungen dur) Preußen I 46 ff. 

Wer in Königsberg ift, jollte die nur einftindige Fahrt nach Lochjtedt nicht 
jenen. Es foll jegt (1890) eine Schule in dem Gebäude angelegt werden; hoffentlich 
wird nichts davan geändert! 


s0 Lochjtedt. — Löwenhagen. — St. Lorenz. 


Nachrichten über 2. 
Sn dem vdortrefflichen Werfe von Steinbrecht, Die Baufunjt des Deutjchen Nitterordens in 
Preußen, Bd. II. Die Zeit dev Candmeifter. Berlin 1888. Mit einer Menge von Zeichnungen, Photo 


ippien u. j. w. — Gebauer, B. BP. Bl. XIX. Das Ordenshaus Lochitedt. — Gebauer, Hunde des 
Samlandes 96 f. 108 f. — Lo, MT. D. 385 f. — Harnod), E. u. ©. 1890 72, 


Löwenhagen, adl. Dorf, 17 km Lftl. j. ö. von Königsberg. Lebenhan; 
un XV. 3b. Lewenhain. 

Die w. Pfarrkirche, welche im XV. Ih. eine Tochterfirche von Suchsberg war 
(vgl. Borchersdorf), fteht unter Privatpatronat. Sie ift an Stelle einer älteren im 
3 1613 erbaut. Wetterfahne auf dem mit Schindeln gedeckten Turm von 1675, 
Renovatum 1819. Wetterfahne auf dem aus dem NAchtect geichlojfenen Chore von 
1691. Altar, Kanzel und Beichtjtuhl aus dem Anfange des XVII. Ih. Tauf 
been aus dem XVII. Ih. von Meffing mit dem Sündenfall, fünnlojen gotischen 
Minusfehn und eingejtanzten Verzierungen. 2. von Altare hängt ein gutes Bild vom 
Pir. Nabe. Im Anbau im N. veich deforierte Särge der Familie des Neichsgrafen 
von Dönboff. 

stleinere Slode: Bilf Gott Maria bevatd Anno domini MCCGELI. Stammt 
aus Fuchsberg. 

Soße Glode von 1716. 

Sriedricheftein, 2 km Lftl. n. w. von 2. Das große, aber nüchtern ausjchende 
Schloß ift vom Staatsminifter General-Lieutenant Gr. Otto Magnus Dönhoff in 
den Jahren 17091714 auf derfelben Stelle erbaut worden, auf welcher das frühere, 
im Februar 1709 abgebrannte, gleichnamige, aber Fleinere Schloß gejtanden hat. Der 
Banmeifter der Ingenieur-DOberftlieutenant von Collas. Schöner Park. Zwei farbige 
Anjichten (von der Seefeite nach einem Gemälde des Prof. Behrendfen, das andere 
von der Landjeite nach einer Photographie) in Dunder, Die ländlichen Wohnfite u. j. w. 
Berlin 1869, 

Nachrichten über das Kipl 2. 

Sarnod, E u. ©. 1890 43. 


Lorenz, Sünkt-, Pfarrhof und Erbgut, 23 km Lftl. n.n. ö. von Fichhaufen. 


Vorgefchichtliche Altertiimer im Rip. St. 2. 

St. Lorenz, Tifchler, ©. d. p. 5. ©. 1886 168-175. PB. M. M. T 21a. un, Boifchen 
Loppehnen u. Neufuhren, 3 bez. 5 km Lftl. m. PM. 8.1 137. II 127. Stirtigehnen, 
1 km Lftl. m. w. PM. 8.112090. Mofyfen, 5 km Lftl. . PM. 8. II 100. Bei 
Moßyfen liegt eine Schanze namens Ierufalen, vgl. Seligenfed. Nortyfen, 1 km 
et. m. w. Zwölf ausgezeichnete bronzene Arthämmer im Prov.M. Pilberg, 5 km 
Lee. |. w. Sieje, 2.M.RP. Neufch, Sagen aus dem preuß. Samfande ?66. PWlinken, 5 km 
rel. mw. Flichhaus des Deutjchen DO. zum Schute der befehrten Sumländer des 
XI. 3b. Modell PM. 8. IT 21. Lanzenfpigen im Krov. m. Botalkftein, 3 km 
gl. 6. PM RT 130 Manfchen, 3 km Lftl. mn. w. PM. f. 1155. 238. Der 
Schanzenberg, 2 km Lftl. j.w. Ein vumdlicher Wall. „Das Torfbruch, was ihn 
umgiebt, ift num bei jtrengem Froft zu paffieren.” Gieje, 2.WUB. Neuich, Sagen aus d. pr. 


&t. Lorenz. 81 


Samlande ? 48 f. 875. Stappornen, 6 km Lftl. . 6. P.M.R.1135.22 Syndaı, 
5 km Lftl. j. PM. 8.117383. Tifrehnen, 1 km Lftl. n. 8.M. 8.1207. 283. MWar- 
nicen, 7 km £ftl. n.w. PM. 8.155. Urnen md Armbruftfibeln im Prov. M. 

Die jegt ev. Kirche zu St. Lorenz, füniglichen Patronats, ift eine der jüngjten 
der vom Orden geftifteten. Das Land Bethen, in dem fie liegt, wurde im 9. 1264 
eine Einöde; fein erjter Wicderanban erfolgte im den weitlichen Küftengegenden durch 
die überfiedelten Sudauer, für welche die Kirche zum Heil. Kreuz (f. diefes) zuerft 


z 
. 
Rr 
| 
1 


Abb, 45. Altaranffak in der Kirche zu St. Toren. 


erbaut wurde, Allmählich bevölferte fich auch der übrige Teil, jo daf für das firchliche 
Bedürfnis der Bewohner weiter geforgt werden mußte. Nach Kirchennachrichten foll 
demfelben durch eine und zwar der Sage nach von German abhängige Kapelle geholfen 
worden jein, bis im Jahre 1450 das jeßige Kirchengebäude von Baumeifter lausgall 
erbaut und dem b. Laurentius geweiht wurde. 

Die Kicche ift ein langes Rechte ohne Chor, mit dem alten Sakrifteianbau im 
N. umd zwei modernen Biegelvohanbauten im ©. md W. 1860. Feldfteinbau mit 

6 


82 St. Lorenz. 


aus großen Ziegeln gemauerten Eden. Der 1586 angebaute Turm ftürzte 1767 ein 
und ift wegen der Armut der Eimvohner nicht wieder aufgebaut. Lange Zeit war er 
ein Wahrzeichen für die Filcher des Novojtrandes, wie c$ die auf dem Kirchhofe 
- jtehenden alten Linden noch heute jind. 

Im 3. 1609 ftürzten die Gewölbe des Langhaufes ein. Ein Gurtjtein ijt noch 
erhalten. P. M. Ivent. 33, 6 alte Nummer. NP. P- 8. VI (1848) 408. Dafür erhielt 8 
eine Holzdede in oblonger Teilung mit in Holz gejchnigten Hüngerojetten. 

Im 3. 1771/72 wurde das Langhaus um je zwei Fenfterachjen nach W. zu er 
weitert; daher die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1771. Reparatur der Kirche 1832. 

Die Thür an der ©. Seite hat einen jehön gearbeiteten Befchlag aus Schmiede- 
eifen. Abb. 46. 

Der Altaraufjag (Ziegel der Menja 27 X14%X 8 bis 9 cm) jtammt aus 
dem 3. 1684. Auf der Predella-ift das Abendmahl auf Holz in OL gemalt (und 
ichlecht übermalt): C. pinix. 1540. (U. Hagen denft an Cranach). Darüber in 
Nürnberger Holzjehnigerei ein Mruzifizus mit Maria und Johannes. Über dem 


südl. erh le 


Abb, 46. Ihüchefichlag aus der Ricde u St. Tore. 


Kruzifixus in einer Glorie Gott Vater. Dahinter eine ichön und veich gejchnigte 
Stadt mit Burg (Nürnberg?). Um das Ganze zieht fich ein jpätgotifches (Fichblafen) 
vergoldetes Ornament. Abb. 45. Am Altarauffag befinden fich zwei bemalte Flügel- 
tiven. Unter den zum Teil etwas theatralifchen Gemälden zeichnet fich die Anbetung 
der Hirten und Weifen des Morgenlandes bejonders aus. - 

Zwei jehr fchwere Altarleuchter von Mejjing. 

Eine Agende, in grünen Sammet gebunden, mit graviertem Silberbejchlag: 
&. F#. Lenien. Pokalkltein d. 5. Prtober Anno 1781. Renovatun 1806, 

Ein jilb. Kelch von 1578. Der jechsteilige FZuß ift mit eingravierten jehr veichen 
Frührenaijjanceornamenten verziert; darinnen der übliche Kruzifizus. Auf den jechs 
Notulis find Heiligenbilder meijterhaft eingraviert. Der Kelch jelbft trägt die Injchrift: 
Glorior in Solo Sanguine xäte Tuo. Renou: Ao 1696 Past. Joh. Ungefug. — Ein 
filbern. vergold. Kelch: Porothra Kupkaum Av 1687. Dazu eine Patene: Maria 
Pornemann 1681. — Ein filb. vergold. Kelch, Tpätgotifch; jechsteiliger Zub; in den 
jechs Notulis JHESVS. 1696. 


.St. Lorenz. — Ludivigswalde. 83 


Ein jilbern. Löffelchen, auf dejfen Stiel ein Apoftel fteht: Schul Witte 
Berafiche. Sehr hübjehe Arbeit aus dem XVIT. Ih. 

Die Kanzel ftammt aus dem Jahre 1575 laut der unter dem Schalldedel 
befindlichen Infchrift in lateinischen Majusteln: Sebastianus Pygargus | Pfarchere 
Ro 1575 | Fridrich Lengnick | Steffen Sager | Brosge Rlausgalm | (Nach- 
fomme des Erbauers der Kirche) Casper Mosih W. B. — Darunter ein aus 
Leinwand gepreiter farbiger Eeccehomo mit der gleichfalls aus Leinwand gepreiten 
Snjchrift: Palm XXI, in Umrahmung von geprekten Nenaifjanceornamenten umd 
Löwenköpfen. — Die Kanzel ift mit Triglyphen gejchmückt und von einem Pinienzapfen 
gekrönt. — Auf der Kanzeltreppe wie an ihr jelbft find die vier Evangeliften gemalt. 
In der Mitte der Kanzel ein Kruzifirus mit anbetendem geharnischten Nitter davor. 

Huf dem Kicchboden befindet fich ein gut gejehnigter farbiger Taufengel aus 
dem XVII. Ih. 

Die Drgel ijt an Stelle eines feinen Pofitivs von Joh. Iofua Mosengel 1856 
von Scherweit in Königsberg hergeftellt. 

Die eine der beiden Glocden von 1753 mit veichem Ornament: Puch meinen 
Thon und Klang xuff ich den Menfihen zu: Romt hört aus Gottes Worth der 
Seelen Beyl and Ruh. Auf derjelben Glode der h. Laurentius mit dem Nofte, 

Huf dem Friedhofe ein Grab mit dem marmornen Medaillonbildnis des Bild- 
hauers Freiheren Nudolph von Bring, Nittergutsbefiger auf Plinfen, modelliert 
von jeinem Neffen von Koblinsti. Auf dem Sodel ftand bis vor Eurzem die fchöne 
Figur des „betenden Knaben“, ift aber entfernt worden. 


Nachrichten über St. 2. 
Gebauer, P. P. B. Bd. 13 569-582, Bd. 14 61—67. Kımde de3 Samlandes 109 f. 
Harnod, E. u. ©. 1890 73 f. 


Ludiwigsivalde, fönigl. Dorf, 9 km Lftl. j. von Königsberg, Luderwigis- 
walde 1332, 5 
Borgefhichtliche Altertimer im Kipl. 2. 

Widbold, 2 km Lftl. n. von 2. P.M.. 166. 

Vie jegt ev. Pfarrfirche zu 2. it königlichen Patronats. _ Grindung nach, 1332, 
wo der Komtur Nidiger von Thalheim das Dorf &. ewähnt, umd zwar als neu zu 
erbauendes, an Stelle des früher bereitS vorhandenen, und dajelbjt eine ecelesiam ibi 
eonstruendam mit Freihufen bedenkt. Sie gehörte zum Exzprieftertume Ereuzburg. 
€. 8. W. 1425. 

Äuferes: Der Turm ijt nachträglich vor das Langhaus vorgebaut, aber noch 
m dvorreformatorifcher Zeit; er hat.an jeiner ©. Seite noch gotischen Verband. Am 
Langhaus zieht fich an der N. und ©. Seite ein roter Fries entlang, der fich aus 
Duadraten zufammenjeht, die durch vier vorgerifjene halbe Vierblätter gebildet: werden. 
Der Sries ift der Gründung der Kirche gleichzeitig. Später wınden die Längsmanern 
über dem Fries erhöht, und der D. Giebel erhielt die jebige Gejtalt von fünf 
Blenden zvifchen überecfgejtellten Pfeilern. Der W. Giebel Hat eine urjprüngliche 
Sejtalt bewahrt und beftcht aus fechs Spitbogenblenden, die gegen die einfache Mauer 
zurücktreten. Vier diagonale Strebepfeiler in den vier Eden des Zanahaufes; ein 
6* 


34 Ludrwigswalde. 


f 


Chor ift niemals angebaut gewejen. Auf der N. Seite des Langhaufes ift eine Stein- 
fugel eingemauert. Die jpipbogigen Fenftergewände find mit dreiviertelrundjtabprofi- 
lierten Ziegeln in das granitne Langhaus eingejeßt. 

Inneres: Das Untergefchoß des Turmes ift aus Granitfindlingen gebaut, die 
mit dem Mauerwerk des Langhaufes in feinem Verbande ftehen, nur an jeiner ©. Seite 
zeigt er Biegel; an derjelben Seite ein Kleines granitnes Weihwajjerbeden. Die 


Abb. 47. Hltarauffak in der Kirche zu Tudwigswalde. 


oberen Gejchoffe find aus Ziegeln; Zeltdach. Durch ein mit Dreiviertelrundjtabbogen 
profiliertes fpigbogiges Portal tritt man in das Langhaus. Bon ©. ber führt ein 
gleichgeftaltetes Portal in das Langhaus; das demjelben entjprechende Portal im N. 
ift jpäter vermauert. Im Stichhogen gewölbte Bretterdede de3 weißgetünchten Lang- 
haufes. Sakriftei im N.D. angebaut. Im der DO. Wand zwei Nifchen, von denen die 
auf der Brotjeite befindliche als Saframentshäuschen diente, mit eichener Thür 
und jchönem gotischen Schloß und Ning. 


Ludwigswalde. — Mahnzfeld. 85 


Der Altar ijt aus Ziegeln gemauert; er hatte in vorreformatorischer Zeit einen 
dreiteiligen Aufjas, der jest hinter der Orgel aufbewahrt wird. Die Gemälde find 
ohne Kunftwert. Im der Predella ein durch ein gotijches Schloß verjchließbarer 
Religuienbehälter. — Der jegige Altarauffag ift ein jchönes Werk aus dem Ende 
des XV. oder dem Anfange des XVIM. Ih. In vortrefflicher Holzjchnigerei ift 
der Gekreuzigte dargeftellt; ihm zur Seite ftehen auf engelgejchmückten Sonjolen 
Maria und Johannes zwifchen je zwei fompofiten Säulen mit weit ausladendem 
Sefims. Die drei Figuren Halblebensgroß. Ein triumphierender Heiland in der 
Strahlenglorie bildet die Krönung des Ganzen. Im der Predella das Abendmahl in 
Holz gejchnigt. Abb. 47. 

Auf dem Altare ein jchön in Elfenbein gejchnigter Kruzifizus. 

Die Kanzel 1713 geftiftet. Mit Fruchtjehnüren und einer Tänie aus Holz 
gefchnigt und mit den Bildern des Erlöfers, Paulus ımd der vier Evangelijten gefchmückt. 

Taufengel aus dem I. 1775. 

Beichtjtuhl von 1691 mit gewundenen korinthiichen Säulen, mit Weinlaub und 
Trauben bemalt. Daneben ein Stuhl des Daniel Mat 1796. 

Das Geftühl ift in Olfarben grau, weis umd gelb in fecker, gefälliger Weife mit 
seitons, Fruchtzweigen, Engeltöpfen, Vögeln, Büjten u. f. w. von einer Künftlerhand 
bemalt. — Die Orgelempore ift 1714 ausgemalt. 

Die größere Glocde von 1684. 

Vor dem Altar liegt der Grabftein von Johannes Vorhoffius, Pfarrer in Q,, 
+ 1617. 

Nachrichten über das Kipl X. 
Vittich, Mic. von 1880 im Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, €, u. ©. 1890 44. 


2ahnsfeld, adl. Dorf, 15 km Lftl. j.j.w. von Königsberg. Mansfelt 

1465. Das Patronatsrecht hat der jeweilige Befiger des Gutes Arnsberg. 

Die in der Drdenszeit gebaute Pfarrfirche gehörte zum Erzpriejtertume 

Ereuzburg €. 8. ®. 14236, wurde im XVII, Ih. abgebrochen und eine neue von Fach- 

werk dafür errichtet. Auch diefe wınde 1819 niedergeriffen und die jeßige jchmueklofe 
Kirche dafür erbaut. Gottesdienjt evang. 

An Altargeräten find zu nennen ein alter Kelch mit einer Cupa; fein Fufr 
mit Nenaiffanceornament. — Ein großer filb,, teilweis vergoldeter Stelch mit dem 
von Lesgewangjchen Wappen: D. A. P. I. 1713. 

Kleinjter filbern., teiweis vergoldet. Kelch; unter dem Fuße: Pieterich v. Leske- 
wang. Anna Gatharin, neburne Polenzin. 

Silb. runde Oblatendofe mit graviertem Lorbeerkrang um den Deckel; auf dem 
Dede: I. P.L. 

Beinfanne, filb,, teilweis vergoldet, von Bans Yuhr nebit feiner Hausfrau 
hatarina de Lhantin 1660 geftiftet. 

Meffingne Taufjchale mit einem Wappen mit zwei Adlerföpfen umd einer 
Krone darüber. Im gotijchen Minusfeln fteht darım fünfmal: Got [ei mit uns. 
XV. 3. 

Humerne Altarleuchter von 1703. 

Altarpulpet von 1700. 


86 Mahnsjeld. — Medenau. 


An alten Büchern wären zu nennen ein Landrecht von 1685 mit zwei guten 
Supferftichen vom Großen Kurfürjiten nach Gemälden von 3. Vaillant, gejtochen von 
Andr. Vaillant. 

„Bolljtändiges Kirchen-Buch“ von 1697 in rotem Sammet mit Silberbejchlägen: 
George Yuhr A. 1700 Porothea Auhein geb. Mannin. 

Nachrichten über das Kipl M. 
Wittih, Mic. dv. 1880 in dem Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, E. ı. ©. 1890 44. 


Medenan, deutjch Waldort, Kivcchdorf und Nittergut, 14 km Lftl. vo. n. ö. 
von Fischhaufen. Medenow; auf der j. Abdachung der Galtgarbenhöhen. Dttofars 
Schlacht bei Medenau 1255. Gieje, 3. M. P. 


end 


Itzz 


Uray 
“llTT 


> 


Mn, 


mung 
Mus Ss 
In wi 


Sn en 


Nbb, 48. Grmmbrik der Burg Medenau. 


VBorgejchichtliche Altertiimer im am M. 

DBlumenau, Großs, 4 km Lftl. .w. PM. K.172. Blumenau, Stlein-, 4 km 
Lt |. PM. 8. 173. 17 120. 122.123. Heydekrug, km en PM.E. ITS. Lindenau, 
5 km £ftl. |. . P.M. 8.1107. Medenau, P. M. f. I 52. II 65. 66. 78. 80. 81. 124. 126. 421. 
Polwitten, 3 km Lftl. j.d. PM. ®. 113. 73. 1180. Im Prov.-M. reiche Funde aus P. 
Warrengen, 3 km Lftl. n. Berentendes Gräberfeld. P. M. S. II 64. 80. 82, 107-118. 
S.d.N.P. 1887/78:92 ff. Ziegenberg, 6 km Lftl. w. P. m. 8. 14a. II 82. 

Bei der Teilung der Landjchaft im 3. 1258 fiel M. dem Biichof von Samland 
zu und wurde der Sib eines Kammeramtes. 

Die bifchöfliche Burg jtand unmittelbar j. von „NichtHof". Wir lafjen hier die 
fleine Gebauer’jche Skizze mit dejjen eigenen Angaben folgen. Abb, 48. „a. Mühlen- 
teich. b. Der jog. Wallberg in gleicher Höhe wie Nichthof. c. Zwei diefe Höhe üiber- 


Medenau. 87 


tragende, kinftlich aufgevorfene Dämme, zwifchen denen ein tiefer Hohhveg durchführt; 
mutmaplich aus der Schwedenzeit heritammend. d. Schloßhof, zur Hälfte umgeben 
von einem Damm, unter welchem die Fundamente der Äußeren Ningmauer ruhen und 
neben welchen ich auch die durch punftierte Linien angedeuteten Überrefte des Um- 
fafjungsgrabens bemerflich machen. Südlich die auch urkundlich fejtgeitellte Auffahrt. 
©. Vorwerk Nichthof, wo Überrefte bedeutender SKellerbauten vorgefunden wurden. 
f. Gut Adl. Medenan.” Gieje, 3. WR. 

Die Burg ift wahrfcheinlich nach 1265, nachdem der Aufftand des Samlands 
gedämpft wırde, ext aus Holz, jpäter aus Steinen entjtanden. Wie lange jie beftanden, 
Tteht nicht feit. Der Vertrag zu Thorn vom %. 1466 zählt alle castra, distrietus, 
fortalitia, villas et dominia im Preufenlande auf, nennt aber Medenau nicht mehr. — 
Die 1611 ausgeftellte Belehnungsurkunde enthält M. wieder, jedoch nur als Dorf. 
Das bis 1619 hier beftandene Kammeramt ging nad Kobbelbude (Ser. Fiichhaufen), 
einem ehemaligen Küchengute des Bijchofs, über. Der Tourift Stein jah 1621 fo 
wenig von der ehemaligen Burg, daß er nur von Befeftigungen der alten Preußen, 
iwie auch beim Ziegenberge fpricht, während er bei Wargen, Bowunden, Bobethen noch 
die Mauern und Überrefte alter Burgen fand. (Acta Bor. I 207.) 

Das Dorf M. erhielt neben Stammpreufen auch deutjche Anfiedler zu Be- 
wohnern. Der Bijchof Johannes erneuerte im %. 1326 die älteren VBerjchreibungen 
und jonderte 21/, Hufen zinsfrei als Schulzengut ab, worin der Grund liegt, daf 
das jegige Nittergut Adlig M. davon ausgejondert it. 

Der Medenaufche Adel war der angejehenjte des ganzen Samlandes. Zu ihm 
gehörten im erjiten Viertel des XVI. Ih. die Familien Teuffel, von Bollwitten, 
von Schwitten, von Nenningen, von der Albe, von Taubenheim und Thiefel von 
Daltit, die leßteren vier deutjchen Urjprungs. 

Die Fabelei, dag der Ort das von Potheas erwähnte Mentonomon jei, bedarf 
feiner Widerlegung mehr. 

Die jebt ew. Pfarrfirche ift im Anfange des XIV. Ih. angelegt; Patron ift der 
König. Der Pleban Syffridus von M. umnterjchreibt 1321 eine bifchöfliche Urkunde, 
Die Verfchreibung über eine neue Kruganlage vom 3. 1325 nennt ausdrücklich die 
Parochial-Slirche apud polcam Medenow. — Sie it ein jtarfer gotifcher Feldfteinbau 
mit Ziegeleden, im W. einem aus Ziegeln angebauten Turm und wenig jpäter davor- 
gelegten Strebepfeilern. Abb. 49. Der Chor ift aus dem halben Achte gejchlofjen, 
eine im Samlande jeltene Erjeheinumng. Über die Aufenanficht von W. her giebt 
unjre Abb. 49 genigende Aufklärung. Das Dach ift 1864 von Schiefer gemacht. 
"Die Sakriftei ift an der N. Seite des Chores gleichzeitig angelegt. Vorhalle gleichfalls 
im N., neuerer Anbau. 1 

Das Eingangsportal im Turm ift jpigbogig mit abgetreppten Laibungen. In der 
Mitte der S. Seite ift eine jpäter vermanerte, jpigbogige Thür, von einem Dreiviertel- 
vumdjtab umjäumt Im der Mitte der N. Seite befindet fich Hinter der Vorhalle eine 
Ipigbogige Eingangsöffnung mit alter vierediger Eichendolz- Thür mit vautenförmiger 
Verzierung und der von außen eingejchnittenen Injchrift Abb. 50. YBayer (Opuseula p. 459) 
las die Jahreszahl an ihrem Anfange 1478, Gebauer (N. PB. P. 8. VI 1848. 285 ff.) 1423. 
Schöner gotifcher Beichlag und Slopfring. 

Die Fenfter im Langhaufe waren dem Brauche de8 D. DO. gemäß nur an der 
S. Seite angelegt. Hier waren bi8 zum vorigen Jahre (1887) die urjprünglichen 


88 Medenan, 


Fenfter mit kaum merklichen Spigbogen, mit vechtwinkligen Laibungen, ohne Mafzwerk, 
Später find im N. fleinere Fenjter mit Stichbögen angelegt worden und an der 
N. und ©. Seite, um mehr Licht in der Kicche zu gewinnen, die dien Wandımgen 
ausgebrochen. Die Chorfenjter im Spitbogen. 

Der Turm hatte im Innern im Erdgefcho Kreuzgewölbe, die mit bienitab- 
förmigen Rippen auf Stragiteinen aufjfegten. Sie find nur noch zur Hälfte vorhanden. 
Ein Gurtjtein nebjt dem dazır gehörigen Mörtel und Mauerwerk aus der Turmbhalle 
zu M. befindet jich im P. M. zu Königsberg unter der alten Inventarsmummer 33, Ta—d. Zum 


Abb. 49. Anfuht der Rice gun Medenau. 


Turm hinauf führte (. die Heine Backjteintreppe; jest eine Holztreppe. Im Turm 
liegt x. ein 1,5 m hoher Granitjtein, anfcheinend ein Weihwafjerbeden. 

Das Langhaus zeigt innen vorgelegte Strebepfeiler mit fünf Sochen Stern- 
gewölbe, welche auf bivnjtabförmigen Rippen mit Schlußfteinen auf SKragiteinen in 
halber Höhe des Schiffes aufjegen. Eine Kleine Thür mit gotifchem Beichlage und 
Klopfeinge befindet jich im erjten Joche r. vom Turm, da, wo die Orgelempore anjeßt. 
Die Kirche ift jebt im Innern durchgängig geweiht. Spuren Ipätgotijcher Wand- 
malerei fanden wir mım an der v. Wand zwifchen Turm und Langhaus, nach leßterem 


Medenau, 89 


hin. Es war ein jpätgotifches bifchöfliches Weihekreuz, freihändig in geiin mit graiem 
Schatten gemalt in zwei fonzentrifchen Streifen, deren innerer breiterer fchwarz, der 
üupere vot gemalt war, zwifchen mit dem Zirkel vorgerifjenen Streifen. Leider ift «8 
1588 überweißt. Wahrjcheinlich war die Kicche, deren Feldjteinmauerwert ja getüncht 
werden mußte, von innen ganz bemalt. 

Hinter dem jtarfen jpigbogigen Triumphbogen folgt der Chor mit einem 
Haupt und einem Nebenjoche und dreijeitigem Abjchluf. Die Ge- 
wölbe find Sterngewölbe wie im Langhaufe. Die vier Eedfkragjteine 
jtellen die vier evangeliftiichen Symbole dar. Die zwei anderen 
Stragjteine vr. ein hocdendes Männchen und eine Gefichtsmasfe. Die 
anderen L. find tweggebrochen. In der Achteswand r. ein Heiner 
Wandjchrant mit jpätgotifchem Befchlage. Ein größerer in der 
Mittehvand. In einem Chorfenfter r. Kleine, aber jehöne Grifait- 
malerei: ein Wappen mit Monogramm und elegant gezeichnetem 
Ranfemverk; darüber eine dreizadige Krone; darunter ein Spruch: 
band mit I. @. Flatho 1696. 

Die im N. an den Chor gebaute Sakrijtei Hat zwei gleiche 
Soche Kreuzgewölbe mit bienjtabförmigen Nippen (mit Schluffteinen), 
die unmittelbar an die Wand anbinden. Ihre Thüröffnung vom 
Chore aus ijt jpißbogig mit drei Abtreppungen; die alte Thin 
dierecfig, mit vautenförmiger Verzierung und jchönem gotifchen Be- 
Ichlage und SKlopfring. Auf der Imnenfeite freuzweis mit Eifen 
bejchlagen, in der Mitte ein hohler eiferner Ring, worin ein Pfahl, 
gegen die Wand gejtemmt, Schuß gegen Andringende gewährte, 

Der Altar. Die Menfa jtammt aus der Erbaumgszeit. Ziegel: 
maße 32 X 14 X 7 cm. Der Altaraufjaß jtammt von 1704. Sein 
Yauptölbild jtellt die Kreuzigung Chrifti dar. Neben Johannes fteht 
der pastor loei mit der Allongeperrüde (oder der Maler?). Das 
Bild darüber ftellt die Ausgiegung des heil. Geiftes dar. Die Ver- 
zterungen, welche in blau und goldnem Nantenwerk und vergoldeten 
Säulen mit Gefimjen bejtehen, wirken jehr vornehm. Zwifchen den 
Säulen des unteren Feldes jtehen die in Holz mäßig gejchnißten 
vier Evangeliften auf lonfolen, die von Engelstöpfen gebildet werden. 
Dben Mojes und Elias. Die Spite des Ganzen bildet ein Ehriftus 
mit der Weltkugel. 

Gleichzeitig ift die Schranke im fpißbogigen Triumphbogen 
errichtet. Sie hat gleichfalls reich und jehön gejchnigtes Nanfenwerk, 

Uber dem ebengenannten Triumphbogen ein Kruzifizus aus dem 


nmeuaga nt neu 10q we jhaffug 06 "'gget 


XV. 3. mit der Schrift vn. vi. in gotischen Minusteln. — Am 
zrumphbogen (. Maria mit dem-Kinde auf der Mondfichel jtehend 
in der Slovie, mit veich verziertem Goldgewand. Taf. 2. — Am 


Triumphbogen x. St. Catharina mit dem Schwert; beide Figuren aus dem XV, I. 

An der L. jchrägen Chorwand ift jest ein jpätgotischer Altaraufjag befeftigt, 
mit einem Neliquienbehältnis darunter. Ex enthält in jeinev Mitte in Holzjchnigerei, 
polyhrom bemalt, Gott Vater und Sohn mit Welttugeln und großen Kronen auf 


veich gemuftertem Goldgrumd. ber ihnen ift ein bemalter Baldachin. Darauf in der 


90 Medenau. 


Mitte Chriftus; zu jeiner N. ein Mann mit Stelch; zu feiner 2. der h. Nicolaus von 
Yari. — Die Diptychen enthalten innen die vier Evangeliften, aufen vier Heilige. 
An der r. jchrägen Ehorwand ijt jet gleichfalls ein zweiter pätgotifcher Altar- 
aufjfab (ungefähr um 1520) aufgehängt (Im den Stand gejeßt 1833 durch den 
Königsberger Kumjtverein.) Im Schrein jelbjt werden zwei weibliche gefrönte Figuren 
jichtbar, von denen die eine mit dem Ehriftusfinde Maria, die andre die 9. Ana ift. 
Die Injchrift heißt: Sancta Anna ora pro nobis Deum. Die äußere Seite des 


| 
eh 


Se Se 


=> 
SiLLEIE 


Abb. 51. Alfarfıchrein in der Rivche zu Medenan. 


Diptychons enthält in reicher Frührenatffances Umrahmung unten I. Chrijtophorus, 
r. einen Heiligen mit Schwert; oben I. einen Heiligen, der mit einem Stabe eine am 
Boden liegende Strone ducchbohrt; x. den h. Sebaftian mit Bogen ımd Pfeil. Immen 
ift die Legende von der Geburt Marias: Joachim BVBerjtogung aus dem Qempel, 
jein Aufenthalt in der Wüfte, feine Begrüßung mit Anna unter der goldenen Pforte 
und Mariens Kicchgang. Die Malerei ift nicht ohne Gefchiet behandelt. Der Engel, 
der dem h. Joachim die göttliche Urkunde überreicht, it Dürer beinahe abgeborgt. An 
der goldnen Pforte ijt die Stabverzierung angebracht, die eine Eigentümlichkeit Albrecht 


Medenau, 91 


Direv’s ift. (Leben Mariäs: auf der VBermählung. Große Baffion: auf dem Ecce Home.) 
(Der jpätgotifche Altaranfjag in der Kirche von Tierenberg (j. diefe) enthält diejelben 
Daritellungen in ungleich Höherer Vollendung.) Innen lo. das Monogranım: 

Über dem Altarjchreine erhebt fich ein Thronhimmel mit Maria und dem & 
Ehrijtfinde in ihrem Schof. Hier zeigt fi) das Wappen des Stifters 

diejes Altarfchreines: zwei Naben in weißer Binde auf rotem ze welches der 
Familie von der Albe, die lange Zeit in Condehnen jaß, angehört. Die beiden 
Altarfchreine find in Nürnberg gefertigt. Abb. 51 

Altargeräte. Ein kleiner filb., ganz vergold. Kelch mit glatter, am unteren Rande 
durch aufrecht ftehende aufgelegte Lilien verzierter Cupa. Auf den jechs Notulis fteht 
Ahesus in gotischen Minusfeln. Fub im Schspaß gejchlofjen. Auf den jechs Erken des 
Schaftes jtehen oben und ımten feine freiftehende gewundene Säulchen. (Diefer Kelch 
Jieht faft genau jo aus wie der auf Veilage 1 im 2, Heft der Bau- und Kunftdenfm. 
der Prov. Weftpreugen ©. 87 veröffentlichte Kelch zu Kobbelgrube) Taf. 1. XV. Ih. 
— Ein jilb,, ganz vergold. Kelch mit getriebenem Knauf, Zub im Sechspaf; mit ein- 
gravierten Ornamenten: drei weibliche Figuren, Glaube, Liebe, Hoffnung darftellend, 
mit barocen Ornamenten dazwifchen. An 1615. — Ein jilb., teilweis vergold. Kelch. 
Auf dem Fuße das Lamm mit der Fahne, ein Ahrenfeld und Weinftöcde. Dazwijchen 
Drnamente im Nococoftil; alles getriebene Arbeit. XVII. Ih. 

Eine filb., innen vergoldete Batene: Zum Andenken in Mednau: Andreas 
Bemelhe : Panfig. 1770 mit Wappen. 

Eine filb.,, teihweis vergold. Weinkfanne mit Kreuz darauf. Unter dem Fuß: 
Zum Andenken. Melhior Rade. Ama Aödlegunda Kade gebohene Bewelken, 
Kateinckenhöfen Mo 1770. 

Eine filb., teihweis vergold. Oblatendofe, rund, mit Chriftus am Dlberg in 
getriebener Arbeit: Yarl Frivrich Rade in Dankia. Zum Andenken n Meve- 
nau Ao 1770. Taf. 1. <= Eine jilb. Oblatendofe: Fridrich von Albe. Chata- 
tina v, Qanigen. — Eine jilb. runde Oblatendoje: Reinhold Melker. Ger. 
hoffeimer 1700. 

Eine kleine Schale: Supfer mit eingelegten Goldornamenten ; drei aufgelötete 
Medaillons: ein Mann mit Hammer und Meißel; eine Frau mit einem Sinde; eine 
figende Fran. Darunter ein Zul von Silber. Fein ornamentierter Knauf. Um den 
Fuß zieht fich eine Jagdfeene. Unter dem Fuße die Infchrift: Ahriftian von Baufen 
aus Danzig Anno 1770, 

Die Kanzel ftammt aus dem Jahr 1668, wie eine Infchrift über der Thür 
bejagt. Darüber ein gejchniter Pelikan, der jich die Bruft aufbeiht. Darunter: 


DEAVR:HIC SVGG: 
A:3:0:M: DC: LXXXTL 
PASTORE. 

Dn. CHRISTIANO MARCI. 
NEOSTAD :MISN: 


In den Feldern zwijchen den Säulen, welche die Brüftung zieren, die vier Evan- 
geliften und ChHriftus, ichlechte Holzjchnigerei. Die Treppenverfleivung enthält zwei 
Olbilder: ‚Sefus mit dem Lamme und Mojes mit den Gejegtafeln. Die Treppenthür 
hat zivei Ölgemälde: Ehriftus mit dem Lamm auf der Schulter und die DmeNgE 


92 Medenan, 


leiter Jacobs, welche merhvirdigerweife an die PBallion erinnert, indem fie aus dem 
Nopjtengel, Spie, Schwert u. j. tw. gebildet üft. Über der Leiter fchwebt die Drei- 
einigfeit. Schlechte Dlbilder. 

Unter dem Schalldedel in Geftalt einer Krone die Dreieinigfeit. Auf der Spige 
des Schalldedels Chriftus mit der Siegesfahne. Träger der Kanzel it ein Engel. 

Die Taufjchüjjel Mefiing. Im Immern der englifche Gruß mit jpätgotifchen 
eingejtanzten Drnamenten darum. Auf dem Nande zwei aus eingejtanzten Ornamenten 
gebildete Kreife. Darin die Buchjtaben R S geprägt. 

Die alte Orgel, welche Johannes Jofua Mosengel aus Eifenach in den Jahren 
1693/94 aus freiwilligen Beiträgen der Gemeinde herjtellte, hat 1886 einem jchönen 
Werfe des Königsberger Orgelbaners Mar Terlegki weichen müfjen. Die alte Orgel 
wide zerjchlagen. Die neue ift mit Säulchen, durch vergoldetes Blattwerf an den 
Kapitellen geziert und mit Mahwerk und Fialen jorwie Nankenornament ausgeitattet. 

Bon der alten Orgel jtammt noch die Empore her, auf der die neue jteht. Sie 
enthält fieben Ofbilder aus dem Jahre 1694, auf Leinwand gemalt: Saul und David, 
Gott Vater, das Lamm anbetende Männer u. j. w. Sehr mäßige Arbeit. 

Das Gejtühl ift meijt men. Aus dem Anfange des XV. Ih. jtammt ein 
fünffisiger Stuhl im legten Ioche des Langhaufes x. Gleichzeitig jcheinen die vier 
Stühle im Hauptjoch des Chores r. errichtet zu fein. Der erjte trägt drei Wappen: 
Ludwig von der Albe; Jürgen Auer; Wolf Benninger. 

Die Emporen jtammen aus dem Dahre 1668. Sie find gleichzeitig mit deu 
Slanzel angefertigt, von mäßiger Arbeit, haben aber jchön gejchnigte Fruchtgehänge. 
Gleichzeitig der Stuhl auf der r. Seite des Chores im Nebenjod). 

An den beiden Seitenemporen hängen zwei Gejangsbuchvers-Schilder mit veich 
vergoldeter Umrahmung vom Jahre 1740 mit Monogrammen (Im Jahre 1869 
iibermalt.) 

Die lebte Seitenempore I. nach dem Chore zu hat die jpäter darauf gemalte 
Snjchrift: Anno . Wateinken . Böfen . 1740, . 

Zwei gute Olgemälde: im legten Joch des Langhaufes r. 3. D. Beithorn, Sup., 
zum Andenfen an fein im Mai 1840 hier gefeiertes fünfsigjähriges Amtsjubiläum, 
von Bob. Heine. Stobbe gemalt; im Hauptjoch des Chores r. Dr. Karl Emil Gebauer, 
der twackere Schriftiteller der „Kumde des Samlandes“, des „Wegweijer burd) Samland“ 
und vieler Aufjäge in den W.B.B.B., vom Maler ®. Naujot 1885. 7 1888, 

Die Infchrift der größeren Gloce lautet nach Harnoch 74: Katerine vocor 
gracie gemma urbe Alexandri costi regis unica — fer me — richum fusorem F o rex 
gloriae veni cum pace HCCCCOXXI (1521). Die der Fleineren: Maria mater gratie 
mater misericordie pro te Andreas Schulz plebanus Hennich goss mich HVXX1 (1521). 
Wahrjcheinlich it Hennich van Svichelt gemeint; vgl. Heiligenwalde. Die Glocken 
hängen unzugänglic). 

Ein Epitaphium auf dem Kathrinhöfer Chor, einem Familienmitgliede derer 
von der Albe gehörig, mit vielen Wappen. XVII. 3. 

wer Eifenbandjchuhe in Bruchjtücken und ein Bifierhelm, welche früher in 
der Kirche zu M. hingen, find der A. PB. übergeben worden und dafelbjt P. m. 8. IV 
49. 50. 82 zu finden. Der Bijierhelm aus dem XV. Ih. kann alfo nicht, wie die 
Sage geht, dem Dyvel in Sitenhöfen zugehört haben. 

Anjicht von M.: Lithographie von Gebr. Schamberg zu Königsberg. 


Medenau. 93 


Nachrichten über M. 
Th. 8. Bayeri Opuscula (Halae 1770) p. 459. — SGebjer und Hagen, Der Dom zu Königs- 
berg II 153. — Gebauer, Kunde des Samlandes 97. 110. 119. —- Gebauer, W.P.P.B. VI (1848) 
285 f. — Gebauer, NP. BP. B. VII (1849). — d. Milverftedt, Vajallen:Regiiter. des Samlandes, 
Medenan, NP. B.B. 1855 VII 279—280. — Lok, K.T.D. 434. — Harnod, E. u. ©. 1890 74 ff. 


Bei dem Neubau des Pfarrhaufes (1855) zu M. ftellte jich heraus, day an 
demjelben Plage drei Pfarrhäufer gejtanden hatten. Das lette, dem jebigen voranz 
gehende hat von 1648—1855 geftanden. Beim jedesmaligen Umbau it das Gebäude 
höher geftellt worden; der unterjte Fußboden lag jajt unmittelbar über der Strone des 
Kreuzaavölbes, welches den Hauptfeller bildet und wahrjcheinlich aus dem exjten Pfarr- 
haufe, alfo dem XIV. Ih., jtammt. Der Verband der Ziegel ift in diefem Steller noch 


N: 


woltllı, 


Ill, s} 
u, 


N > 


Y 


yN 


DC Se 
z SEIII 

3 II Sp 

ZEN. Er 

LH A Wi 
; | IN RE 


Abb. 52, Gemmdrik der Burg Biegenberg. 


gotijch; die hirnftabförmigen Rippen, welche ungepußt belafjen find, jind in der Mitte 
durch einen jpäter eingebauten Pfeiler im Vlockverbande gejtüßt. 
Gebauer, V.P.P.B. 2. Folge VIII 217 f. 


Auf dem Pfarrfelde bei N, unfern von Slathrinhöfen, erhebt ich das von Nitter- 
gutsbefiger G. MW, Locrvner im Jahre 1881 errichtete Kaiferdenfmal, zur Erinnerung 
an die Anvejenheit des Kaifers Wilhelm I. bei Gelegenheit der im Samlande 1879 
abgehaltenen Heerjchau. Das Denkmal ift ein jchöner, weithin fichtbarer Obelisk aus 
Granit, auf welchen ein Adler figt. Die Vorderfeite: Mit Gott für König und 
Daterland. Auf dem Sodel: Seine Majelläl der Raifer und König Wilhelm 1. 
beobarhtete von diefer Feldmark das Manöver des erften Hemer Corps am 


94 Medenam. — Neuhaujen. 


9. Sepfember 1879. Beil dem Belden Greif. Auf dem Sodel der Nückeite: Zur 
Erinnerung gewidmet von G. WM. Lorwner Adl. Medenau d. 9. September 1881, 

Ein gußeifernes Gitter umgiebt das Denkmal. 

Auf dem benachbarten adligen Gut Kathrinhöfen hängt der Einfahrt gegen- 
über an einer Linde eine gußeiferne Tafel, mit vergoldetem Ührenkranz umrahınt: 
Der Peutfche Raifer Wilhelm TI. hielt an diefer Stelle beim Manoeuver dex 
I. Armeecorps am 9. September 1879 eine Anfpradhe an das Pffiriercorps und 
befahl die Prden auszutheilen, 


Ziegenberg, 6 km Lftl. w. von M. Im gejchichtlicher Zeit erhob fich eine 
bijchöfliche Burg auf dem Ziegenberg (zwifchen Nifchehnen und Bonaden). Im Jahre 
1300 vertaufcht Ludwig von Schippen, Landmeifter in Preußen, Nariten und Mvaufen 
(Rachjitten und Aweifen bei Quednau) fir Wyskayne umd Suiene (Wifchehnen und 
Schorjchenen bei Medenau) mit dem Propft Dietrich und dem Kapitel von Samland. — 
Spuven von Baufichfeiten finden fich nicht mehr auf dem Hügel vor, mur die Ortlichfeit 
Ipricht für das Vorhandenfein einer Burg, Abb. 52. a bezeichnet die Stelle der Burg 
auf einem jteilen Hügel; die nordöftliche Auffahrt macht fi) deutlich bemerkbar. 
b’ md b* find jet ausgetrodnete Teiche. ec das Gut 3. mit der oft in Urkunden 
erwähnten „Burg-Mühle*. 

Burg 3. fommt in wefimdlichen Verfchreibungen von den Jahren 1309, 1310, 
1325, 1338, 1385 u. j. w. vor. Im erfter Zeit ftand ein Blodhaus oben, um den 
Eingang zu decken. ber die Wafjerverforgung, die Windebahn u. f. w. f. von Boenigf 
©. 5.9. P. 1879/80 75. 77. 80. 

Über eine Sage, die fich an den 3. fnüpft, | Reufch, Sagen d. preuf. Samlandes? 2 |. 
— Bieje, Bleiftiftzeihnungen von 1826—28. WU. B. 

Gondehuen, 4 km Lftl. von M. Gandym bei Dusburg um 1326. Dust. cd. 
Hartfnod) TIL c. 70. Das Schloß ift vom Hofgerichtsrat Kammerheren Gr. zu Dohna 
und jeiner Gemahlin Gräfin Dönhoff-Friedrichftein um 1780 erbaut; die beiden Wappen 
im Giebelfelde. Farbige Darftellung bei Dunder, Die lündfichen Wohnfite u. j. ww. Berlin 1869. 


r 


euhanfen, fölmisches Dorf und großes adl. Gut mit Schloß, 11 km Litl 
n.n.d. von Königsberg, an der Kunftitrage nach Labiau. 


Vorgefchichtliche Altertimer im Kfpl. N. 


Dunfershöfen, 3 km Lft.n.w. PM... ı 1m. Knöppelsdorf, 4 km 
gl PMREITE.NP.P.B.V308 Lapfau, 7 km Lftl. . PM. 8.173. 197. 
Lauth, 7 km Lll. . PM.RTA. Neudamm, 4 km Litl. |. w., Schildbudel im 
Prov. M. Traujfitten, 2 km Lftl.n. PM. 8. 11343. 314. Tropitten, 2 km £ftl. j. 
PM. S. II 427. 428. 

Die Burg N. joll (nad Hennenberger, Exff. d. Preuf. Landtt. 334) im Sahre 1292 
gebaut jein. Sie war eine bichöfliche Burg md „der Thumberen von Königsberg 
Lufthaus“. Herzog Albrecht erbaute auf dem älteren das jet vorhandene, nur noch 
mehr ausgebaute Schloß. AS 68 in der Mitte diejes Iahrhumderts Sraf Luekner von 
Billow von Dennewig kaufte, fchüttete er den Schloßgraben an der Eingangsfeite zu 


Neuhaufen. 


ER 


Br: loss euhansew. 


RX 
ES 


I 


> 


> 


= 


MIN ı 


HRS 
a BE SC 
HRRHITERENE ke je [Bew 


RL] 


5 
ZER 


Abb. 53. Geumdriß der Bura zu Deuhaufen. 


96 Neuhaufen. 


und legte Pe die Terrafje an. Der gegenwärtige Befiger ift dev Generallandfchafts- 
direftor 2. Bon, der in entgegenkommendfter Weife das Begehen des jchönen, waljer- 
reichen und von den herrlichjten Baumgruppen bejtandenen Parkes dem Befucher 
gejtattet. Dem Schloffe gegenüber beginnt der jchon von Herzog Mlbrecht angelegte, 
2 | km große, prächtige „Tiergarten*. 

Wir geben die Nefte des Schloffes nach einer Zeichnung des Geh. Nates A. Hagen 
vom Jahre 1827 wieder, welche der A. BP. gehört. Gieje, 2.U. P. 

Herzog Albrecht verichrieb N. feiner zweiten Gemahlin Anna Maria zum Leib- 
gedinge. Hier wurde den 29. April 1553 Albrecht Friedrich geboren, dejjen Krankheit 


auch hier 1572 zum Ausbruch fam. (Faber, Preuf. Archiv, 2. Samıml, 129 5) — Paul 
Scalichius Floh von hier 1560 nach) Mandeln (2 km f. von N.) und fuhr unter dem 
Wagenfie feines Freundes Schnell verborgen weiter. — Kırfürjft Georg Wilhelm 


(7 1640 in Königsberg) hatte N. zu feinem Lieblingsanfentgalte gewählt und pflegte 
nach der Jagd mit feinen Genofjen aus mächtigen Trinfgefchivren zu pofulieren. Die 
Trinfgefchiere ftanden 1835 in der Kunftlammer zu Berlin und haben, nachdem diefelbe 
aufgelöft wırde, jegt im Hohenzollernmufeum ihren Plab gefunden. Im dem fleinen 
nn. ö. Zimmer, der englischen Kirche gegenüber, ftehen unter andrem: No, 738. Silbernes 
Trinfgefchier in Form einer PBulverflafche, verziert mit Iagdemblemen, welche Kurfürft 
Georg Wilhelm im Jahre 1627 zu Schloß Neuhaus in Oftpreufen ftiftets, Yon der 
Negierung in Brenfen im Anfange unjres Jahrhunderts eingeliefert. — No. 739. 
Silbernes Trinfgefäg in Form einer Mustete, welche u. j. w. wie oben. 

Dieje Musfete, etwas über 1 m lang, und die Pulverflajche mußte jeder Befucher 
von Schloß Neuhaufen leeren und feinen Namen famt einem guten Sprüchlein in ein 
gleichfalls jest im Hohenzolleenmufeum aufbewahrtes Album eintragen: 


Wer in das Amt Demhaufen kombt 
Der muß entweder fapfer Jaufen, 
Dder aber zum Thor hinauslaufen, 


Den 1. Febr, 1649, Andreas Bernhard v. Rönigecd. 


Du edler Rebenlaft 

Gieb]t meinem Sinn Tonranı, Muth und Kraft, 
Du macht mich voll und wirkt mich nieder; 
Ich Feh’ balt auf und frink’ did; wieder, 


25. Sepf. 1687. Beinvich von Walleneodf, 


König Friedrich Wilhelm I. am 19, September 1714 nichts als ein jchlichtes: 
Divat Preußen! 
Märkiicher Bierdumor in: Värfalender fir 1891. 


N. blieb Sit einer landesherrlichen BR rw Sm Sabre 1770 kam 
ein Suftizamt dazu, dem die Domänenämter Fiichhaufen, Lochjtedt, Caporn umd Kragau 
untergeben waren. Im Jahre 1814 belohnte Bee Wilhelm IIL Bilow von Dennewit 
mit Neuhaufen und Grünbof. 

Die jet ev. Pfarrfirche, Patron der König, im ı XIV. Ih. angelegt, ift im Nuferen 
ein aus umbearbeiteten Feldfteinen mit Ziegelbroden untermischtes, ungepußtes Nechted 
ohne Chor. (An der N. Seite namentlich viele zerbrochene Mönche und Nomen unter- 
gemijcht.) Ann den Eden Lijenen aus Ziegelmauerwerf. 


Neubaufen. 97 


An der S. Seite ijt die gleichzeitige Borhalle mit vundbogiger, rechtedig profilierter 
Eingangsthür angelegt. R. von leterer liegt ein alter granitner Weihwafferftein. — 
Daneben ift die Sakrijtei umd im D. ein Erbbegräbnis, in der Nenaiffancezeit 
angebaut. 

An der W. Seite wächjt dev Turm aus dem Gebäude heraus, in feinem Erd- 
geichon gleichfalls aus Feldjteinen mit Biegelbroden, in feinen oberen Gejchoffen aus 
Biegeln in gotifchem VBerbande beftehend. Auf der W. Seite find ihm jpäter zwei 
mächtige Strebepfeiler aus Ziegeln, jedoch noch in gotifchem Verbande, vorgelegt, welche, 
jet mit einem Ziegeldach abgedeckt, eine fchügende Vorhalle bilden, worin die jpit- 
bogige Eingangsthür mit vechtwinklig profilierten Laibungen liegt. Im übrigen ver: 
weifen wir fire das Hußere auf unfre Abb, 55, in der alles bemerkenswerte — namentlich 
die Lienen am Turm und die überedigeftellten Pfeilerchen vor dem Dache der Borhalle — 
verzeichnet ift. [Wetterfahne von 1819.) 

Das Junere war urfprünglich fünfjochig, wahrfcheinlich mit Sterngewölben üiber- 
dedt; jeßt hat e8 eine Holzdede, im Tonnengewölbe gejchlofjen, in welchem drei Sreuz- 


| | 
| 
N kl 40 EEE 


1| 


OIZı! „U 
S| WU 


Abb, 54. Grmmdeiß der Ricche zu Beuhanlen. 


gewölbe mit Holzrippen imitiert find. Lebtere mit jchlechten Gemälden von der Schöpfung 
bis zum jüngften Gericht, aus dem Anfange des XVII. Sh., bededt. — Auf der D. Wand 
iteht, dah die Weigung und Malerei der Wände 1851, das Altarhaus und die Kanzel 
1867 teils erneuert, teil® neu gemacht jeien. — Die Fenfter find im Spitbogen ge- 
Ihloffen und 1862 mit buntem Glaje verjehen. — In der Eingangshalle im ©. finden 
wir noch das alte uriprüngliche achtteilige Sterngewölbe mit bivnjtabförmigen Rippen, 
die in die Wand verlaufen; überall runde Schluffteine. In der Längswand der 
Eingangshalle eine Heine Weihwaffernifehe. Die Ihr in das Kirchenfchiff ift fpitbogig 
und hat rechtwinklige Laibungen. — 2. vom Altar in der DO. Wand ein Saframents- 
bäuschen (Hinter dem Beichtituhl). i 

‚ . Der Altar, Die Menfa ift aus Ziegeln in gotijchem Verbande zur Zeit der 
Kirchengründung errichtet; in die innere Höhlung führt von hinten ein Stichbogen. — 
Ntavanfjag bon 1691, barod, in jehlechter polychromer Holzjchnigerei: In der Predella 
das Abendmahl: Hauptbild der Kruzifirus mit Maria, Johannes u. j. w. In beiden 

7 


98 Neuhanfen. 


Gefchoffen getvundene Forinthifche Säulen, neben denen [. Jacobus mit der Muschel 
und Paulus, r. Andreas und Petrus ftehen. 

Ein filb., ganz vergoldeter Kelch: In die Mevheofildh Kirche aefihaft zur Zeit 
Balthalav Hurhs. 1.6.22. 

Ein filb., ganz vergoldeter Kelch: Valentinvs Henrievs Hoffmann. Ser. Eleet. 
Br. Cam. Secret. Intimus Ao 1693. 

Patene dazu, filb., ganz vergoldet, mit genau derjelben Injchrift. 


Fi 


HT; 


HER 
IE 


zo 
A) 
hi 


SS 
BIS 


nd 


HL 
HER 4 


Eine Weinfanne, filb., mit dem Kruzifirus auf ihrem Mantel: Pirfe.. . .. 
Balthafar Hohe in die Wevheofilche Rivche verehret. 

Eine Weinfanne, filb., teiweis vergoldet, mit Wappen auf dem Dedel: Aıma 
Maria Steinin ©. R. 

Eine filberne runde Oblatendofe mit Wappen: HB.V. P. mit graviertem 
Renaifjanceornamente (Engelsköpfchen mit Flügeln). 

Eine filberne ovale Oblatendofe mit getriebener Arbeit: Kind mit einem Papagei 
jpielend. 


Neuhaufen. 99 


wei jchön mit getriebener Arbeit verzierte filberne Altarleuchter, 60 cm hoc). 
Sufchrift: Exn]t Graff v, Sıhlieben Baubtmann. Gabriel Adler Ambifchreiber. — 
Reinhold Sommer Pfareer, — Chriltoff Skeomn. Friederich Lidfke Ricden- 
Borfteher Mo 1715. 

Kanzel, barod, polychrome Schniberei: Heiligenfiguren und PButten. An den 
Eden Fruchtichnüre mit Engelföpfen darüber. Träger: ein Engel. Schalldedel mit 
Putten umd dem triumphierenden Chriftus. An der Kanzeltreppe fteht außen auf dem 
Buche der Figur des Andreas: 1697. 10 Septem. A. H. H. sen., vielleicht das Zeichen 
de8 Malers. 

Tauffapelle im Testen Joche L, Ende des XV. Ih, reich vergofdete Holz- 
Ichnigarbeit. Zu beiden Seiten der zweiflügeligen Thx find Felder; darüber fteht die 


ku 
= Is) 


Abb, 56. Ricdhthür zu Beuhanfen, 


Charitas und Fides. Auf dem Gefims der gewundenen forinthijchen Säulen fteht L. 
Spes, v. Juftitia, 

Auf dem einfachen, aber mit einer Koftbaren geünjeivenen VBrofatdecde, mit 
elegantem in Gold und Silber eingewebten Blumenmufter, verfehenen Tauftifche fteht 
die mejjingene Tauff ale mit dem eingejtanzten englifchen Gruß, darum zivei Reihen 
finnlofer gotischer Minuskelfchrift; gepunzte Ornamente; XVIL 3). — Gejchnitter 
Dandtuchhalter, barod: BR. 

Orgel von 1716, „geftavivet 1721“. Reinhold Sommer, Pfarrer u. f. w. 
Orgelempore jowie die vechtsfeitige aus derfelben Zeit. 

Schöner Kronleuchter von Mefjing mit Doppeladler; XVIL IH. 

Das Geftühl [. vor der Tauffapelle und unter der Orgelempore noch gotijch. 
Eine Wange des Beichtftunls vom Hm. Friedrich zu Sachen jebt im Pruffia-Mufeum 
zu Königsberg PM. 8.3 IT 102. Sie zeigt in Holzichnigerei das Jächjische mit dem 

7* 


100 Neuhaufen. — DOttenhagen. 


polnifchen Wappen vereinigt. Darunter in Abkürzungen: Frater Jacob, Struwigen 
anno Domini 1509. ©. ».%. $. 1855/86 37. N. der fönigliche Stuhl mit chlechtem 
Schnigwert, XVII. IH. Anfang. Beichtftuhl L. vom Altare von 1696, mit fchlechten 
Figuren in Holz gejchnißt. 

r Ölgemälde von Gneifenau vr. im Mitteljoche, von Knorre gemalt. 

Ölgemälde von Pfarrer Hoffmann. Iacob Lyon pinxit 1699. 

Epitaph des Pfr. Goltbach nebit feiner Gattin von 1633 (wo irgend einer jeiner 
vielen Söhne jtarb). 

Epitaph des von Eichicht 1602 mit fehöner, des Auffrifchens würdiger Malerei: 
Kruzifirus mit Maria und Engeln; Hintergrund: Ierufalen; dev von Eichicht und feine 
Gattin als Adoranten. 

2. vor dem Altare Sandfteingrabmal desjelben von Eichicht, geharnijcht mit 
Helm, Schwert und Handjchuhen. 

N. vor dem Altare Sandfteingrabmal des Heinrich von Lesgewang, + 1554. 

Harnod, &. u. ©. 1890 15 J. 


D. in herzoglicher Zeit zum Amte Tapiau oder Brandenburg gehörte, bleibt 

unentjchieden; in der „Konfignation fämtlicher Kirchen im Herzogtume Preugen“ 
(etva 1660) kommt e8 in beiden Ämtern vor, im Amte Brandenburg unter dem Namen 
Mottenhagen. 

Die ev. Pfarrfirde jteht unter dem Patronat des Magijtrats zu Königsberg, 
welchem 1466 der Hm. Ludwig von Erlichshaufen das Dorf fehenkte. Ihr Hußeres 
ift wenig anfprechend. Der Turm ftanmt noch aus der Drdenszeit, dagegen das 
Langhaus, Querhaus und die angebaute Sakrijtei erjt aus dem vorigen Jahrhundert. 
(Querhaus von 1741.) Das Erdgefchoß des Turmes, fowie die Kirche aus Feldfteinen 
mit Ziegeleden. Die oberen Gejchoffe des Turmes in Ziegen im. gotischen Verbande. 
Er ijt jpäter niedriger gemacht und hat eine mit Blech gededte welche Haube erhalten. 
Im Erdgefchoß Fiegt neben der Eingangsthür noch eine zweite Thür, von welcher in 
der 2,5 m ftarken Mauer eine Backjteintreppe hinauf führt. Diefe Anlage fann erjt 
in der fpäteren Zeit der Oxdensherrjchaft ausgeführt fein, als von äußeren Feinden 
nichts mehr zu fürchten war. 

Inneres: Der Turm follte in zwei Gefchoffen mit Kreuzgewölben gejchlofjen 
werden, was aus den Ausjparungen an den Eden hervorgeht. Die Kirche hat feine 
hervorragende Bedeutung. Der Altar in reichen, aber nicht Schönen Barodformen. 
Unter den Kelchen ift ein filberner, vergoldeter, dejjen Schaft noch gotijche Formen 
zeigt. Uber den jechs Notulis, die mit gotischen Minusfeln gefüllt find, jteht Maria &. 

Die gleichfalls in Barodformen gehaltene Kanzel jteht über dem Altare. An 
ihrem Schalldedel die Wappen ihrer Stifter. 

In der Sakriftei fteht ein das Handtuch haltender Taufengel aus dem XVII. Ih. 
umd ein Gottesfaften mit jchönen fehmiedeeifernen Bejchlägen. 

N. vom Altar ein Beichtftuhl in Barodform. Neben ihm ein hübjch in Nococo- 
form gefchnigtes Geftühl. 

Ein Bild r. vom Altar ohne Wert, aber in einem veich gejchnigten Barod- 
rahmen. 


De adliges Dorf und Vorwerk, 24 km Lftl. d. von Königsberg. Ob 


Dttenhagen. — Rillau. 101 


Die große Glode noch aus vorreformatoriicher Zeit: m.v.re-ıv. (1594?) 
Bilf got maria uf. w. Seine Glode von 1606. Die Kleinfte ohne Inschrift. 

Hinter dem Altar zwei Epitaphien derer von Lesgewang von 1723 und 1724. 
R. vom Altar ein Lesgewangjches Epitaph von 1704. Ebenfalls dort ein reiches 
vergoldetes Epitaph von Dorothea Bobindin 1742. 

Yarnod), E. u. ©. 1890 45. 


wahrjcheinlih Störhof, 1436 Pille, 1453 Pillaw. Die ältefte befannte 

Verbindung des frijchen Haffes mit der Dftjee war zwei Meilen von P. bei 
Balga: das Balgafche, alte Tief. Diejes Tief wurde 1456 durch die Danziger unfahrbar 
gemacht und verjandete 1479. Dafür entjtand ein neuer Durchbruch bei P., der 1510 
fahrbar wurde. Zum Schuge der einlaufenden Handelsfchiffe wurde eine Schanze 
mit einem hölzernen Blocdhaufe gebaut. Unfern der Schanze, da wo jeßt die Stadt 
liegt, jtand ein von Brettern gebautes (See-) Tonnenhaus. Unweit von Alt-PBillau 
ftand die Pfundbude, wo der Seezoll erhoben wurde. (Abgebrochen 1804.) 

Im diefer Ortlichkeit änderte fich nichts, bis 1626 Guftav Adolf gegen Polen 
mit Kriegsfchiffen vor PB. erfchien. Er bejegte B., erbaute jtatt der Schanze eine 
vieredige Nedoute mit einem Blodhaufe. Die Schweden jcehloffen 1635 den Traktat 
zu Stuhmsdorf und zogen 1636 ab. Unter dem Großen Kurfürjten ift die Feftung 
erbaut in Form eines fünfedigen Sterns. Die Schweden verfuchten 1657 fich der 
Seftung zu bemächtigen; in Folge davon die fajt gänzliche Kahlheit der Umgebung, 
weil der Wald bis nach Lochitedt hin auf dem dürren Sandboden abgeholzt wurde. 
sm Jahre 1673 wurden Quaderfteine aus Schweden umd aus Balga herangejchafft 
und aus diefen die Mauern und 1707 das Zeughaus gebaut. 1730 der Turm 
über der Feitungswache (1888 abgebrochen), die Hauptwache und das Stodhaus. 
1731 dag Proviantmagazin (1738 eingefallen), 1739 wiederaufgebaut (1888 abge- 
brochen). 1739 die Kommandantenwohnung. 

Sm Jahre 1701 wurde B. zum Mearktflecken erhoben, am 18. Januar 1725 
zur Stadt. 

Eine bedeutende Verbejferung des Hafens erhielt BP. während der VBejegung der 
Rufen im fiebenjährigen Kriege: 1759 und 1760 wurde der vor B. liegende Wehr- 
damm durch Steinkaften bedeutend verlängert, der fogenannte rujfiihe Damm. — 
Sriedrich IL. bejchloß, die Feftung PB. eingehen zu lafien; Friedrich Wilhelm II. befahl 
1789, die verfandeten Werke wieder auszugraben. 

Hart an dem Ufer des Seegatts liegt der jchlanke Lootjen- oder Leuchtturm, 
im Jahre 1805 vom Wafjerbaudirektor Schul entworfen und bis 1813 erbaut. Er 
ift 31,38 m mit der ihn bedeefenden Kuppel hoch, unter welcher die Leuchtfeuer brennen. 
Der Hafen ift in neufter Zeit durch den Geh. Oberlandesbaudirektor Hagen umd dejjen 
Sohn umgebaut und mit zwei mächtigen Molenbauten ausgejtattet worden. (Einweihung 
der Südermole und der Grimdfteinlegung zum Hagendenfmal 3. 9. 1887.) 

An Stelle der alten, in der Feltung errichteten ehwedifchen Holzkirche vom 
Jahre 1635 erbaute der Große Kurfürjt 1658—1660 eine neue. An ihrer Stelle ift 
die Garnifonfirhe 1717 erbaut, aber 1761 abgebrannt. Sie wurde wiederhergejtellt 
und jteht heute als Kreuzkirche gleich neben dem immeren Eingangsthore der Feltung. 


n em Stadt und Zeitung, 12 km Lftl. im ©.W. von Fifchhaufen, urfprünglich 


102 Billa. — Alt-Pillau. 


Im Innern ruht ihre hölzerne Dede auf hölzernen forintdifchen Säulen, an den 
Seiten auf in Nococoformen gejcehnigten hölzernen Ktonfolen. 

Silberner vergoldeter Kelch mit aufgelegtem Nenaifjanceornament. Fuß rund mit 
Ehrifti Kreuztragumg und Chrijtus aus fünf Wunden blutend; dazwijchen Nenaijjance- 
blumen. Nodus mit Engelstöpfen. 

Eine jilberne Weinkfanne: Laurentius Mleifl. Fridericus Buhkmann. 
Franeiseus Galifefelot Hımo 1657. Auf dem Dedel ein Medaillon mit dem 
Sruzifieus, Maria und Johannes. 

Kanzel in hübfchen Nococoformen, grau mit gold: „Hans Sigismund v. Sydow 
Natus MDOXCV Die XV Februarii. Denatus MDCCLXXII Die IX Maii, mit dem 
v. Sypowjchen Wappen darüber. 

Auf der Empore der in Nococoformen gehaltenen Orgel von 1794 ftehen zivei 
Lederftühle mit dem eingepreßten F. R. mit der Krone darüber. 

Fünf Kronleuchter von Meffing, davon der mitteljte mit Doppeladler von 1779 
6.9.D. AK. M.J.E 

Patron ift das Gouvernement von BP. 

Wappen von PB. ein in See fehivinmender gefvönter Stör (Wappen in der 
Kicche von 1725). Die Darftellung der Farben ift unbekannt. 

Siebmader, Wappenbuch I 4 II 165 Taf. 194. 


Nachrichten über B. 
GE. Stein in A. B. III 19 fi. — 4. 8 Ernst, Gejchichte Pillaw’s. PBillau 1850. — 
K. Hoburg, GeihihH. militair. Nachrichten über die Feftung Pillau in N. P. P. B. 1858. II 231 ff. 
279 f. — Faber, Das Merkvindigite aus der Stadt u. Fetung P. in Beitr. zuv Kunde Preufens 
VI 4270. 130150. — Giebler, Über die Gejch. P. am Jubeltage 1875 (Manufeript in Pillau). — 
Gebauer, Kunde de3 Samlandes 87 fi. 288 Fj. — Nanke, Wanderungen durch Prenfen. 1800. 31. 


Sejamtanjichten und Grundrijje von BP. 

Grumdrig der Feltung B. mit Umgegend in Merian’s Topographie 1652 42. — Profpelt von PB. 
bei Hartfnod, Altes u. Neues Preußen 1684 439. — Die Velte Pillau von Bodenehr. — Pillau 
und Umgegend in Buffendorss Thaten Karl Gujtavs 1697. — Ein Grundri; dv. BP. in dem Manufe. 
v. Lucanus 1748, — Gejamtanficht dv. B. (von Neu-Tief aus) n. d. Nat. gez. u. lith. von 3. Vils 1838. 


Billau, Alts, Kirchdorf, 10 km Lftl. j.w. von Fiichhaufen, Fommt urkundlich 
zuerjt 1370 vor. Urjpringlich ein Filtal von St. Albrecht in Tenkitten. 

Die ev. Kirche, Königlichen Patronats, dem Erlöfer geweiht, it turmlos, 
1674— 75 in jchmuclofem Fachwerk mit forbbogenförmiger Holzdede und hohem jteilen 
Biegeldache errichtet, nachdem die Kirche von 1598 abgebrannt war. Sie liegt in 
einem von den Dünen gebildeten NKejjel, von deren höchjter man einen jchönen Blid 
über waldreiches Gelände, das frifche Haff und die Dftjee hat. 

Der Altar hat einen Aufjag (Diptychon) vom Jahre 1599. Die architeftonijche 
Gliederung in den Formen deutfcher Spätrenaiffance ift einfach und far. In feiner 
Mitte jicht man in voher Weife aus Holz gejchnigt und bemalt Gott Vater, Ehrijtus 
und die Taube. Auf den Flügeln innen die vier Evangeliften. Außen in acht 
Dlbildern die Leidensgejchichte Chrifti. In der Predella ift, wahrjcheinlich von einem 
bejjeren Meijter, das Abendmahl dargejtellt; der Kopf von einem der Jünger ganz 
vechts ijt meijterhaft gemalt. Nechts Chrijti Taufe; lints Chrifti Bejchneidung. Oben 


Alt-Billau. 103 


auf dem Hauptgefims jtehen aus Holz gejchnißt und derb bemalt in der Mitte ein 
Kreuzifirus, zu beiden Seiten Butten und Engel. 

Zwei Altarleuchter aus bronziertem Zinn: Povothea MWarquavdtin ver- 
wittbte Profelloren Gebohrne Stobbien. Anno 1750 den 21 Septem, 

Kanzel achtedig, aus dem Anfange des XVII. Ih., mittelmäßige Holzjchnißeret. 
Auf der Kanzel eine alte Sanduhr mit gotischen Majusteln darauf. 

Die Orgel trägt an der mitteljten höchiten Pfeife die Infchrift: Adam GHoftlob 
Qasparini privilegixter Bof Prael-Bauer zu Königsberg hat diefes Werk ver- 
ferfiget den 4 Priobr 1751. Sehe jchön gejchnißtes Nococvornament an der Orgel. 
Die Orgelempore ift mit Injchriften aus dem Jahre 1675 bedeckt. 


Abb. 57. Yandmarke bei Pillau, 


Zwei Keine Gloden. Die eine trägt auf ihrem Achjenholze eingejchnitten: 
ANNO 1750. Um fie herum ijt folgende unverftändliche Injchrift eingegofjen: 
PM.V.L-V.LEKNT. 

In der Kivche ift Heinrich Vafolt 7 1684 begraben. ©. Tenfitten. 

Vor dem Altave liegen mehrere Grabjteine; in der Mitte: Pick JYanken 
van Roy 1656 F. 

In der Sieche I. ein bunt bemaltes Epitapb. 

In der Sakriftei hängt ein jchön mit Blumen und Blättern im genre rocaille 
gejchnigtes Epitaph von 1739. 


104 Alt-Pillfau. — Robethen. 


Auf der Empore r. das in Holz gejchnikte Wappen des Lorenz Göbel. 
YA. M. 1882 XIX. 202. 

Sn 1 km ©.D. Entfernung von Alt-Billau, welches mit Wogram fast zu demjelben 
Orte verfchmolzen ift, liegt auf Wogramer Gebiet der 28,87 m hohe Schwalfenberg. 
Auf ihm ift die Landmarfe, 1805 entworfen und 1812 vom Hafenbauinjpektor Peterjen 
erbaut, ein Merkzeichen der Fijcher im frifchen Haffe. Sie ift ungefähr 14 m hoch 
und 6—7 Meilen weit fichtbar. Abb. 57. Von dem Berge vortreffliche Ausficht. 

Gebauer, Kunde des Samlandes 111. — Harnod), E. u. ©. 1890 72 f. 


Bobethen, fölmisches Kirchdorf und külmisches Gut, 25 km Lftl. n. ö. von 
Sichhaufen. Bobeti 1258, 

ALS im Jahre 1260 der allgemeine Aufjtand der Samen gegen den Drden aus- 
brach, vereinigte fich leßterer mit den Schwertbrüdern in Livland. Beide jandten 
Neiterfcharen aus, welche dag vom Orden allein nicht zu bezwingende Land Bethen 
einnehmen follten. Die beiden Heerhaufen trafen fich in der Gegend von Pobethen, 
„Bei Bethen“, und verwüjteten das Land Bethen, weitlich von Pobethen und nördlich 
von Germau, volljtändig, jo daß fein Lebendiger mehr darin blieb (vgl. Heiligenzstreuß 
und St. Lorenz). 

von Boenigf, Das Treffen von Pobethen in ©. d. A. P. 1877/78 105 ff. und A. M. 1879 336 ff. 

Zu Ende des XI. Ih. wide die Burg, das „Haus Pobethen“, vom Orden 
gebaut und war bis zur Neformation der Sit eines Kammeramtes. Der ältefte 
Kämmerer in P., den wir überhaupt fennen, hieß Bonje nach) Dusburg III c. 185 ed. 
Hartknod im XI. Ih. vgl. Hennenberger, Erf. d. Preuf. Landtt. 350. — Im Jahre 
1283 verwüfteten die Litauer PB. — Im Jahre 1525 befand fich ein Bruder des Biichofs 
®. v. Bolenk auf der Burg, der von den Landleuten als ftolzer Unterdrücer gehaft 
war. Daher wandte fich der Sturm des Bauernaufjtandes auch gegen ihn, und die 
Burg wurde verwüftet. Ihre Herjtellung ijt feitdem nicht mehr unternommen. — 
Man jieht noch die ziemlich hohen Trümmer der annähernd quadratischen Ringmauer, 
welche fie umgab, w. der Kirche, nach dem Mühlenteiche hin, auf dem nach diefem hin 
jteil abfallenden Plateau liegen. Sie bejteht aus Feldfteinen mit Mörtel, in jeder 
Schicht mit Ziegelbroden behufs befjerer Ausgleichung. Grundriß nach Giefe in Abb. 58. 
Legende dazu: „B. Burg PVobethen, deren äußere Umjchlugmauer von Feldjteinen m 
30—40° d. ımd n 8—10° h. an der äußeren Seite fich erhalten hat; ferner der 
Graben vor derjelben, an der ö. Seite nicht mehr tief. BP. macht Front nach ©. und 
D., wo die schwache Seite und der Wall auf dem Bergfamme gefchüttet ift. Ann der 
WB, Seite, wo der Teich umd moraftiges Terrain, ijt ein Wall von Feldteinen.“ Giefe 
nimmt augenjcheinlich einen unterivdifchen (?) Gang von der Burg aus nach N. unter 
dem Mühlenteich an. 


Vorgefchichtliche Altertimer im Kipl. B. 


Alknicen, 6 km Ltl. m. P.M. 8.1133. Diewens, I km Lftl.n. Der Pilgar, 
ein aufgejchütteter Berg. Gieje, 2.U.P. Kösniden, 2 km Lftl. nd. P.m.R. ır 119. 
Laufniden, 2 km Lftl. ı. P.M. 8. 1233. 280. PVobethen, P.M.K. I 151. IT 425. 426. 
Nantau, 6 km Lftl.n. Balve mit dem Hünenberge; Kalkberge. S.d.W.P. 1879/80 1 ff. 
FM. 8.1208. 248, 249. 276. II 81. 82, 127. 128—133. 225. 424. Tijdler, ©. d. p. 5. ©. 1887 11 ff. 


Pobethen. 105 


Negehnen, 5 km Lftl. Bujad, S. 8.4. P. 1887/88 121. PM. R. IT. Schupehnen, 
4 km Lftl. 6. PM. 0.1238. Sorthenen, 3 km Lftl.d. P.m. 8. Ira. Strobjehnen, 
5 km£ftl. n. 6. VBruchjtüc eines großen Halsringes aus Gold mit Figuren. X.—XI Ih. 
M. für Völferkunde in Berlin. Abgebildet v. Ledebur, Das Königliche Mufeum vaterländifcher 
Altertiimer, Berl. 1838 Taf, I Seite 3. 

Die jegt ev. Pfarrfirche, föniglichen Patronats, ftammt aus dem XIV. Ih. Ein 
Pfarrer Konrad von B. kommt jchon 1321 vor. Die Kirche wınde 1773 gründlich 
ausgebejjert, ohne das ihre Konftruktion fich änderte. Im Jahre 1798 fchlug der Blik in 
den Turm. Gegenwärtig (1888) wird der ganze Bau von innen und außen abgepußt. — 
Äuferes: Nechtediger Turm im W. mit zahlreichen jpigbogigen Blenden mit recht- 
edliger Zaibung und nur Keinen Fenftern im oberiten Gefchoß. Schieferdach, Knopf 
und Fahne von 1823. Langhaus ein Nechteet mit angebauter Borhalle im N., 


> = SZUNN I 
ED SZ] IN 


Abb, 58, Grmmrifi der Burg zu Pobeihen. 


gefuppelten jpigbogigen Blenden im N. und jpigbogigen Fenftern mit vechtwinkligen 
Laibungen im ©. Etwas jehmaler jehließt fich der Chor an mit rechtwinkligem 
Abjehlug. Lebterer wird im Erdgefchog von einem großen jpibbogigen Fenfter und je 
einer gekuppelten jpigbogigen Blende belebt. Darüber erheben fich fünf pigbogige 
Blenden, die nach oben mit quadratischen PBfeilerchen abjchliegen. An den Chor fügt 
Jich im N. die jpäter gebaute Sakriftei an. Langhaus, Chor und die beiden Anbauten 
haben jeit 1863 Schieferdächer. Im ©. jehliegen fich an das Langhaus zwei fpäter 
angebaute majjige Strebepfeiler an. Das Ganze ift ein Feldfteinbau mit wenigen 
Hiegeln gemifcht; ex hat dagegen Ziegeleden und Einfajfungen der Thüren und Fenfter 
in Biegeln. — Inneres: Das Langhaus liegt um drei Stufen niedriger al8 Turm 
und Terrain, hat vier Joche, die mit zwölfteiligen Sterngewölben gejchloffen find. 
Die bivnftabförmigen Rippen fegen auf im Langhaus und Chor gleichartigen Konfolen 


106 Robethen. 


auf, die an den nach innen vorgelegten Strebepfeilern figen; Schlußfteine überall. 
Urprünglich vier Fenfter im ©. Ein Fenfter im N. ist jpäter durchgebrochen. — 
Der Chor hat ein Haupt: und Nebenjoch mit fechszchnteiligen Sterngewölben. Da 
die Kirche in Feldjteinen 
ausgeführt ift, jo mußte fie 
innerhalb gepußt fein. Yluf 
dem Pub waren Wand- 
malereien vorhanden, Die 
Bilder aus der heiligen Ge- 
ichichte enthielten, aber vor 
etwa fünfzig Sahren über- 
falft wurden. Die Gewölb- 
vippen find im Rohbau ges 
dacht, Die Kappen waren 
gewweißt; jebt find beide 
die mit Kalt überworfen. 
Abb. 59. 

Der Altar hat einen 
hölzernen Auffaß aus dem 
XV. Sh. in reichem Barod- 
ichmud. In der Predella- 
mitte das Abendmahl auf 
Holz in DL gemalt. N. ein 
Mann mit einem ausbluten- 
den Lamm; hinter ihm ift 
der pastor loci oder Der 
Maler verewigt. 2. die 
Kinder Israel auf ihrer 
Nüfte zur Reife. Im erjten 
Stocwerf bejigt der Auf: 
faß zu beiden Seiten jchün 
in Holz gefchnigte Säulen. 
Daneben Diamantjchnitt und 
Engelsföpfe in Kartufchen. 
Über den Säulen ein zwvei- 
teiliger Architrad, Fries mit 
Zahnjchnitt und Gefing, wel- 
ches von vier Löwenköpfen 
getragen wird. Zwijchen den 
Säulen Gott Vater, Sohn 
und h. Geijtin Holz geichnißt; 
dahinter ein Olgemälde mit 
mufizierenden Engeln. Bor der Holzjchnigerei ift ein Diptychon im einer dorijchen 
Giebelarchiteftur mit tosfanifchen Säulen. Jebt jtehen außen die vier Evangeliften. 
Innen der Simdenfall und die Verkündigung Marias, die eherne Schlange und die 
Krenzeserhöhung, Jonas in dem Nachen des Walfifches und die Auferjtehung des 


Grundrik der Kirche zu Pobefhen. 


59. 


Abb. 


Pobethen. 107 


Heilandes, die Beichneidung und die Taufe; die Malerei ift jehr mäfig (vgl. den 
Altar in der Domficche zu Königsberg). 

Darüber beginnt ein zweites Stochverk: in der Mitte ein Olgemälde, das jüngfte 
Gericht darjtellend, unter einem Halbfreisbogen auf tosfanifchen Säulen vuhend. 
Daneben je eine FKorinthiiche Säule mit veich ornamentiertem Unterfab. Darüber 
wiederum Architrav, Fries mit Zahnjchnitt und Gefims. 2, und vr. von den beiden 
Säulen jtehen in rundbogigen, mit Mujcheln verzierten Nifchen Adam und Eva; 
darüber und daneben jtehen mehrere Engel und weibliche Figuren. Im verjchnörkelten 
Giebel darüber, fajt nicht mehr Fenntlich, Luthers Bild. Darüber ein Kruzifizus mit 
Maria und Johannes. Höher als die beiden leteren haben auf Boftamenten, die vom 
Giebel ausgehen, Engel gejtanden. 


Bor dem Altaraufjab befindet jich eine Kleine vergoldete Madonna mit dem Slinde 
unter einem vergoldeten Baldachin, vermutlich eine Totenjpende aus dem Ende des 
XVI. 3. 

Zwei Altarleuchter aus Mejfing: B. Peter Rosenkivh vu. Radnüken, 

Ein jilb., ganz vergold. jchöner Kelch mit Keiner Cupa, monftranzähnlichem 
jechsteiligen Snaufe, in welchem eine Neliquie jteckte. Der Fuß im Scchspa; darauf 
jteht in gotischen Minusfeln: Ahesus, deisser +» Reldy » hoxtz zu « bobeten » bite + 
got » unde) bevatlj » mit einem Sruzifie. Taf. 1. — Ein filb, ganz vergold. Kelch 
mit jechsteiligem Stnauf; auf den jechs Notulis jteht: Ahesus. Fuß jechsteilig; darauf: 
1710 Permädhtnilf von Paul Mey Buraherr zu Roffitten. — Ein großer filb., 
ganz vergold. Stelch mit Nenaifjancefnauf. — Ein hübjcher Kleiner filb, Kelch. — 
Ein jilb,, an der Laffe vergobd. Löffel: Yarob Plefs Kirchenauffwärter 1684, 


108 Pobethen. 


Die Kanzel aus dem Ende des XVH. Ih. mit den vier Evangelijten. Die 
Kanzelthür enthält zwei Olgemälde, unten: Chriftus als guter Hirt; oben: ein Seraphim 
veicht dem Iejatas mit einer Zange eine glühende Kohle (Iel. 6, 6). 

Die Tauflammer von 1684 aus vergoldetem Schnibwerf, welche 1844 noch 
jtand, it verjchtwunden. Der alte Taufftein, ein Granitblod in Kelchform, Liegt 
umgefehrt vor dev Vorhalle im N. Die Taufjchüjjel aus Meffing: Adam und Eva 
vor dem Siündenfall in getriebener Arbeit; unverftändliche gotijhe Minusfeln darum. 
Nürnberger oder Augsburger Arbeit des XVI. oder XVII. Ih. 

Die Orgel rührt aus dem Jahre 1680 her; repariert 1766 durch den Hof- 
orgelbauer Casparini. Sie hat jehön gejchnigtes NRanfenwerk, mufizierende Engel, 
brennende Urnen md auf ihrer Spitze einen Bliße jchleudernden, gefrönten Adler. Auf 
der VBororgel jteht unter einem Pfalmfpruche die jpäter aufgemalte Jahreszahl AO 1780. 

Bon den zwei Mefjingkronleuchtern trägt der eine einen Doppeladler und 
it aus dem Ende des XVII. Ih, der andere ijt neu. 

Unten r. im Chor ein fehöner Kirchenftuhl aus der Mitte des XVII. Ih. mit 
gejchnigter Brüftung. Im Chor jehr jchön gejchnigte Emporen aus dem Anfange 
des XVII. Ih. Die um den Altar herumführende ijt älter als dev Altaraufjag. 
Die [., durch eine Thür von aufen zugängliche it wenig jpäter. Sie ftüt ich auf 
zwei lebensgroße Figuren im tömifchen Striegeranzug, die auf zwei Masten ruhen. 
Abb. 60. Die Empore unter der Vororgel trägt ein in weiß umd gold ausgeführtes 
Lambris mit Troddeln daran und ift aus dem Anfang des XVIL. Ih. 

Die Gloden find jümtlich aus dem XIX. Ih. 

Das ältefte Olgemälde ftammt aus der Erbauungszeit der Kirche im XIV. Ih. 
und ift an der Innenfeite dev Thür zum Saframentshäuschen der Kirche in der 
SHorichlugwand auf der Brotjeite angebracht. Es jtellt CHrijtus aus fünf Wunden 
blutend dar und ift auf rotem Grunde mit eingeftreuten goldenen Sternen darin 
gemalt. — In der Kirche hängen drei Olgemälde früherer Geiftlicher, darımter cin 
gutes Bild von Ehrijtian Taege * 1714. 

Bor dem Altar liegen drei Grabjteine ohne‘ Wert. Neben dev n. Eingangsthür 
ein jchön in Holz gejchnigtes Epitaph mit Wappen. Leidtragende Figuren, Engel 
mit veichem Nanfenwerf. XVI. Ih. 

Im Jahre 1561 erjchien zu Königsberg das „Enchiridion, der Kleine Katechismus 
M. Luthers, teutfch und preuffiih” von Abel Will, Pfarrer in B., falt das einzige 
zufammenhängende Schriftftick, welches wir von der untergegangenen altpreußifchen 
Sprache beiten. 


Nachrichten über PB. 
Gebauer, Kımde des Samlandes 99. 111. 120. — Hennenberger, Exfl. der Preuß. Landt- 


tafel 350 f. — Rogge, Eultur- u, firchenhijtor. Streilzige im Kipl. P. in U, M. 1874 533 ff. — 
U. dv. Milverjtedt, Vajallenregiiter d. Samlandes, Nammeramt Pobethen, N. P. P.B. Bd. VII 1855 
258—260. — Harnod, E. u. ©. 1890 77 f — Neujch, Sagen des preuß. Samlandes ! 62 ff., 


behandelt die Sagen vom Bubfeberg bei P., von Gardwingen bei P. 30 fj,, von der Glode zu B. 
Siehe auch P. PB. B. Bd. XXVI (1841) 433 [. 


“ 


Gejamtanjicht von PB. 


Pobethen, gez. von Naufchke, lith. von Jacobi. Verlag bei Voigt u, Fernig, Königsberg. 
Lit). Inft. dv. 8. Sadjje in Berlin. (Sehr gute Anficht.) 


Robethen. — Bojtniden. — Pomwunden. 109 


Sn 5 km Lftl. 5. von B. liegt Grünhof, ehemals ein fleines befejtigtes Amts- 
haus des D. D., welches feiner Pferdezucht wegen berühmt war. Chriftian Eltejter 
aus Potsdam (1672—1700), ein Schüler Nütgers von Langerfeld, erbaute ein neues 
Schloß dajelbjt. Seit 1814 ging ©. als Gejchent nebjt der Domäne Neuhanfen an 
Billow von Dennewig über, der dort begraben ift. Er ruht in einem Maufoleum, 
einem schlichten, achtecligen, gotifierenden Ziegelvohbau mit Vorhalle auf Feldftein- 
fundament. Im Iimern ein nachgeahmtes Sterngewölbe, welches feine Nippen, weil; 
auf blau, gemalt hat, die auf Eichenlaubfonfolen jcheinbar aufjigen. HZiegeldach. Über 
dem PVortalfenjter das v. Bülowjche Wappen. Das Maujoleum wurde 1847 vollendet. 
— Farbige Darftellung des jehr umgewandelten Herrenhaufes in Dunder, Die ländlichen 
Wohnfige u. j. 1v. Berlin 1869, 


Bojtnicen, Popnicen, früher PBustenicken, „Wüftfeld“, vom lit. pustas, wiüft 
A. M. 1878 592, kölmisches Dorf, 30 km Lftl. im V.N.D. von Königsberg, am Eurijchen 
Daff gelegen. 
Borgefchichtliche Altertümer im Kipl. B. 


Die „Pot“ und die „PVoftel“ find alte Bezeichnungen im Kpl. B., welche, jett 
Wald, wahrjcheinlich auch von pustas abgeleitet werden. Bei Boftnicden fand fich 
ein Kleines Stüd Bronzebarren. BP. m. "8. II 271. 

Die ev. Pfarrfirche, deren Patron der König ift, macht einen durchaus einfachen 
Eindrud. Der Turm ftammt vielleicht noch aus der Ordenszeit. Erdgejchoß und 
erites Stockwerk jollten Kreuzgewölbe erhalten, die aber nicht ausgeführt wurden. Das 
vechtedige Langhaus teils aus Feldfteinen, teils aus Ziegeln in gotifchem Verbande. 
Keine Strebepfeiler. Starke Mauern. 

Die Menja des Altares ift von Holz. Im der Predella des Aufjaßes ift das 
Abendmahl nicht übel gemalt. 

Die Kanzel über dem Altare, barod, aus dem XVI. Ih, die „Auszierung“ 
von Altar und Kanzel von 1764. 

Die Taufe neben dem Altare [.: „Gott zu Ehren hatt diefe Beilige Tauff 
ftäte mahlen lalen Bere Iohann Ahriftoph Talau Hrendator in Yon Güten 
(Kingitten). Anno 1764, 

Meifingne Tauffchüffel mit gejtanztem Ornament und einer doppelten finnlofen 
Snjchrift auf dem Nande, die innere in gotifchen Minusfeln, die äußere in gotischen 
Majuskeln. In der Mitte jteht mit lateinischen Majusfeln: Regina Braunsbergerin 
WPitwe Anno 1657 den 10. Haulf. 

Srumdrii der Kirche in der Kreisbauinjpeftion Landkreis Königsberg. — Harnod), E.u.&. 1890 244. 


Bomwunden, „Am Wafjer“, hieß altpr. Kertheyn N. P. P. B. 1851 XT 360, 
fölmisches und bäuerliches Dorf, 20 km Lftl. von Königsberg. 
Borgefhichtliche Altertümer im Kipl. B. 


Garbid, jeßt Gorbed, 7 km Lftl. n.w. von B. (2 km Litl. f.ö. von Cranz), 
eine alte Befejtigung der Pruzzen. „Ab hac caupona (Krantzkrug) ad fluvium Beek 
vestigia munimentorum veterum, quae hodie Garbick vocantur et olim a veteribus 


110 Porwunden. 


Prutenis exeitata fuerunt“. Cajp. Stein (* 1532 + 1621) in Act. Boruss. I 209. Hof- 
prodiger ©. T. Hoffheinz hält ©. für die 1283 gebaute Burg Neuhaus (Nuendus) 
Dusburg IH cap. 211 ed. Hartfnod, indem er die Urkunde über die zweite Teilung 
Samlands zwijchen Orden umd Bifchof von 1333 heranzicht. A. M. 1878 ©. 619 ff. 
vgl. von Boenigf, der derjelben Anficht ift. S.5.W.R. 1879/80 15.70.80. Wir fünnen 
uns denjelben nicht anfchliegen. Dusburg jagt ausdrücklich: De Aedificatione Castri 
novi in terra Sambiae supra littus maris Salsi, in Neria Curonensi. Aljo etwa 
wo jest Cranz liegt. — Powunden P. m. 8.1112. 

Von der bifchöflichen Burg ift nur noch der fat freisrunde breite Graben 
erhalten und Spuren der innerhalb desjelben gelegenen mächtigen Feldfteinmauer. 
Am Zugang vom Dorfe [. einer der Ziegelbögen, worauf die Mauer feltfamer 
Weije ruhte Im Jahre 1870 ift die Mauer abgebrochen, und es fteht jet eine 
Meierei dort. Wir geben die Handflizze nach Giefe 1826—28. Abb. 61. Die 
Novdlinie hat Giefe nicht richtig eingetragen. Legende nad) Giefe: „Die gezeichnete 


Abb, 61. Geumdriß Der Burg zu Pomunden, 


Ningmaner von Feldfteinen it noch 25—30' an der äußeren und 12—15° an der 
inneren Seite hoch und hat 21'/,‘ Seite. Won den Gebäuden im Innern hat fich 
fajt nichts erhalten und einigermaßen lafjen fich noch die Fundamente von dem Haufe 
bei h und andren Gebäuden an die Mauer gelehnt erkennen.“ 

N. PP. 3. 1846 IT 446 fi N. PP. B. 1847 1555 MPP.B 188 VL. NEPRL. 
1849 VI 75. — Gebauer, Sıunde de3 Samlands 99, — Drei gute Bleiftiftzeihnungen von der 
Scloßruine von PB. von U. Meermann 1849 in U, B. Vaterl. Mappe I 114, 

Die jebt ev. Pfarrkirche, der H. Barbara geweiht, Fönigl. Patronats, Liegt famt 
der Pfarrwohnung und einigen anderen Häufern 1 km vom eigentlichen Dorfe entfernt. 
Die ecclesia parochialis wird zuerft 1325 erwähnt; ein Pfarrer Nicolaus ift 1360 
und ein Pfarrer Nicolaus Waldow 1382, Pleban Nicol 1402, Pfarrer George 1439 - 
am Orte. Ausgebefjert wurde die Kirche 1843, dev Turm 1862, Bedeutende Er- 
neuerungen des Schiffes und Chores find nicht vorgenommen, dagegen ift der obere 
Aufbau des Turmes, etwa von unterhalb der vier Nebentürmchen ab, evt vor 


PBormunden. 111 


200 Jahren gemacht. Dort zeigt fich nicht mehr der reine gotische Verband, jondern 
ihon Blodverband. Die fünf Wetterfahnen tragen die Zahl 1691. 

Fir das Hufere geben unfre beiden Ansichten Abb. 62 und 63 genügende 
Erklärung. Der Turm hat meijt wendischen Verband. 

Suneres. Der Turm, welcher dem Langhaus nicht vorliegt, fondern aus ihm 
herauswächjt, hat einen jpigbogigen Eingang, dem gegenüber die mit einer Stichfappe 


Abb. 62. Weltanfuht der Rice u Powunden, 


unter einer jpitbogigen Blende gejchlofjene Eingangsthür zum Langhaufe Tiegt. 2. 
ipigbogige Thür zu dem mit Kreuzgewölbe ohne Rippen überfpannten Grabgewölbe. 
N. ist die Spigbogige Offnung noch zu erkennen, Hat aber einer vechtedigen Thür Plat 
gemacht, die in das dortige, mit zweifarbigen liefen belegte und mit einer Holzdede 
verjehene Grabgewölbe führt. Der Turm jelbjt hat jegt eine Holzdede, 


112 PBomwunden. 


Das Langhaus bejteht aus Fünf Jochen zwölfteiligen Sterngewölbes, welches 
ungewöhnlich Hoc it. Im der Mitte der Höhe fegen die birnftabförmigen Nippen 
auf Konjolen auf. Die Strebepfeiler find nach innen gelegt, und vechtecig abgetreppte 
Spibbögen jchliegen, von den Pfeilern ausgehend, die Fenfter ein. 

Nach einem jehr Spißbogigen Triumphbogen folgt der Chor mit zwei Rochen 
eben folcher Sterngewölbe, die auf etwas höher liegenden Stonfolen anfegen. Die 
Ktonfolen find überall diejelben. 

Turm, Langhaus und Chor im Lichten 35 m l. Mauerftärfe des Turmes 
1,50 m. Im ©. jchließt eine Vorhalle im Mitteljoche an. Im zweiten Ioche des 


a A: 


RR 3 DRRBOE) BER EBEN BEER TOR AS Sen 


Abb. 63. Blfanficht der Kirche zu Pomwunden. 


Chores die Safrijtei nach N.; Kreuzgewölbe mit bienjtabförmigen Rippen und 
Schlufftein darüber. Siüdvorhalle und Sakriftei wenig jpäter angebaut. Alle Thüren 
und Fenjter find jpihbogig. 

Der Altar, dejjen Menja aus Ziegeln im gotifchen Verbande mit einer feitlichen 
Öffnung befteht, hatte urjprünglich einen Aufjaß, der jegt in einer Wandnifche im 
dritten Joche des Langhaufes v. fteht. Es ift ein Schrein, dem die Flügel und der 
Aufjaß fehlen. Im guter bemalter Holzjchnigerei jteht die h. Barbara mit dem Turme, 
halblebenggroß, während an ihrem rechten Fuße ein Mann (ihr eigener Vater?) fich 
mit dem Schwerte erjticht. Daneben jteht eine Heilige auf jechs Teufeln, einen Turm 
oder ein Eiborium (?) haltend, während auf der andren Seite eine Heilige, auf zwei 


Powunden. 113 


Löwen ftehend, in ihrer Linken einen Korb mit blauen Trauben (?) hält. Zwifchen 
den Heiligen vergoldete Fialen und Heiligenfäulchen mit deckender Wimperge. Unter 
dem Schrein eine goldene Nanke, die fich um einen braunen Stab windet, — Der 
jebige Altar hat einen barocken Auffag aus dem XVIL 0. Renovatum 1706; in der 
Predella das heilige Abendmahl; Hauptbild der KMruzifirns mit beiden Schächern 
und einem Krieger mit Speer. Darüber die Dreieinigkeit, daS Lamm und Ehriftus 
mit der Weltkugel; veiche Bemalung 


und Bergoldung der jchlechten Holz- Kirche Powunden. 
Ichnißerei. 


Kelche von 1615, 1722 umd Sinyelhäten Er Th 
1722.  Stleiner vergoldeter Kelch 
von 1693, 

Eine filberne Weinfanne mit 
dem von Nettelhorft’schen Wappen: 
INYEN: 

Eine filberne, vergoldete Wein- 
fanne mit einer Schaumünze auf 
dem Dedel. Unter ihrem Fuß: 
M. M. 1714. 

Ein runder filberner Oblaten- 
behälter mit Wappen: F. V.N. 0. 1665. 

Ein Kleiner verfilberter Kruzis 
firus (ohne Kreuz), XVI. Sp. 

Auf der [. Empore hängt ein 
vorreformatorischer Kruzifirus mit 
den vier Evangelifteniymbolen. 

Eine in jchwarzen Sammet ge= 
bundene, mit filbernen Engelsföpfen 77 
und zwei Wappen verzierte Agende: 
F. V. N. (Netteldorft) E. V. E. 1670. 

Die Kanzel: Hic suggestus per 
Dei gratiam exstructus est temp. 
past. Johann Lemken anno 1702 et 
deauratus 1704. Mofes ihre Träger. 
Swilchen gewundenen forinthischen 


aysgann; 


pzanen 


1 
mn 


El un 


> Rei 


Säulen jtehen bemalt in fehlechter Be Grundriss Ser Ostgiebele. _ 
Holzjchnigerei die vier Evangeliften, 
der Heiland ur. j. w. Abb, 64. Einzelheiten der Kivche zu Powmumden, 


Drgel 1882 von Terlegfi. 

Empore im Langhaus l. Anno 1599 27 IVLIH. Empore im Chore 1. 
Anno 1610 Paul Horch. 

Ein jchöner meffingner Kronleuchter mit dem Doppeladler, XVII. Ih. 

In der Sakriftei ein Kaften mit hübfchem gotischen Beichlage; desgleichen an 
der Safrifteithiir ein gotijcher Klopfring. 

Im vierten Ioche [. hängt oben ein Olgemälde aus der Schule Anton Möllerg, 
das jüngite Gericht darjtellend; XVIL Ih. 


8 


114 Pormwunden. — Duednau. 


Der alte Siegelitempel mit dem Bilde der h. Barbara, welchen U. Hagen 
erwähnt (MP. P.B. VI 1848), it nicht mehr vorhanden. 

Zwei Sloden, beide 1727 von ©. B. Kinder gegoffen. 

Bor dem Altar liegen Grabfteine derer von Rapp, von Wallenrodt, von Berbandt, 
de8 Pfarrer Holzeiger + 1662. An dem Pfeiler im Chor l. von Korff, Etatsminifter, 
Befiser von Bledau. 


Nachrichten über PB. 


Gebauer, Kunde des Samlandes 111 f. — von Mitlverjtedt, Vajallen des Samlandes, 
Kammeramt Powunden dv. 3. 1436 in N. P. B. B. 1855 VII 277—278. — Gebauer, Powunden, 
Sage aus dem Samlande, in N. P. BP. B. 1843 1313 5. — Lok, K.T. D. 503. — Harnod, 


&. u. ©. 1890 245. 


nednan, Kirchdorf und adliges Gut, 4 km Lftl. im N. von Königsberg. 

1258 Qwedemnove; 1302 Quedenow. — Als DOttofar von Böhmen 1255 

ins Samland eindrang, herrfchte Sclodo!) mit feinem Sohne Nalubo als 
Neit in Windefaim beim heutigen Nefjelbed, 4 km Lftl. n. von Q. Lebterer flüchtete 
vor dem Deutjehen Orden nad) Schaten, ließ fich aber durch feine bereits getauften 
Verwandten bewegen, fich taufen zu laffen. Darauf erhielt er Q. vom Dentjchen 
Dden als Lehn, nahm die Dominikaner zur Chrijtianifierung jeines Gebietes auf und 
baute auf dem nördlichen, dicht bei Q. belegenen Apollo» (Picollo-?) Berge eine 
hölzerne (?) Kirche. Die Treue der Quednauer gegen den Orden wird gerühmt. — 
Im Caymenjchen Bauernkriege 1525 wurde auch Q. in Mitleivenjchaft gezogen. 
Die Aufftändifchen lagerten in dem großen Eichemvalde zwijchen DQ. und Trutenau. — 
Im Jahre 1807 ift das ganze Kirchipiel Quednau durch die Franzofen furchtbar 
ausgejogen und verwiitet. 


BVorgefhichtliche Altertiimer im Kpl. Q. 


Auf dem Apolloberge haben fich Urnen, Waffen und namentlich viel Berntein 
gefunden. — Stantau (Mühle), 6 km Lftl. n. von Q. P. M. 8. IT 410. 

Die bijchöfliche Burg des Domkapitels zu Q. ift gänzlich verfchwunden und jelbjt 
ihre Stelle nicht mehr nachzuweifen. Sie war noch im Jahre 1427 vorhanden, und 
der empörte bifchöfliche Vajall Andreas Wogedde nahm fie nebjt Trutenau (10 km 
im N. von Königsberg) ein. Im Frieden zu Thorn 1466 fommt fie nicht mehr vor. 
PB. BB. Bd. VII 395. 

Die alte Pfarrkirche von Q. war 25 m lang und 12,5 m breit. Sie war 
dem Apojtel Jakobus dem Älteren geweiht und neben Juditten, St. Albrecht zu 
Tenkitten und Arnau zur Wallfaprtsticche für Fijcher und Seefahrer bejtimmt. 1320 
wird ein Pfarrer Hermanmıs zu Q. genannt. Im Jahre 1507 wurde fie abgebrochen 
und die gegenwärtige Pfarrfirde am S. Fuße des Berges vom Hm. Friedrich von 
Sachjen dafiir erbaut. — Im Jahre 16891699 wurde der große Schaden, den der 
Stumm 1687 angerichtet, befeitigt. 1818 wurde beim Windbruch das Dach der Kirche 


') Erweisliche Nachtonmen Sclodos find die Herren von Perbandt auf Langendorf, Kr. Wehlau. 


Quednau. 115 


jehr bejchädigt; die verfaulten Balken drückten das Sterngewölbe ein, jo dar die Kirche 
1825 polizeilich gefehloffen und von da bis 1830 wieder ausgebaut wurde. 1853 wurde 
der dom Blit zerftörte Tuem aufgebaut. 18701880 wurde die ganze Kirche wieder- 
hergejtellt. Sie ift ev, Patron ift der König. 

Huperes: Die Kirche ift 23,5 m L., 10,4 m br, aus ungefprengten Felditeinen, 
der Giebel im D. von Ziegeln. Turm in der Ningmanerhöhe ebenfalls von Feldfteinen, 
darüber Ziegel. Sakriftei und Worhalle von Feldfteinen. Turm mit zwei, N. Seite 
mit einem, ©. Seite mit vier Strebepfeilern. Uxjprünglich fechs Ipisbogige Feniter. 
Turmdach von Schiefer, Kixchendach von Biberfchwänzen. Sakriftei und Vorhalle mit 
Dachpfannen. Die alte fpißbogige Eichenthür mit der befannten rantenförmigen 
Verzierung ift jebt als Doppelthiir im Turm. 

Inneres: Der Turm follte in feinem Untergejchoß ein SKreuzgewölbe erhalten, 
8 ijt aber niemals ausgeführt, vielmehr ftehen die vier Spitbogenblenden ohne Gewölbe 
da. 2. führt eine granitne Wendeltreppe zum zweiten Gejchoß des Turms. — Das 
Langhaus befteht aus drei Bochen mit niedrigejpißbogigen jchönen Sterngewölben, 
deren mitteljtes jechszehnteilig ijt. Die bivnftabförmigen Rippen find mit Schluffteinen 
verjehen [in der mitteljten Längsrippe fünf Nofetten aus Afanthusblättern] und jegen 
auf niedrig fißenden Konfolen auf. Die Sakriftei ift mit flach-jpisbogigem Tonnen- 
gewölbe, die Eingangshalle mit achtteiligem Sterngewölbe verjehen. In ihr in der 
Eingangswand nach D. eine Nifche zum Aufftellen des Weihwaflers. Thiren und 
Fenfter find jümtlic) im Spigbogen gejchlojfen. Die ganze Kirche ift im Inneren 
geweißt. 

Der Altar ift aus der alten Kirche in die gegenwärtige hinübergenommen. Er 
hatte urfprünglich eine Schreinform mit je zwei beweglichen Flügeln. Im mittleren 
Zeile jteht Iakobus der Ältere mit der Mufchel. Im den beiden oberen Seitenfeldern 
ftehen unter Baldachinen Mofes und Aaron. Unter ihnen je drei Heiligenfiguren. 
Daneben find feit 1877 Petrus und Johannes nach Peter Fischer aufgeftellt. Schöne 
Ipätgotifche Goldornamente find Hinter den Figuren in den Kreidegrumd gedrückt. In 
den beiden Seitenflügeln Olgemälde deutjcher Schule des XVI. Sahrhunderts, die Leiden 
Chrifti umd die Leidensgefchichte des h. Iakobus darftellend. 

Über dem Jpätgotijchen Altarjchrein ein bavocder Auffag aus dem Anfange des 
XVH. 36. 1807 wurde der Altaraufjaß nach Kalthof in das franzöfiiche Lager 
gejchleppt, 1814 wieder aufgerichtet. 1877 nach Prof. Heydeds Angaben von Kumnjts 
tijchler Nadtke reftauriert. Die Predella, auf welcher vier Heilige in Holzmalerei (Nochus, 
Erasmus u. j. w.) zu fehen waren, ift durch Holz verkleidet. 

wei meffingne Leuchter, 35 em h., mit eingeftanzten Blumen und gepunzten 
Nanken. Zwei zinnerne Altarleuchter aus dem Jahre 1842, 

Ein Kelch nebit Patene von Mefjing. Ein Kelch nebjt Batene von Silber 1840. 
Ein Eleiner Kelch (nebjt 2 Patenen): zum Andenfen an von Schenfendorf 1804, den 
Vater des Dichters. 

Eine Weinkanne aus Meffing, eine aus Silber mit dem Kruzifieus auf der 
Vorderfeite, eine DOblatendoje, Silber, 1840. 

Die unfchöne Kanzel mit den Evangeliften und einer Eingangsthiir, welche 
in Holzjchnigerei den Exlöjer darftellt, joll von Sohann Chriftoph Dübel, Bild- 
hauer und Baumeifter, 1687 hergeitellt fein. Michael Döbel, fein Vater, arbeitete 
in Königsberg im Dome am Kospothichen Denkmal, ferner in PVBerlin an der 

8* 


116 Duednau, — Noflitten. 


Parochialticche und am alten Dom; F 1713 bei der Ausführung des Altares der 
Nikolaitirche in Berlin. 

Der alte, aus einem Granitblode gearbeitete achtedige felchförmige Taufjtein 
(iegt jeßt vor der Eingangshalle; vor dem Turme liegt ein Kleineres ebenfo gejtaltetes 
Weihtwafferbeden. Das Baptifterium ift 1875 weggebrochen. Die Taufjchüjjel 
it von Meffing, Nürnberger oder Augsburger Arbeit aus dem XVII. Ih., eine Jagdjcene 
mit Nenaiffanceornament, innen Adam und Eva mit der Schlange. 

Die Orgel ift 1856 von Scherweit in Königsberg gebaut. Die alte wurde nac) 
Hermsdorf verkauft. Die Orgelempore 1610 erbaut. 

Ein jehöner gläferner Kronleuchter, XVII. Ih. 

Chorjtühle zu beiden Seiten des Altavs umd in der Vorhalle, aus Eichen- 
holz jchön gejchnigt, mit jpätgotifchem Weinranfenwerk, dem Labarım u. |. w. An 
dem Chorjtuhl auf der N. Seite hängt ein Handtuchhalter in Schnigarbeit vom 
Dahre 1614. 

Gemälde, zwei ehemalige Altarflügel, |. o. Bilder des Pfarrers Gabriel 
von Becker, 17.. gemalt, und des Pfarrers Banmert, 7 1812. 


Nachrichten über D. 


Fifcher, Ehronit der Kirche und Kirchengemeinde D. von 1254—1882. Kbg. 1882. — Gebauer, 
Kunde des Samlandes 99 f. 112. — Storbed, Templum Quednaviense reparatum. 1689. Danzig. 
u der dv. Wallenvodtichen Bibliothek zu Königsberg F. 92. — Hennig, Quednau, Mic. im Geh. Archiv. — 
Mecdelburg, Beiträge zuc Gedichte der Kirche in Quednau in N. P. PB. DB. 1853 IT 1 fi — 
von Milverftedt, Vajallen-Negijter de8 Samlandes, Duednau. N. PB. BP. DB. 1855 VII 288 f. — 
Log, 8. T. D. 506. — Harnod, ©. u. ©. 1890 16 . 


In Trutenau, 6 km Lftl. n. von Q., fteht das ftattliche Haus, wo einjt der 
Buchhändler Kanter (+ 1787) die erjte Papierfabrit im Samland aus einer Kleinen, 
1667 entitandenen Stampfermühle errichtete, die fich durch gutes Papier, vor allem 
aber durch Preßjpähne auszeichnete, deren Geheimnis Kanter den Engländern nach- 
gemacht hatte. 


& ojjitten, bäuerliches und fKölmifches Dorf auf der Fnrifchen Nehrung, 
74 km £ftl. n.d. von Fiichhaufen, auf einer diluvialen Injel neben dem 
Alluvinm der Nehrung. 


Vorgefchichtliche Altertimer im Kipl N. 


Kunzen, verfandetes Dorf, 6 km Lftl. j.w. von R. PM. ". 11309. Kurijche 
Nehrung zwilchen Sarkau und RN. P.M. 8.1332, Noffitten, P. M. 8.120. 28. 
Das Prov. M. befißt einige Grabfunde Stangenwalde (Lattenwalde), verjandetes 
Dorf, 10 km Litl. f.w. P. M. 8.160. Das Prod. M. tft reih an Funden aus ©. 
Schiefferdeder, Der Begräbnispfaß bei S, ©.d.p. 0. ®. 1871 mit Lithogr. Derjelbe ©.d. p. 0. ©. 1873. 

Die gegen Ende des XI. IH. zum Schuße gegen die Szamaiten gebaute 
Ordensburg Gieje, 3. WR. liegt im Haffe. Die mächtigen Felsblöce, die im Haffe 
liegen, jeheinen aber nicht von ihr, jondern von der Windenburger Ed herzurühren. 
Die Vorburg ift durch eine moderne Futtermaner gegen die Brandung gejchügt. Auf 


Noffitten, — NRudau, 117 


ihr liegt jeßt die Sturmfignalftation mit dem Leuchtfeuer. Die Burg N. diente als 
Kammeramt. Schon Hennenberger (1595) berichtet, daß; fie zerftört fei. 

Die Pfarrfirhe lag urjprünglich im Dorfe Kunzen, von wo der Pfarrer alle drei 
Wochen in N, Nidden und Carwaiten Kr. Memel (NHeja’s Geburtsort 1776—1840) 
predigte. Kunzen verfandete im vorigen Jahrhundert und wird gegemwärtig wieder 
aufgedeckt. Die Düne, welche e3 verjchüttete, wandert nach Dften weiter. Die während 
der Berfandung abgebrochene Kirche liegt wieder frei. Sie war aus Ziegen erbaut. 

Die jeßige ev. Pfarrkirche von R. ift 1873 eingeweiht. Bis dahin diente ein 
Saal im Pfarrhaufe zur Gottesverehrung. Patron ift der König. Sie ift in Ziegel: 
tohban in romanischen Formen gehalten — was hier in das Ordensland Preußen 
eigentlich nicht vecht hinpaßt. — Das Projekt von Bauinjpektor Tijchler, vevid. von 
Stüler 1863. 

Eine mejfingne Taufjchüfjel mit dem englifchen Gruß, finnlofen gotischen 
Minusteln und gejtanzten umd gepunzten Ornamenten darum. Arbeit aus dem 
XV. 3. 

Ein gutes Olgemälde, den Gefreuzigten daritellend, aus der Tragheimer Kirche 
in Königsberg ftammend. 

Alte zinnerne elche, aus der Slirche zu Kunzen jtammend, Anfang diefes Jahr- 
hundert3 renoviert. 

Nogge, Michael Burdhardt, dev Nehrungspfarrer, in U. M. 1885 450—462. — Pajfarge, 
Aus baltifchen Landen. Gotha 1878. — E.F.U. Hoffmann, Das Majorat (von Rofjitten). — Berendt, 
Reife Über die Furifche Nehrung in U. M. 1867. 201 ff. — Zeichnungen der Kirche in der Kreisbauinjpeftion 
Sichhaufen. — Bezzenberger, Die furifhe Nehrung und ihre Bewohner. Stuttgart 1889. 183 f. — 
Harnod, E. ı. ©. 1890 246. 


Nudar, Kivchdorf und adliges Vorwerk, Audar 1258, 33 km Lftl. n. d. 
von Fijchhaufen. 


Borgejhichtlihe Altertümer im Kipt. N. 


Dammmwalde, 7 km Lftl. j. von R. ©... P. 1885/86. 4. 1888/89 125 m. Tafeln. 
Dollfeim, 5 km Lftl, n.w. von R. Das bedeutendite Gräberfeld im Samland. 
Die Fumde davon, von der mittleren Eifenzeit bis in die chriftliche Zeit hin, find im 
Prov. M. ausgeftellt und deren einzelne Perioden durch verjchiedene Farben kenntlich 
gemacht, jo dag man eine überaus reiche Anjchauung davon gewinnt. Das Pruffia- 
Mujeum befist auch Funde aus D., die indejjen nicht jo bedeutend find. P.M.R.U 
201. 205. 309. Tifchler, Aufjäge in den ©.d.p.d.®. ibeln, Photograph. Album d. Ausitelt. 
prähiiter. und anthrop. Funde Deutjchlands. Berlin 1880 I Tl. 7 Nr. 315—65. 8 Nr. 366 ff. 
Efritten, 4 km Lftl, j.w. Eine viertel Stunde von E. liegt ein vortrefflich erhaltener 
„Hünenberg“, Gieje, 3.W.P. EC. Stein jagt im XVO. 3h.: Prope pagum Ekriten, 
ad lacum Kimtauschenteich, mons Heinenberg, hodie Hinenberg dietus, ob veterum 
Prutenorum sacrificia et munimenta clarus. A. B. III 208 }. W.M. 1872 59%, SM. 
P. 1888/89 127 ff. Reufc, Sagen d. preuf. Samlandes? 70 F. P.M. 8. IT 203. 422. Plut- 
winnen, 5 km Lftl. j.w. PM. 8.171309. Nudau, P. M. 8.171365. Einige Funde 
aus dem Kirchenberge im Prov. M. Sergitten, 4 km Lftl. w. P. M. N. II 206. 420. 
Weifchkitten, 8 km Lftl. n.n.w. PB. M. 8. II 332, 


118 Rudan, 


N. war jchon eine Burg der PBruzzen. Im Jahre 1255 nahm fie Ottofar von 
Böhmen ein umd das Gefchlecht der Sypaine floh aus dem Gebiete von R., deren 
Befisungen Ibute aus Laptau erhielt. Der D. jehenkte ihm dazu Kewthe (Kiauten). 

Die Ordensburg N. wide nach Luc. David als Kammeramt ungefähr um 
1270 gebaut. Sie ift gänzlich zerftört, nur der fie umgebende Graben und Bruch- 
jtücde dev Mauer find noch einigermaßen fenntlich. Auf der Vorburg ift das Pfarr 
haus erbaut. Die dahinter nach N. zu liegende Anhöhe R war die heidnijche Burg. 
Die Abb. 65 nach Gieje, Z.WRP. N. Linie faljch. 

Sm Jahre 1370 fand auf dem Felde zwifchen Tranfjau und Miülfen bei R. die 
berühmt gewordene Schlacht bei N. ftatt. Die Brüder Dlgierd und SKinftutte 
(Keijtuti) waren an der Spibe der Litauer über Nagnit bis ins Samland vorgedrungen 
und hatten jich bei Rudan gefammelt. Gegen fie zug aus der Gegend um Billau 


Mbb, 65. Grundeiß der Burg zu Rudan, 


ein Dvdensheer unter dem Marjchall Henning (Iohann, nicht Heinrich) Schindekopf, 
der jie aufs Haupt jchlug, (— 11000 Samaiten, Nuffen und Oberlitauer famen dabei 
um —) jelber aber getötet wurde. Ihm zum Andenken jtiftete der Hm. Winrich von 
Stiprode die Denkjänle, die im Lauf der Jahrhunderte immer wieder erneut ift. 
Nach einer getufchten Federzeichnung von George Petergen, welche jich im Befit 
der Pfarre zu RN. befindet, ijt der Kupferjtich im Erleuterten Preußen Bnd. I. 1724 
von M. E Hetjch ausgeführt. Die Denkjänle jcheint nach einem Holzjchnitte in 
Hennenbergers Erklerung der preuf. Landtt. ©. 403 gezeichnet zu fein. 

Auf hohem Unterbau von gejprengten Granitfindlingen, an deren N. Seite ein 
Stück der alten Säule angebracht ift, jteht zunächjt eine achtedige Sandfteinfäule mit 
Kapitel; darauf ein achteciges Sandjteinkreuz, das in feiner Mitte einen nach X. 
jchauenden Adler und an den vier Armen die Lilien aufgemeigelt hat. Vorn in eine 


Nudau. 119 


Öranitplatte eingemeigelt: Schlacht bei Rudau 1370. Bier farb den Beldentod 
Ritter Schindekopf. — RENOV. 1835. — Renoviert 1870. 

9. Degen, Die Schlachtjänle bei N. 1370, renoviert den 3. Auguft 1835, mit einer fith. Abb. 
Königsberg 1836. — Schlachtjäufe bei Nudau 1370. Nac) dev Natur gezeichnet und fithographiert von 
dr. Bils 1855. Sol. lith. Int. zu Berlin, 

Über den jagenhaften Hans von Sagan f. P.P. 2. 1831 I 17-38. 1816 T 331-338. 
— Lohmeyer, Die Littauerjchlacht bei Nudau im Sanlande 1370, ihre gleichzeitige und jpätere Dar- 
jtellung, in Beitjchr. f. Preuß. Gefchichts- und Landeskunde 1870. VIT. Ig. 349 ff. Die vielfachen 
anderen Nachrichten übergehen wir, da jie alle in der Schrift von Lohmeyer ausführ: 
lich abgehandelt werden. 

Die für Henning Schindefopf angeblich errichteten Kapellen in R. und Laptau 
Jind nur fagenhaft. Auch das angebliche Amulet des Henning Schindefopf ift nicht 
vor dem XV. 3b. entjtanden. 

Beiträge z. Kunde Preußens I 388 ff. N.P.P.B. 1848 VI. 

Auf dem Schlachtfelde fanden fich unter anderem mit Silber ausgelegte 
Steigbügel, von welchen die A. PB. in Vaterländ. Mappe IT 105 eime gute Hand- 
zeichnung befißt. 

Der Nudaufche Adel bejtand zu Anfange des XVI Ih. mur noch aus den 
Samilien von Zincen, dv. Hundertmard, von Sergitten, v. Wayfjel und v. Delffen. 

Die jebt ed. Pfarrfirche, königl. Patronats, fteht nicht, wie Gebauer, Stunde 
des Samlandes, angiebt, auf dem nördlichen Flügel der Burg, jondern nur in dejjen 
Nähe. Ein Pfarrer von R., Nikolaus, unterzeichnet 1321 eine bifchöfliche Urkunde. 
Eine andere Urkunde von 1339 erwähnt eines Gutes in Laptau, welches vor Zeiten 
zur Dotation der Pfarrkicche zu N. gehört habe. Die Kicche jtammt demnach aus 
den erjten 20 Jahren des XIV. 3. Im Jahre 1354 wird fie als chen bejtehend 
genannt. Lindenblatt, Jahrbücher 43. Am 17. Ianıar 1818 ftürzte fie durch einen 
Drkan ein und wurde 1820 wieder auf den alten Mauern aufgebaut. Dabei wınden 
tiefe Kellerräume von der Burg aufgefunden, aber wieder überjchüttet. 

Gebauer, Die Kiche zu N. in V.P.P.B. 1853 II 305 j. 

Der 1820 nen errichtete dreigefchoffige Turm hat eine Grundfläche von 5,1 m 
im Quadrat. Langhaus und Chor haben bei 1,5 m jtarfen Wänden 35,15 m im 
Lichten bei 11,14 m Breite. Die Wejtwand des Langhaufes und jämtliche pigbogige 
Fenfter ftammen von 1820. Im N. fteht noch die alte Vorhalle mit einem durch 
vier rumdftabgefcehmückte Pfeilerchen gezierten Giebel. Auch der Turm hat feinen Ein- 
gang von N. Im N.DO. ist die Sakrijter angebaut. 

Das Innere der Kirche ift durch die Erneuerung 1820 ziemlich nüchtern, nur 
die Vorhalle Hat noch zwei alte Streuzgewölbe hinter einander, die runde Schlußjteine 
haben umd deren birnjtabförmige Nippen auf Konjolen aufjegen. Die Kirche hat eine 
vergipfte Holzdede. Im der D. Wand ihres Chores, wie in Neuendorf, eine jchmale, 
Ich Hohe Nijche, 

Der hölzerne gotische Altaraufjag it von einem bei Met 1871 gefallenen 
Soldaten gejtiftet. In der Predella des früheren Altares war ein ziemlich gutes 
DOlgemälde, das Abendmahl dartellend, darin der Pajtor loci P. W. P. aetatis suae 
71 a° 1677 unter einer brennenden Lampe, ein ausgezeichnetes Porträt. 

Die Kanzel mit dem Erlöfer, den vier Evangeliften, einem Engel als Kanzel= 
träger in jehr mäßiger Holzjchnigerei. Die KanzeltHür neu, gotifierend. 


120 Nudaı. — Schafen. 


Taufjtein v. im Chor von Granit mit eingemeißelten, faft romanifchen Orna- 
menten (Sreife, Schachbrett u. j. w.). Außen, vor der .Vorhalle liegt ein alter Tauf- 
jtein (?) und ein Weihwafjerbeden, beide von Granit. — Tauffchüffel von Meffing 
mit einem Wappen (j. Mahnsfeld) in der Mitte. Darum fteht fünfmal: got fei 
mit uns. Auf dem Nande Hirfche unter Bäumen, von Hunden verfolgt. Alles 
getriebene Arbeit. Gepunzte Ornamente. Arbeit des XVII. Ih. — Eine Waifer- 
fonne von Zinn: Reinhold Boxık 1785. 

Ein Kronleuchter hängt am Triumphbogen mit Wappen von 1635 (v. Dlfie). 

Dlgemälde: Langhaus r. Genzjae Boguslaus Bilang + 1725. Am ITeiumph- 
bogen [. Gerhardus Großkopf + 1679. Im Chor r. Sigismundus Pülk + 1729, 

Über: die Glocke zu NR. Heujch, Sagen aus dem preuß. Samlande I 60. 

Vor dem Altar liegt ein Sandfteingrabftein: Margaretha Gauderkerin 
Caspar von Plfen Bausfrau 1596. Hinter dem Altar fteht ein Fupferner Sarg 
von 1632, Margaretha Tugentreich Fr. zu Ritlig, mit aufgemaltem Goldornamente. 

Neben der Kanzel hängt am Triumphbogen r. die angebliche Nüftung des 
Henning Schindefopf: In memoriam proelii Rudaviensis anno Christi millesimo 
trecentesimo septuagesimo. 

Loß, 8.T.D. 528. — Harnod, E. u. ©. 1890 247 f. 


chafen, 1333 Schofen (von apr. Schokis, Gras), 24 km Lftl. n.n.d. von 
> Sönigsberg, eine halbe Stunde vom kurischen Haff. ©. befteht aus drei Ort: 
jchaften, dem königl. Amt ©., dem fölmifchen Dorf Lifchka ©. und Kirchjchafen. 


2 


Q 


III 


Vorgejchichtliche Altertiimer im Kipl. ©. 


Görfen, 8 km Lftl. f. PB. M. 8.158.115 Miggenburg, 6 km Lftl. f. w. 
P.M.R.153. Neuendorf, 7 km Lftl. fd. Pm.R.T.s2. Trömpau, 6 km Lftl.f. 
P. M. 8. II 135. 136. 362. „OS. von T. liegt ein umwallter Schloßberg, der mit der 
Hälfte eines zweiten Walles umgeben ift. Gieje, 3.U.P. Weffelshöfen, 3 km £ftl, n. 
Etwa 1 km davon d. liegt eine „Schanze, die Front gegen Schafen macht." Gieje,3. WU. P. 

Das Haus S. wırrde nach Luc. David um 1270 erbaut; e8 war während der 
Drdensherrjchaft von einem Pfleger bevohnt. Als die Ordensherrjchaft Fich auflöfte, 
wırde ©. zum Kammeramte erhoben, dejfen Hauptmann fich Landvogt von Samland 
nannte. Im Iahre 1525 brachte e8 der famländische Aufjtand auf kurze Zeit in die 
Gewalt der empörten Bauern. Im XVI. Jahrhundert waren von dem Schafijchen 
Adel nur noch die von Thalau und von Merice anfähjig, daneben noch ein drittes 
Preugengefchlecht, die von Sallet. Bon deutfchen Familien hatten fich nur die 
von Jagenreuth auf Sudniden angefiedelt. 

dv. Miülverjtedt, Vajallen-Negiiter des Samlands, Kammeramt Schafen in N. P.B.B. 1855 VII 
262— 264. 

Die alte Burg wurde 1606 durch eine Feuersbrunft zerftört, während der 
Amtshauptmann Dtto von der Gröben mit jeinen der Landesherrjchaft widerjtrebenden 
Anhängern fich in Warjchau befand, um bei dem polnifchen Könige als Lehnsherr gegen 
den Kurfürjt von Brandenburg Rage zu führen. 

Sie ficht jet jehr verunftaltet aus. Wir geben einen Kleinen Grundrif 
nach) Gieje (1826—28) Abb. 66, indem wir hierzu bemerken, daß fich weientliche 


Schafen, 121 


Änderungen nicht zeigen. Nur fehlt die Baulichkeit in der W. Ede, über die jebt die 
Kunjtitrage führt. Von der im N. OD. bezeichneten alten Mühle ftcht nur noch tweniges 
Gemäuer und der Schornftein. Das Haupthaus zeigt feinen gotijchen Verband mehr, 
londern nur DBlodverband; in iHm wohnt der Domänenpächter. Legende Giejes: 
„B Burg ©,, deren Haupthaus, jedoch mit veränderter Einteilung, fich noch erhalten 
hat. Ferner die Trumaner derjelben m bis zu einer Höhe von 30—40 Fuß von 
Felditeinen, und bildet in fich ein Achtzehned. — V. exjte VBorburg. Ein Gebäude s 
derjelben, jpäter oben ausgebaut. Ein Stück Mauer (jegt verfchwunden) n nördlich 
4—6 Fuß hoch, gleichfalls von Feldjtein. — V‘ zweite Vorburg. Ein Stück Mauer e 
von Feldjtein, 8-10 Fuß hoch. — V* dritte Vorburg für augenbliclichen Bedarf, 
mit Wall und Graben umgeben. Der Graben g, damals unter Wajfjer, ift jeßt ver 
jchüttet.” 


SD N ml 
som UNS 72 WR 


Au. 66. Grimdrik Der Burg zu Sıhaken. 


Die jegt ev. Pfarefiche königlichen Patronats. Ein Pfarrer und BBriefter 
Thomas von ©. kommt 1320 vor. (Negeit. d. St. Königsberg. Int. 16.) Im Kirchenarchiv 
öl ©. (Pag. 22a) ijt ein Vifitationsbejcheid des Bilchofs Mörlin von 1569 enthalten, 
dag in ©. noch ein Tolfe (Dolmetjcher) war. 

Äußeres: Turm 8 m br, 6,75 m L,, bis Oberkante inopf 28,5 m h. Lang- 
haus 22,6 m [., 10,4 m br. Chor mit Triumphbogen 14,5 m [., 6,9 m br, Höhe 
bis zur Dachfirit 15,7 m. Chordach bis zur Firjt 13,5 m. Mauerftärfe im Langh. 
1,33 m, im Chore 0,95 m. Zwei Anbauten im ©.: die Eingangshalle und die 
Sakriftei, 

Der Tem, welcher durch Blisichlag bejchädigt war, wurde 1862 in Helmform 
mit Schiefer gededt. Wetterfahne von 1796. Im Innern wurde die Kirche 1877 
gründlich ausgebejlert. 


122 Schafen. 
Das Langhaus hat feine Strebepfeiler, Dagegen der Turm zwei umd Der aus 
dem Achteck gejchlojjene Chor vier jchöne in Abtreppungen gebaute. Im der ganzen 
Slirche Turm bis ang Dach, Langhaus mit Worhalle, Chor nebjit Sakrijtei und 
Strebepfeiler — durchweg gotischer Verband. — Die Fenjter im Langhaufe wurden auf 
der N. Seite im Jahre 1882 durchgebrochen und auf der ©. Seite verlegt. Spuren 
der alten Fenfter auf der ©. Seite find noch fichtbar. Die Kleinen Unterfenjter (Dchjen- 
augen) wurden in der Spütrenaifjancezeit angelegt. — Der Chor hat im N. feine 
senjter, Dagegen ziwei auf ausgekragten Ziegeln ruhende Doppeljpisbogenblenden. Er 
hat neben feinen nen angelegten Fenftern auch eine jpigbogige Nijche in der D. Nittel: 
wand. — Der neu gemachte Zumenauffaß der Eingangshalle it gänzlich verfehlt. 


Abb, 67. Hltarleuchter in der Rice zu Schaken. 


Inneres: Im Erdgejchog des Turmes l. zwei Nundbogen auf einer Sonjole; 
v. it die Thür zur backjteinernen Treppe, die rechtwinklig durch zwei Wände des 
starken Turmes hindurch bis in das zweite Gejchoß geht, wo noch die Spuren des 
ehemaligen Kreuzgewölbes auf birnjtabförmigen Nippen zu jehen find. — Das Lang: 
haus hat drei Joche jechszehnteilige Sterngewölbe, welche mit bivnjtabförmigen Rippen 
auf niedrig liegenden Konfolen auffigen. Überall Schlufiteine. Durch den jehlanfen 
ipisbogigen Trinmphbogen, der nach dem Langhaus zu mit einer bivnjtabförmigen 
Nippe und zwei Dreiviertelrumdjtäben eingefaßt ift, gelangt man in den mfprünglich 
zweijochigen, jeßt mit einer Holzdede gejchlojjenen Chor. 


Schafen. — Schönmwalde. 123 


Altar. Die Menja bejteht aus Ziegeln. Der Verband it nicht zu jehen, weil 
die Ziegel weiß getüncht find. Altaraufjaß aus dem XVII. Ih. In der Predella das 
Abendmahl in Olfarbe. Hauptbild: der Gekreuzigte mit Maria und Johannes in 
jchlechter Holzjchnigerei, dahinter die Stadt Ierufalem in Olfarbe. Lamm, Taube, 
EhHriftus mit der Weltkugel darüber. An beiden Seiten forinthiiche Säulen, unten 
gerade, oben geiwundene, neben welchen die vier Evangeliften jtehen. Schlange am 
streuz; Pelikan mit Jungen; Engel — alles in mittelmäßiger Holzichnigere. 2. und r. 
vom Altare ift ein Durchgang in veichen, jchön bemalten Barockformen angeordnet. 

Ein filb,, ganz vergold. Kelch ohne Jahreszahl in Barodformen mit Engelsföpfen. 

Ein filb., ganz vergold. großer Kelch: „Benvid von Balle, Landt-Rath Pberfter 
Keitnant“, 

Eine ganz vergold. Batene: @. E, v. DB. 1764. (Haufen.) 

Eine filb., teihveis vergold. Weinfanne; XVII. Ih. 

Ein filb. Oblatenbehälter: 1635 Melder Rappe. 

Zwei filb. Altarleuchter in veichem getriebenen Barodjchmud: „Friede. Wil. 
von Rappe 1685. Warie Elifabeth v. Howerin.“ Abb. 67. 

Kanzel aus dem Achteck gebildet; XVII. Ih. An den Eden jtehen korinthijche 
Säulen auf ornamentierten Hohen Sodeln; dazwijchen die vier Evangeliften zwijchen je 
zwei Hermen. Sanzeltveppe mit ionijchen PBilaftern in Hermenform. stanzeltreppen- 
the mit ionifchen Pilaftern mit ornamentierten Sodeln; darüber eine Kartufche. 
Schalldedel reich gejchnißt, mit Löwenköpfen an feinen Eden. 

Der alte Taufjtein aus Granit in Kelchform fteht augen an der N. Seite des Chors. 

Drgel von Gasparini 1734 erbaut. 

Drei Glocden von 1736, 1815 und 1869. 

Auf dem Kirchhofe jteht ein Maufoleum, worin der Hofrat und Ober-Sekretär 
Nicolovius, Bater des bekannten Buchhändlers N., nebjt feiner Gattin liegt. „Manibus 
Nicolovianis sacrum. Sperlings et Sprütlauken 1778.* Beitr. 5. Kumde Breufens II 22 f. 


Schönwalde, Kirchdorf, 15 km Lftl. n. ö. von Königsberg. 


VBorgefchichtliche Altertimer im Kipl. ©. 


Schönwalde Ein „Hünengrab” findet fich hinter der Pfarrjcheune; mehrere 
andere liegen 1 km im W. von Schönwaldshof. Blöftau, 5 km Lftl. im N. 
PM N.T19. SQ. RP. 1879/80 126 f. Bei Sluggen, 3 km Lftl. von ©., wınde 
ein Silberfund gemacht, dejfen Silberbarren umd gewundener jtarker Silberdraht im 
Prov. M. liegen. 

Die Pfarrfirde ijt fünigl. Patronats. Orumdriß vechtecig, 25,50 m l., 12,50 m 
br. im Augenmaf. Sie ftammt aus dem XIV. Ih., ijt aber durch Neftaurationen 
vielfach verjtümmelt. Lebte Neftauration 1864, wo ein häßlicher Dachreiter und 
vier Eektimchen mit romanifchem Fries noch auf den Turm gejeßt wurden (Zeichnung 
vom Schlogbauinjpektor Schulz revidiert, liegt bei den Pfarrakten). Die Ningmanern 
aus Feldfteinen mit Ziegelecden errichtet. Die Fenjter find vechtedig gejchlojjen. Der 
Turm ftammt aus vorreformatorifcher Zeit in feinen beiden unteren Gejchojjen; das 
Erdgefchoi in Felditeinen, darüber Ziegel. In den Turmmwänden liegt die Treppe, 
die, in vier Nechtswendungen aus Ziegeln gebaut, auf den Glodenftuhl führt. — In 


124 Schönwalde, 


VLLT STTTIITITEITERTIECNGT: 


nt 
ns 
D) 


 SÖUDNISTALISDTIRDLIDARTRRARIATITORLASUIDDLERENNENNIIN 


Ko)4 


BININDRTBATTERLEROBTADFÄTTERTRDAR ERDE TTÄANETETDÄTRT NETT RAD TARTR HR TT TRITT 


27} o 5 40 dem. 
Abb, 68. „Bantorfiuhl® in der Kirche zu Schünwalde, 


Schönwalde. — Seligenfeld. 125 


das Langhaus führt eine jpisbogige, vechtwinklig abgetreppte Thür. Das Langhaus 
beitand urfprünglich aus fünf Iochen, die mutmaßlich mit Sterngewölben gejchlofjen 
waren. Ber der Stärke der Feldjteinmauern waren Strebepfeiler nicht nötig. Iebt 
ift die Nivche mit einer Bretterdede im Stichbogen mit jchlechten Gemälden gejchlojjen. 
Auf der N. Seite im mittelften Ioche eine Eingangshalle jpäter davorgebaut. 
Diejelbe beiteht aus Feldfteinen und ift mit einem Streuzgewölbe mit bienjtabförmigen 
Nippen überfpannt. 

Im D. jchliegt fi) dem Langhaufe die bis 1729 durch ein SKreuzgewölbe 
gejchloffene, jeßt mit Bretterdede verjehene Sakrijtei an, die an ihren Ecken durch 
zwei diagonal gejtellte Strebepfeiler geftügt wird ımd einen hübjchen Ofen aus grün- 
glafierten Kacheln aus dem Anfang des XVII. I. befiht. 

Der Altar. Die Menja aus Ziegen in gotischem Berbande. Der Altaraufjab 
von 1721 C. D. G. mit jchlechter Holzjehnigerei. Ein einfacher Sakramentsschrein 
in der O.Wand auf der Brotjeite Zwei Altarleuchter aus diinnem getriebenen 
Silber mit Blumen, XVIM. Ih. 

Die Kanzel, jchön in Holz gefchnigt, von 1631. Um das Gejims: Gott und 
feiner Rice zu ehre hat diefe Qähel fertigen lalfen Mrfula Dirfhowin Frau 
zu Auggen. An den Ecken hermenartige Pfeiler; vier Felder dazwijchen, welche 
Bilajter mit einem NRundbogen und Schlußjtein in Holz gejchnigt tragen. Darinnen 
die Olbilder der vier Evangeliften. 

Granitner Taufftein in Kelchform. Achtedige Taufjchüfjel von Meffing in 
tiefigen Abmefjungen: 73 em von Ede zu Ede. Auf dem runden Boden jteht in der 
Mitte in getriebener Arbeit eine Frau mit Fächer. Auf dem flachen Rande zu ihren 
Seiten T. ein Mann im Koftim des XVI. Ih, r. eine Frau in demjelben Koftim. 
Pfauen und Engelköpfe. Darum jchöne Nenaifjanceranfen, teils getrieben, teils gepungt. 
Arbeit aus dem Anfange des XVII. Ih. 

Das Geftühl in den drei erjten Neihen r. vom QTurme vom Jahre 1585. 
Der jog. „Kantorjtuhl“ auf der Orgelempore von 1610 mit hochinterefjantem farbigen 
Drnament, Abb. 68, wahrjcheinlich von Melcher Breuer (f. Tievenberg) jelbit gemalt. 

Wittih, Mfe. auf dem Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, E. u. ©. 1890 17. 


Seligenfeld, Dorf, 6 km Lftl. im ©.D. von Königsberg. Selgenfelde 
1395; 1465 wird ein Pfarrer in ©. genannt; in derjelben Urkunde wird vom Hm. 
2. von Erlichshaufen das Dorf Seligenuelde dem VBenediktinerinnen-Klofter St. Marien 
zu Königsberg verjchrieben, woher noch jebt das Löbenichtiche Hospital Patron der 
Kirche zu ©. ift. ©. gehörte aller Wahrjcheinlichkeit nach mit Heiligengeijtesfelde, 
jegt Serufalem (5 km Lftl. j. d. von Königsberg), zufanmen. 

Die Pfarrfirdhe. Vorreformatorisch find nur die beiden Untergejchoffe des Turmes 
(Feldfteinmanerwerf, während alles Übrige aus Ziegeln befteht; Weihwafjerjtein 
un Innern an der ©. Seite des Turmes), jowie die beiden im Spitbogen mit Drei- 
viertelrundftabprofilen gewölbten Eingänge in den Turm und von da in das Langhaus. 
— Das einschiffige Langhaus war im XV. 3h. baufällig und it im Jahre 1693 
vom Geh. Kammerrat Kupner (Befiger der in ©. eingepfarrten Güter Aveiden und 
Speichersdorf) von Grund auf neu gebaut. Langhaus und die beiden gleichzeitigen 
Vorbauten (Sakriftei feit 1845 im N., zu Geräten benußte Vorhalle im ©.) find im 


126 Seligenfeld. — Steinbed. 


Blockverbande durchgeführt und haben zehn jehr reichlich bemejjene Spitbogenfenfter, 
welche wie die Altroggärtner (1651— 83), Neuroßgärtner (1644—47) und Haberbergiche 
Kirche (1653—83) ur. j. w. in Königsberg mit den eigentümlichen hohen rechteckigen 


Blenden umgeben find. — An dem Turm find im W. vier Strebepfeiler im Jahre 
1780 angebracht, wo ein großer Teil der weitlihen Frontmauer fich loslöfte — Im 


Dftober 1845 wurde die Kirche von einem Bligftrahl getroffen und brannte bis auf 
die Mauern total aus; fie wurde 1852 wieder eingeweiht. Seitdem ift das Innere 
der Kirche mit einer getäfelten flachen Holzdedfe verfehen, welche auf hölzernen Pfeilern 
ruht. Altar, Kanzel und Tauftifch wirden von einem Königsberger Künftler im goti- 
jierenden Gejchmad zu Anfang der fünfziger Jahre ausgeführt und der Altar mit 
einem Schönen Iebensgrogen Gemälde des auferftandenen Heilands der Diüfjeldorfer 
„Schule, jowie zwei betenden Engeln gejchmückt. Auerdem ift der Altar mit den Kleinen 
Statuen der zwölf Apojtel nach Peter Filcher geziert. 

An Kelchen ift hervorzuheben ein filb,, ganz vergoldeter aus dem XV. Ih. 
nit bavodem Ornament und PButten, jowie ein filb., ganz vergoldeter aus dem Anfange 
des XV. 3b. (1614) mit hübjchem Nenaiffanceornament. 

Eine jilberne Weinfanne von Peter Schnürlein 1634 mit feinem Wappen. 

Eine mejfingne Tauffchale mit St. Georg mit dem Drachen und Weinvanfen 
darum in getriebener Arbeit und eingejtanzten Ornamenten aus dem XVII. I. 

Eine jilberne Tauffchale mit dem Wappen der Eonftantia Charlotta Kupnerin 
und dem jchön eingravierten Bilde von Ehrifti Taufe. XVII. oder Anfang XVII. Ih. 


Nachrichten über ©. 
N.PB.P.B. 0. VI (1848) 241 ff. 253 ff. — Wittich, Mie. im Landeshaufe zu Königsberg. — 
Harnod), E. u. ©. 1890 45 f. 


Eine gute Bleiftiftfkizze der noch vor dem Brande von Anderjon gezeichneten Kirche zu ©. 
befindet jich in der A. P. Vaterländ. Mappe II 67. 


Bon Seligenfeld etwas über 2 km im N. liegt das Gut Jernfalem, von den 
Ddensrittern jo genannt. „Da die Drdensritter das heilige Grab wieder zu erobern 
nicht im Stande waren, jo wollten fie ihr Gelübde wenigftens dem Wortlaut nach 
erfüllen und hatten in der Nähe einiger Ordensschlöffer je eine Schanze, die Jerufalem 
hieß. An einem bejtimmten Tage bejegten die Knechte den inneren Raum derjelben. 
Die Wälle derfelben wurden von den Drdensrittern, welche die Gräben durchbrachen, 
gejtiiemt, die nechte herausgejchlagen und Ierufalem war eingenommen.”  Exfeutertes 
Preußen 1721 (1724). Die Schanze liegt dicht am Bregel, ift annähernd Halbkveisförmig 
und es befindet jich jegt darauf ein Feiner Friedhof für das daneben liegende Gut. 
Auch bei Wolka, Kreis Naftenburg, lag ein Ierufalem. Bujad, S.d. U. P. 1885—86 121 f. 
Ein Jerufalem lag gleichfalls bei Riefenburg, dem Dansfer gegenüber. Bieje. Eine 
Schanze Ierufalem bei Moßyfen, Kreis Fischhaufen. 


Steinbed, adl. Dorf, 12 km Lftl. D. ©. OD. von Königsberg, auf dem I. 
Ufer des Pregels an einem Kleinen Bache gelegen, in einer an Steinen fehr veichen 
Gegend. E3 zieht fich ein Gürtel evratifcher Blöde von hier aus über den Pregel 
hinweg und auf dejjen anderem Ufer bis tief ins Samland hinein, über Pr. Yrnau, 
wie über Lauth, Tropitten, Kleinheide ı. j. w. bis nach Cranz. 


Steinbei. 127 


Vorgefhichtlicde Altertiimer im Kipl. St. 


Steinbedellen, 3km Litl. n. von St. Den dajelbjt liegenden „Schloßberg“ 
hat Giefe gezeichnet. Gieje, 3. U. P. 

Gründung des Orts wie dev Pfarrfirche dajelbit find unbekannt. Im Jahre 
1466 wird Steinbect (nebft Dttenhagen, Craufjen und Neuendorf) der Altftadt Königsberg 
als Belohnung fir ihre Treue und Hülfeleiftung während des dreizcehnjährigen Bundes- 
friegs verliehen. Won diefer Belchnung her dativt fich das Patronatsrecht, das der 
Königsberger Magiftrat über die Sirche zu ©. ausübt. Sie gehörte zum Erzpriefter- 
tum Creuzburg. Zu Anfang des XVI Ih. und noch in vorreformatorischer Zeit ift 
diefe Kirche mit der zu Löwenhagen vereinigt gewejen. Seit 1568 ift ©. mit Neuen- 
dorf vereint. 

Die Pfarrkirche ift jest ganz einfach, ein Langhaus (von zwei Quadraten) 
von 20,6 m 2. bei 10,3 m Br. im Lichten, dem ein Turm im WW. vorgelegt ijt. Im 
Sahre 1818 hatte fie von dem bekannten Orkan jehr gelitten, ihre Feldfteinmanern 
wurden deshalb ungefähr 60 em mit Ziegeln erhöht, das jteile Satteldach flacher 
gelegt und der dich den Wind zertrümmerte hölzerne Oberbau des Turmes wurde 
im Jahre 1822 neu majjiv Hergeftellt. Hölzerne im Stichhogen gewölbte Verjchalung 
der Decke im Langhaufe. Der ehemalige Chor marfirt fich noch durch eine quer in 
die Kirche gelegte Diele. Die Fenfter find modern. Die Eingangsthüren im ©. und 
WB. find noch im Spigbogen gejchlojjen. Die innere W. Thür zeigt den Berfchluß 
ducch einen jtarfen Balken. 

Hinter dem Altar in der D. Wand auf der Brotfeite ein Saframentshäuschen 
mit jchmiedeeifernem Bejchlage; auch auf der Kelchjeite eine Nifche. 

Der Altar ımd die darüber befindliche Kanzel mit jehönem Barodornament 
und hübjchen Engeln, aber jehlecht gejchnigten und gemalten Figuwen; Anfang des 
XVII. 30. 

Altarleuchter von Zinn mit dem Labarım. 

Eine filb., vergoldete Batene mit Weihelrenz: Haec sint Christe tuis ita vasa 
dieata epulis | Ut tibi dignum cor Hospitis ipse pares. Christ. Wilh. Qvandt past. 
Steinbeee Anno 1693. 

Eine jilberne, oben vergoldete Patene, hinten darauf: Elifabeth von Polenp, 
aeb, Cyemin - Pieteich von Leskewang - Anna Qatharin. geb. Polenzin, mit 
zwei Wappen. 

Eine Weinkfanne mit achtzehn eingelegten Münzen (ehemaliger Humpen) vom 
Dux Pruss. Alber. D. G. Mar. Bran. und vom Rex Po. MDL u. j. w. Auf dem 
Rande unten: A. L. V. W. ud M.L V.K. 

Eine jilberne ornamentierte Oblatendofe von 1670: A. R. K. V. H. und 
Bock VCH; 

2. vom Altar steht der alte granitne Taufjtein auf modernem Holz- 
unterbau. 

Drgel neu, von Terlegki aus Königsberg gebaut. , 

Beichtftuhl von 1818 mit einem jchönen Dlgemälde, den Sruzifixus 
darjtellend. 

Im Chor find auf beiden Seiten die erjten längswändigen Stuhlveihen 
noch gotijch. 


128 Steinbei. 


Auf der Orgelempore r. bei dem Treppenaufgang hat man altes Holz ver- 
wendet, welches eine Imitation des Tievenberger Malers trägt, Nelken in einem auf 
Pilaftern stehenden Halbkreisbogen. In einem folchen Ornamente fteht in lateinischen 
Majusfeln: BLASIE OLROCK. (f. Tierenberg). 

Die große Glode: „Anno domini millesimo quingentesimo primo. O rex 
glorie veni cum pace* mit gotifchen Minusfeln. 

Auf der mittleren Glocde: O rex glorie veni cum pace. O sancte Johannes 
ora pro nobis. 

Auf der Kleinen Gloce oben: ad majorem Dei gloriam; unten: Me fundebat 
Georgius Bernhardus Kinder Regio monti anno 1726. 

Wittich, Mie. im Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod), E. u. ©. 1890. 46. 


Nenendorf, adl. Vorwerk und Dorf, 6 km Lftl. füdsftl. von Königsberg, 
am l. Ufer des Pregel in anmutiger Gegend. 

Seine Pfarrfirche (Patronat: der Magistrat zu Königsberg) war zuerit Haupt- 
firche, Steinbed die Tochterficche. Nach der Neformation 1525 wurde, weil die 
Widdem baufällig war, Steinbek Hauptlicche. Die Kirche jtammt aus der D.3. Ihr 
mit Schiefer gededter Turm, mit hübjcher Wetterfahne von 1819 und Knopf, ift jehr 
jchlanf und hat auf feiner W. Seite einen Fries von zwei Stromjchichten, die drei Ziegel- 
reihen einfajjen. Unter dem Turm ein jpihbogiger Durchgang von ©. nach N. 
Langhaus mit jpißbogigen Fenitern. Chor rechtedig gejchloffen mit zwei Fenstern im 
©., während an der N. Seite nur Nifchen find. Im Innern hatte das Langhaus 
urjprünglich drei, der Chor zwei Ioche, die durch einen jpißbogigen ITriumphbogen 
gejchieden werden. SJebt ijt die Dede von Holz im Stichbogen. Im Chor r. eine 
£leine, jeher hohe rundbogig gejchloffene, nur 42 cm breite Nifche mit zwei Thürangeln 
und einer Schliegframpe. Sie joll den Eingang zu einem unteriwdifchen Gange bilden, 
der zu einem ehemaligen Klojter führte, als welches die dortige Waffermühle, ein 
altes Gebäude, gilt. Neben diefer Mühle wurde beim Umrayolen des Gartens ein 
alter Begräbnisplag gefunden. — Sakriftei im N. an das Chor angebaut mit zwei 
Kreuzgewölben ohne Rippen. 

Der Altar ift ganz von Holz mit Kanzel darüber. Seine Verzierung ift aus 
gotifcher und Barodzeit zufammengefeßt. Gotifch ift der Chriftus über der Krönung 
de3 Altares, cbenfjo Maria mit dem Kinde zwifchen je zwei gotifchen Fialen. Die 
übrigen, jchlecht aus Holz gefchnisten, farbigen Figuren (Chriftus als Kind im Tempel 
(eprend, Befchneidung, Taufe, Anbetung der Weifen u. j. w., Mofes und Johannes) 
gehören der Barodzeit an. Über dem Altar fteht in einer Freisrunden blauen Holz- 
jcheibe: Benvich Göbel Pogdt Ho 1634 mit feinem Wappen. (U. M. XIX, 1882 202), 
vermutlich der Stifter des Altars. 

Ein jilberner, ganz vergoldeter Kelch aus vorreformatorifcher Zeit mit Kleiner 
Gupa, jchlanfem Schaft mit ovalem Knauf und jechsteiligem Fuß mit Sruzifir. 
Über dem Knauf in gotifchen Minusteln: Ahefus; unter ihm: Maria mit einem 
Schlupzeichen. 

Eine filb., vergoldete Batene mit Weihekreuz. 

Ein jilb., innen vergoldeter Kelch; unter dem Fuße: Georg Tekel 1685. 

Eine filb., oben vergoldete Patene: Georg Tehel. V: Z- ND: Anno 1685. 

Eine filb. runde Oblatendoje: SH 1714 N. 


Steinbed. — Tentitten. 129 


Eine filb,, oben und unten vergoldete Weinfkanne: George Pilmer Bürger- 
meilter Az 1714. (©. Ditmer war Bürgermeifter der Altftadt Königsberg.) 

Ein Altarfruzifir aus Holz; XVII. Ih. 

wei zinnerne Altarleuchter: I. @. Glaubik 1819, 

N. vom Triumphbogen fteht der alte granitne Taufjtein in Kelchform. 

Taufjchale mit getriebenen Ornamenten; XVII. Ih. 

Seidne gewirkte Taufdede mit Blumen. 

Taufwajferfännchen aus Fayence mit filbernem Deckel: H. P. 

Orgel mit Rococoornamenten. Schilder daran: G. B und GR An. 1755, 

Beichtjtugl r. hinter dem Altare mit gotifcher Wimperge umd Mafwerk ver- 
ziert; oben darauf jet Chriftus als Triumphator in bemalter Holzjchnigeret. 

Sotijches Stuhlwerk im Langhaufe r. Das Geftühl im Chor ift nach der 
Art des Tierenberger Malers mit zwei Pilaftern und einem Numdbogen mit jtarfen 
Uuadern bemalt umd mit der Schablone ein Nenaiffance-Mufter in den Rundbogen 
und das Viered darımter gemalt. Die gejamte Malerei ift jet weiß überftrichen, 
nur eine Ihr im Chor [. hat fich erhalten. 

Ein gutes Ölgemälde aus dem XVII. Sh. im Langhaus r.: Der Kruzifirug 
mit beiden Marien und Johannes; Ießterer ficher ein Porträt, vielleicht des Malers. 

Große Glode von 1501. 

Wittich, Mic. im Landeshaufe zu Königsberg. — Harnod, C. 1. ©. 1890. 


enfitten, vormals Enfitten, Pfarrhof und bäuerliches Dorf, 2 km Lftl, w. 
von Filchhaufen. 
Vorgejchichtfiche Altertümer im ehemaligen Kipl. T. 
P. M. 8.137. 


sm ©.W. 1 km von T. befand fich die 1422—24 vom Drdensmarjchall 
Ludivig von Landfee geftiftete, jpäter zu einem Wallfahrtsorte erhobene St. Adalberts- 
Kapelle, welche im Nov. 1669 an einem Sonntage während des Gottesdienftes ein- 
ftürzte, Der Pfarrer Heine. VBajolt hatte die drohende Gefahr erkannt und die 
Gemeinde ich gerettet. Won diefer Zeit an benugt die Gemeinde T. die Kicche in 
Lochftedt. Die Fundamente diefer Kapelle wurden 1847 vom Bauinjpektor Becker 
ausgegraben. Sie war 20,56 m L., 11,77 m br. Bon ihr liegen im PB. M. mehrere 
birnftabähnliche Gurtjteine, Fragmente von Ziegeln, Biberjchwänze, quadrate Ziegel, 
eine Ziegelplatte mit weißlicher Glafjur, desgl. mit jchiwarzer Glafur, desgl. mit gelber 
Slafur u. j. w. Drei gemalte Glasftücde: auf zweien find Ylätter, auf dem dritten 
der Teil eines roten Gewandes. Die Farbe ijt beiderfeitig aufgetragen. P. M. Imv. 
©. u. Nr. 33, 12—16, 18—23, 26—27; 47, 1 (alte Nummern). 

Eine Paufe von Berlers Aufnahme, jowie eine Tufchzeihnung von Fernik befindet fich im 8. K. 8, 
Mappe XXI Vaterl. I 34 a, 35. 

Der Altar, vom Hochm. Herzog Friedrich von Sachjen 1504 geftiftet, befindet 
fich fchön wiederhergeftellt in der Marienburg. 

N. PP. 3. V 1848 256-276. — Gieje, 3. UP MP. P. B. Bb. VI 1848 408 f. 
423. — Bergau, Königsb. Hartungiche Zig. 1869. No. 221. Beil. 1. 

9 


130 Tenfitten. 


Bon Stiftungen in die Kapelle ift eine eiferne Pfeilfpige zu nennen, die der 
DO. Marfchall Erasmus vd. Neigenftein (1488—1499), nachdem er fie 14 Jahre im 
Kopfe getragen, an filberner Kette und mit- filbernem Schild verjehen hierher jchenkte. 
Seßt im BP. M. 

P. M. 8. TI. 46. — U. B. Vaterl. Mappe II, 65. — Hennenberger, Erf. d. Pr. Lanödtt. 
1595 19. — N. BP. P. B. Bd. VI 1848 403 j. — N. P. P. B. Bd. 9 1864 406 f. 

Die Stelle der bei der Neformation 1523 zu einer St. Albrechtskirche 
gemachten Kapelle wurde 1822 durch ein hölzernes Kreuz bezeichnet, das 1834 
einem nach des reisbauinjpektors Puppel Zeichnung hergeftellten, 8,78 m h. eifernen 
durchbrochenen Plab machte. Auf vier Granitjtufen erhebt es fich mit gotijchem 
Mafwerk verziert. Die Infchrift befagt: Bilchoff St. Mdalbert Farb hier den 
Maertyrertod 997 Tuer das Licht des Chriltenthums. Wielopolska 1831. 
Nückeite: OGiekerey zu Königsberg in Pr. — Die gußeiferne Ranfe mit Wein- 
und Eichenblättern ift 1836 vom Schlofjermeifter Bartlau zugefügt worden. Zu der 
Aufrichtung des Kreuzes gab die Gräfin Wielopolsta, die fich als politifch Flüchtige 
in Fijchhaufen aufhielt, zu der Nanke Graf zu Dohna-Wundladen die Mittel. 

Im SIahre 1846 follte ein von Stier entworfener Simultanhallenbau mit 
Apfide von Ziegeln ausgeführt werden, in welchem in der Apfis die Statue des 
H. Adalbert ftehen jollte. Das Jahr 1848 hat vielleicht Schuld an feiner Nicht- 
ausführung. 

P. P. Bl. 1834 441—454. — P. P. Bl. 1837 385 f. 

Von dem Kreuz aus, von welchem man eine jehöne Ausficht auf Meer und 
Haff Hat, zieht fich mach DO. eine aufgefchüttete Hügelveihe, die fogenannte Gardine 
(Gertin, Gertaun — Wehrzaun), von ungefähr 2 km 2. bei 9 m Br. nach dem Haff 
hin. Sie ift ohne Graben angelegt und jegt mit alten Eichen, prächtigen Linden und 
Unterholz bewachfen. Wahrjcheinlich wurde fie zwifchen 1242 und 1250 gejchüttet. 

In der livländifchen Neimchronid ©. r. P. 1625 heikt e8: 

Dä was ein vil grözer hagen 

von den Samen vorgeslagen, 3970 
der was gröz unde dicke: 

dä enwären nicht kleine ricke, 

dä wären boume sö gröz, 

daz sit vil manchen verdröz. 

Sie wären sö gevellet, 

daz ez was gestellet, 

sam ez were ein bolewerc. 

Ez was ein ungevugez werc, 

daz von den Samen was gemacht. 
Vinster was ez sö die nacht 3980 
und giene von des meres strant 

wan in das vrische hab. 

Bol. Hennenberger, Exrfl. d. Pr, Landtt. 413. 

U. dv. Cohaufen, Alte Verfchanzungen, Burgen und Stadtbefeftigungen in Rheinland und 
Preußen, in: Beitjcehr. f. Geichichte und Landeskunde 1866. 613 ff. 

Aber vgl. au) EC. Bedhern, das propugnaculum ete. in ©. d. U. PB. 1887 19 Arm. 17, 


der die Gardine fir eine Landwehr zwiichen Samland und Witland erffärt. Dies wird durd Panzers 
Ausführungen in U. M 1889 259 ff. gegenjtandslos. 


Tierenberg. 131 


Tierenberg, adl. Gut und Kirchdorf, 15 km Lftl. n.n.ö. von Fifchhaufen. 
Tyrberg XIV. Ih. Tyrenberg 1467. 


Borgefhichtlihe Altertimer im Kipl. T. 

Über eine bei T. 1707 gefundene griechiiche Münze j. die lefenswerte Difjertation 
von Bayer, de nummo Rhodio in agro Sambiensi reperto, A. B. IT 266 ff. Norgau, 4 km 
LS dT PM 8.57.58 Bei Mlein-Norgaun, 5 km Lftl. |. dv. T, liegt eine 
Schanze. Gieje, 3.W 2. Auch) auf der Generaljtabsfarte angegeben. S. ». 4. BP. 
1879/80 76. 80. 

Die bifchöfliche Burg T. liegt 1 km d. vom Dorfe T. Wahrfcheinlich erhielt 
fie ihren Namen von einem der beiden Ordensbeamten mit dem Namen Konrad 
von Torberg, die fie zwifchen 1270 und 1274 (?) bauten. Sie wurde Sit eines 
bedeutenden bifchöflichen Kammeramtes und bejtand noch 1507, wo aus der Kriegs- 


Abb, 69. Grumdrik der Burg zu Tierenberg. 


ordnmg des Hm. Friedrich von Sachjen zu entnehmen ift, dag T. im Kalle eines 
Krieges nicht zu halten fei. Gegenwärtig umjchließt die Ningmauer den herrjchaftlichen 
Garten. Wir geben die Abbildung mit der Legende des Lieutenants Giefe von den 
Jahren 1826—28 Abb. 69. Legende: „B. Burg T. Nur noch Spuren von Mauern. 
V. VBorburg. Mauer von Feldfteinen 34h. V“ Gleichjam Borburgen, umjchlojjen 
von den Wällen w und w.” Die N. Linie hat Giefe nicht richtig gezeichnet. — 
Zu Anfange des XVI. Jahrhunderts find die von Niederbach in T. anfällig. Das 
Kammeramt ging hier bei ihnen lange Zeit hindurch vom Vater auf den Sohn über, 
don Mülverftedt, W. P. P. B. VII 1855. 

Die jeht ev. Pfarrfirhe liegt im Dorfe T,, 1 km w. von der Burg, auf einer 
janften Anhöhe; fie ift königlichen Patronats. Ein Plebanus von T. fommt 1335 in 
einer Urkunde vor. Die Kirche bildet den Übergang von der zweiten zur dritten Sllaffe 
der Drdensticchen (©. 15), d. h. fie hat bei innen vortretenden Strebepfeilern auch 
außen gleichzeitig vorgelegte Strebepfeiler. Sie war urfprünglich ein gefugter iegelbau, 
der leider in den achtziger Jahren unferes Jahrhunderts gelb übertüncht ift. 

9* 


132 Tierenberg. 


Die Kirche befteht aus quadratiichem Turm mit fpäter vorgelegten Strebepfeilern 
an der W. Front und Langhaus ohne Chor. Der Turm ift mit einem Satteldache 
gedeckt, welches nach D. und W. hin mit überedgeftellten Pfeilerchen gejchmüct ift. 
Wie am Turm fich Blenden befinden, jo auch am Langhaufe, teils einfache, teils 
gefuppelte, zwifchen den gleichzeitig ausgeführten äußeren Strebepfeilern. Dieje Blenden 
waren einft mit gotifchem Mahwerk bemalt, rot auf weißem Untergrunde (vgl. die 
Kirchen zu Arnau und Wargen). Yon einigen hat fich eine Zeichnung in der Filch- 
haufener Kreisbauinpektion erhalten, die hier wiedergegeben wird. Abb. 70. Die 
Malerei in den Blenden und eim darüber befindlicher gemalter Fries foll in den 
jechsziger Jahren unfres Jahrhunderts noch zu jehen gewejen jein. 

Das Inmere des Langhaufes enthält vier Joche von jchönem zwölfteiligen Stern- 
gewölbe mit bienjtabförmigen Rippen, die auf tiefliegenden Konjolen aus Kalkitein 
aufligen. 

Der Altarjehrein ift fpätgotijch. Er enthält jegt als Mittelbild einen vom 
Juftizrat Meier nach Carlo Dolce gemalten Chriftus, welcher die dahinter befindliche, 
nicht jchöne, fpätgotijche gefchnigte Maria mit mehreren Engeln verdeckt. Die Flügel 


Abb. 70, Bemalung der Blenden an der Rice zu Tierenberg. 


enthalten in  trefflicher Olmalerei die Gejchichte der Geburt Marik: Joachim 
und Ana, Mariens Eltern, umarmen fich unter der goldenen Pforte; die Geburt 
Mariens (die Hebeamme jchläft, wie auf dem Dürer’ichen Blatt im „Leben der Maria“ 
1511— 1515); Nicchgang Marik umd Vermählung Mavid. — Auf der Außenjeite 
x. zeigen die Flügel den hH. ChHriftophorus, Andreas, Petrus und Urjula, [. den 
bh. Hieronymus, Stephanus, eine Heilige mit Sreuz (Brigitta oder Helena?), einen 
Heiligen mit Buch und auf dem Boden liegenden Schwert. — Über dem Altarjchrein 
ift in der Mitte das Wappen des vorlegten fatholifchen Bijchofs von Samland, Günther 
von Bünau (1505—1518), als des Stifters des Altarjchreines, angebracht. Über dem 
Wappen fteht in Holz gefchnigt der h. Adalbert mit Buch und Lanze; neben ihm je 
eine Heilige. Alle drei Figuren ftehen unter elegant gejchnigten fpätgotischen Baldachinen, 
in blau, rot und gold bemalt, — Der Hintergrund der Flügel golden mit in den Sreide- 
geumd gedricften Ornamenten. Die Gewänder dev Heiligen auferordentlich jchön mit 
I hwarzen Umrifen auf Goldgrund. Der Altarjchrein ift in Niürnberg in den Jahren 
1511— 1518 von einem direkten Schüler Albrecht Dürers gemalt, die Maria in Holz- 
Icynigerei aber von einem untergeordneten Künftler Niürnbergs gejchnißt. 


V 
| N KN 
\ U 1, 
ll 


GBR N 
| Ni 
TH D SAN 
ill: AN 
N) 3 il 1 [} h 2 
Q Ela x 
BE hnY 


Abb. 71. Bemalung der Ramelthür in der Kirche zu Tierenberg. 


133 


134 Tierenberg. 


Über der j. Eingangsthür ftehen in einer runden Nifche noch andre Altarjchrein- 
figuren, die in Holz gefchnißte, leider weil; getünchte Barbara mit dem QTurme und 
Maria mit dem Chriftusfinde. 

Auf dem Altare jteht ein hölzernev Kruzifirus aus dem Anf. des XVII. Ih.: 
mM. Ioh. Engelbeecht Paltor. Sybill Göbelin Uxor 1706. — Im leßten Ioche 
r. nach dem Altar zu hängt ein fpätgotifcher Kruzifirus mit den Evangeliften- 
jymbolen. 

Agende von 1598 mit fchönem Silberbejchlag, Engelköpfe u. f. w.: Barbara 
Dlffenhanin Gebohrne DPietterin Anno 1694. 

Ein großer filb. Kelch: „Omni per furtum Mense Februario ablata supellectile 
S. aedis hie calix cum patella comparatus libera collatione Coetus Thierenberg Mense 
Aprilis 1742. deo servante tutus erit.“ 

Die Kanzel, 1581 durch den Tijchler Melcher Breuer gefertigt, it die 
Ihönfte in Samland. Sie ift fünffeitig gearbeitet und nebft dem Schalldedel 
mit fein gejchnigten Triglyphen verjehen, zwijchen denen Engelsföpfe gemalt find. 
Neiche nachgeahmte Intarfien und Blumentanfen in matten Farben. Oben an 
der Nüchvand der Kanzel, unter dem jparfam, aber außerordentlich jchön in diskreten 
Farben mit Blumenranfen und vechtedigem Geflecht bemalten Schalldedel jteht 
in lateinischen Majusteln: Adrian von Miderbadh. Midjel Schomwaldt Pfarher. 
Bartholomens Erkert. Bartholomeus Mühel. Berman Merten Eikerfftein. 
Meldher Brever, Tilchler. 1581. Abb. 71. Arbeiten von demjelben Meifter 
befinden fich in Schönwalde, Arnau, Fiichhaufen, Brandenburg u. j. w. ©. die Ein- 
leitung ©. 16. 

Der urfprüngliche Taufftein, felchförmig aus Granit gehauen, liegt jeßt j. der 
Kirche auf dem fchönen Bergabhange des Friedhofes im Gebüfch verjtedt. 

Drgel von Scherweit 1832. 

Bom Geftühl it im Langhaus die dritte Stuhlreihe von D. rechts gotifch; 
desgleichen auf der Empore L., gleich an der Treppe. — Am D. Ende [. eine Empore 
in Barodformen von 1610. — Nechts Hinter dem Altar ein Gejtühl aus annähernd 
gleicher Zeit. Nechts neben dem Altar ein mit gewundenen korinthiichen Säulen 
geziertes Geftühl, welche auf jchön, nur etwas zu majfig geichnigten Konfolen ftehen. 
Darauf mehrere Apojtel und Heilige. 

An der Empore von 1610 find für die Zeit charakteriftiiche Blechitreifen aus 
dem Empire aufgehängt, mit Sonne, Hippe, Fadeln, Pyramiden, welche den Tod 
verjchiedener Leute melden; von 1807, 1809 und 1816. 

Eine Glocde mit der Infchrift in lateinifchen Majusfeln: Ich Binnerik von 
SER ük in dat Jar N 7CCCCC 7 und XXI Margaretha 7 nete 7 (die Glode ift 
wahrjcheinlich von dem Gejchüßgieger Heinrich van Spichelt 1522 gegojjen). 

Von den vier Grabfteinen vor dem Altar ift nur noch einer lesbar: Anno 
1650 7 Bans Wokick Kryger vorm Sıhlos. 

Nach mündlicher Mitteilung des Heren Pfarrers Kohrt find in den jeßt ge- 
jchlojjenen Gewölben viele derer von Auer beerdigt. 


Nachrichten über T,, Burg und Kirche, 


Gebauer, Kunde des Samlandes 101. 113 f. — A. Hagen, Der Dom zu Königsberg I 153. — 
Lo, KT. D. 584. — Harnod, E. u. ©. 1890 78 f. 


Wargen. 135 


& argen, Kirchdorf, 22 km Lftl. von Fijchhaufen. 


Borgefchichtliche Altertiimer im Kipl. W. 


Brasniden, 5 km Lt. n. PM. R.171. Greibau, 2 km Lftl. w. Irnen, 
Arms und Fingerringe, Armbruftfibeln im Prov. M. Laferfeim, 4 km Lftl. w. PM. s. 
1219. Mijchen, Groß-, 8 km Lftl. n.d. P. M. f. 1258. 


Gejchichtliche Altertümer im Kipl. W. 


Caporn, 9 km Lftl. j.f.w. von W., war zur Ordengzeit ein KNammeramt. 


Das „Haus Conowedit” heist nach Meinung der Einen fo von Widitte, dem 
Bache, der bei dem Dorf Widitten vorüberflicht. Nach der Anficht des Dr. Kolberg 
it Ceranwe S.x.P. 1117. Toeppen, Rreuf. Hiftoriographie 78 im holländischen Text der 
Hochmeifterchronit der verdorbene deutjche, Comowedit der preußijche Name für 
Zimmerbude, Kpl. Medenau. Näheres hierüber in Zeitihr. j. d. Gejhh. und Altertums- 
funde Ermlands VI 73. Danach wäre Zimmerbude die lübische Stadt von 1246. — 
Auch gilt der „Schloßberg“, welcher w. von Margen (8 km Lftl. j. von Wargen) 
liegt, Gieje, Z.U.P. für Conowedit. Diefer ift eine quadratifche Wallanlage von 
ungefähr 90 Schritt Seite. Cornieten, 5 km Lftl. w. |. w. P. M. S. III 48. 


Vierbrüderfänle, 7 km Lftl. j.j.w. von W. Seit M. Joh. Jacob Nohde aus 
Königsberg im Exleuterten Preußen III 399 ff. 1724 feine Anfichten über die Vierbrüderfäule 
niederlegte, ift manches Wort über diefen Fall gejchrieben worden, aber die Akten 
darüber find noch nicht gejchloffen. Bald jollte die Säule vier Straßenräubern, bald 
vier Brüdern, bald vier edlen Fürjten gejegt jein. Das Wahrjcheinlichite ift folgendes: 
Die Kriegszüge gegen die heidnifchen Litauer, welche der D. DO. nach der Unterjochung 
von Preußen unternahm und zu welchen die Bewohner des Drdenslandes ihre Mann- 
Ihaften hergeben mußten, hatten jeit mehreren Jahren den Umwillen der Preußen 
erregt. Ein neues Aufgebot, das 1295 befonders in Samland und Natangen erging, 
jteigerte die Erbitterung auf das höchite, und man bejchloß, fich gewaltfam von dem 
Boche der Zwingherrfchaft zu befreien. , Der Aufruhr brach aus, wurde jedoch bald 
wieder unterdrückt. Während diefer Ereigniffe num zog ein tapferer Parteigänger, 
Martin von Golin, der jchon viele Jahre lang dem Orden wichtige Dienfte geleiftet 
hatte (Dusburg TIT cap. 151, 152, 193, 194 ed. Hartfnoch), mit feinen vier Waffengefährten 
aus der unweit der nachmaligen VBierbrüderjäule gelegenen Burg Conowedit in den 
Iudanischen Winkel, die N. W. Ede von Samland, weil feine Bewohner auch an der 
Empörung Teil genommen hatten. Mit veicher Beute beladen fehrten fie heim, als 
plöglich ein Haufe jener Sudauer ihnen nacheilte und fie mit Ausnahme ihres An- 
führers erjchlug. Diejer richtete ihnen an der Stelle, wo fie erjchlagen waren, ein 
Ichwarzes Sreuz auf, welches noch zur Zeit Herzog Albrecht3 gejtanden haben oll. 
Neben diefem Kreuze joll dann der Landmeijter Meinhard von Querfurt ein einfaches 
Denkmal errichtet Haben. Diejes Denkmal bejtand noch im vorigen Jahrhundert aus 
einer einfachen Holzfäule, als deren Kapitel Speifen aufgejegt waren und von welcher 
vier gebogene Arme ausgingen, auf deren jedem ein behelntes Menjchenhaupt gebildet 


136 Wargen. 


war. An der jet vorhandenen Säule, deren Kapitell aus vier behelmten Menjchenköpfen 
aus Blech befteht, ift ein Dxdensfchild befejtigt, darüber fteht die Legende in Berfen: 


Zwölfhunderffünfimdneungig — die Chronik nennt dies Jahr — 
Zur Zeit als Proens-Meilter Meinhard von Burrfurf!) war, 
Da ruhfen hier im Baine vier Waffenbrüder aus, 

Don Sudawn fiegreich kehrend zurück nach bluufgem Sftvauf. 
Da war der wark’re Dyvel, der rül®’ge Robenzell 

Und Stobemehl und Röder, ein mufhiger Gefell, 

Die Treue, die dem Prden fie hatten angelobt, 

Mar Thon in Gaw'n voll Aufltand’s im Rampfe oft erprobt, 
Sie fahen froh beim Mahle, nah’ Conovedits Schloß, 

Da fürzfe aus dem Pichicht hervor der Feinde Troß. 

Mit Scwerk und Spiek and Keule reiht nieder er die Pier; 
— Und zum Gedenk der Todfen Meht diefe Säule hier. 


Nachrichten über die Vierbriderjäule. 

Huhn, de celebri statua quatuor fratrum (mit einer Abbildung der Säule) Regiom, 1717. — 
Lilienthal, Erleutertes Preußen I 1724 54 f — Rhode, Erleutertes Preußen IIT 399 ff. — 
Kowalemwsfi, Erleutertes Preußen V 1741 111 ff. — Bejter, Hit. Wbhandl, v. d. in d. Kapornjchen 
Hehde befindl. Vier Briider-Säufe, Nebit einer Nachr. v. Schloffe Connowedit. 1784. mit einer Ab- 
bildung der Vierbrüderjäule. Anficht der Vierbrüderj. gez. dv. George Beterken, gejt. vom Danziger 
Kupferftecher S. Donnet. Anfang XVII. Sp. 


Abb. 72. Penkmal zu Warglitten, 


Warglitten, 3 km Lftl. j. w. 1258 Werchelendorf. Inmitten eines ein- 
gefriedigten, mit Bujchwerk bewachjenen Plaes, zum adligen Gut gehörig, fteht ein 
vom Grafen Heinrich von Lchndorf 1824 errichtetes Denkmal. Abb. 72, Auf 


) M. von Querfurt war nicht „Ordeng-Meifter“, jondern nur Zandmeiiter. 


Wargen. 137 


der Urne fteht: „Requiescant in pace“ Auf den vier Seiten der Bafis: „Den 
Urbewohnern dirfes Bains in fieffler Ehrfurcht einer ihrer Enkel 1824 I, 

Warkre Samen, zdle Ritter, 

Gleiche Adjfung wird euch Heut; — 

Gewik, au) ihre bereuef bitfer 

Bunmehr den Baf, der eh entzweit. — 

Und Ber; an Ber im bellern Lande 

Umfihlingen euch des Pater: Bande, — 

Graf Heinrich von Lehndorf war es auch, der in dem Preiler Walde auf 
dem fog. Schloßberge Holzinfchriften anfertigen fieß, von denen fich wenige noch 
erhalten haben (Gajthaus in Preil im Garten), als „Berman von Baha“, 
„Simon Parh“ u. f. w. 

Seßt jteht bei Preil, weitl. vom See ein Stein mit queiferner Tafel: „S. M. 
der DPeutfhe Kaifer Wilhelm mit feinem Sohne, dem Rronprigen R. u. RB. 
und feinem Enkel, dem Prinzen Wilhelm KR, B. Tliegen hier zu Pferde und 
geruhten einen Steigbügelteunk anzunehmen von Graf Beineih Lehndorf, 
General ä la suite Sr. M. des Kailers und Königs. Pen 8, September 1879,“ 


Abb. 73. Grundeiß der Burg zu Wargen. 


Wargen war fehon in heidnifcher Zeit ein verfehanzter Ort. Die Wälle und 
Gräben kann man deutlich im Walde verfolgen, der jich zwifchen der Kunftjtraße 
nach Preil und dem Wargener Kirchenteiche binzieht und der Schloßberg genannt wird. 
Sieje, 3. UP. Auch ift m. von W, am Ende des Sliechenteichs im Walde von 
Mednicden eine gut erhaltene Verfchanzung, welche Vic) gegen ©. kehrt. W. kommt 
zum erjten Male 1281 urkundlich vor. 

Das „Hans W,“ gehörte zu den untergeordneten DOrdensburgen und diente als 
Amtshof einem niederen DO. Beamten zum Site. Im Jahre 1507 gehörte e8 zu den 
Schlöffern, deren Bewahrung für den Fall eines Srieges mit Polen unnötig gehalten 
wurde. Ihr Umfang jcheint indeffen doch ziemlich bedeutend gewefen zu jein. Wir 
geben die Skizze nach Giefe Abb. 73. Die beiden Wälle an der zweiten Vorburg V’ 
find noch deutlich erhalten. Die Giefe'fchen Worte lauten: „B. Burg W. nichts 
erhalten. Auf der Stätte fteht jet die Pfarrwohnung. V. Vorburg, wo noch das 
Sundament m umd der Graben. Die Kirche ift jpäter in der Vorburg erbaut, 
V’ zweite Vorburg nördlich mit zwei Wällen fir den augenbliclichen Bedarf.“ 


138 Wargen. 


Die Burg wurde nach 1270 erbaut. Zu Anfange des KVI Ih. bejtand der 
Wargijche Adel aus den Gejchlech- 
tern Gaudeder, Meride, Trand- 
wis, Eyjak, Wargelitten, Tauben- 
heim, Zweiffel, Hirich, Eanit und 
Nöpder. 

Gebauer, Kunde des Samlandes 
102. — W.v. Mitlverjtedt, Bafallen- 
Negijter des Samlands vom %. 1436 in 
N.B.B.B. 1855 VII 183—195. 

Die Kirche it im XIV. I. 
erbaut und 1841 gründlich wieder- 
hergeitellt. Sie war urjprünglich 
ein Ziegelrohbau, ift aber jett 
leider gelb getüncht. Ein das 
Dach des Langhaujes mit feinen 
drei Gejchojfen nicht viel itber- 
ragender Turm mit fupferner 
Spiße; die untere Hälfte mit 
Schiefer gededt; Knopf und 
Wetterfahne von 1695. Nenov. 
1818 mit einem Adler. Bis Ober- 
fante nopf 32,17 m bh. Ein 
an den Turm jich anfchliefendes 
Langhaus (im Lichten 27,62 m 
(.. 9,42 m br.) mit gleichzeitigen 
Strebepfeilern und je einem fpiß- 
bogigen Fenjter zwifchen je zwei 
jpigbogigen Blenden; diefe Blen- 
den Waren urjprünglich geweiht 
und mit darauf gemaltem Maße 
werf verziert. Diejes Mapwerk 
jollte in den jechziger Sahren 
unferes Jahrhunderts Wicderher- 
geitellt werden, ijt aber leider 
nicht ausgeführt. — An das Lang 
haus jchliegt fich der Chor an, 
im 2ichten 13 m [, 6,9 m br, 
der aus dem halben Achte ge- 
jchloffen it. Ebenfalls gleich- 
zeitige Strebepfeiler. Ar dem 
Chor it im ©. die Safrijtei 
zwilchen drei Strebepfeilern ein- 
gebaut. An derjelben Seite am 
Langhaufe die jpäter angebaute VBorhalle Der Anbau im N. des Chores ijt erft 
nach dem Einbauen der Emporen entitanden. 


DI 


l LI 


Grundriß der Kiche zu Wargen. 


74, 


Abb, 


Wargen. 139 


sm Innern geht vom Langhaus aus eine VBadjteinfpindeltreppe in den Turm. 
Das Langhaus beftcht aus vier hohen Jochen mit achtteiligen Sterngewölben, die mit 
Ipätgotifchen Rippen auf fehr niedrig figenden Heinen Sandfteintonfolen aufjegen. Abb. 76. 
Überall, wo die Rippen fich treffen, find treffliche, aus Holz gefehnigte runde Schluf- 
fteine eingefügt. 66. 75. Das Wappen des D. D., der geflügelte Markuslöwe, eine 


Abb. 75. Sclußlteine der Kirche zu Wargen, 


Bärin mit ihren Jungen u. j. w. — Hinter einem fpibbogigen Ihmalen Triumphbogen 
beginnt der Chor: zwei Joche, ein Hauptjoch und ein Nebenjoch, die in gleichen 
SGewölben auf dreiviertelrumdftabförmigen Dienften mit Kapitel und Konfolen anjeten. 
Dann folgt das Gewölbe über dem halben Achte. Der Chor hat noch reicher 
geichnigte Schlußfteine. Abb. 75. Aus dem ‚Chor führt j. eine fpigbogige Thür mit 


140 Wargen. 


darüber gejpanntem Stichbogen in die Sakriftei, einem dreijochigen Kreuzgewölbe, deren 
bienjtabförmige Rippen auf Konfölchen in der Mitte auffegen, mit je drei Blättern 
(Hopfen und Epheu) als Schlußfteine. In der Sakristei in dem durchbrochenen Strebe- 
pfeiler ein jchöner Vorhang aus verblichener Seidenwirkerei. Mittelmäfiger gotijcher 
Beichlag an der Safrifteithir. 

Altar. Die Menfa aus Ziegen. Der Altarauffag ift ein fehönes Werk von 
1672, erneuert 1876. Im der Predella das Abendmahl; Olgemälde. Der Johannes 
ijt ein Porträt des Pfr. Glambek + 1674.) Hauptbild in guter Olmalerei: der 
Kruzifizus mit den zwei Schächern, Johannes und den drei Marien. Darliber die 
Auferjtehung; darüber die Himmelfahrt, beides Olgemälde. Diefe drei Bilder find mit 
Ichönen forinthifchen Säulen (die oberen gewunden) eingefaßt, mit den daneben jtehenden 
in Holz mäßig gefehnigten Figuren der Liebe und Hoffnung und den vier Evangeliften. 
Dazwijchen jchön gefehnigte Fruchtichnüre. Über dem Ganzen der triumphierende 
Ehrijtus. Der Altaraufjah, polychrom bemalt, macht einen jchönen, würdigen Eindrud. 

Die Altargeräte find neu. 

Die jegige Kanzel ift jchon die dritte, 1668 erbaut, und fteht x. am Triumphbogen. 
Von der erjten Kanzel ift ihr Träger der hd. Michael, eine der fehönften mittelalter- 


Abb, 76, Rippenprofil der Kirche zu Wargen. 


lichen Statuen im Samlande, Taf. 4. Die barode Kanzel hat die vier theatralifch 
gehaltenen Evangeliften zwijchen mit Masten gefehmickten Eorinthifchen Säulen auf 
hohen Pojtamenten. Kanzeltreppe mit jchönen Fruchtchnüren. Schalldecel mit dem 
triumphierenden Chriftus; alles in Holz. 

Vor der ©. Seite der Kirche liegt der alte granitne Taufftein in Kelchform; 
die jilb. Taufmuschel von 1724. 

Ein Kronleuchter von Mejjing mit nacdter Mannesgeftalt. Unten daran hängt 
die Infchrift: Michel B. P. €. Beik HAımo 1661. Chriftof I. W. Berk Anno 
1661. — Ein meifing. Kronleuchter im vierten Joch mit Doppeladler und zu beiden 
Seiten eine Kleine Figur mit einem Speer; XVII Ih. 

Gemälde: R. im vierten Joche des Langhaufes oben Pfr. Glambed + 1674. 
sm Chor im erjten Joch r. oben Pfr. ©. E. Julius Ulmer, gem. von Em. Neide 
1884. Pfr. Schepfe 7 1863. Im zweiten Joche r. Pfr. Carolos Nevbeccius 
7 1690. Im erjten Zoche L. Pfr. Schwiederomwius F 1781. Im Schrägfeld des 


') Seine Disputation „De babtismo* in Coel. Mislentae d. p. in repetitionem Corp. Pruten. 
Regiomonti 1624/25. 


Wargen. 141 


Chores I. ein fchönes Ölgemälde von Joh. Huf mit der Gans; ihm Dr geunDer Martin 
Luther mit dem Schwan; beide Bilder wiederhergejtellt 1876. — Im erjten Ioche 
des Chores I. hängt eine Fahne aus Kupferblech in der Medenidjchen Empore mit 
dem Olbildnis des Generalmajor und Obrifter Chrift. Albrecht v. Kanig + 1711, 
mit vielen Wappen. Im erjten Joche des Chores L. ein Epitaph mit zwei Wappen, 
darunter das v. Wallenrodtjche. 

Unter dem Brasnider Chor ruht der la Bürgermeister" (Oberbürger- 
meister) von Königsberg Neindod von Werner 7 1759, ein Vorfahre des Malers 
Anton von Werner. Conrad, Geneal. und borenns Notizen iiber die oftpreuf. Familie 
von Werner, Marienwerder 1889. — Vor dem W. Eingange ein Grabjtein des Albrecht 
von Derfchau, XVII. Ih. — Vor dem ©. Eingange liegen die Grabfteine der Pfr. 
Neubeccius F 1690 und Kunter F 1710. 


Nachrichten über die Kirche in W. 


Gebauer, Kımde de3 Samlands 114. — Lob, K.T.D 613. — Harnod, EC. u. ©. 1890 
79 ff. — Eine jchlechte Gefamtanjicht von W. gez. von Naujchke, lith. von Jacobi. Berl, von 
Voigt und Fernik, Künigsberg. 


WB biffen alle Xefer diefes erften Beftes, uns 


freundlüchlt anzugeben, was wir efwa in Samland über- 


Vehen haben und was wir im weiten Beft als Barhtvag 


bringen könnten. 


Ad. Bortticher, Die Kunjtdenkimäler Oftpreußens. Tafel 1. 


WETTERLLi 


Pohethen Medenau Eilchhaufen 


Lihtöruf von Alb, frifh, Berlin, 


Ad. Boertticher, Die Kunftdenkmäler Oftpreußens. 


Mederau 


Beiligenmwalde 


Tafel 


ID 


Ad. Vartticher, Die Kunjtvenimäler Oftpreugens. Tafel 5. 


Metgethen, Kororo-Ofen 


Lihtörud von Alb. Srifh, Berlin. 


Ad, 


VBortticher, Die Kunjttenkmäler Oftpreußens, 


Wargen, St. MWidjael 


Lichtörud von Alb, Frifh, Berlin, 


Tafel 4.